Review

TEST: Beyond: Two Souls – Die Geister, die ich rief …

von Olaf Bleich | 08.10.2013 - 17:00 Uhr
7.0

Interaktiver Film oder geniales Stück Software? Wenn Quantic Dream ein Spiel auf den Markt bringen, dann herrscht inzwischen ein ähnlicher Hype wie bei Blockbuster-Titeln wie „GTA V“. Denn was Chef-Produzent David Cage anfasst, das wird zumindest anders und neu.

Und genau deshalb ist auch „Beyond: Two Souls“ so heiß erwartet. Aber ob es die Vorschusslorbeeren als Kunst- und Meisterwerk wirklich verdient hat, das wage ich nach rund zehn Stunden mit Jodie und Aiden doch leicht zu bezweifeln.

Was wir gut finden

Eine zerrissene Heldin und ihre Existenz
In „Beyond: Two Souls“ steuert ihr Jodie Holmes. Die von Ellen Page gespielte Protagonistin ist allerdings keine normale junge Frau. Sie besitzt paranormale Fähigkeiten und ist über eine Art Schnur mit dem Geisterwesen Aiden verbunden. Die Geschichte von „Beyond“ ist unterteilt in 26 Kapitel, die Jodie zu verschiedenen Zeiten ihres Lebens zeigen.

Ihr erlebt Jodie als kleines Mädchen. Ihre Schwierigkeiten, als normales Kind zu leben. Ihre Probleme mit ihren Adoptiveltern. Ihr seht auch, wie sie in die Obhut von Dr. Nathan Dawkins – gespielt von Willem Dafoe – und Cole Freeman gegeben wird. Ihr erlebt sie als bockigen Teenager, der den Laboren entkommen und endlich ein eigenes Leben haben will. Und schließlich als CIA-Agentin in der Ausbildung, in Somalia und später in anderen Einsatzgebieten.

Während der rund acht bis zehn Stunden Spielzeit macht Jodie aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Ist sie anfangs noch ein scheues kleines Mädchen, das geradezu stoisch und kalt in die Welt hinausblickt, verändert sie sich mit den Jahren zu einer starken und gleichermaßen eigenwilligen Frau. Dabei lässt sie ihren Emotionen freien Lauf. Ellen Page weint, schimpft und schreit, was die Lungenflügel hergeben.

Trotzdem macht diese Emotionalität und die immer wieder auftretenden Rückschläge Jodie zu einer sympathischen Heldin wider Willen. Ihr Verbundenheit mit Aiden ist Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite ist Aiden ihr ständiger Begleiter, er schützt sie und ist da, wenn sie alleine ist. Auf der anderen Seite ist Aiden aber auch egoistisch, wütend und rachsüchtig. Warum die Existenz so reagiert, stellt sich erst im Spielverlauf heraus und wird wirklich erst in den letzten Minuten des Spiels aufgeschlüsselt.

Die übrigen Charaktere spielen zwar nur Nebenrollen, aber gerade Willem Dafoe kommt als Jodies Ziehvater eine ganz besondere Position zu. Er hegt ehrliche, väterliche Liebe für das Mädchen und muss den Spagat zwischen Regierungspflichten und seinen Gefühlen finden. Dazu trägt auch er ein finsteres Geheimnis mit sich herum, welches ebenfalls lange nur angedeutet und zum Schluss aufgelöst wird. „Beyond: Two Souls“ gelingt es jedenfalls, den Spieler emotional an die Helden und ihre Mitstreiter zu binden. Ich persönlich empfand dieses Band als nicht ganz so stark wie beispielsweise bei „Heavy Rain“ oder auch „The Walking Dead“, aber immer noch als fest genug, um mich zum Weiterspielen zu animieren.

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Technisches Meisterwerk
Ein Grund für die tolle Stimmung und die hohe Emotionalität von „Beyond: Two Souls“ ist auch die technische Umsetzung. Denn nicht nie (!) wurden Schauspieler derart realistisch in einem Videospiel digitalisiert. Kleinste Emotionen wie eine einzelne Träne oder ein kurzes Zucken der Mundwinkel sind hier erkennbar. Gerade die Nahaufnahmen wirken daher ungeheuer natürlich und werden in den unzähligen Filmsequenzen von „Beyond: Two Souls“ auch immer wieder als Stilmittel eingesetzt. Die Entwicklung von Jodie über die Jahre ist verblüffend, denn ich bekomme hier wirklich den Eindruck, einem Kind beim Heranwachsen zuzuschauen.

