Review

One Piece Pirate Warriors 4 im Test: Anime-Gekloppe für Fans

von Olaf Bleich | 31.03.2020 - 14:34 Uhr
Platform
Playstation 4
Developer
Omega Force
Publisher
Bandai Namco
Release
26. März 2020
7.0

„Dynasty Warrior“ – Bei diesem Namen schrillen bei vielen schon die Alarmglocken: ausufernde Schlachten gehören zur Spezialität des 1996 gegründeten Entwicklerteams von Omega Force. Mit „Dynasty Warriors“ erarbeitete sich das KOEI-Tochterunternehmen einen guten Ruf.

Daher betreut Omega Force auch mit „One Piece: Pirate Warriors“ eine für Bandai Namco wichtige Action-Serie auf Basis der bekannten Anime- und Manga-Lizenz. Die Philosophie dahinter blieb aber immer gleich und daran ändert sich auch mit dem vierten Ableger nichts. „One Piece Pirate Warriors 4“ ist unterhaltsame Anime-Action, aber tritt spielerisch zu oft auf der Stelle.

Was wir gut finden

Ein Fest für Fans

Im Januar zeigte „Dragon Ball Z: Kakarot“ wie man aus einer populären Anime-Serie ein richtig launiges Spiel zaubert. „One Piece Pirate Warriors 4“ geht bei der Aufbereitung seiner Vorlage in eine ganz ähnliche Richtung und bereitet die Geschichte von „One Piece“ in insgesamt sechs Akten auf. Das Spiel setzt dabei auf einen enorm hohen Wiedererkennungswert und Authentizität. Wie auch bei „Dragon Ball Z: Kakarot“ setzt man auch in „Pirate Warriors 4“ ikonische Momente in Spielgrafik mitsamt des dazu passenden Soundtracks um. Das sorgt für Stimmung.

Launig, aber nicht fehlerfrei

Für Fans gibt es zudem ein Wiedersehen mit vielen alten Freunden. Im Verlauf des Spiels wartet „Pirate Warriors 4“ mit 40 spielbaren Charakteren aus dem „One Piece“-Universum auf. Sie alle besitzen unterschiedliche Aktionen sowie Stärken und Schwächen. Ihr kontrolliert also nicht nur Monkey und die Piraten von der Strohhutbande, sondern auch eine Reihe von Nebenfiguren und teils sogar Schurken.

Launiges Prügel-Gameplay

Spielerisch tut sich aber im Vergleich zu den Vorgängers wenig. Auch „One Piece Pirate Warrriors 4“ ist ein Third-Person-Prügler mit starkem Fokus auf Massenschlachten. Wie bereits angedeutet, wechselt ihr zwischen den Missionen immer wieder munter eure aktuellen Spielfiguren durch. Das bringt optisch und spielerisch Abwechslung ins Spiel. Während beispielsweise Zorro mit seinen Schwertern lieber auf dem Boden der Tatsachen bleibt, präsentiert sich Sanji als Luftakrobat mit einer Vielzahl an Kicks und anderen Manövern.

Sonderlich komplex ist das Spiel aber dennoch nicht. Jede Figur besitzt vier Spezialmanöver, die ihr mit Hilfe der Schulter- und Aktionstaste aktiviert. Neu hinzukommen sind die Luft-Kombos, mit deren Hilfe ihr sogar Gegnergruppen munter in der Luft jonglieren könnt. Und genau darin liegt letztlich auch der Clou am Spiel: möglichst lange Kombos ergattern und in den weitläufigen Level-Hubs für möglichst viel Chaos sorgen. „One Piece Pirate Warriors 4“ ist leichtgängige Action, auch wenn ihr hin und wieder eure Kameraden taktisch unterstützen müsst oder sogar mit Zeitlimits zu kämpfen habt.

Figuren verbessern und aufwerten

Je erfolgreicher und schneller ihr eure Gegner in ihre Schranken weist, desto höher fallen auch die Belohnungen aus. Mit den erhaltenen Ressourcen wiederum schaltet ihr zunächst allgemeine Upgrade wie etwa für Gesundheit oder angerichteten Schaden frei. Später dann aktiviert ihr wiederum charakterspezifische Fertigkeiten und verbessert so eure Charaktere immer weiter und schaltet auch neue Aktionen frei. In Verbindung mit dem reichhaltigen Kader motiviert das zum Weiterspielen und unterstreicht noch einmal den Anspruch eines echten Anime-Abenteuers, in dem die Helden immer neue Fähigkeiten entdecken.

Was wir schlecht finden

Recycling und technische Defizite

Zweifellos ist „One Piece Pirate Warriors 4“ das beste und hübscheste Spiel der Omega-Force-Reihe. Allerdings fallen trotzdem technische Limitierungen auf. Gerade die Horden von Gegnern wirken immer wieder wie aus der Retorte und teils wirkt das Spiel auch recht unrund. Da entdecken wir Texturflimmern und andere unschöne Grafikprobleme wie eine wankelmütige Bildrate und Clipping-Patzer.

