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The Chant im Test: Vorhersehbare, aber trotzdem spannende Sektengeschichte mit Survival-Elementen

Mit “The Chant” bekommt ihr im Herbst 2022 ein weiteres Horrorgame präsentiert, das euch mit gruseligen Monstern und einer angsteinflößenden Geschichte an den Kragen will. Wir haben das Psycho-Horrorgame durchgespielt und verraten euch, was euch im Retreat auf einer abgelegenen Insel erwartet.

play3 Review: The Chant im Test: Vorhersehbare, aber trotzdem spannende Sektengeschichte mit Survival-Elementen
7.5

In “The Chant” spielt ihr die Protagonistin Jess, die aufgrund eines schweren Schicksalsschlags vor einigen Jahren völlig neben sich steht. Ihre Freundin lädt sie ein, gemeinsam eine Weile im Prismic Science Spiritual Retreat auf Glory Island zu verbringen, um endlich zu heilen. Schon nach wenigen Minuten im Spiel werdet ihr feststellen: Das Retreat, das sich auf Prismenenergie spezialisiert hat, ist eine ausgeklügelte Sekte voller gebrochener Mitglieder.

Das wird euch spätestens klar, wenn das angebliche Reinigungsritual plötzlich schief geht, da ein Mitglied einen psychischen Totalausfall bekommt. Das eigentlich so harmlose Ritual öffnet ein Tor in eine psychedelische Dimension des Schreckens, die einen mysteriösen Nebel und bluthungrige Monster auf die Insel entlässt. Und als wäre das nicht schon genug, drehen die anderen Mitglieder des Retreats völlig durch und werden zu besessenen Hüllen ihrer eigenen Ängste. Da sich die bösartigen Kreaturen von negativen Emotionen der Menschen ernähren, steht schon bald das Leben aller auf dem Spiel.

Erkundet Glory Island

Um zu überleben, ist es nun eure wenig überraschende Aufgabe, die Insel zu erkunden, alle durchgedrehten Mitglieder des Retreats zu erreichen und möglichst nicht durch Monsterhand zu sterben. Vielleicht lässt sich das Ritual ja erneut durchführen, beenden und damit alles Unheil aufhalten? Um das zu schaffen, bewegt ihr euch durch die relativ linear gestalteten Wege der Insel, kombiniert metallische Formen zu Schlüssel und öffnet damit Türen, die euch in den nächsten Abschnitt des Spiels bringen.

Viele Teile der Hauptstory waren vorhersehbar, vor allem was die Beweggründe und Aktionen der anderen Retreat-Teilnehmer betrifft. Umso überraschender hat sich das Spiel später gedreht und ein Ende präsentiert, mit dem wir so wohl nicht gerechnet hätten. Das Gameplay selbst blieb eigentlich immer gleich: Items finden, Türen öffnen, Dialoge führen und kämpfen. Um euch schneller über die Insel zu bewegen, gibt es eine Schnellreise-Funktion. Die war aber insgesamt so unübersichtlich, weshalb wir sie auch nur 2x verwendet haben und gut drauf verzichten könnten.

Die Energie der Prisma-Kristalle

Wie bereits zuvor erwähnt, dreht sich im Retreat alles um die heilende Prisemenenergie. Jedes Mitglied erhält einen Prismenstein, der Kräfte beinhalten soll. Ob die anderen Leute davon was merken, wissen wir nicht, aber Jess bekommt durch die Energie des Edelsteins ein paar coole Psychokräfte. Damit könnt ihr Feinde mit einer Druckwelle wegstoßen und andere Angriffe ausführen. Je nachdem, welchen Stein ihr besitzt, können sich die Kräfte verändern.

Natürlich gibt es auch praktische Waffen. Zumindest, wenn man sie so bezeichnen möchte, denn Schwerter oder Schusswaffen gibt es hier nicht. Wie es sich für eine spirituelle Sekte gehört, bastelt ihr aus Naturmaterialien brennende Ruten, kleine Salbeiknüppel oder werft den Feinden einfach Salz ins Gesicht. Die Kämpfe selbst fühlen sich leider alle relativ ähnlich an, bis ihr am Ende zum großen Finale kommt. Hier erwarten euch noch ein paar Überraschungen. Um dafür gut gerüstet zu sein, könnt ihr im einfach gehaltenen Skillbaum ein paar Stats verbessern.

Die Ausweichanimation gefällt uns übrigens besonders gut, sie wirkt so herrlich unbeholfen. Das lässt die Kämpfe realistisch wirken, denn hier schlägt sich keine Soldatin durch das Getümmel, sondern eine junge Frau, die noch nie in ihrem Leben kämpfen musste. Würde Jess perfekte Ausweichrollen vollziehen und pausenlos Headshots verteilen, wäre das sehr unrealistisch.