Dabei sind kleinste Veränderungen – nicht nur bei Jodie, sondern auch bei Nathan – erkennbar. Ganz egal, ob es zusätzliche Falten, Sommersprossen oder graue Haare sind. Auch die Inszenierung und Präsentation der Actionsequenzen ist absolut brillant und erinnert mehr an einen Kinofilm als an ein Videospiel. Bei der Flucht vor der CIA beispielsweise fährt die Kamera wild herum und wackelt. In Kämpfen mit somalischen Wachleuten dagegen zeigt „Beyond“ das Geschehen meist von der Seite. Wann immer der Spielverlauf in Zeitlupe wechselt, weicht ihr mit Hilfe von Stick-Bewegungen aus. Abhängig davon, in welche Richtung sich Jodie bewegt, in diese Richtung müsst ihr dann auch den Knüppel bewegen. Die Kämpfe sind ähnlich wuchtig und körperlich dargestellt wie beispielsweise in „The Last of Us“. Jodie leidet, schreit bei Treffern kurz auf oder trägt sogar Schrammen oder Schnittwunden davon. Ähnlich wie „Heavy Rain“ ist aber auch „Beyond: Two Souls“ vergleichsweise leicht. An einen „Game Over“-Screen kann ich mich ehrlich gesagt kaum erinnern.

Ein weiteres großes Lob verdient sich „Beyond: Two Souls“ für seine ausgezeichnete Vertonung. Der Soundtrack aus der Feder von Hollywood-Komponist Hans Zimmer ist eindrucksvoll und unterstreicht das Geschehen ungeheuer atmosphärisch. Die Sprachausgabe auf der anderen Seite ist ebenfalls sehr gelungen. Selbst die deutsche Audio-Ausgabe ist absolut hörenswert und die Übersetzung hat zu keinem Zeitpunkt Bauchschmerzen bei mir verursacht. Wer dennoch lieber Dafoe und Page in der Original-Vertonung hören möchte, kann sein Spiel zu Beginn auch auf „Englisch“ umschalten.

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Emotionale Momente
Ihr merkt es sicherlich schon: „Beyond: Two Souls“ ist – ähnlich wie „The Walking Dead“ – kein Titel, der einen mit spielerischen Mitteln begeistert. Hier dominieren die Geschichte und die Emotionen. Allerdings leistet sich „Beyond“ gerade der Aufbereitung seinen Plots einige Fehler, weshalb gerade die ersten Stunden etwas zäh und nichtssagend daher kommen.

Dafür begeisterte mich das Spiel immer wieder mit seinen tiefen und vor allem ehrlichen Gefühlen. Diese entwickeln sind oftmals erst aus den Situationen und Entscheidungen heraus. Jodie ist während der ersten Hälfte des Spiels auf der Suche nach Identität und Heimat. Nach Menschen, die sie so verstehen, wie sie ist. Und letztlich findet sie diese Geborgenheit und Freundschaft auf der Straße. Nämlich bei einer Gruppe von Obdachlosen. Zerbrochenen Existenzen, die sich ihr Geld zusammen schnorren und trotzdem so etwas wie eine Familie sind. Besonders in dieser Sequenz greift „Beyond“ seine Themen wirklich hervorragend auf und rührt weit mehr, als es beispielsweise bei der Thematik der Kindersoldaten in Somalia gelingt.

„Beyond: Two Souls“ ist ein Spiel, das durch die Geschichte und die dadurch erzeugten Emotionen lebt. Diese werden oftmals noch durch Entscheidungsmöglichkeiten gefördert. Bei dem angesprochenen Kapitel beispielsweise bestimmt ihr, ob ihr mit Aidens Hilfe Geld aus einem Bankautomaten stehlt und seht anschließend, welche Konsequenzen eure getroffene Wahl hat. Nur selten gelingt es „Beyond“ die Folgen derart zügig und rasch aufzubereiten. Aber nichtsdestotrotz sind die Entscheidungsfreiheiten weit mehr als das übliche „Gut oder Böse“ bzw. „Leben oder Tod“. Nicht selten sind es nur kleine Optionen, die später eine große Wirkung haben. Aber auch das motivierte mich zum Weiterspielen. Denn ich wollte stets wissen, was letztlich aus meinen Entscheidungen wird und wie ich Jodies Weg damit verändere.

Was wir schlecht finden

Spielerisch zu seicht!
So wunderschön und spannend „Beyond: Two Souls“ in seiner Erzählung ist, so ist es spielerisch doch arg anspruchslos. Ähnlich wie „Heavy Rain“ erledigt ihr hier viel Alltagsarbeit: Aus dem Auto aussteigen, Gegenstände aufheben und irgendwo hinbringen. An einer Stelle räumt ihr sogar Jodies Apartment auf und macht etwas zu essen. Diese leisen Momente sind vergleichsweise angenehm, aber zugleich auch arg träge. Nicht selten fühlen sich Kapitel gestreckt und arm an Höhepunkten an.

