PlayStation Store: Sichtbarkeit für mindestens 25.000 Dollar? Indie-Entwickler beklagen sich

Kommentare (103)

Mehrere Indie-Entwickler beklagen sich in zahlreichen Tweets über die Sichtbarkeit ihrer Spiele im PlayStation Store und über die allgemeinen Bedingungen im Storefront von Sony.

PlayStation Store: Sichtbarkeit für mindestens 25.000 Dollar? Indie-Entwickler beklagen sich
Auch die Wunschliste hat offenbar keine große Wirkung.

Jüngsten Berichten zufolge verlangt Sony mindestens 25.000 US-Dollar von Entwicklern und Publishern, die ihre Spiele im PlayStation Store hervorheben möchten. Zudem werde die Möglichkeit eines Entwicklers eingeschränkt, das eigene Spiel im Store mit einem Rabatt zu versehen.

Das behauptet Iain Garner, Mitbegründer des unabhängigen Spiele-Publishers Neon Doctrine. Auf Twitter ließ er seiner Frustration freien Lauf. Auch wenn Garner in den Tweets lediglich von der „Plattform X“ (PX) schreibt, gibt es kaum Zweifel daran, dass es sich um PlayStation handelt.

„Nun gut. Ich bin sauer genug, um ein paar Brücken abzubrennen. Denn ganz ehrlich, was nützt mir eine Brücke, die ich nicht überqueren darf. Hier ist also ein Thread über Plattform X. Ich werde Plattform X nicht definieren, aber es ist der Betreiber einer sehr erfolgreichen Konsole und hat keinen Games Pass!“, so Garner in der Einleitung.

Keine Verwaltung und kein Launch-Rabatt

Im Verlauf der Tweets ärgerte er sich über den Zugang zur Plattform und deren Storefront. Dabei hob Garner besonders hervor, dass die Entwickler „keine Möglichkeit haben, ihre Spiele zu verwalten“ und dass die Wunschlisten der Nutzer nicht dabei behilflich sind, Sony auf das Interesse der Spieler aufmerksam zu machen.

Außerdem können Entwickler oder Publisher laut Garner keinen Launch-Rabatt festlegen oder an Sonys endlosem Strom von PlayStation-Store-Sales teilnehmen, ohne eine Genehmigung zu erhalten oder eingeladen zu werden. Dies beinträchtige die Fähigkeit eines Entwicklers, einen Alleingang zu unternehmen und zu versuchen, die Werbeaktionen über mehrere Plattformen hinweg zu synchronisieren.

Um von Sony gefeatured zu werden, müssten an den Plattforminhaber mindestens 25.000 US-Dollar gezahlt werden. Kotaku berichtet gar davon, dass dieser Betrag auf bis zu 200.000 US-Dollar anwachsen kann – zusätzlich zum üblichen Anteil von 30 Prozent, den Sony beim Verkauf von Spielen bekommt.

„Wir haben auch gehört, dass Microsoft ähnliche Bezahlsysteme im Xbox Store betreibt. Natürlich ist das für große Publisher nur eine weitere Zahl auf einer millionenschweren Marketing-Tabelle, die Kosten des Geschäftsbetriebs. Aber für unabhängige Entwickler und Publisher, die mit Gesamtbudgets im fünfstelligen Bereich oder darunter arbeiten, ist das absolut unerschwinglich“, so Kotaku weiter.

Weitere Entwickler schalten sich ein

Bestätigt wurden die Vorwürfe von anderen Publishern und Entwicklern. Beispielsweise meldeten sich Mike Rose von No More Robots und Christian Botea von Some Awesome Guys zu Wort. Das PS Store-Backend sei „ein gewaltiges Labyrinth, das man erst nach einer Weile durchschaut“ habe.

Matthew White von Whitethorn Games beschwerte sich darüber, dass es unmöglich sei, den Launch-Support zu planen: „Gutscheine für Kickstarter-Backer brauchen Monate, um generiert zu werden, niemand beantwortet Support-E-Mails. Wir bekommen keine Store-Ops-Möglichkeiten, PS5-Featuring und Platzierung ist ein riesiges Mysterium.“

Die Probleme wirken sich offenbar auf den Umsatz aus: „PX ist unsere schlechteste Plattform, schlechter als andere bekannte Klempner- oder Supersoldaten-bezogene Videospielsysteme. Und auch schlechter als DRM-freie Verkaufsplattformen wie Itch, etc. Letzten Monat haben wir mehr auf Google Admob gemacht. Marketing-, Analyse-, CPM- usw. Tools sind nicht existent“, so die weiteren Worte.

