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Gotham Knights im Test: Das DC-Universum braucht neue Superhelden

Morgen erscheint mit "Gotham Knights" ein neues Action-Rollenspiel, das auf bekannten Charakteren aus dem Hause DC Comics basiert. In unserem Test verraten wir euch, ob es sich lohnt, in Batmans überlebensgroße Fußstapfen zu treten.

play3 Review: Gotham Knights im Test: Das DC-Universum braucht neue Superhelden
8.0

"Gotham Knights" erscheint am 21. Oktober 2022 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und den PC.

Das neue Action-RPG „Gotham Knights“ kann bereits auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, immerhin musste der Release in der Vergangenheit bereits verschoben werden und auch die einstmals geplanten Old-Gen-Versionen wurden gestrichen. Nun steht das DC-Abenteuer in den Startlöchern, in dem Gotham City nach neuen Helden schreit. Ob ihr diesem Ruf folgen solltet, verraten wir euch in unserem großen PLAY3.DE-Test. Dabei beschränken wir uns übrigens rein auf die Singleplayer-Erfahrung, da wir den Multiplayer-Part noch nicht vernünftig testen konnten.

Gothams Dunkler Ritter ist gefallen

Das für viele Undenkbare ist geschehen: Batman ist tot. Eine Nachricht, die vor allem seine langjährigen Weggefährten schwer trifft. Sie fragen sich, wie es überhaupt dazu kommen konnte und wer die wohl gefährlichste Stadt des DC-Universums nun beschützen soll. Immerhin werden auch die Superschurken der Stadt irgendwann bemerken, dass ihr Beschützer nicht mehr auftaucht, um ihnen die Tour zu vermasseln.

Ungeahnte Herausforderungen liegen fortan vor Batgirl, Nightwing, Red Hood und Robin, die in die Fußstapfen ihres Freundes sowie Mentors treten müssen. Auf die korrupte Polizei, die Jagd auf maskierte Rächer macht, können sich die Superhelden nicht verlassen, weshalb sie mit vereinten Kräften dem Ableben des Dunklen Ritters auf den Grund gehen. Dabei stoßen sie unter anderem auf einen mysteriösen Geheimbund, der in Gotham City seit Jahrhunderten die Fäden zieht.

Die Story von „Gotham Knights“ ist eine Stärke des Titels, könnte sie doch sehr gut den Seiten eines Batman-Comics entsprungen sein. Fans werden immer wieder über allerlei Anspielungen auf jene Reihen stoßen, von denen sich das Team von Warner Bros. Montreal („Batman: Arkham Origins“) inspirieren ließ. Eine bloße Adaption dieser Vorlagen solltet ihr jedoch nicht erwarten, denn es ist eine komplett neue Handlung, die in einem eigenständigen Universum spielt. Wie die Comic-Abenteuer der Bat-Family lebt nun auch das neueste DC-Game zu einem nicht unerheblichen Teil von den unterschiedlichen Charakteren.

Vier einzigartige Helden im Kampf gegen das Böse

Zu Beginn des Spiels müsst ihr euch für eine der vier Figuren entscheiden und mit dieser eure ersten Schritte durch Gotham City wagen. Später könnt ihr zwischen den Missionen in der Kommandozentrale des Teams, dem Glockenturm, jederzeit zwischen den Superhelden wechseln. Den Verantwortlichen ist es dabei hervorragend gelungen, die Wesenszüge der verschiedenen Charaktere herauszuarbeiten. Jason (Red Hood) ist aggressiv und impulsiv, doch er hat auch eine weiche Seite. Tim (Robin) auf der anderen Seite ist zwar sehr smart, im Umgang mit seinen älteren Kollegen jedoch ab und an etwas unbeholfen.

Apropos Glockenturm: Dort interagieren die vier Superhelden hauptsächlich miteinander und so können wir einen Blick in ihr Gefühlsleben erhaschen. Diese Momente, von denen jeder der Hauptcharaktere eine bestimmte Anzahl hat, sind wirklich sehr gut gelungen. Dass diese Augenblicke so strahlen, liegt vor allem an der hervorragenden Dynamik der Protagonisten, die die Macher hier ausspielen können. Es ist allerdings sehr schade, dass es nicht mehr Dialogoptionen im Stützpunkt von Batgirl & Co. gibt, denn einige Phrasen wiederholen sich leider mit der Zeit und oft sind diese Charaktermomente schnell vorüber.

