Review

The Inpatient im Test: VR-Grusel mit Schwächen

von OB | 29.01.2018 - 19:35 Uhr
Platform
PlayStation 4 (nur mit PlayStation VR)
Developer
Supermassive Games
Publisher
Sony Computer Entertainment
Release
25. Januar 2018
6.5

Winter scheint die perfekte Jahreszeit für Horrorgames. Im Januar 2017 veröffentlichte Capcom mit „Resident Evil 7“ das vielleicht beste Grusel-Abenteuer und zeigte, wie das Konzept der virtuellen Angst durch die PlayStation VR optimiert werden kann. Supermassive Games folgt diesem Ruf und bringt „The Inpatient“ – das Prequel zum Grusel-Abenteuer „Until Dawn“ – exklusiv für PlayStation VR. Doch an die Erfolge des Vorgängers kann die Fortsetzung leider nicht anknüpfen.

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Was wir gut finden

In der Anstalt

„The Inpatient“ spielt gerade in der Anfangsphase seine ganze Atmosphäre auf. Nachdem ihr euch einen Spielcharakter ausgesucht habt, verschlägt es euch zurück in das Blackwood Sanatorium. Diese Anstalt nimmt ja in „Until Dawn“ eine nicht unerhebliche Rolle ein. In den ersten Minuten befindet ihr euch in einem Untersuchungsraum, in dem ein Doktor auf euch einredet. Die Diagnose: Amnesie. Die Spielfigur weiß nicht, wer sie ist und warum sie sich in Blackwood befindet.

Spannender VR-Grusel, aber leider von zu kurzer Dauer!

Zu Beginn lernt ihr vor allem die Klapse und ihre Abläufe selbst kennen. Doch bei Nacht plagen euren Charakter schlimme Albträume. Spätestens zu diesem Zeitpunkt schreckt ihr unter der PlayStation VR mehrfach zusammen. Im Gegensatz zum Rest des Spiels geizt „The Inpatient“ in diesen Momenten nicht mit Jumpscares, verliert dadurch aber auch seine intensive Atmosphäre.

Kurz darauf aber wechselt das Spieltempo und die Grundstimmung. Menschen verschwinden, die Anstalt ist plötzlich leer und die Insassen plagt der Hunger. Ab dieser Phase zerfällt das Spiel leicht und darunter leidet auch die Spannung. Grundsätzlich aber besitzt „The Inpatient“ durchaus all das, was sich Grusel-Fans von einem VR-Spiel erwarten.

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Qual der Wahl

Der Vorgänger „Until Dawn“ zeichnete sich vor allem durch seine Entscheidungsfreiheiten aus. In dem Teenie-Horror-Spiel verwandelt ihr euch – bis zu einem gewissen Maße – in den Regisseur eines Film. Das liegt nicht zuletzt an den gut dargestellten, wenn auch nicht immer sympathischen Nebenfiguren. „The Inpatient“ fällt im Vergleich weniger anspruchsvoll, integriert aber ein sehr ähnliches System inklusive Schmetterlingseffekt. Trefft ihr also in den Dialogen die richtige Wahl, flattern die lustigen Insekten über den Bildschirm. Aufgrund des weniger interessanten Charakterdesigns fühlen sich die Konsequenzen jedoch nicht so wuchtig an wie in „Until Dawn“. Allerdings lohnt sich bei „The Inpatient“ trotzdem ein zweites Durchspielen. Nicht nur, weil ihr dann mit den Antworten experimentieren könnt, sondern weil es zusätzliche Dialogoptionen abhängig vom Geschlecht eurer Spielfigur gibt.

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Gelungene VR-Umsetzung

Überhaupt bemüht sich Supermassive Games mit „The Inpatient“ redlich, das Beste aus den Möglichkeiten herauszuholen. Grafisch ist das Spiel absolut erstklassig und gerade in den Nahaufnahmen sieht man die Fortschritte, die die Technik in den vergangenen Jahren seit „Until Dawn“ gemacht hat. Das Spieltempo erweist sich als angenehm gemütlich, wodurch weder Hektik noch VR-Übelkeit aufkommt. Neben dem gelungenen Sounddesign verdient sich das Spiel zudem ein Lob für die integrierte Spracherkennung. Habt ihr keine Lust, die Dialogoptionen auszuwählen, könnt ihr sie einfach vorlesen. Das mag zwar zunächst merkwürdig erscheinen, erleichtert aber das Eintauchen in die finstere Welt des Blackwood Sanatoriums.

Was wir schlecht finden

Kurz, aber teuer

„The Inpatient“ teilt eine Schwäche mit vielen anderen VR-Spielen: Es ist mit zwei bis drei Stunden Spielzeit vergleichsweise kurz. Bei einem Preis von 40 Euro scheint das allzu knapp. Auch „Until Dawn“ war kein umfangreiches Spiel, bot aber aufgrund der Entscheidungsmöglichkeiten und den damit verbundenen Experimenten mehr Wiederspielwert. Bei „The Inpatient“ fällt das Interesse an einer zweiten Runde etwas kleiner aus: Die Nebencharaktere überzeugen leider nicht. Daher entsteht keine emotionale Verbindung und dadurch schwindet das Interesse an deren Schicksal.

