Review

Test: Dishonored 2 – Die cleverste Versuchung seit es Stealth-Games gibt!

von OB | 16.11.2016 - 19:56 Uhr
Platform
PlayStation 4
Developer
Arkane Studios
Publisher
Bethesda
Release
11. November 2016
9.0

Ein durchgeladenes Sturmgewehr ist nicht immer alles. In den vergangenen Monaten und Jahren entwickelte sich eine lebhafte Stealth-Szene, die Leisetretern eine Plattform bot. Die „Hitman“-Serie wurde im modernen Episodenformat zu neuem Leben erweckt. „Deus Ex: Mankind Divided“ gönnt euch trotz Augmentierungen die Wahl, ob ihr schleichen oder ballern möchtet. Und selbst in „Watch Dogs 2“ macht es meist mehr Sinn, sich nicht erwischen zu lassen und stattdessen lieber auf die Gadgets zu setzen. Doch die Kröne der Stealth-Schöpfung stellt in diesem Jahr zweifellos „Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske“ dar. Entwickler Arkane Studios baut auf den Stärken des 2012 veröffentlichten Vorgängers auf und entführt euch in das vielleicht spannendste Schleichabenteuer dieses Winters.

Was wir gut finden

Noch schöner als Dunwall

Ihr startet eure Reise in Dunwall. Dort regiert Emily Kaldwin als Kaiserin mit ihrem Vater und Beschützer Corvo Attano an ihrer Seite. Doch nur wenige Minuten nach dem Spielstart taucht ihr Tante Delilah auf und probt den Aufstand. Sie übernimmt die Macht und ihr steht vor der ersten Entscheidung: Wen möchtet ihr für diesen Durchlauf spielen – Emily oder Corvo? Habt ihr die Wahl getroffen, könnt ihr sie nicht mehr rückgängig machen. Die Missionen selbst unterscheiden sich durch die Entscheidung nicht voneinander. Lediglich einige Dialogzeilen wurden entsprechend angepasst.

Schleichen mit Finesse

Nur in der ersten Mission seid ihr in dem aus dem Vorgänger bekannten Dunwall unterwegs. Ab Kapitel 2 bereist ihr die Küstenstadt Karnaca. Im Vergleich zu Dunwall wirkt sie heller und deutlich lebendiger. Überall trefft ihr auf Bewohner, die über ihr eigenen Probleme oder gar über eure Aktionen sprechen. „Dishonored 2“ setzt weiterhin auf den „Gemälde“-Grafikstil seines Vorgängers, doch die Gebäude- und Level-Architektur erweist sich als weitaus komplexer. Es gibt mehr Dächer, mehr versteckte Passagen und mehr schmale Gassen.

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Dazu beweist Arkane einmal mehr sein Fingerspitzengefühl in Bezug auf einzigartige Missionen. Allein das Maschinenhaus gehört mit zum schönsten und innovativsten, was man in der jüngeren Vergangenheit gesehen hat. Im späteren Verlauf gibt es sogar einen Abschnitt, in dem ihr die Zeit manipulieren könnt. „Dishonored 2“ kombiniert seinen künstlerischen Look mit einzigartigen Schauplätzen.

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Zwei Helden, tausende Talente

Doch genauso wichtig wie die abwechslungsreichen Settings sind letztlich die Fähigkeiten der beiden Helden. Emily und Corvo besitzen individuelle Skill-Sets, die ihr erneut mit Hilfe von gefundenen Runen aufrüsten könnt. Dazu verpasst ihr eurem Schützling mit Knochenartefakten passive Zusatzfertigkeiten. Corvo auf der einen Seite spielt sich sehr ähnlich wie im Vorgänger. Ihr beamt euch also von einem Ort zum nächsten oder fertigt Widersacher im Zeitlupenmodus ab.

Für Besitzer des ersten Teils ist daher sicherlich Emily interessanter. Sie kann sich ebenfalls mit einer Art magischem Greifhaken teleportieren, besitzt aber mit dem Schattengang auch eine Möglichkeit, um nahezu unbemerkt durch die Areale zu schleichen. Als besonders praktisch haben sich der Doppelgänger und der Dominoeffekt herausgestellt.