Viel mehr noch als in den ruhigen Momenten, kommen die Stärken der vier Helden im eigentlich Spiel zum Tragen. In der Open-World von Gotham City warten insbesondere allerlei verschiedene Verbrecher auf euch. Der eine oder andere war in den Trailern zu „Gotham Knights“ übrigens noch nicht zu sehen, weshalb wir euch die Überraschung an dieser Stelle nicht verderben möchten. Mit netten Worten lassen sich Harley, Mister Freeze und ihre Kollegen natürlich nicht wieder ins Gefängnis bringen. Das funktioniert sehr viel besser mit schlagkräftigen Argumenten und davon haben die vier Hauptfiguren einige auf Lager.

Im Grunde spielen sie sich alle ziemlich ähnlich und hier scheinen klar die Erfahrungen durch, die das Entwicklerteam mit ihrem letzten DC-Game sammeln konnte. „Gotham Knights“ ist ein spiritueller Nachfolger der „Arkham“-Reihe, auch wenn beide Story-technisch nichts miteinander zu tun haben. Ähnlich wie Batman darin bekommen es auch Batgirl, Nightwing, Red Hood und Robin zumeist mit mehreren Feinden zu tun, zwischen denen sie geschwind wechseln können.

Das grundlegende Move-Repertoire ist dabei identisch: Alle beherrschen leichte und schwere Nah- und Fernkampfangriffe, eine Ausweichbewegung, einen Wurf und verschiedene Spezialangriffe. Letztere sind an Schwung gebunden, eine Spezialenergie, die sich durch perfektes Ausweichen und erfolgreiche Attacken auflädt. Im direkten Vergleich wirbelt Batman geschmeidiger durch die Gegnergruppen. Auf der anderen Seite liegt der Fokus in „Gotham Knights“ sehr viel mehr auf den just erwähnten Spezialangriffen. Gerade im Koop dürfte deren geschickter Einsatz der Schlüssel zum Erfolg sein.

Wie erwähnt hat jeder Charakter zudem eigene Stärken: Da Nightwing einmal ein Zirkusakrobat war, kann er gegnerischen Attacken sehr gut ausweichen, während Muskelpaket Red Hood stärker zuschlagen kann als seine Teammitglieder. Robin ist dagegen eher ein Stealth-Spezialist und kann mit seinem Kampfstab auch mehrere Gegner gleichzeitig in Schach halten. Als Hackerin kann Batgirl dafür Alarmsysteme lahmlegen oder Waffen deaktivieren. Das bringt etwas Abwechslung in den Superhelden-Alltag und jeder sollte unter den vier Charakteren seinen persönlichen Liebling finden können, der zum eigenen Spielstil passt.

Action-RPG-typisch besitzt jeder der vier Superhelden selbstverständlich auch einen eigenen Talentbaum, der aus insgesamt vier Zweigen besteht. Zu Beginn eures Abenteuers stehen euch allerdings nur drei davon zur Verfügung. Den vierten Zweig, Ritterschlag, müsst ihr erst freischalten, indem ihr ein paar Nebenaktivitäten erledigt.

Sobald dies getan ist, könnt ihr Gleitfähigkeiten, die neue Fortbewegungsmöglichkeiten eröffnen, sowie besonders mächtige Spezialangriffe freischalten, die in kniffligen Situationen den Unterschied machen können. Batgirl kann beispielsweise kurzzeitig eine Drohne als Unterstützung herbeirufen, während Robin durch ein Portal einen Gegner packen und so direkt außer Gefecht setzen kann.