Darüber hinaus arten die Kämpfe nicht selten in völliges Chaos aus. Schuld daran ist zunächst die arg langsame Kamera und eine fehlende Funktion zum Fokussieren auf bestimmte Gegnertypen wie etwa Bosse oder Generäle. Nichts ist anstrengender, als wenn die Ansicht wahlweise in Objekten steckt oder wir die Kamera nachträglich justieren müssen, um überhaupt etwas zu sehen. Diese Aspekte trüben auch den Spielablauf, da Special-Moves daneben gehen oder wir nicht den Eindruck haben, als hätten wir die Situation unter Kontrolle.

Wehrt euch!

Unser größtes Problem mit dem Actionspiel sind aber die selbst auf mittlerem Schwierigkeitsgrad viel zu passiven Gegner. Wir treten wahren Hundertschaften an Klon-Ganoven gegenüber und selbst wenn wir das Gamepad weglegen, richten die Gesellen wenig bis gar keinen Schaden an. Sie warten schlichtweg darauf, dass wir ihnen eins auf die Nase geben.

Und auch wenn wir uns gerne wie übermächtige Superhelden fühlen, so erwarten wir doch wenigstens von Generälen und Bossen, dass sie so etwas wie Widerstand leisten. Viel zu häufig aber verdreschen wir auch sie einfach nur und das einzige, an was wir uns erfreuen ist letztlich der steigende Kombo- und Kill-Counter. Allerdings fehlt uns dadurch viel zu oft ein Gefühl, eine Hürde im Spiel gemeistert zu haben.

Gameplay trotz Action-Fokus Geschmackssache

„One Piece Pirate Warriors 4“ bringt nur wenige wirklich handfeste Neuerungen mit sich und entsprechend bleibt das eigentliche Spielprinzip nahezu unangetastet. Seid ihr kein „One Piece“-Fan und erwartet euch von Kämpfen vor allem eine Herausforderung und absolute Kontrolle, dann ist „Pirate Warriors 4“ nichts für euch. Das teils enorm stumpfe Geprügel macht zwar durchaus Spaß, ist aber spielerisch recht flach. Denn auch wenn ihr zwischendurch wechselnde Aufgaben erfüllt und auch Nebenmissionen annehmt, so bietet das Spiel insgesamt sehr wenig Abwechslung.

7.0
Pro
  • jede Menge Fanservice
  • unterhaltsame Action
  • gut umgesetztes Upgrade-System
Contra
  • technisch hübsch, aber nicht fehlerfrei
  • Kämpfe arg anspruchslos
  • lahme Kamera

Wertung und Fazit

One Piece Pirate Warriors 4 im Test: Anime-Gekloppe für Fans

„One Piece Pirates Warriors 4“ ist zweifellos das beste Spiel der von Omega Force betreuten Actionserie. Natürlich ändert sich an der Gameplay-Formel nur wenig und genau deshalb wird auch „One Piece Pirate Warriors 4“ nicht jedem gefallen.

So launig die bunten und spektakulären Schlachten auch sein mögen, so mangelt es ihnen doch langfristig an Abwechslung. Uns störte besonders die weiterhin vorherrschende Passivität der Verstärkungstruppen und sogar einige Bossgegner. Das ständig Verdreschen scheinbar wehrloser Polygon-Figuren ist trotz abwechslungsreicher Spezialaktionen und reichhaltiger Kämpferauswahl zu monoton. Dazu störten uns auch die allzu hektischen Kamerawechsel und die fehlende Option zum Fixieren der Ansicht auf einen Boss-Gegner.

Kurzum: Erwartet hier keine anspruchsvolle Schlachtplatte, sondern eher launiges Button-Mashing. Aber wer diese Art von Spielen im „Dynasty Warriors“-Stil mag und obendrein auch noch Fan der „One Piece“-Animes ist, für den ist „Pirates Warriors 4“ ein Freudenfest: in diesem Spiel stecken enorm viel Herzblut und noch mehr Fanservice.

Kommentare

  1. Feulas sagt:

    kleine Anmerkung: Monkey ist nicht der Vorname des Hauptcharakters 😉 sondern Ruffy bzw. Luffy (jap.).

  2. DarkSashMan92 sagt:

    Nachdem Ace getötet wurde und 2 Jahre vergingen, ist die Serie sowieso Schmutz geworden.
    Die Spiele habe ich noch nie angefasst, weil sie grafisch und auch vom Gameplay her sehr schlecht waren.

  3. Boyka sagt:

    Geiles Spiel aber auch "nur" für One Piece Kenner und Fans.
    Dieses "Gekloppe" passt auch zu One Piece..

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