An anderer Stelle: „Wir haben einen Vollzeitmitarbeiter, der mehr als die Hälfte seiner Zeit damit verbringt, sich durch Verkaufsberichte für PX zu wühlen, da diese in Excel-gestützten Rechnungen verschickt werden, die eine manuelle Rechnungsstellung erfordern, als wäre es 1928. Es herrscht internes Chaos mit Nachrichten, die von zufälligen Teams zu zufälligen Zeiten kommen.“

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Während Steam den Entwicklern offenbar mehr Freiheiten und Transparenz einräumt, scheint die Sichtbarkeit in den digitalen Storefronts der Konsolen ein schwierigeres Unterfangen zu sein, zumal die Zahl der Entwickler wächst und immer mehr Spiele an die Frau oder den Mann gebracht werden sollen. Während große Publisher viel Geld für das Marketing ausgeben und die Kosten für eine prominente Platzierung im PlayStation Store leicht verkraften können, scheinen die Indie-Entwickler vor großen Hürden zu stehen.

Andere Entwickler schweigen lieber

Mike Rose fasste die Situation wie folgt zusammen: „Es gibt einen Thread, der heute die Runde macht und von vielen Leuten geteilt wird. Der Grund, warum ihr nicht mehr Threads wie diesen seht, ist der, dass die Entwickler zu besorgt sind, es öffentlich zu sagen. Aber vertraut mir, wenn ich sage, dass die große Mehrheit der Entwickler diesen Thread liest und heftig mit dem Kopf nickt.“

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Kommentare

  1. consoleplayer sagt:

    RegM1
    "Mit Leuten zu diskutieren die ihren Schwachsinn nicht untermauern können und simple Sachverhalte nicht begreifen ist ermüdend"
    Oh ja, da hast du Recht.

  2. KoA sagt:

    @ RegM1:

    “30% sind (leider) Standard, zum Glück ändern wenigstens Epic und MS (PC-Store) ein wenig.“

    30% sind meiner Ansicht nach - wie oben schon geschrieben - durchaus gerechtfertigt, wenn man‘s nicht absichtlich künstlich klein zu rechnen versucht.
    Aber davon mal abgesehen, sollte man auch wissen, dass Epic und MS mit deren plötzlichen Reduzierungen der betreffenden Beteiligungsgebühren nicht etwa aus Gründen irgendeiner neu entdeckten Fairness-Ader, oder aus purer Barmherzigkeit agieren, sondern aus bloßem taktischen Kalkül (gegen den Konkurrenten Apple) heraus.
    Insofern würde ich diese derzeit ausgeübte strategische Neuformation von Epic und MS nicht allzu hoch anrechnen wollen. Eher sogar im Gegenteil! Letztendlich sind das alles lediglich taktische Winkelzüge, welche allein den Ausführenden in irgendeiner Form zugute kommen. 🙂

    „Das läuft auf anderen Plattformen viel besser und da kann man bei 30% Cut auch erwarten, dass Sony an sich arbeitet.“

    Durchaus. Allerdings würde ich diesbezüglich auch gerne erst mal Sonys Standpunkt hierzu anhören bzw. kennen wollen, bevor ich mich in hysterischer Weise allein an den Ausführungen nur einer Seite orientiere. Denn die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass ein anderer Blickwinkel plötzlich auch ganz andere Erkenntnisse hervorbringt. Nicht selten ist plötzlich alles deutlich weniger dramatisch, wenn man über das Gesamtbild einer bestimmten Angelegenheit verfügt. 🙂

  3. RegM1 sagt:

    @KoA
    Epic nimmt seit Jahrzehnten relativ wenig Anteile für die Nutzung einer der zugänglichsten und beliebtesten Engines, klar gibt es auch Unity und CryEngine und Marktanteile gewinnen sich auch im EGS nicht von alleine, dennoch sehe ich bei Epic (auch bei den Kooperationen - KEINE ÜBERNAHMEN - mit Remedy, Playdead und genDESIGN) eine nachhaltigere Strategie.

    Sony wird zu diesem Thema niemals Stellung beziehen und die große Menge an Devs (und es werden immer mehr) die zustimmt machen diese Stellungnahme auch unnötig.
    Für 30% sollte Sony dann auch etwas modernisieren und vor allem den Kleinsten die Arbeit (nicht die Werbung) erleichtern.

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