Ein bewährter Gameplay-Mix

Ähnlich wie in den „Arkham“-Spielen erwartet euch auch in diesem DC-Abenteuer der bewährte Mix aus viel Action, etwas Erkundung, einigen Rätseln in Form von Detektivsequenzen und ein bisschen Stealth. Vorsichtiges Vorgehen ist in den meisten Fällen eine empfehlenswerte Strategie, denn gerade auf den höheren der vier Schwierigkeitsgrade halten die Superhelden nicht allzu viele Treffer aus. Dem frühen K.O. könnt ihr zwar durch neue Anzüge und Mods (Verbesserungen), die ihr im Laufe der Story freischaltet, entgegenwirken, doch einige Stellen sind ziemlich knackig – gerade die Bosskämpfe gegen einige bekannte Schurken.

Mit den Kämpfen werdet ihr entsprechend den Großteil eurer Spielzeit verbringen. Wir brauchten für unseren ersten Playthrough rund 20 Stunden, wobei wir ungefähr gleich viel Zeit mit der Story und diversen Nebenaktivitäten verbracht haben. Insgesamt empfanden wir die Konfrontationen mit Gothams Schurken über die gesamte Zeit hinweg sehr spaßig. Das liegt unter anderem an einigen optionalen Bonuszielen (z. B. erleide keinen Schaden) und den vielen Möglichkeiten, die wir in den Auseinandersetzungen haben.

Allerdings hätte die Gegnervielfalt gerne noch etwas größer ausfallen dürfen und wie langfristig euch die Kämpfe an den Controller fesseln werden, dürfte vermutlich zu einem nicht unerheblichen Teil von eurer Bereitschaft abhängen, viel mit den Optionen herumzuexperimentieren.

Da die offene Spielwelt ziemlich groß ist, gibt es natürlich auch verschiedene Möglichkeiten, um schneller von A nach B zu kommen. Von Beginn an kann jeder der vier Superhelden zum Beispiel ein Motorrad rufen und damit durch die Stadt heizen. Das geht an sich gut von der Hand, allerdings steuert es sich, wie das Batmobil in „Arkham Knight“ doch eher schwerfällig. Später kommen die zuvor erwähnten Gleiter hinzu. Das Geschwindigkeitsgefühl empfanden wir nur als okay. Die Entwickler nutzen zwar verschiedene Tricks wie Speedlines am Bildrand, allerdings eher mit mäßigem Erfolg. Wirklich rasant bewegt ihr euch wirklich nicht fort.

Insgesamt wandelt „Gotham Knights“ auf bekannten Pfaden und geht keine Risiken ein. Das gilt sowohl für die Hauptmissionen als auch die unterschiedlichen Nebenaktivitäten. Ihr könnt verschiedenen Bösewichten hinterherjagen, allerlei Sammelobjekte suchen oder Zeitrennen fahren. All diese Dinge sind zwar gut ins Setting des Games eingebunden, jedoch nur wenig originell. Nach einiger Zeit ertappten wir uns bei dem Gedanken „Langsam wird es zäh“. Darüber hinaus schwankt die Qualität der Nebenmissionen: Einige, etwa ein Handlungsstrang rund um Harley Quinn, sind wirklich spannend, andere dafür eher generisch und langweilig.

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Technisch eines Superhelden unwürdig

Ähnlich durchwachsen fällt unser Fazit zur Technik des Superhelden-Abenteuers aus. Die Charaktermodelle, sowohl die der Helden als auch die der Schurken, sind den Entwicklern wirklich gut gelungen. Die wichtigen Charaktere sind optisch klar an ihre Comic-Vorbilder angelehnt und haben gleichzeitig einen eigenen Charme. Auch die Animationen, obwohl ab und an etwas ungelenk, sind insgesamt gut gelungen und spiegeln den Kampfstil des jeweiligen Helden/Schurken sehr gut wider.

Gotham City ist zudem ein auf den ersten Blick wirklich schicker Schauplatz. Wenn während einer verregneten Nacht dichte Rauchschwaden die Luft füllen, Straßenzüge in der Ferne von Polizeiblaulicht erhellt werden, während sich das fahle Mondlicht seinen Weg durch die Wolkendecke bahnt, erzeugt all dies eine sehr dichte Atmosphäre, die den Flair des Comic-Originals gut einfängt. Außerdem glänzen viele Schauplätze des Spiels mit diversen kleinen Details. Während einer Mission hat Harley beispielsweise ein Krankenhaus angegriffen und die Räume in der ihr unnachahmlichen Art herrlich schräg dekoriert – wirklich toll!

