Preview: Resident Evil: Degeneration

„Degeneration“ trägt die typische Capcom-Handschrift, was natürlich an der verwendeten CGI-Technik liegt. Durch die Rendergrafiken schaut man gespannt eine anderthalb Stunden lange Zwischensequenz an, welche wohltuend an die Machart der FMVs der PSone-Originale von „Resident Evil 2“ und „Resident 3: Nemesis“ erinnert. Damals wünschte man sich innig, mehr von diesen Cut-Scenes zu bekommen – nach 12 Jahren ist es nun tatsächlich der Fall.

ImageDie Story baut auf bekannten Ereignissen auf und setzt ein gewisses Basis-Knowhow über das „Resident Evil“-Universum voraus. Es ist von Vorteil, wenn man selbst miterlebt hat, wie es zur Vernichtung von Raccoon City am Ende von  Teil 3 kam. Um dieses Großereignis dreht sich im Grunde die ganze „Degeneration“-Geschichte. Der  Schauplatz und der Zeitpunkt ist allerdings ein anderer. Der CGI-Film handelt 2007, also 7 Jahre nach der Vernichtung der Stadt im mittleren Westen der USA und ein Jahr vor „Resident Evil 5“. Die zeitliche Konstellation macht das Werk auch so interessant: Trifft man dadurch doch auf bekannte Gesichter wir Claire Redfield – ihr Bruder Chris hat die Hauptrolle im kommenden PS3-Abenteuer – und Leon S. Kennedy, dem Helden aus Teil 4. Die Figuren – egal ob Claire Redfield als oder Leon S. Kennedy – gehen bei der Kleidung, der Mimik und Gestik, dem ganzen Verhalten ebenso mit den PlayStation-Blockbustern d’accord.

„Der erste wahre und gelungene „Resident Evil“-Film. Eine 96 Minuten lange CGI-Zwischensequenz, die insbesondere den Fans der Serie gefällt“

„Degeneration“ schafft es, seine Videospiel-Vorlage deutlich besser zu portraitieren als „Final Fantasy VII: Advent Children“. Die Square-Enix-Produktion kann man ruhig Gewissens als „zu kitschig“ bezeichnen. „Resi“-Fans wird es gefallen, wenn sie die kleinen, mit viel Liebe zum Detail inszenierten Anspielungen auf ihre Lieblingsserie entdecken. Beispielsweise sucht Mrs. Redfield nach einer Waffe, findet aber nur einen rot-weißen Regenschirm – eine unterhaltsam in Szene gesetzte Hommage an die berühmt-berüchtigte Umbrella Corporation und deren markantes Firmenlogo.

ImageDa „Resident Evil 5“-Director Jun Takeuchi als Producer am CGI-Streifen mitwirkte, dient die Produktion ein Stück weit als Appetitanreger für den im März 2009 erscheinenden Next-Gen-Horrortrip. Es gibt diverse Anspielungen. Insofern sollte man den Film gesehen haben, auch wenn die Story hier und da unfreiwillig einige Längen aufweist. „Degeneration“ ist hin und wieder mehr Videospiel als Film. Vereinzelt verharrt die Kamera zu lange auf generischen Action-Sequenzen anstatt noch mehr dramaturgische Elemente und kurzweilige wie auch informative Dialoge zu bieten. Dass es diese Passagen in die finale Fassung geschafft haben, ist verwunderlich, führte doch Makato Kamiya Regie. Makato-san ist in Japan für seine „Godzilla“-Movies bekannt und zeichnete vor einigen Jahren für die gerenderten Sequenzen von „Dino Crisis 3“ verantwortlich, die aus dem durchschnittlichen Sci-Fi-Action-Adventure regelrecht hervorstachen. Capcom beauftragte zudem Digital Frontier mit der Produktion von „Resident Evil: Degeneration“. Zu den Referenzen des japanischen Studios gehören der CGI-Film „Appleseed Saga Ex Machina“ und die Live-Action-Verfilmung der „Death Note“-Mangas. Und wer „Metail Gear Solid 4“ oder „Tekken 5“ gespielt hat, kam bereits – ohne es wissen zu können –  mit den Rendering-Künsten der Firma in Berührung.

Diese perfekte Verzahnung mit den Videospielen funktioniert, weil „Resident Evil 4“-Producer Hiroyuki Kobayashi auf dem Produzentensessel saß und dieses Mal direkt Einfluss auf das Drehbuch nahm. Bei „Resident Evil: Apocalypse“ und dem Nachfolger „Extinction“ war das nicht der Fall gewesen, hier waren ihn die Hände gebunden.

ImageWer den computergenerierten Streifen in Deutschland anschauen möchte, muss bis zum 5. Februar warten. „Resident Evil: Degeneration“ erscheint dann auf Blu-ray, DVD und – man lese und staune – auf der ausgestorben geglaubten PSP-UMD. Die blaue Scheibe bietet das meiste Bonus-Material. Dazu gehören ein Making-of, ein Interview, ein Pop-Up Trivia Track (einblendbare Texttafeln mit Zusatzinfos), Stimmproben, BD-Live-Content und ein paar Schmankerl mehr. Eine spielbare PS3-Demo ist allerdings nicht enthalten, sie kommt Anfang 2009 über das europäische PlayStation-Network. Hardcore-„Resi“-Fans liebäugeln zusätzlich mit der japanischen Blu-ray-Box (Release: 17. Dezember), deren Stückzahl auf 5.000 limitiert ist. In der Packung befindet sich eine Sammelfigur eines im Film vorkommenden Charakters, die stark an die mutierte Form von William Birkin erinnert. Na, schon neugierig geworden…?

FAZIT: „Resident Evil“-Film übertrumpft die drei Realfilme mit Mila Jovovich in der Hauptrolle um Längen. Gut, es gehört nicht viel dazu. Doch der CGI-Streifen ist in der Tat gut gelungen. Endlich hat man es verstanden, die Videospiel-Serie cineastisch so umzusetzen, dass „Resi“-Fans 96 Minuten erstmals neugierig zuschauen und sich nicht Fremdschämen müssen. „Degeneration“ ist nämlich keine Hollywood-kompatible Game-to-Cinema-Verwurstung, die aus den Spielen bekannte Personen und Sachverhalte zugunsten der Massentauglichkeit neu interpretiert. Im Gegenteil, es ist eine Produktion, die tiptop zum bisherigen Kanon passt. Resident Evil Degeneration erscheint am 05. Februar 2009 auf Blu-ray.

Blu-ray
Cover
USK
Medium:
Blu-ray Disc
Genre:
Action-Adventure
Studio:
Sony Pictures Home Entertainment
Release:
05.02.2009
Release-Preis:
29,95 EUR

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