Dabei ist die Steuerung nicht gut gelungen. Das Spiel setzt auf eine statische Kameraführung und verändert die Steuerung, sobald die Kameraposition wechselt. Dadurch rennt man häufiger etwas unkoordiniert durch die Gänge. Zudem ist Jodie nicht in der Lage, über kleine Hindernisse hinweg zu steigen. Sie bleibt gerade im späteren Spielverlauf an jedem kleinsten Objekt wie einer Stufe oder herum liegenden Körpern hängen. Dann muss ich versuchen, sie irgendwie um das Hindernis herumzuführen.

Die Actionpassagen gefielen mir ebenfalls überhaupt nicht. Während die bereits beschriebenen Kämpfe sich noch dank eines netten Tutorials gut spielen, wirken die Einsätze in Kriegsgebiete inklusive Deckungssystem absolut aufgesetzt und stumpf. Im Prinzip springe ich hier nur stupide von einem Mäuerchen zum nächsten, bis ich wieder mit irgend etwas anderem interagieren kann. Echte Spannung kommt nicht auf, da auch die Computer-Wachen keinerlei Anstalten machen, Jodie zu attackieren.

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Eingeschränkte Existenz
„Beyond: Two Souls“ spielt sich weniger wie „Heavy Rain“, sondern erinnert stärker an die ersten Kapitel von „The Walking Dead“. Sobald ich hier das Gamepad übernehme, suche ich schematisch alle Interaktionspunkte in einer leblosen, wenn auch hübschen Umgebung ab oder warte darauf, dass eine weitere Zwischensequenz startet. Die einzelnen Kapitel sind hier allerdings nicht mehr als Kulissen, in denen ich nur bestimmte Objekte verändern kann.

Gerade Aidens Rolle in „Beyond: Two Souls“ leidet unter dieser mangelhaften Interaktivität mit der Umgebung. Als Geist sollte er ja eigentlich in der Lage sein, alle Gegenstände manipulieren zu können. Stattdessen aber sperrt mich das Spiel in enge Grenzen. Hier mal etwas umwerfen, dort einen Knopf drücken oder gar einen Wachmann erdrosseln. Bis heute verstehe ich nicht, warum ich nur bestimmte Soldaten umbringen bzw. kontrollieren kann, andere aber nicht. Dazu habe ich noch die Möglichkeit, Erinnerungsfragmente aus Gegenständen und Personen zu extrahieren. All das funktioniert in sich ständig wiederholenden Analog-Stick-Mini-Spielchen.

Aufgrund des größeren Umfang entsteht ganz rasch Routine, die dem Spielspaß schadet. Raum absuchen, Interaktionspunkte benutzen und vielleicht noch mit Aiden nach einigen der versteckten Extras suchen. Anfangs ist das Ausloten von Aidens Kräften und deren Konsequenzen spannend, allerdings verliert sich das Spiel in der Mitte auch in zu vielen Alltäglichkeiten und in seiner Feingliedrigkeit. Dadurch fühlen sich Kapitel gestreckt und ideenlos an. Mehr Freiheiten und Möglichkeiten hätten hier wahre Wunder bewirkt.

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Zu viele Zeitsprünge
Wie bereits beschrieben, springt „Beyond: Two Souls“ in seinen Kapiteln munter durch die Zeit. Es folgt also keinem klassischen, chronologischen Aufbau, sondern versucht stattdessen, einzelne Themen wie beispielsweise Jodies Heimatlosigkeit in den Mittelpunkt zu rücken. Durch die unzähligen Zeitsprünge zwischen den teils nur sehr kurzen Kapiteln fühlt sich „Beyond: Two Souls“ gerade in der ersten Hälfte wie Stückwerk an. Daran ändert auch leider die sympathische Heldin und die Emotionalität der Szenen nichts.

Ich wusste nach der Hälfte des Spiels nicht, was mir „Beyond: Two Souls“ eigentlich vermitteln will. Der Aufbau der Geschichte wirkt in sich zu unruhig und szenenhaft. Sie lässt mich immer wieder mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf zurück. Erst zum Schluss hin führt das Spiel alle Fäden wieder zusammen, erklärt einiges gut, anderes aber auch eher lose. Gerade die letzten fünf Minuten des Spiels will „Beyond“ alles auflösen, ist dabei aber oberflächlich und gehetzt.

