Spec Ops The Line: Auch zehn Jahre später noch eine unvergessliche Erfahrung

Anlässlich des zehnten Geburtstags von "Spec Ops: The Line" möchten wir in einem großen Special auf den in Deutschland produzierten Shooter zurückblicken und euch aufzeigen, warum der Titel auch heute noch eine ganz besondere Erfahrung bietet.

Spec Ops The Line: Auch zehn Jahre später noch eine unvergessliche Erfahrung

"Spec Ops: The Line" erschien am 26. Juni 2012 unter anderem für die PlayStation 3.

Heute auf den Tag genau vor zehn Jahren erschien mit „Spec Ops: The Line“ ein Game, das lange Zeit unter dem Radar flog. Auf den ersten Blick war es nur ein weiterer Third-Person-Shooter, in dem der Spieler in der Rolle eines US-Soldaten in ein neues Gefecht zieht. Was den Titel tatsächlich auszeichnete und aus dem einstigen Geheimtipp letztendlich ein Kultspiel machen sollte, war jedoch seine Story, die auch nach einem Jahrzehnt eine unvergessliche Erfahrung ist.

Mehr als nur ein weiterer generischer Third-Person-Shooter

Wir übernehmen die Kontrolle über Captain Martin Walker, der gemeinsam mit zwei Delta Force-Kameraden nach Dubai entsandt wurde. Dort soll sich ein ganzes abtrünniges Bataillon der United States Army unter dem Kommando von Colonel John Konrad verschanzt haben. Während das Trio anfangs noch glaubt, die Lage unter Kontrolle bringen zu können, merken sie schnell, dass sich die Stadt in ein Kriegsgebiet verwandelt hat und nichts mehr so ist, wie es einmal war.

Zunächst müssen sich Walker und sein Team gegen Einheimische zur Wehr setzen, doch je weiter sie ins Zentrum der Metropole vordringen, desto mehr wird ihre bisherige Weltsicht auf den Kopf gestellt. Plötzlich eröffnen US-Soldaten das Feuer auf sie und sowohl für die Hauptcharaktere als auch den Spieler beginnt ein steter Fall hinab in die Dunkelheit, mitten hinein ins Herz der Finsternis. Willkommen in der Hölle, Walker.

In den ersten Spielstunden, ja, da wirkt „Spec Ops: The Line“ tatsächlich nur wie einer von vielen Militär-Shootern, die damals veröffentlicht wurden. Das Gameplay, das vor allem großen Nutzen von seiner Cover-Mechanik machte, war bereits aus anderen Titeln der damaligen Zeit bekannt, etwa einem „Gears of War“ oder auch einem „Uncharted“. Zudem wirkten die taktischen Möglichkeiten und die Kommandos, die Walker seinem Team geben konnte, etwa im Vergleich mit beispielsweise „Ghost Recon: Modern Warfighter 2“, arg rudimentär und limitiert.

All diese Komponenten dienten jedoch einem Zweck und waren genau so von Entwicklerstudio Yager Development beabsichtigt, denn das Team spielt immer wieder gekonnt mit der Wahrnehmung der Spieler, um sie so tiefer in die Geschichte hineinzuziehen. Die Erzählung des Spiels wird heute oftmals in einem Atemzug mit anderen großen Titeln wie „BioShock“, „Metal Gear Solid 3: Snake Eater“ oder einem „The Last of Us“ genannt. All diese Games werden insbesondere wegen ihrer Storys gelobt, die noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis bleiben, doch bis dahin war es bekanntlich ein langer Weg für den deutschen Shooter.

Moralische Dilemmata: Es gibt nur schlimm oder schlimmer

Ein Grund, warum „Spec Ops: The Line“ diesen erfolgreich beschreiten konnte, waren die immer wieder in den Spielverlauf eingestreuten Entscheidungsmöglichkeiten. In manchen Szenen waren diese Optionen sehr offensichtlich, etwa wenn Walker dazu angehalten wird, einen von zwei Männern zu erschießen. Andere Szenen gehen subtiler damit um und in wieder weiteren realisiert der Spieler im ersten Augenblick womöglich nicht einmal, dass er hier eine Wahl treffen kann.

Der Titel arbeitet zudem regelmäßig geschickt mit moralischen Fragen, die den Spieler zum Nachdenken anregen sollen. Es ist auch in heutigen Spielen ein gerne genutzter Kniff, insbesondere in Verbindung mit unterschiedlichen Entscheidungsmöglichkeiten, die den weiteren Handlungsverlauf beeinflussen können. Diese Auswirkungen auf die übergeordnete Rahmenhandlung fallen im Third-Person-Shooter zwar oft eher überschaubar aus, dennoch bleiben viele dieser Momente im Gedächtnis, da oft nicht klar zwischen Schwarz und Weiß unterschieden wird. Stattdessen bleibt meist nur die Wahl zwischen schlimm oder schlimmer.