Die größte Herausforderung liegt nun darin, die eigenen Kräfte zu erforschen. Die Aktionen lassen sich nämlich prima miteinander kombinieren und bieten gemeinsam mit den „konventionellen“ Waffen wie Armbrust, Granaten und Minen sehr viele Möglichkeiten.

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Ungeahnte Freiheiten

Letztlich macht genau diese Freiheit den Reiz von „Dishonored 2“ aus. Ihr entscheidet selbst darüber, wie ihr Missionen angeht. Die Gegner-KI ist hellwach und reagiert prompt. Entsprechend ist aggressives Vorgehen meist nur die zweite Wahl. Das Ausspionieren der Gebiete und das geschickte Kontern oder Aushebeln der feindlichen Übermacht bedeutet pure Befriedigung und ist genau das, was ein Stealth-Spiel wie „Dishonored 2“ auszeichnen sollte.

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Es macht ungemein Spaß, die Wechselwirkungen der Kräfte und Waffen auszuprobieren. Wer hätte beispielsweise geahnt, dass man den Doppelgänger auch zum Abdämpfen von Stürzen benutzen könnte? Oder dass man mit Chloroformgläsern Blutfliegen und Wachleute betäuben kann? Die Architektur der Areale unterstreicht die Fülle an Möglichkeiten noch einmal und verwandelt jede einzelne Mission in einen spannenden Nervenkrieg, der gerne mal zwischen Leisetreterei und Blutbad mäandert.

Was wir schlecht finden

Anfangs zu schwer, später etwas zu leicht

Wenn „Dishonored 2“ so etwas wie klare Schwächen besitzt ,dann entdeckt man diese erst nach etlichen Stunden. Anfangs fordert einen die Gegner-KI ordentlich und schüttelt einen mitunter mächtig durch. Die Schnellspeicher- und Schnelllade-Funktion ist in vielen Fällen euer bester Freund. Das Verhalten der Wachleute ist erstklassig. Die Burschen reagieren blitzschnell und gehen verdächtigen Geräuschen geschwind nach. Mit der Zeit aber gewöhnt man sich an deren Cleverness und kann diese mit Hilfe der vielen freischaltbaren Talente kontern. „Dishonored 2“ wird nie so leicht wie sein Vorgänger, doch das Balancing ist weiterhin nicht perfekt.

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Technische Probleme

Leider wird der optische Hochgenuss, den „Dishonored 2“ bietet, immer wieder durch hässliche Grafik-Bugs unterbrochen. Dass die herumfliegenden Körperteile gelegentlich mal in der Umgebung stecken bleiben, ist das kleinste Problem. Wir haben im Test trotz massivem 9 GigaByte-Day-One-Patch etliche Fehler entdeckt. An einer Stelle ragten sogar die Köpfe von Wolfshunden durch eine noch geschlossene Tür und konnten so fachgerecht, aber hinterlistig entsorgt werden. Wir hoffen, dass Arkane in den kommenden Wochen noch weiter an dieser Baustelle arbeitet.

9.0
Pro
  • genialer Grafikstil
  • große spielerische Freiheit
  • komplexes und forderndes Talentsystem
Contra
  • kleinere Grafikschwächen
  • Probleme beim Balancing
  • mitunter fummelige Menüs

Wertung und Fazit

Test: Dishonored 2 – Die cleverste Versuchung seit es Stealth-Games gibt!

Arkane Studios hat es geschafft! Aus dem bereits sehr guten Erstlingswerk ist ein herausragender Nachfolger erwachsen. „Dishonored 2“ baut überdeutlich auf den Stärken seines Vorgängers auf und beseitigt gleichzeitig dessen größten Schwächen. Heraus kommt ein spannendes und vor allem erstklassig inszeniertes Stealth-Abenteuer mit ganz vielen Freiheiten. Natürlich ist anfangs ein bisschen Ausdauer gefragt, denn die Gegner-KI hat es wirklich in sich. „Dishonored 2“ ist vergleichsweise komplex, belohnt Ideenreichtum aber mit tollen Momenten und vielen Überraschungen. Die verschiedenen Talente der beiden Helden sorgen nicht nur dafür, dass sie sich deutlich von einander unterscheiden. Sie garantieren auch ein gänzlich anderes Spielerlebnis beim zweiten Durchgang. Durch verschiedene Enden und dem Chaosfaktor entsteht ein erstaunlich hoher Wiederspielwert, den viele andere Titel nicht aufweisen. „Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske“ tritt einen wahren Siegeszug an und gehört in jede gute Spielesammlung.

