Review

Guardians of the Galaxy – The Telltale Series im Test: Durchwachsener Auftakt

von MK | 28.04.2017 - 10:33 Uhr
Platform
PlayStation 4 Pro
Developer
Telltale Games
Publisher
Telltale Games
Release
18. April 2017
7.0

Für einen frischen Wind bieten sich die ungewöhnlichen Helden von Guardians of the Galaxy als frische Vorlage gerade zu an. Stilistisch rund, ist die meiste Arbeit bereits durch die Comics und Filme erledigt. Das hebt andererseits aber natürlich auch die Erwartungshaltung. Immerhin sollte das Spiel nicht nur einen vergleichbaren Unterhaltungswert bieten, sondern dem qualitativen Anspruch des Themas genügen. Ob das bei „Marvel’s Guardians of the Galaxy – The Telltale Series“ der Fall ist, verrät der Test.

Starlord und der Mann hinter der Maske

Peter Quill, in manchen Ecken des Universums auch als Starlord bekannt, ist Teil einer recht außergewöhnlichen Gruppe von Helden. Diese besteht aus einem linguistisch eingeschränkten Baumwesen namens Groot, dem emotional ungestümen Waschbär Rocket, der idealistischen Kriegerin Gamora und Drax. Letzterer vereint pure Logik mit dem Herz eines Kriegers, wodurch er eine großartige Kampfmaschine aber auch oftmals unfreiwillig komisch ist. Gemeinsam reist dieser bunte Haufen durch die Galaxy und bekämpft das Böse. Stets mit einem Fuß in der Kriminalität.

Guardians of the Galaxy - The Telltale Series - Review - Test - 01

Was wir gut finden

Das soziale Zwischenspiel der Akteure, das quasi das Fundament von Guardians of the Galaxy darstellt, funktioniert auch im Spiel. Die Charakterzüge der einzelnen Figuren sind ähnlich zugespitzt und überzeichnet, wie ihr es vielleicht aus dem ersten Film kennt. Zusätzlich bekommt ihr Einblicke in ihre Psyche aus neuen Perspektiven. So erfahrt ihr in „Guardians of the Galaxy – The Telltale Series“ mehr über Peters Vergangenheit und die Beziehung zu seiner Mutter oder auch, wie Gamora zu ihrer Schwester steht.

Guardians of the Galaxy - The Telltale Series - Review - Test - 02

Da aktuell Guardians of the Galaxy 2 im Kino läuft, ist die Optik der Darsteller schon recht deutlich geprägt. Telltale Games schaffen es trotzdem, eine eigene Version zu etablieren, die sich grundsätzlich am gleichen Farbeschema wie die Filme orientiert. Eine gewisse Ähnlichkeit ist vor allem zu den Figuren von „Disney Infinity“ erkennbar, doch die Darstellung von Telltale steht auch schön für sich.

Mögt ihr Quicktime-Events und einfache „Point and Click“-Rätsel bietet euch „Guardians of the Galaxy – The Telltale Series“ eventuell genau die richtige Dosis an Spielmechaniken. Die meiste Zeit wählt ihr die Antworten für Starlord aus, wodurch ihr einerseits den Verlauf der Handlung, als auch die Beziehung zwischen den Figuren verändert. Wie „The Walking Dead“ bereits zeigte, können sich eure Entscheidungen auch über viele Episoden hinaus auswirken. Wie weit es im Fall von „Guardians of the Galaxy: The Telltale Series“ reicht, ist natürlich aktuell nur abschätzbar.

Einer der Gründe, warum der Film Guardians of the Galaxy so einschlägt, ist sicher auch der Soundtrack. Das berühmte Mixtape voller funky Hits der 80er-Jahre ist mitverantwortlich für den charmanten Style des Films. Bereits im Hauptmenü von „Guardians of the Galaxy – The Telltale Series“ setzt das Spiel hier an und legt euch direkt ein Lied auf, das euch genau die Stimmung des Films vermittelt. Auch der Rest der Episode bringt euer Bein immer mal wieder zum wippen und zeigt, dass dieser Aspekt auch den Entwicklern wichtig ist.

Guardians of the Galaxy - The Telltale Series - Review - Test - 03

Die Vertonung der Charaktere ist ebenfalls ordentlich. Die Stimmen der Figuren sind wie auch in allen anderen Telltale-Spielen zwar nur auf Englisch verfügbar, dafür aber richtig gut eingesprochen und passen wunderbar zu den Figuren. Nolan North, den ihr vermutlich unter anderem als Stimme von Nathan Drake kennt, spricht Rocket. Und das passt immerhin fast so gut wie Bradley Cooper, der den wilden Fellknäuel im Film spricht. Die Untertitel sind angenehm lesbar, sorgen andererseits aber dafür, dass ihr möglicherweise auch mal ein Quicktime-Event verpasst. Momente wie diese sind allerdings selten.