Dazu werden die Geschehnisse zwischen den Kapiteln ebenfalls nur oberflächlich erklärt. Beispielsweise ist Jodie plötzlich eine junge Frau mit einer Romanze für CIA-Agent Ryan. Sie wohnt in einem eigenen Apartment, obwohl sie zuvor geradezu hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt worden ist. Dazu machen die beiden Charaktere Smalltalk, obwohl sie sich – laut Plot – bereits seit einigen Jahren kennen müssten. Es sind diese Momente im Spiel, in denen ich aus der Geschichte herausgerissen werde und mich frage, ob ich etwas verpasst habe oder ob „Beyond“ einfach zu viel zwischen den Zeilen erzählt.

System: PlayStation 3
Vertrieb: Sony Computer Entertainment
Entwickler: Quantic Dream
Releasedatum: 09. Oktober 2013
USK: ab 16
Offizielle Homepage: http://playstation.beyond-twosouls.com/

7.0

Wertung und Fazit

TEST: Beyond: Two Souls – Die Geister, die ich rief …

„Beyond: Two Souls“ ist ein Wechselbad der Gefühle. Was habe ich bei einigen Szenen schlucken müssen. Was haben mich gerade die Kapitel aus Jodies Kindheit bewegt. Quantic Dream erzählen phasenweise ein wirklich emotionale Geschichte mit bahnbrechender Technik und wirklich starken Augenblicken. Aber leider ist für mich „Beyond: Two Souls“ nie auf einem Niveau mit „Heavy Rain“ oder gerade eines „The Walking Dead“. Dafür stören mich der sprunghafte Kapitelaufbau und die vielen kleinen Löcher im Plot einfach zu sehr.

Insbesondere „The Walking Dead“ kreiert eine engere Verbindung zu den Hauptfiguren, bringt diese offensichtlicher in Zwickmühlen und spielt besser mit meinen Erwartungen. „Beyond“ dagegen wirkt ein bisschen zu bemüht wirklich alle unangenehmen Themen des Lebens – Tod, Verrat, Einsamkeit, Heimatlosigkeit, Glaube und so weiter – in ein Spiel zu stopfen. Dadurch ist es überfrachtet und lässt viele Fragen offen.

Spielerisch ist es sicherlich auf einem ähnlichen Niveau wie „The Walking Dead“. Auch hier krankt die Spielmechanik an mangelhaften Interaktionsmöglichkeiten und Steuerungsproblemen. Wirklich ärgerlich sind allerdings die fehlenden Optionen mit dem Geister-Charakter Aiden und die leblose Umgebung. Das Absuchen von Interaktionspunkten ist ähnlich mühsam wie die Detektivarbeit in „Heavy Rain“ oder „L.A. Noire“.

„Beyond: Two Souls“ ist ein weiteres sehr interessantes Stück Software, aber bei weitem kein Meilenstein der Spielegeschichte oder Erzählkunst. Trotzdem ist es in Sachen Technik und Emotionalität richtungsweisend und somit für Freunde der etwas anderen Spielerfahrung trotz der offensichtlichen Schwächen spielenswert.

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Kommentare

  1. Sonny Rasca sagt:

    Wobei ich ohnehin den Eindruck habe, dass Play3.de-Tests sich zu sehr nach anderen Tests der Konkurrenz orientieren ohne sich selber was eigenes dazu überlegt.
    Aber nun gut, ist wohl die Konsequenz davon, dass hinter Play3.de praktisch NULL Eigenleistung steckt... Copy Paste "Journalismus" pur halt...

  2. BoC-Dread-King sagt:

    Ein etwas besserer Userbericht über das Game:

    Fahrenheit war interessant anders, Heavy Rain ein beachtlicher Meilenstein auf dem Weg zum interaktiven Film. Nun ist den Machern bei Quantic Dream aber die Verschmelzung von Videospiel und Kinofilm gelungen!

    Zwölf Stunden später. Zwölf Stunden später bin ich um eine Erfahrung reicher. Was ich erlebt habe? Das PlayStation 3 exklusive Videospiel "Beyond: Two Souls". Aber Halt! War das wirklich nur ein Videospiel? Nach diesen zwölf Stunden habe ich da so meine Zweifel.

    Zwölf Stunden, in denen ich bestens unterhalten wurde. Zwölf Stunden, in denen ich eine perfekte Inszenierung in Kino-Qualität erlebt habe. Zwölf Stunden, in denen ich Entscheidungen treffen konnte. Ob und auf welchen Ebenen die das Spielgeschehen wirklich beeinflusst habe, ich weiß es nicht. Manchmal wurden Auswirkungen deutlich, an anderen Stellen meine ich, teils behutsam und manchmal auch Zaunpfahlwink in Lattenzaun-Größe in die Richtung gedrückt worden zu sein, die die Story erzählen will.