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Arg anspruchslos

Spielerisch gibt sich „The Inpatient“ leider betont anspruchslos. Erwartet keine kniffeligen Rätsel oder gar packende Actionpassagen. Die meiste Zeit seid ihr damit beschäftigt, einzelne Gebiete zu untersuchen und die nächste Tür zu finden. Angesichts der gelungenen Atmosphäre und der durch VR bedingten Einschränkungen sind diese Probleme verschmerzbar, aber trotzdem vorhanden.

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Kontrollverlust

Trotz der gelungenen VR-Funktionen krankt „The Inpatient“ vor allem am Handling. Dabei lässt euch das Spiel die Wahl zwischen zwei Move-Controllern und PS4-Gamepad. Greift ihr zur Move, habt ihr zusätzliche Optionen. Mit den virtuellen Händen interagiert ihr direkt mit der Umgebung. Dadurch entsteht die bessere Illusion eines Anstaltsinsassen und ein etwas unmittelbareres Gefühl für die Spielwelt. Zugleich aber ist die Steuerung unnötig kompliziert und erlaubt etwa nicht das Rückwärtsgehen. Wollt ihr also wieder zurück, müsst ihr euch gleich mehrfach drehen.

Beim Gamepad dagegen funktioniert die Navigation besser und ihr habt die Wahl, ob ihr euch frei bewegen möchtet. Allerdings ist die Steuerung auch hier nicht perfekt und vor allem, dass man die Taschenlampe mit Hilfe der Bewegungssensoren kontrolliert, wirkt aufgesetzt und unnötig umständlich.

6.5
Pro
  • technisch gelungen
  • teils sehr gute Atmosphäre
  • spannende Ideen für PlayStation VR
Contra
  • sehr kurz
  • spielerisch arg dünn
  • suboptimale Steuerung

Wertung und Fazit

The Inpatient im Test: VR-Grusel mit Schwächen

„The Inpatient“ kann leider „Until Dawn“ nicht das Wasser reichen. Zwar überzeugt gerade in der Anfangsphase des Spiels die Stimmung, später jedoch verliert sich das Anstaltsabenteuer und krankt nicht zuletzt an dem dünnen Drehbuch, den fehlenden spielerischen Möglichkeiten und kleineren Designschwächen. So besitzt das Grusel-Adventure zwar trotz allem seine Stärken, jedoch solltet ihr euch überlegen, ob ihr 40 Euro für einen Titel ausgebt, der mit zwei bis drei Stunden vergleichsweise schnell durchgezockt ist. „The Inpatient“ bleibt somit eher ein Liebhabertitel für „Until Dawn“- und PlayStation-VR-Fans, die mal wieder etwas Hochglanzabwechslung brauchen. Denn technisch gehört Supermassives Horrorvergnügen zu den stärksten Titeln für die VR-Brille.

Reviews

Kommentare

  1. Weeb sagt:

    Schade, dass es wohl nicht so gut ist, wird dann wohl irgendwann mal sehr günstig geholt.

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  2. Bloodgod2001 sagt:

    Im sale zuschlagen!

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  3. S3pp3 sagt:

    "Zugleich aber ist die Steuerung unnötig kompliziert und erlaubt etwa nicht das Rückwärtsgehen. Wollt ihr also wieder zurück, müsst ihr euch gleich mehrfach drehen."

    Das stimmt schlichtweg nicht. Habt ihr das Tutorial übersprungen? Rechte hand hinter den rücken plus move taste = 180 Grad Drehung

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  4. xjohndoex86 sagt:

    Dann lieber zu Hidden Agenda von Supermassive greifen. Das geht zwar auch nur 1-2 Stunden kostet aber such nur die Hälfte UND hat Wiederspielwert.

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  5. UschiMcGregor sagt:

    Ist mit VR dennoch sicher gruselig genug.

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  6. Intoxic sagt:

    @S§pp3 eine 180° Grade Wende ist das das gleiche wie Rückwärts gehen.

    Ich werde warten bis es unter 20€ kostet oder tauschen.

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  7. smirnoff sagt:

    Es wird auch nicht auf den Wiederspielwert eingegangen.
    Alles was man macht bzw. wofür man sich entscheidet hat Auswirkungen (wie bei Until Dawn).
    Selbst am Anfang die Entscheidung für einen männlichen oder weiblichen Charakter, hat Auswirkungen darauf wie die anderen auf einen Reagieren.

    Das Spiel hat definitiv seine Schwächen aber es kostet ja auch weniger als ein Vollpreistitel und wenn ihr das Spiel schon testet, dann bitte richtig.

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  8. S3pp3 sagt:

    @ intoxic
    Das ist ja genau was ich sagen will. Man kann eben schon unkompliziert zurück gehen, nicht wie es im Artikel steht.

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