Dies verstärkt wiederum die Bindung des Spielers zu Walker, der zusehends von einer Abwärtsspirale erfasst und in die Tiefe hinabgezogen wird. Zunächst erscheinen die Veränderungen des Charakters lediglich äußerlicher Natur zu sein: Die anfangs noch saubere Uniform wird immer dreckiger und nimmt im Laufe der Reise deutlichen Schaden. Allerdings machen sich auch immer mehr die psychischen Veränderungen bei Walker bemerkbar: Sein Umgangston mit seinem Team wird rauer, seine Nahkampfangriffe brutaler und auch seine Wahrnehmung scheint ihm (und dem Spieler) immer wieder Streiche zu spielen.

Fühlst du dich wie ein Held, Walker?

So erzeugt Yager ein deutliches Gefühl des Unbehagens, das sich im Verlaufe von „Spec Ops: The Line“ stetig verstärkt. Darüber hinaus konfrontieren die Verantwortlichen, im Gegensatz zu vielen anderen Shootern, den Spieler regelmäßig mit den Auswirkungen seiner Taten. Den meisten Spielern dürfte sich dabei am ehesten sicherlich die weißer Phosphor-Sequenz ins Gedächtnis gebrannt haben. Walker und seine Kameraden nutzen die grausame Waffe, um vermeintlich feindliche Soldaten unter Beschuss zu nehmen – letztendlich löschen sie dadurch jedoch ebenfalls die Leben zahlreicher Flüchtlinge aus, die Schutz suchten.

In Momenten wie diesen ist das Spiel von anderen Militär-Shootern, etwa einem „Call of Duty“ oder „Battlefield“, am weitesten entfernt. Der Ego-Shooter-Hit aus dem Hause Activision Blizzard versuchte sich zwar mit dem Neustart der „Modern Warfare“-Reihe ebenfalls daran, ein realistischeres Bild des Krieges zu zeichnen, kratzt dabei allerdings maximal an der Oberfläche. „The Line“ wiederum zeigt auf verschiedenen Ebenen, dass der Krieg die Hölle ist.

Verdeutlicht wird dies anhand einer Charakterstudie eines Mannes, der zunächst noch an seine Mission glaubt, ehe er sich zusehends in seiner eigenen Finsternis verliert. Hinzukommen zahlreiche Anspielungen auf allen möglichen Levels des Spiels, seien es vermeintlich kleine Details in den Arealen, im Gameplay, dem Verlauf der Story bis hin zu den Ladebildschirmen und dem Startbildschirm. „Spec Ops: The Line“ ist durch und durch ein Anti-Kriegsspiel.

Spec Ops: The Line lebt von seinem Interpretationsspielraum

Dass all diese Facetten einen so bleibenden Eindruck hinterlassen, liegt vor allem daran, dass Yager Development dem Spieler nicht mit erhobenem Zeigefinger gegenübersteht und vorgibt, was moralisch richtig oder falsch ist. Stattdessen gibt es einen enormen Interpretationsfreiraum vieler Szenen, was im Laufe der letzten zehn Jahre unter anderem zahlreiche Fan-Theorien befeuerte. Eine geht beispielsweise davon aus, dass Walker bereits im Prolog des Games stirbt und alles, was wir im Anschluss mit ihm im Spiel erleben, lediglich eine Art Flashback ist. „Das ist eine absolut valide Interpretation“, verriet uns Timo Ullmann von Yager in einem Interview.

Doch das ist nur die Spitze des Eisberges, denn auf ähnliche Weise lassen sich gleichsam diverse weitere Szenen von „Spec Ops: The Line“ interpretieren. Findet sich Walker in den letzten Abschnitten des Spiels beispielsweise tatsächlich in der Hölle wieder? Sind alle Ereignisse womöglich Ausdruck seiner Schuldgefühle, die er zu Lebzeiten nie verarbeiten konnte? Weigert er sich eventuell, die Verantwortung für seine zu Lebzeiten begangenen Taten zu übernehmen und wird deshalb von seinen Fehlern gefoltert? Dieser große Interpretationsspielraum macht auch zehn Jahre später einen enormen Teil der Faszination des Spiels aus.

Egal ob 2012 oder 2022: Die Reise von Walker ins Herz der Finsternis bleibt eine ungemein packende Tour de Force in die Abgründe der menschlichen Natur und der geschundenen Psyche eines zutiefst gebrochenen Mannes. „Spec Ops: The Line“ konnte erst in der Zeit nach seiner Veröffentlichung wirklich strahlen, doch mit seiner tiefgründigen Geschichte und seinem komplexen Hauptcharakter ist es auch nach zehn Jahren noch eine unvergessliche Erfahrung.

Welche Erinnerungen verbindet ihr mit „Spec Ops: The Line“?

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