    In Interviews mit den Machern bei Quantic Dream wurde was von 23 verschiedenen Story-Enden geschrieben. Ich habe bisher nach zwölf Stunden Spielzeit nur ein einziges Ende gesehen. Mein Ende der Story. Und dieses Ende war genauso sehenswert, wie die zwölf Spielstunden davor spielenswert waren. Zwei Marathon-Sessions mit acht und vier Stunden sowie eine halb durchzockte Nacht sprechen für sich. "Beyond: Two Souls" fesselt und lässt einem in ein einmaliges Spielerlebnis eintauchen. So intensiv, dass zumindest ich nicht aufhören wollte.

    Wenn der Publisher SCED vollmundig in seinen Werbeaussagen von "einer Erfahrung, die Du nie vergisst" spricht, dann klingt das übertrieben. Allerdings nur solange, bis man "Beyond: Two Souls" selbst spielt. Einige Male habe ich echte Whow-Effekte erlebt. Teils so heftig, dass ich erst einmal den PS3-Controller weglegen musste, um mir klar zu machen, was meine Handlungen bewirkt haben und wie mir hier mitgespielt wurde.

    Die vom Publisher beschworene "grenzenlose Handlungsfreiheit", die halte ich hingegen für übertrieben. Grenzen sind alleine schon durch das Medium gegeben - ich kann eben nur das machen, was möglich gemacht wird. Das ist allerdings eine ganze Menge. Seltenst fühlt man sich gegängelt. Öfters hingegen wusste ich schlicht nicht wirklich, was die Handlung jetzt von mir will. Ganz einfach, weil manche Situationen auf ihre eigene Art trivial wirken und man sich fragt, ob man das jetzt wirklich in einem Videospiel mitmachen soll.

    Keine Angst, von der Story werde ich hier kein Sterbenswort erzählen. Und ich hoffe, Ihr seid eben so fair in den Newskommentaren. Denn die Ungewissheit der erzählten Geschichte, die sich vor einem entfaltet, macht einen Grossteil der Faszination von "Beyond: Two Souls" aus. Dazu gesellt sich eine Präsentation, die an Perfektion grenzt. Oft fühlt man sich in einem Kinofilm, den man selbst steuert. Dafür sorgen erstklassige wie glaubwürdige Animationen und ein Soundtrack, der die Hifi-Anlage zum Beben bringt. Kein Wunder, hier war Altmeister Hans Zimmer am Werk, der seine ganze Hollywood-Erfahrung einbringen konnte.

    In welcher Sprachversion Ihr "Beyond: Two Souls" spielen wollt, das entscheidet Ihr. Auf der Blu-ray ist die englische Original-Tonspur sowie Synchronisationen ins deutsche, italienische und französische enthalten. Wer mag, der schaltet zudem optionale Untertitel dazu. Ich selbst habe das PS3-Spiel komplett auf Deutsch durchgespielt. Das klang zu keiner Stelle merkwürdig, sondern stets zu den Charakteren passend. Wie in einem Kino-Blockbuster wurde hier perfekt synchronisiert.

    Schauspielerisch können Ellen Page und Willem Dafoe in den Hauptrollen auf ganzer Linie überzeugen. Das Performance-Captering im Greenroom hat zudem beste Arbeit geleistet, um Mimik wie Gestik echt wirken zu lassen. Realer als man bisher in irgendeinem Videospiel bestaunen konnte.

    Diese Realitätsnähe zieht sich als roter Faden durch das gesamte interaktive Action-Drama - wie SCED das Genre von "Beyond: Two Souls" betitelt hat. Einen Realismus, der die Grenzen eines Videospiels, wie ich es bisher kannte, verschwimmen lässt. Deshalb ist dieses PS3-Machwerk für mich persönlich auch mehr eine Spielerfahrung in technischer wie erzählerischer Leistung eines wahren Meisters. Schlicht ein Meisterwerk, das man gespielt haben sollte, um weiterhin mitreden zu können.

    Nach diesen zwölf Spielstunden ist "Beyond: Two Souls" für mich noch längst nicht erledigt. Einmal will ich ergründen, welche Entscheidungen wirklich Auswirkungen haben und ob man vorzeitig versagen oder gar sterben kann. Da siegt die reine Neugier. Wie anders kann ich "Beyond: Two Souls" im zweiten Durchlauf spielen? Werde ich nächstes Mal wirklich alle töten, wie Jodie im Trailer andeutet?