Was wir schlecht finden

Von kleineren Feinheiten abgesehen, gilt mittlerweile: Kennt ihr ein Telltale-Spiel, kennt ihr alle. Minecraft, Batman oder Game of Thrones – egal, um welches Thema es sich handelt, in den Adaptionen von Telltale folgt ihr immer dem gleichen Rhythmus. Dialoge, kurze Quicktime-Events und kleine Abschnitte, in denen ihr ein paar Meter lauft führen euch durch die Handlung. Dieses Prinzip funktioniert durchaus und zeigt sich für ein paar eindrucksvolle Spielmomente verantwortlich.

Spielspaß vom Fließband

Habt ihr aber bereits mehrere Telltale-Spiele hinter euch, zeigt die Formel vermutlich Ermüdungserscheinungen. Und im Fall von Guardians of the Galaxy erreicht der Umfang eurer Tätigkeiten einen neuen Tiefpunkt. Die Spielmechaniken ab hier noch weiter zu reduzieren, käme dem Schritt zu digitalen Comics gleich, bei denen ihr per Tastendruck umblättert. Harte Worte, die aber auch einmal zum Ausdruck kommen müssen. Immerhin tritt das Studio gefühlt seit drei Spielen in Sachen Mechanik auf der Strecke.

Guardians of the Galaxy - The Telltale Series - Review - Test - 04

Allem Unterhaltungswert zum Trotz bewegt sich die Rezeptur für „Guardians of the Galaxy – The Telltale Series“ nahe an der Grenze zum interaktiven Film. Dass der Umfang der ersten Episode obendrein äußerst kurz geraten ist, kommt erschwerend hinzu. Das ist selbst im direkten Vergleich zu anderen Telltale-Spielen einfach ganz schön wenig. Gerade, wenn die Handlung richtig losgeht, erscheint auch schon der Abspann. Und das ist besonders deshalb schade, weil die Geschichte richtig spannend ist.

Auch die Gestaltung von „Guardians of the Galaxy – The Telltale Series“ punktet nicht gerade durch eine aufwändige Produktion. So charmant die Charaktere sind, so steril und karg wirken viele der gezeigten Szenen. Beispielsweise besucht ihr einmal in eine Bar, die ebenso gut ein Kostümball zu Halloween sein könnte. Hier spiegelt kaum etwas den Charme wider, den die Comics und Filme vorleben. Bei einer derart schillernden Vorlage, die vor Stil nur so tropft, sollten einfach alle Eindrücke aus einem Guss sein und das zur Verfügung stehende Potential genutzt werden. Das schafft „Guardians of the Galaxy – The Telltale Series“ zwar akustisch, bleibt visuell allerdings nur auf mittelmäßigem Niveau.

7.0
Pro
  • charmante und eigene Darstellung der Figuren
  • interessante Einblicke in die Hintergrundgeschichte
  • spannende Handlung
  • passender 80er-Jahre-Soundtrack
  • tolle Synchronsprecher
Contra
  • Abnutzung der Spielmechaniken
  • wenig Aktion durch Spieler
  • geringer Umfang
  • Potential der Vorlage visuell nicht genutzt

Wertung und Fazit

Guardians of the Galaxy – The Telltale Series im Test: Durchwachsener Auftakt

Ja, bei ca. sechs Euro pro Folge, sind jeweils zwei Stunden Spielzeit irgendwie in Ordnung. Ein unbefriedigendes Gefühl hinterlässt die erste Episode von "Guardians of the Galaxy - The Telltale Series" dennoch. Sowohl inhaltlich, als auch spielerisch wirkt die Handlung ein wenig zu kompakt und gleicht damit eher einem knackigen Intro.

Das hat allerdings schon einen gewissen Unterhaltungswert, der mit mehr Liebe zum Detail aber auch noch größer sein könnte. Bei einer Vorlage wie Guardians of the Galaxy sollte stilistisch einfach mehr drin sein, als die Charaktere und die Musik zu adaptieren. Diese Aspekte sind gelungen, wiegen allerdings nicht die atmosphärischen und spielerischen Defizite auf.

Mögt ihr die Formel der Telltale-Spiele so, wie sie ist und stört euch nicht daran, dass ihr die Handlung hier meist passiv verfolgt, wiegen manche der Kritikpunkte vermutlich weniger für euch. Doch bei aller Liebe zu Tradition und Beständigkeit ist es an der Zeit, der Rezeptur ein paar neue Zutaten beizumischen. Immerhin zeigt "Tales from the Borderlands", zu wie viel Kreativität das Studio eigentlich im Stande ist. Unterm Strich ist "Guardians of the Galaxy - The Telltale Series" ein durchschnittliches Telltale-Spiel, bleibt aber unter den Erwartungen, die aufgrund der Vorlage entstehen.

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