Kena Bridge of Spirits: Ex-Game Designer „böswillig verdrängt“?

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Seit seiner Ankündigung gab es vor allem positive Meldungen zu "Kena: Bridge of Spirits". Ein aktueller Bericht zeichnet nun jedoch ein anderes Bild.

Kena Bridge of Spirits: Ex-Game Designer „böswillig verdrängt“?
"Kena: Bridge of Spirits" befindet sich unter anderem für PlayStation 4 und PlayStation 5 in Entwicklung.

Das zuletzt verschobene Action-Adventure „Kena: Bridge of Spirits“ zählt für viele Spieler vermutlich zu den meisterwarteten Games auf der kommenden PlayStation 5. Ein Bericht der Kollegen von Video Game Chronicle wirft nun jedoch einen Schatten auf das Projekt. Brandon Popovich, der als Programmierer und Designer am Spiel beteiligt war, erhebt schwere Vorwürfe gegen Entwicklerstudio Ember Lab.

Unbezahlte Arbeit und gebrochene Versprechen?

Wie Popovich gegenüber VGC ausgeführt habe, sei er für einen Teil seiner Arbeiten an „Kena“ nicht entlohnt worden. Des Weiteren hätten ihm die Verantwortlichen eine auf lange Sicht bedeutende Position innerhalb des Unternehmens versprochen – ein Angebot, das er aufgrund deutlich reduzierter Bezüge abgelehnt habe. E-Mails, die der Seite vorlägen, würden diese Anschuldigungen untermauern.

Zudem habe sich ein weiterer Ember Lab-Angestellter, der anonym bleiben wolle, bei VGC geäußert und ähnliche Vorwürfe erhoben. Genauer sei bei ihm die Rede von unbezahlten Überstunden während der Entwicklung des Action-Adventures. Darüber hinaus habe das Studio ihm eine Langzeitanstellung versprochen, diese Zusagen letztendlich jedoch nicht eingehalten.

Popovich erzählte VGC, er sei 2016 zur Firma hinzugestoßen, um an der Entwicklung eines Konsolenspiels mitzuwirken. Er habe dort laut eigener Aussagen „einige Monate mit Ember Lab zusammengearbeitet“ und währenddessen „den ersten Prototyp erstellt, den Animatoren beigebracht, was sie wissen mussten, um Spiele zu animieren, und vieles mehr. Wir waren in der Lage, ohne echte Konflikte wirklich gut zusammenzuarbeiten.“ Außerdem habe er viele Freiheiten während dieser Zeit genossen, „um mit den Animatoren Ideen zu diskutieren und umzusetzen.“

In der darauffolgenden Zeit  sei für das kleine Studio zunächst alles gut gelaufen. Gerade die Präsentation des Titels auf der GDC 2017 und das positive Feedback auf „Kena“ seien für das Ember Lab-Team geradezu „ekstatisch“ gewesen. Allerdings habe sich Popovich immer wieder mit anderen Arbeiten über Wasser halten müssen, um seine Familie ernähren zu können. „Einige Wochen arbeitete ich 40 Stunden für ein Studio und in meiner Freizeit mit Ember. Zu anderen Zeiten arbeitete ich 60-Stunden-Wochen für Ember. Es war ziemlich unregelmäßig“.

Ember Lab soll finanzielle Probleme gehabt haben

Für das Studio seien später schwierige Zeiten angebrochen, in denen sich die Verantwortlichen besonders finanzielle Sorgen gemacht hätten. Popovich erklärt, er habe in dieser Phase kostenlos für Ember gearbeitet, was durch VGC vorliegende E-Mails gestützt werde. Der Game Designer habe gehofft, dies sei lediglich eine vorübergehende Phase, doch kurz darauf hätten sich die Dinge für ihn erneut geändert:

„Im September wurden die Dinge in unseren Gesprächen immer stressiger, da es um Geld ging. Sogar als ich noch unentgeltlich arbeitete, gab es immer noch Gespräche darüber, dass das Budget erschöpft sei. Und dann rief mich [Ember CCO] Mike Grier an und teilte mir mit, dass ich keinen Unterzeichnungsbonus mehr erhalten würde und stattdessen einen kleineren Bonus erhalten würde, wenn ich für das gesamte Projekt bleibe.

Ich würde auch ein Gehalt bekommen, das um 50.000 Dollar niedriger ist, als das, was wir vorher vereinbart hatten, und ich würde keine Aktien des Unternehmens erhalten. […] Ich wusste nicht, was vor sich ging. Sie hatten mir fast die Hälfte von dem geboten, was sie mir versprochen hatten, wohl wissend, dass es weniger war, als ich zum Überleben und zur Unterstützung meiner Familie aufbringen musste. Sie entfernten auch alle Aktienoptionen und sagten im Grunde genommen: ‚Nimm es oder lass es bleiben.'“ Das Angebot habe Popovich abgelehnt.

