PS4-TEST: The Witcher 3 – Wild Hunt

von | 12.05.2015 - 16:09 Uhr

Mit weit mehr als 1 Millionen vorbestellten Exemplaren gehört „The Witcher 3: Wild Hunt“ zu den mit am meisten Spannung erwarteten Produktionen des noch jungen Jahres 2015. Dabei standen die Zeichen zuletzt gar nicht so gut für das polnische Entwicklerstudio CD Project RED. Gleich zwei Verschiebungen des Release-Termins und ewig währende Spekulationen über ein Grafik-Downgrade ließen Unkenrufe aufkommen, dass sich CD Project RED vielleicht doch zu viel vorgenommen habe.

Nach unzähligen Stunden und noch vielen auf diesen Test folgenden Abenteuern geben wir in dieser Beziehung Entwarnung: „The Witcher 3: Wild Hunt“ ist wirklich das, was der Titel verspricht. Ein wildes Abenteuer mit Monstern, Helden und dem vielleicht besten Quest-Design der letzten zehn Jahre!

Was wir cool finden

Eine Hexer und seine Geschichte

Geralt ist kein Mann großer Gefühle. Doch er kämpft für seine Familie und besitzt eisenharte Prinzipien. Seine Liebe zu seinem Mündel Ciri und seiner Freundin Yennefer lassen den Hexer schließlich auch auf sein größtes Abenteuer aufbrechen. Im dritten Teil der „The Witcher“-Saga nimmt es Geralt von Riva mit Despoten und der Wilden Jagd auf. Doch vorrangig dreht sich zunächst alles um die verschwundene Ciri.

Wie bei einer großen Schnitzeljagd klaubt ihr im Spielverlauf Informationen über den Verbleib der jungen Kriegerin zusammen und entscheidet dabei selbst, in welche Richtung die Reise geht. Bei mehr als 30 Enden erlebt hier jeder sein ganz individuelles Abenteuer. Eingestreute moralische Entscheidungen säumen euren Weg und bilden das Fundament für eine abwechslungsreiche und stimmungsvolle Reise.

Ein Abenteuer zum Verlieben

Stück für Stück breiten sich die Nördlichen Königreich während der gut 30 Stunden der Kampagne vor euch aus. Gemeinsam mit Geralt von Riva bereist ihr das Niemandsland von Velen, erkundet die Hauptstadt Novigrad und die schroffen Inseln von Skellige. Dazu stattet ihr dem wahnsinnigen Kaiser Emhyr in Wyzima einen Besuch ab und erfroscht natürlich auch die Region um die Hexer-Hochburg Kaer Morhen.

Fünf riesige, teils miteinander verwobene Gebiete voller Gefahren. Und doch eint die Liebe zur den kleinen und großen Geschichten die gigantische Welt von „The Witcher 3: Wild Hunt“. Zu sagen, dass es hier unfassbar viel zu tun gibt, wäre sicherlich untertrieben. Die Qualität der Aufgaben aber herauszustellen, ist im Falle von „The Witcher 3: Wild Hunt“ das einzig Richtige. Keine noch so kleine Aufgabe kommt in diesem Spiel ohne einen stringenten, aufregenden und manchmal auch lustigen roten Faden aus.

Allen voran marschieren sicherlich die Quests des blutigen Barons und von Hexe Keira Metz, die anspruchsvoll und emotional wie in kaum einem anderen Rollenspiel geschrieben wurden. Doch selbst kleine Mini-Jobs wie etwa die „Personen in Not“ – Rettungseinsätze, die kaum länger als zehn Minuten dauern – strotzen vor Liebe zum Abenteuer.

„The Witcher 3: Wild Hunt“ entfernt sich spürbar von allen Rollenspielklischees. Wo andere Titel stupide Sammelaufgaben auffahren, gibt es hier interessante Geschichten. Schuld daran sind nicht zuletzt die starken Charaktere. Besonders die weiblichen Protagonistinnen – egal, ob Ciri, Triss oder Yenn – zeigen den Herren der Schöpfung hier, wo der Hase lang läuft. Diesen Rollenwechsel ist angenehm erfrischend, ohne an der Illusion des Geralt von Riva zu kratzen.

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Monster, Schwerter und die Wilde Jagd

Die Spielwelt strotzt vor Aufgaben. Die Hexeraufträge stechen wahrscheinlich am meisten heraus. In diesen gut 20 Boss-Kämpfen erkundet ihr zunächst mit Geralts Hexersinnen ein Gebiet und überführt so ein Ungeheuer, das in der Region seinen Schabernack treibt.

In den teils durchaus knackigen Schlachten bewährt sich schließlich auch das Kampfsystem. Hier erinnert „The Witcher 3: Wild Hunt“ an eine Mischung aus „Bloodborne“ und „Assassin’s Creed“. Geralt hantiert mit zwei Schwertern: Die Silberklinge für Monster und ein normales Stahlschwert für Menschen oder Tiere. Im Kampf wirkt er erneut fünf magische Zeichen und feuert so beispielsweise Feuer- oder Druckwellen ab. Als Unterstützung dienen ihm im Crafting-Menü herstellbare Tränke, Öle, Bomben oder Absude. Rezepte und Schemata müsst ihr zunächst finden.

Geralts Fähigkeiten steigert ihr auf insgesamt fünf Skill-Trees mit gemeinsam 70 Fertigkeiten. Diese aktiviert ihr mit Hilfe so genannter Mutagene und kreiert so ein aus bis zu zwölf Fähigkeiten und vier Mutagenen bestehendes Fähigkeitennetzwerk. Zwar lassen sich verbrauchte Skill-Punkte nicht zurücksetzen. Die Kombinationen allerdings könnt ihr jederzeit verändern. Kurzum: Das Charaktersystem ist mächtig und erlaubt euch den Bau von typischen RPG-Klassen, ebenso wie interessanter Hybride.