Reviews

Kommentare

  1. Nnoo1987 sagt:

    Anwärter für Game of the Year
    Endlich wieder ein guter Singleplayer *_*

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  2. E4tThiZz_Z sagt:

    Für mich game of the year 🙂

    @ Play3: Das Wort "Kröne" existiert nicht 😉
    (Doch die Kröne der Stealth-Schöpfung stellt in diesem Jahr zweifellos...)

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  3. SGE-F sagt:

    Echt lohnt sich das??? Wirklich so gut das Spiel???

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  4. 16bitCupcake sagt:

    Stealth gut etc...Alles schön und gut.
    Aber der input lag bei dem Game ist die Hölle.
    Das fühlt sich so eckelhaft schwammig an.
    Noch schlimmer als bei Tomb Raider anfangs ( was mittlerweile Hammer input lag hat ).
    Ich warte erst auf einen Patch, bis ich weiter spiele.

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  5. Farfan20 sagt:

    Bei mir stürzt das Spiel auf der PS4 Pro nach der vierten Mission nur noch ab sobald ich es lade. Hab neu installiert, verschiedene saves probiert, fu Bugthesda.

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  6. Ridgewalker sagt:

    Was ist ein Hammer input lag? Verstehe nicht, ob es einen hohen (negativ) oder einen kurzen (positiv) input lag gemeint ist? Bezogen zu TR.

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  7. spider2000 sagt:

    die pc version soll ja noch schlimmer sein, ich warte erst mal bis die nächsten updates kommen, erst dann wird es gespielt.

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  8. His0ka sagt:

    spiele auf PC mit ner 1080 und i7, game rockt derbe ...für mich goty so far!

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  9. flikflak sagt:

    Und dann hat es schon ein Day-1-Update von 9GB.....irgendwann sind die Updates grösser als die die Standard-Installdatei..

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  10. INFIZIERT sagt:

    @16bitCupcake

    Hast du denn bei deinem tv den spiele modus an?
    Und was macht dein tv für einen input lag???

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  11. Nightcryer sagt:

    Habt ihr auch in der fünften Mission den Todes Bug? Sobald ich die Maschine einschalte und Breanna die Magie entziehe stirbt eine der anderen Hexen auf mysteriöse Weise. Hatte sie sogar schon bis zum Boot getragen und dann erst mit Breanna die Maschine eingeschaltet. Dennoch tot. Ätzend da man dadurch die Trophy "Saubere Hände" (Niemanden im Spiel töten) nicht erhält.

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  12. 16bitCupcake sagt:

    @infiziert
    20ms also alles gut.
    Gibt es wirklich noch Leute die den Spielemodus nicht anmachen ? Ach komm 😉

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  13. INFIZIERT sagt:

    Glaub mal, viele Leute wissen nicht einmal das die meisten Fernseher einen Spielemodus haben xD

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  14. Cult_Society sagt:

    Ich habe ihn nicht an trotzdem alles gut !

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  15. Shezzo sagt:

    Ich habe jetzt die ersten 2 Kapitel gezockt und finde es echt sehr schön. Besonders die Atmo knallt einen direkt in der ersten Stadt schon wiedee total um. Bis FF15 kommt aufjeden noch bissel zu tun 🙂

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  16. Twisted M_fan sagt:

    Habs mir Gestern auch gegönnt und ist echt klasse das spiel bis jetzt.Auf der Pro spielt es sich wie butter und es sieht hammer aus.

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  17. SebbiX sagt:

    Fand den ersten Teil maßlos überbewertet. Aber dank dem positiven Feedback hier überleg ixh es mir echt zu holen

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  18. VisionarY sagt:

    finde teil1 genau wie teil 2 überbewertet. liegt vielleicht auch daran das ich auf fordernde spiele stehe und keine spiele mag die einen nach 2 Missionen derartig overpowered machen dass jemand ohne Arme und Augen das spiel sogar durchspielen könnte...
    nichts für mich.

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