„Dies war das Projekt, das für mich eine große Sache werden sollte, und plötzlich war es vorbei. […] Ich hatte gehofft, das Spiel würde nie angekündigt oder veröffentlicht werden. Und dann sah ich die PS5-Ankündigung. […] Der Trailer, den wir vor drei Jahren auf der GDC gemeinsam erstellt haben, ist fast genau derselbe wie der gezeigte. […] Bis zum heutigen Tag empfinde ich Trauer und Wut. Ich fühle mich, als ob ich böswillig verdrängt wurde. Ember wusste, dass sie mich ausnutzen konnten und erwartete, dass ich nichts sagen würde.“

Ember Lab bezieht Stellung zu den Vorwürfen

Mittlerweile hat sich „Kena“-Entwickler Ember Lab zu den Vorwürfen in einem offiziellen Statement geäußert. Darin erklärt ein Sprecher des Studios die Aussagen Popovichs enthielten „eine Reihe falscher Anschuldigungen, die die Bemühungen derjenigen, die an dem ursprünglichen Unity-Prototyp gearbeitet haben, und unserer talentierten Teammitglieder, die in den letzten 5 Jahren so hart gearbeitet haben, schmälern.“

Weiterhin heißt es: „Ein Spieldesign-Dokument, Charakterkonzepte und ein voll funktionsfähiger Unity-Prototyp, einschließlich der Kernmechanik des Spiels, wurden entwickelt, bevor Brandon dem Projekt beitrat. Brandon wurde für seine gesamte Arbeit, die sich auf die Migration der Funktionen des Unity-Prototypen zu einem Unreal-Prototypen unter Verwendung von UE4 Blueprints konzentrierte, vollständig entschädigt. Keine der für den Unreal-Prototypen entwickelten Arbeiten wird derzeit in der Produktion eingesetzt.

Als es an der Zeit war, ein Team für die vollständige Entwicklung aufzubauen, boten wir Brandon eine Stelle an, die er ablehnte. Wir haben unser Traumspiel zusammen mit den Bemühungen eines sehr engagierten Teams entwickelt, und wir sind betrübt über diese verletzenden Anschuldigungen.“

„Kena: Bridge of Spirits“ befindet sich derzeit für PlayStation 4, PlayStation 5 und den PC in Entwicklung. Die Veröffentlichung des Action-Adventures ist für das 1. Quartal 2021 vorgesehen.

Was ist eure Meinung zu diesen Anschuldigungen gegenüber Ember Lab?

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Kommentare

  1. Eloy29 sagt:

    Ich bekomme hier bald das Kotzen wenn ich solche Typen wie Brendon höre.
    Aber hey Mimimi ist voll angesagt ,der andere ist der böse ich der gute weil ich mich als erster gemeldet habe ebenso. Brauche nur an Ancel oder die Überstunden von CD Project Red denken, an dieses ganze Gender Getue in TLOU2, weiß nicht wie das bei euch ist aber ich kann dieses schon nicht mehr lesen.

  2. Enova sagt:

    Wäre dieser Brendon geblieben, wäre er bei einem Erfolg von Kena bestimmt nicht leer ausgegangen. Es sieht nämlich sehr gut für das Spiel aus. Viele haben es bereits auf dem Schirm. Bei so Erstlings Werke gehört natürlich etwas Risikobereitschaft dazu. Jetzt in den Karren zu treten, weil man sieht wie gut der Empfang für Kena ist und so dumm war den Job abzulehnen, ist jetzt nicht sehr sympathischen.

  3. Crysis sagt:

    Naja wenn ein Studio in Finanzieller Not ist, kann in der Regel nur noch ein Publisher das Project stemmen damit die Beteiligten auch ihren Lohn erhalten. Bin sehr auf dieses Spiel gespannt.

  4. Dekolovesmuffins sagt:

    Ekelhaft was in der Videospielindustrie abläuft. Talentierte, leidenschaftliche, oft junge Menschen werden ausgenutzt bis zum geht nicht mehr. Es gibt schon nen Grund wieso viele Spielentwickler zu IT wechseln: weniger Stress, mehr Bezahlung,...

    Es MUSS sich etwas ändern und es braucht Gewerkschaften für Entwickler! Letztens ja auch bei CDPR - pushen sich vor nem Jahr damit, dass sie nicht crunchen... war wohl nix, huh?

  5. xjohndoex86 sagt:

    Tja, schöne-, neue Indie Welt.
    Selbstfinanzierung ist bei aller kreativen Freiheit halt auch nicht das Gelbe vom Ei.
    Irgendwer muss am Ende immer bluten.

  6. hgwonline sagt:

    Kann @Dekolovesmuffins nur beipflichten, so ist es. Das man dann irgendwann enttäuscht ist und vielleicht auch offen darüber spricht ist doch nicht verwerflich. Den Mimimi Kommentar von Eloy29 finde ich hier schon sehr empathielos.

  7. Eloy29 sagt:

    Genau ekelhaft ..... Überstunden ....oh mein Gott....gibt es ja in keinen anderen Beruf.
    Alle Spiele Entwickler sind vollkommen unterbezahlt , ein Wunder daß die Branche immer weiter wächst. Mein Gott CD Project Red zahlt nur 10% mehr pro Mehrarbeit und alle ihrer Angestellten bekommen vom großen Gewinn von Cyberpunk auch "nur" 10% ab der noch mal auf alle verteilt wird. Ein Spiel in das so viel Herzblut geflossen ist wollen sie gerne in der schon dritten Verschiebung jetzt endlich fertig stellen , nein was für ein Sklaventum......

    hgwonline und Dekolovesmuffins ihr beide seid zum Glück die Retter der Spiele Branche.

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