Das Kampfsystem selbst basiert auf einer Mischung aus besagten Zaubern, wuchtigen Extra-Gegenständen und dominantem Schwertkampf. Geralt agiert wieselflink, blockt, kontert und erledigt seine Widersacher auf wunderbar filigrane Art und Weise. Durch verschiedene Defensiv-Taktiken – wie etwa parieren, aus dem Weg rollen oder eine kurze Meidbewegung durchführen – besitzt ihr mehr als ausreichend Möglichkeiten im Kampf. Dazu verfügen alle Widersacher über verschiedene Immunitäten, Stärken und Schwächen. Spätestens in Skellige werdet ihr feststellen, dass „The Witcher 3: Wild Hunt“ auch seine kniffeligen Seiten hat.

Jäger und Sammler

Abseits der Kämpfe erfreut man sich in „The Witcher 3: Wild Hunt“ aber auch an der fortlaufenden Veränderung der Spielwelt und des Protagonisten selbst. Taten haben in diesem Spiel einen globalen Einfluss. Beschimpfen die Menschen Geralt beispielsweise anfangs in Weißgarten, sind sie ihm nach einigen erfolgreichen Monsterjagden plötzlich sehr viel freundlicher gesonnen. Geralt befreit zudem bestimmte Stätten von Banditen oder Kreaturen und macht sie somit für Menschen bewohnbar. So wird das einstmals finstere und feindliche Weißgarten mit der Zeit zu einem (halbwegs) angenehmen Ort.

Damit steigen wir auch schon ganz tief in die Nebenaufgaben von „The Witcher 3: Wild Hunt“ ein. Geralt geht auf Schatzsuche, erkundet den Meeresgrund, vertreibt Bestien, findet Orte der Macht, erforscht Ruinen, zerstört Monsternester – Und ganz nebenbei könnt ihr dabei auch noch eure gefundenen, seltenen Waffen mit Glyphen und Runen aufrüsten, Rüstungen und Waffen anfertigen und natürlich auch immer wieder kritische Entscheidungen treffen. Es steckt derart viel in „The Witcher 3: Wild Hunt“, dass man es einfach über Wochen und Monate spielen kann, nein spielen muss!

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Was wir weniger cool finden

Technische Fehler

Natürlich muss die PS4-Version den direkten Vergleich mit dem PC-Pendant scheuen. „The Witcher 3: Wild Hunt“ ist eines von diesen Spielen, die die aktuelle Hardware ausreizen. Die Playstation 4 zieht in diesem Fall den Kürzeren! Das soll aber noch lange nicht bedeuten, dass es ein hässliches Spiel ist. Trotzdem fallen die vielen kleinen Unzulänglichkeiten immer wieder ins Auge.

Die Vegetation beispielsweise wirkt vielerorts grob und pixelig. An Felsformationen tauchen immer wieder Matschtexturen auf. Gelegentlich werden die Oberflächen außerdem zu spät nachgeladen. Hinzu kommen die bei Open-World-Rollenspielen so beliebten Clipping-Fehler. Es vergeht kaum eine Spielminute, wo nicht ein Objekt ins andere hineinragt.

Bei allzu heftigem Gegneraufkommen nerven zudem kleinere Einbrüche der Bildrate. Unspielbar war „The Witcher 4: Wild Hunt“ zu keinem Zeitpunkt. Auffällig waren die Technik-Probleme aber dennoch.

Steuerungsprobleme

Einher mit der keuchenden Playstation 4 geht leider auch das eine oder andere Navigationsproblem. Geralt reagiert beim normalen Erkunden der Umgebung leicht verzögert. Benutzbare Gegenstände wollen oftmals millimetergenau angeklickt werden. Das führt zu einem lustigen Eiertanz um den Kontrollpunkt und heftigem Button-Mashing, damit es endlich weitergeht.

Beim Erklimmen von Felsformationen oder den wenigen Sprung- und Kletterpassagen im Spiel bangt der Hexer daher immer wieder um sein Leben. Abstürze verkraftet der gute Geralt nämlich alles andere als gut. Bereits bei einem kleinen Fall in die Tiefe erleidet Geralt leichte bis mittlere Verletzungen. Mit Monstern kommt das Weißhaar hervorragend klar. Der wahre Feind ist die Höhe.

Unübersichtliche Menüs

Der vielleicht größte Rollenspiel-Kritikpunkt an „The Witcher 3: Wild Hunt“ ist allerdings das unübersichtlicher und überaus unkomfortable Inventar. Besonders der Bildschirm „Alchemie und Handwerk“ sieht nach einiger Zeit aus wie ein Warenlager. Hier mangelt es einfach an Sortier- und Filterfunktionen. Das Spiel erschlägt einen förmlich mit der Masse an Objekten.

Wir vermissten zudem eine Truhe oder eine Kiste, in der man liebgewonnene Waffen, Trophäen oder Rüstungsgegenstände ablegen kann. Stattdessen schleppt Geralt stets sein gesamtes Hab und Gut mit sich herum. Mehr Komfort wäre an dieser Stelle wünschenswert gewesen. Auch die Details zu einzelnen Objekten hätten besser präsentiert werden können. So macht das Item-Management nur begrenzt Spaß und fühlt sich eher wie eine lästige Pflicht an.

System: Playstation 4

Vertrieb: Bandai Namco Entertainment

Entwickler: CD Project RED

Releasedatum: 19. Mai 2015

USK: ab 18

Offizielle Homepage: http://thewitcher.com/

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