Allerdings ist die düstere Metropole bei genauerer Betrachtung lediglich eine schöne Kulisse. Die Anzahl der Fußgänger auf den Straßen ist eher überschaubar und selbiges gilt für die Fahrzeuge, die sich auf den Straßen befinden. Das Gefühl, eine lebendige Welt zu durchqueren, kam bei uns nur sehr selten auf. Erschwerend kommt hinzu, dass die technische Performance des Titels ebenfalls nicht überzeugen kann. Wir hatten auf der PlayStation 5 immer wieder mit teils heftigen Slowdowns, Texturnachladern und kleinen Grafikfehlern zu kämpfen. Nichts davon hat das Game je unspielbar gemacht, doch es ist wegen der Häufigkeit unschön.

Wenig zu beanstanden haben wir dafür bei der musikalischen Untermalung von „Gotham Knights“. Der Soundtrack ist insgesamt sehr stimmungsvoll gelungen und unterstreicht sowohl die actionreichen als auch ruhigen Momente stets passend. Die deutsche Sprachausgabe fällt ebenfalls grundsolide aus und die Sprecher sind mit Herzblut bei der Sache. Im direkten Vergleich sehen wir die englische Synchro allerdings eine Batarang-Länge vorne.

8.0

Wertung und Fazit

PRO
  • Gute Story, die aus einem Batman-Comic stammen könnte
  • Sympathische Hauptfiguren, die eine tolle Dynamik miteinander haben
  • Batgirl, Nightwing, Red Hood & Robin haben eigene spielerische Stärken und spielen sich unterschiedlich
  • Gotham City an sich eine atmosphärische Open-World
CONTRA
  • Anzahl der Gegnertypen eher überschaubar
  • Qualität der Nebenmissionen schwankt; viele sind eher generisch
  • Spielwelt wirkt eher wie eine leblose Kulisse
  • Technische Performance des Spiels durchwachsen

Gotham Knights im Test: Das DC-Universum braucht neue Superhelden

Im Grunde genommen ist "Gotham Knights" ein wirklich gutes Action-RPG, das mit sympathischen Helden und einer atmosphärischen Spielwelt auftrumpfen kann. Die Story, die sich an der reichhaltigen DC Comics-Historie bedient, sowie die Dynamik der vier Hauptfiguren zählen dabei definitiv zu den größten Stärken des Spiels und dürften nicht nur Fans des Batman-Universums überzeugen können.

Spielerisch wandelt der Titel dafür eher auf bekannten Pfaden und gibt sich wie ein spiritueller Nachfolger der "Batman: Arkham"-Reihe. Deren Gameplay-Mix aus Action, Erkundung, Rätseln und Stealth funktioniert noch immer sehr gut, obwohl er sich über den Lauf der Jahre ein wenig abgenutzt hat. Die Qualität der optionalen Nebenbeschäftigungen schwankt beispielsweise teils stark und die Entwickler haben sich zu selten getraut, eigene spielerische Akzente zu setzen. Diese eigene Identität, etwa in Form des größeren Fokus auf die Gadgets und Spezialattacken der Superhelden, hätte gerne stärker herausgearbeitet werden dürfen.

Ebenfalls ärgerlich sind die relativ häufig auftretenden technischen Schnitzer, die das Spiel zwar nicht kaputt machen, doch den Gesamteindruck trüben. Insgesamt erwartet euch hier ein gutes Action-Rollenspiel, das sich aus dem Schatten seiner "Vorgänger" nicht richtig lösen kann. Für DC- und "Arkham"-Fans sowie Open-World-Liebhaber lohnt sich dieser neue Trip nach Gotham City, auch wenn er seine klaren Schwächen hat.

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Kommentare

ChraSsEalIeNKi

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20. Oktober 2022 um 13:23 Uhr
TemerischerWolf

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20. Oktober 2022 um 13:30 Uhr
Twisted M_fan

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