    Zudem weiß ich, dass ich es an einigen Stellen schlicht besser hätte machen können. Wobei die Frage ist, was "besser" überhaupt ist? Schließlich möchte ich mich nicht selbst in Entscheidungen und Handlungsrichtungen drängen, nur weil ich vermute, dass diese eventuell coolere Folgen haben könnten als eben das, was ich in dieser Situation machen wollte. Diesen einen Tipp gebe ich Euch mit auf dem Weg: Lasst Euch nichts vorspielen, sondern lebt mit Euren Entscheidungen und genießt dabei das Spielerlebnis.

  3. golgarta2905 sagt:

    @ Dread King,das war mal eine tolle Rezension von Dir.

    Kann Dir da nur zustimmen,dieses Spiel kann man nicht mal eben mit
    anderen vergleichen.
    Wer hier spielerisch viel machen möchte ist eindeutig verkehrt.
    Es geht um die mehr als gute Story und das sich Identifizieren mit
    dem Haupt Char.Beyond ist zudem auch anders als es Heavy Rain ist.
    Sterben kann man hier nicht,aber wofür auch das eigentlich wichtige
    nennt sich Interaktiver superber Mystery Thriller,hier kann Beyond
    voll und ganz überzeugen.

  4. big ron sagt:

    Wieder ein Spiel, dass versucht, eine Bindung zum Hauptcharakter aufzubauen, dabei aber das Gameplay völlig verhunzt bzw. nur wenig für den "Spieler" bietet. Da lohnt Film gucken wohl mehr. Die könnten ja ne Editione bringen, wo man alle Zwischensequenzen zu einem Film aneinanderreiht. Dann lohnt es sich für einen gemütlichen Filmeabend.

  5. golgarta2905 sagt:

    Wo verhunzen die was?

    Wenn Dir das Spiel nicht gefällt dann kaufe es einfach nicht.
    Für mich ist Beyond eine absolute Bereicherung bei den sonstigen
    ständigen Wiederholungen oder mal wieder ein FPS.

  6. Red&Black sagt:

    warum haben die nicht heavy rain 2 gemacht,natürlich mit komplett neuen Charakteren und Story,weil heavy rain für mich das BESTE PS3 spiel war.HR hatte einfach alles was ein spiel zum hit machte

  7. BlizzardX sagt:

    Leute, lasst euch von den Test's nicht abschrecken, kauft es euch und macht euch ein eigenes Bild! Beyond Two Souls ist in sachen Storytelling leider wirklich ungeschickt umgesetzt, aber die Story selbst und auch andere Faktoren wie Grafik,Animation,Mimik,Musik,Inszenierung usw. sind wirklich großartig. Gerade aus teschnicher Sicht gehört es zum besten aus dieserr Konsolengeneration.

    Also am besten selber das Spiel erleben!

  8. Napoleon87 sagt:

    Habs jetzt gerade durch....also...rein erzählerisch, steht sich das Spiel selbst im Weg !!! Die Kamerafahrten, die Grafik, der Soundtrack (Hans Zimmer hallo ??? Besser gehts nicht !!!) das bisher Beste was es auf der PS3 gab !!! ABER : Dem Spiel fehlt es an Struktur...manchmal nimmt sich das Spiel selbst nicht ernst...es wirkte auf mich manchmal so als würde ich einen Horrorofilm gucken und ab und zu tauchen Ernie und Bernd auf und wollen sich gegenseitig die Zähne putzen....aber es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung.

    Aber selbst die beste Richtung kann daneben gehen, wenn das eigentlich Ziele seine Moral verliert....

  9. Buzz1991 sagt:

    Ich habe es heute Nacht für 1,5 Stunden gezockt.
    Teile bisher überraschenderweise das internationale Echo.
    Bisher nicht mehr als ein 75%-80%-Spiel.
    Die Interaktionsvielfalt kommt mir nicht wie angekündigt gestiegen, sondern geschrumpft vor.
    Das Spiel macht seinem Namen als Interaktiver Film nun alle Ehre, häufig hetzt man einfach nur durch.
    Die Story wird durch die vielen Zeitsprünge aus der Bahn geworfen, es kam so gut wie keine Spannung bisher auf.
    Ein Glück, dass wenigstens Jodie als Charakter mein Interesse sofort geweckt hat.
    Der Soundtrack ist auch eher enttäuschend. Nur “gut”, aber da fehlt jegliche Magie, welche Fahrenheit und Heavy Rain versprühten.
    Kann mich an nicht ein Stück erinnern. Wenn ich hingegen an The Last of Us denke, fallen mir spontan SECHS Stücke ein.
    Selbst bei GTA V erinnere ich mich an mehr.