Eine körperliche Auseinandersetzung ist übrigens nicht immer nötig: Manchmal ist es die einfachste Option, einfach wegzulaufen. Es gibt sogar eine Trophäe dafür, wenn ihr einen bestimmten Gegnertyp niemals tötet!

Psychischer Horror

Den Aspekt des Psychohorrors sollt nicht nur ihr als Spieler spüren, sondern auch die Protagonistin selbst. So müsst ihr nicht nur auf die Lebensenergie der Protagonistin aufpassen, sondern auch auf Geist und Seele von Jess. Haltet ihr euch beispielsweise zu lange in der Dunkelheit auf oder trefft auf Kreaturen einer anderen Dimension, nimmt eure Psyche ab. Fällt dieser Balken auf Null, bekommt Jess eine Panikattacke und kann nur noch panisch wegrennen.

Damit euch das nicht passiert, solltet ihr auf euren Erkundungstouren Ausschau nach Items halten, die eure geistige Stabilität wiederherstellen. Eine kleine Meditationseinheit kann ebenfalls helfen. Da ihr geistige Energie aber auch für das Verwenden von Prismenfähigkeiten benötigt, solltet ihr euch eure Kraft gut einteilen.

Der ständige Blick auf ein ausgewogenes Körper-Geist-Seele-Verhältnis und das Einteilen entsprechender Ressourcen gibt “The Chant” auch ein bisschen Survival-Horror-Feeling. Anfangs waren wir mit dem Managen ein bisschen überfordert, doch genau das scheint auch Teil des Spielprinzips zu sein. Die permanente Angst, in Kämpfen eine Panikattacke zu bekommen, trägt maßgeblich zum adrenalingeladenen Spielgefühl bei.

Obwohl uns das Spiel ziemlich gut gefallen hat, müssen wir insgesamt zugeben: So richtiger Psycho-Horror, wie ihr ihn vielleicht von “The Evil Within 2” oder so kennt, kommt in “The Chant” eher selten auf. Dafür schwingt permanent ein bedrückendes Gefühl mit, wenn ihr Stück für Stück hinter die Geheimnisse der Insel kommt.

Während ihr die grundlegenden Eckpunkte der Geschichte in Cutscenes und Dialogen erzählt bekommt, steigt ihr erst mit gefundenen Filmrollen und Briefen so richtig hinter die perfiden Machenschaften der Strippenzieher des Retreats. Psychische Rettung soll hier niemand erfahren – ganz im Gegenteil: Wer Geld hat, darf hier ziemlich lange bleiben.


News zu The Chant: 


Eure Entscheidungen im Spiel, sei es die zwischen Kampf und Flucht oder einer bestimmten Dialogoption, sollen den Verlauf der Geschichte mitbestimmen und für verschiedene Wege sorgen. Ob die gerade gewählte Option gut oder eher schlecht war, merkt ihr aber lange Zeit nicht. Ob eure Antworten zur Rettung führen, erfahrt ihr also erst am Ende.

7.5

Wertung und Fazit

PRO
  • Nachvollziehbare Charaktere
  • Interessante Sekten-Thematik
  • Erfrischendes Psyche-Körper-Geist-Handling
  • “Waffen” in Form von Salzen und Kräutern passend zum Thema
CONTRA
  • Kämpfe oftmals sehr eintönig
  • Handlung teils vorhersehbar
  • Gameplay-Elemente wiederholen sich häufig

The Chant im Test: Vorhersehbare, aber trotzdem spannende Sektengeschichte mit Survival-Elementen

Das Sekten-Thema hat uns ab der ersten Minute gecatcht. Die Stärke des Spiels liegt ganz klar in den kleinen Lore-Schnipseln, die so manche böse Absicht ans Licht bringen. Obwohl “The Chant” über weite Teile recht vorhersehbar ist und die Kämpfe eher rudimentärer Natur sind, konnten uns die einzelnen Kapitel über die verschiedenen Charaktere in den Bann ziehen. Ihre Emotionen sind für uns oft nachvollziehbar und wir haben immer versucht, mit Briefen und anderen Fundstücken noch ein bisschen mehr herauszufinden.

Dass Managen der Psyche ist eine erfrischende Abwechslung zu den meisten anderen Horrospielen und passt super zum Konzept von “The Chant”. Ihr dürft hier einfach keine hochkomplizierten Kämpfe erwarten, die eure Gamer-Fähigkeiten herausfordern. Vielmehr geht es in “The Chant” darum, bei Auseinandersetzungen mit Kreaturen aus einer anderen Dimension nicht in Panik zu verfallen oder ihnen sogar ganz zu entfliehen, anstatt den Salbei zu wedeln. Seid im Einklang mit Körper, Geist und Seele und eure psychischen Wunden werden heilen. Vielleicht.

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