    Sehr positiv ist die Grafik. Die sieht klasse aus und vermittelt teilweise den Eindruck von PS4.
    Auch die Inszenierung ist wahnsinnig filmreif. Die Charaktere sind real wirkend, Jodie und Nathan Dawkins werden hervorragend gespielt von Ellen Page bzw. Willem Dafoe. Jodie ist so süß, wie ihr reales Vorbild ^^
    Auch die dt. Synchronisation ist einwandfrei. Lippensynchron und sehr gut vertont.

    Doch gerade im Storytelling finde ich es bisher überraschend enttäuschend.
    Die Zeitsprünge passen nicht, sie zerstören das Gefühl eines fortlaufenden Abenteuers.
    Ein fortlaufendes Spiel, wo man Jodie von jung bis zu einer Frau begleitet, würde dem Spiel in meinen Augen viel besser stehen.

    Bisher eine Enttäuschung.
    Was nicht ist, kann ja noch werden.

    Aber im Gegensatz zu Fahrenheit und erst Recht Heavy Rain fesselt mich BEyond bisher nicht und das liegt NICHT an der Thematik.

  10. Bulllit sagt:

    Habs bis zur Hälfte durch und ich kann nur sagen... Was ganz besonderes! Viele werden behaupten, dass das Spiel eher ein Film gleich . Das Spiel macht nur vor was uns in der Zukunft alles erwarten wird. Man wird auch stellen im Spiel nicht nur knöpfe drücken müssen. Vieles gibt es zu erforschen. Durch die Entscheidungen die man im Verlauf des Spiels trifft ändert sich die Szenen bzw. Die story. Wer einen filmreiches Erlebnis mit einer genialen Geschichte und Grafik sucht ist hier genau richtig! Alles im hohen Niveau!

  11. FrauEm sagt:

    Es schreiben hier alle wie wenig Anspruch das Game hat. CoD und Konsorten sind meines Erachtens aber auch extrem Anspruchslos. Heutzutage gibt es generell wenige Blockbuster im Spielebereich die Anspruch haben. Die meisten kniffligen Games kommen oft aus dem Indiebreich und bieten nicht so viel Story.
    Für mich sind Game wie Beyond Two Souls wichtig, da sie sich von der typischen Masse abheben. Meiner Meinung nach sind solche Titel auch wichtig für die weiter Entwicklung an Games. Es gibt eben Leute die nach ewig vielen Jahren derselben Shooter und Action Games und der sechzehnten Fifa und 8tem AC ect. ect. einfach ein wenig gelangweilt und enttäuscht sind.

  12. Liveraner sagt:

    Wegen den kritisierten Zeitsprüngen:

    Ich weiß nicht wie oft ich das noch sagen soll, aber die machen unter anderem die Spannung so enorm. Man fragt sich ständig "warum passiert das jetzt?" und kriegt im Nachhinein die Antwort.

    Oftmals würde ich anders reagieren, wenn ich viele Infos vorher bekommen hätte.

    Das Spiel lebt vom mehrfachen durchspielen. Und deswegen gibt es wieder die Kapitelübersicht, die chronologisch aufeinander aufbaut. Soll heißen:
    Gefallen dir die Zeitsprünge nicht, zockstes beim 2. Mal von vorne an durch.

    Außerdem sieht man beim Ladebildschirm immer, wo das aktuelle Kapitel inhaltlich anzuordnen ist, was auch sehr gut durchdacht ist.

    Das Spiel verdient NIEMALS ne 6er Wertung. Leider auch keine 10er Wertung, weil es mittlerweile oft zu Abstürzen bei mir und auch bei Freunden kommt. Aufgrund der oft angelegten Checkpoints kann man das aber verkraften find ich.

    8.5 - 9.5 wäre verdient meiner Meinung nach. Zu mal im Vorfeld gesagt wurde, dass es ein interaktiver Film ist und man spätestens seit Heavy Rain diese Art von Genre kennen sollte.

  13. Buzz1991 sagt:

    Ich muss mittlerweile meine Meinung etwas revidieren.
    Die Zeitsprünge nerven mich nicht mehr.
    Es macht das Ganze interessant.
    Was die Story angeht, so bleibe ich aber dabei.
    Irgendwie fehlt da das Spannende, das Fingernagelkauende wie bei Fahrenheit oder Heavy Rain. Jodie ist aber als Charakter super sympathisch und interessant. Das motiviert dann doch immer wieder zum Weiterspielen.

    Steuerung und Kameraführung könnten besser sein und der Interaktionsgrad kommt mir im Vergleich zu Heavy Rain zurückgefahren vor.

    Grafisch ist es top.
    In manchen Abschnitten Referenz, in manchen wieder nicht.
    Auch die dt. Synchro ist top.
    Beinahe immer lippensynchron, aber in jedem Fall toll eingesprochen.
    Soundtrack ist ebenfalls ordentlich, aber so göttlich wie manche ihn finden, finde ich ihn nicht.

    Was mir super gefällt, dass Beyond ein weiteres Spektrum an Emotionen auslöst. Von Wut und Rache über Trauer und Angst, über Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit bis hin zu Verantwortungsbewusstsein und Freude ist alles dabei.
    Es gibt auch einige sehr einprägsame Kapitel.

    Alles in allem würde ich bisher etwas zwischen 8,5 und 9 geben (Heavy Rain ist für mich eine 9,5).
    Nicht der erhoffte Oberkracher, aber trotzdem ein besonderes Spiel.

    Vielleicht ändert sich meine Meinung noch, wenn ich durch bin und bei Spielen von Quantic Dream lohnt sich sowieso immer noch ein 2. oder gar 3. Spieldurchgang.

  14. Buzz1991 sagt:

    Mit "Interaktionsgrad" meine ich übrigens nicht den Grad dr Auswirkungen von Entscheidungen, sondern den Umgang mit der Umgebung. Man läuft doch häufig durch die Levels durch und hat nicht so viel Interaktionsmöglichkeiten.

  15. Buzz1991 sagt:

    Auf alle Fälle ein sehr mutiges Projekt von Quantic Dream, was auch völlig zu unrecht teilweise zerrissen wird. Kann mir sogar vorstellen, dass das verkaufsschädlich ist und das Spiel letztendlich hinter den Verkaufserwartungen bleibt.
    Schade, dass Innovation und Neuheit hier nicht genügend honoriert wird.

    Wenn ich an die meisten Ego-Shooter mit dem Vorsatz herangehe, eine tiefgründige Erfahrung zu bekommen, würden 95% davon im 30%-Bereich landen.
    Doch genau hier wurde falsch bemessen.
    Es sollte jedem klar sein, dass es mehr Interaktiver Film ist als Spiel.
    Das wird sogar von den Entwicklern so angegeben ("Interaktives Drama")!
    Was aber macht die "Fachpresse"? Viele ignorieren es.

    Ganz großes Kino...
    Beim nächsten Funracer erwarte ich auch Simulationscharakter oder von einem Action-Spiel einen riesigen Skilltree wie bei Rollenspielen...

  16. Zonkey sagt:

    Ich verstehe diesen Test und manche Wertungen überhaupt nicht und wenn jemand der sprunghafte Kapitelaufbau nervt sollte mal nen 2ten Spieldurchlauf angehen. Es ist so gewollt da es sich wie ein Puzzel zusammen setzt. Für mich ist es eines der besten Spiele.

  17. Buzz1991 sagt:

    Beyond hat mir super gefallen und ich finde, es ist ein Juwel in meiner Sammlung.
    Trotzdem entstand bei mir nie dieser Hype wie in Heavy Rain.
    Die Rahmenhandlung kam leider ziemlich spät in die Gänge und darüber hinaus fand ich ein Kapitel etwas unnötig.

    Am Ende bekommt es für mich eine 9/10. Möglicherweise ändere ich meine Meinung noch nach einem 2. Spieldurchgang, welcher in den nächsten Tagen folgt.

  18. Fl�tentr�ter sagt:

    HAHAHA Na Buzz? Quantic Dream = One Hit Wonder.... Beyond für die Tonne, 0 Wiederspielwert, 0 Storytiefe, einfach nur ein Abstieg von Heavy Rain auf dieses langweilige Stück Software.

  19. Fl�tentr�ter sagt:

    @Buzz

    "Schade, dass Innovation und Neuheit hier nicht genügend honoriert wird."

    MUAHAHAHA FANBOYGIRL!

  20. Buzz1991 sagt:

    Wenn du es mal schaffst, einen langen Beitrag aus mindestens 500 Wörtern zu schreiben, was an Beyond nicht toll ist, dann kann ich dich vielleicht mal ernst nehmen ^^
    Aber dass dein Hauptschul-IQ bzw. niedriger dafür nicht reicht, ist klar.

    Doch schreib dich nicht ab. Lern lesen und schreiben.

  21. Buzz1991 sagt:

    Hahahaha, schon wieder gesperrt!
    Du bist der erbärmlichste Nutzer im Internet und das für alle Zeiten 😀
    Aber bestimmt wird dein süchtiges Ich schon wieder einen neuen Account erstellen...

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