Review

Death Stranding Director’s Cut im Test: Kein gewöhnliches Abenteuer

von Sven Raabe | 23.09.2021 - 14:00 Uhr
Developer
Kojima Productions
Publisher
Sony Interactive Entertainment
Release
24. September 2021
8.5

Vor beinahe zwei Jahren erschien das jüngste Werk von Videospiel-Ikone Hideo Kojima ursprünglich noch exklusiv für die PlayStation 4. Nun feiert es als „Death Stranding Director’s Cut“ sein Comeback auf der PS5 und hat dabei nicht nur einige neue Inhalte im Gepäck, sondern wurde zudem technisch überarbeitet. Wir verraten euch nachfolgend, warum dieses Abenteuer trotz der einen oder anderen Schwäche noch immer eure Zeit wert ist.

Bringt die Menschheit wieder zusammen

Zunächst widmen wir uns der Story des Titels: Nach einem verheerenden Ereignis,  dem sogenannten „Death Stranding“, brach die menschliche Zivilisation zusammen. Die Erde verkam zu einem Ödland, das regelmäßig von mysteriösen Wetterphänomenen heimgesucht wird. Einzig einige Boten reisen durch diese postapokalyptische Landschaft, um verschiedene Pakete auszuliefern, so auch Sam Porter Bridgers, in dessen Rolle wir im Spiel schlüpfen. Unsere Aufgabe ist es dabei, die Überreste der USA zu bereisen und die Menschheit wieder zu vereinen.

Um dies zu erreichen, führt uns unser Weg vom Osten bis in den Westen der mittlerweile zersplitterten Vereinigten Staaten. Wir treffen dabei Leute, die Sam für ihre eigene Sache gewinnen wollen als auch solche, die es auf seine Fracht abgesehen haben oder ihn ausschalten wollen. Das übergeordnete Thema des Spiels ist dabei das der Verbundenheit – wir sollen verschiedene Stationen auf unserer Reise über das chirale Netzwerk wieder miteinander verbinden –, welches insbesondere in unserer heutigen Zeit von einer immensen Relevanz ist.

Wir erleben diese Geschichte unter anderem im Rahmen hochwertig produzierter und absolut filmreich inszenierter Zwischensequenzen, in denen der hochkarätige Cast, zu dem unter anderem Norman Reedus („The Walking Dead“) sowie Mad Mikkelsen („Hannibal“) und Léa Seydoux („James Bond 007: Keine Zeit zu sterben“) gehören, groß aufspielen kann. Jeder der Charaktere, obwohl einige zunächst klischeehaft wirken, hat eine ganz eigene Sicht auf das Leben und den Tod, was wiederum eine neue Seite an Sam hervorbringt und so ein komplexes Bild zeichnet.

Allerdings ist die Handlung von „Death Stranding“ letztendlich ein zweischneidiges Schwert. Sie wird nicht nur in hervorragend gemachten Cutscenes präsentiert, sondern ebenfalls in teils ellenlangen E-Mails und weiteren Texten erzählt, die einen in ihrer Fülle beinahe erschlagen könnten. Das Mysterium, was in dieser Welt geschehen ist und die teils verrückten Wendungen sorgen zwar dafür, dass der Spieler am Ball bleibt, allerdings verzettelt sich Kojima auch immer wieder. Erwartet lieber nicht, am Ende der 30 bis 50 Stunden langen Story alle Antworten zu erhalten.

Eine unvergleichliche (Arbeits-)Atmosphäre

Es geht bei diesem Spiel jedoch nicht primär darum, alles aufzuklären, sondern vielmehr um die Emotionen, genauer um eure persönlichen Emotionen während dieser Reise. Der Titel will euch auf einer Gefühlsebene abholen, was er nicht nur über die narrative, sondern vor allem die spielerische Ebene versucht. Diese ist dabei eng mit der Atmosphäre verknüpft, die sich während eurer teils ausufernden Ausflügen durch die zerklüftete Welt entfaltet.

Eure Mission ist es dabei zumeist, wichtige Objekte oder manchmal auch Personen von einem Punkt zum nächsten zu transportieren. Nachdem ihr einen Auftrag angenommen habt, rüstet ihr Sam mit allem aus, was ihr unterwegs benötigen könntet. Hierzu zählen zumeist Leitern, Seile, neuen Schuhe und natürlich die von eurem Auftraggeber geforderten Dinge. Nachdem ihr euch hierfür durch diverse unnötig unübersichtliche Untermenüs gewälzt sowie darauf geachtet habt, nicht mehr einzupacken als Sam schultern kann, legt ihr eure Route fest und brecht auf.

Da euer Spielcharakter lediglich eine begrenzte Anzahl von Päckchen mit sich führen kann, kommt hier auch ein strategisches Element hinzu. Ihr müsst also gut planen und antizipieren, was für euren Weg essentiell ist. Habt ihr dies getan, stapft ihr schweren Schrittes los hinaus in die schier endlosen Weiten. Sam wird stolpern, straucheln, nach Halt ringen und vermutlich auch immer wieder stürzen. Dank der neu implementierten DualSense-Features wie dem haptischen Feedback und den adaptiven Triggern fühlt sich dies wirklich beschwerlich an.

Das ist auch gut so, denn erst in dieser Kombination überträgt das Spiel die enorme Last, die Sam schultert, auch wirklich auf uns. Wir spüren, wie er sich abmüht, um sein Ziel zu erreichen. Erschwert wird dies noch das Terrain, das sowohl unwirtlich als auch absolut atemberaubend zugleich ist.

Kein gewöhnlicher Postbote

Die Landschaften sind organisch gestaltet und beeindruckten uns während unseres Tests immer wieder aufs Neue. So sehr, das wir während unserer Missionen regelmäßig kurz innehielten, um die unvergleichlich ruhige Atmosphäre in uns aufzunehmen. Zumindest dann, wenn die Umstände es zuließen, denn ihr werdet unterwegs nicht immer die wundervolle Landschaft genießen können. Zum einen liegt dies an der Umgebung an sich, denn diese ist gewissermaßen ein Puzzle, das ihr lösen müsst, um zu eurem Ziel zu gelangen.

Dafür benötigt ihr euer Equipment, etwa Leitern und Seile. Dank eines asynchronen Multiplayers dürft ihr sogar Objekte benutzen, die von anderen Spielern zurückgelassen wurden. Diese retteten uns regelmäßig und zeigen zudem wundervoll, dass auch alle „Death Stranding“-Boten verbunden sind.

Ab und an stolperten wir sogar über einige Warnschilder, denn so friedlich wie die von Island inspirierten Überreste der USA auf den ersten Blick auch aussehen mögen, der Tod lauert doch hinter nahezu jeder Ecke. Der Zeitregen, der alles, was er berührt im Zeitraffer altern lässt, und die oft nach ihm erscheinenden GDs stellen dabei eine besondere Bedrohung dar, denn diese sind mit dem bloßen Auge nicht sichtbar. Hierfür benötigt ihr die Hilfe eures kleinen Begleiters BB, eines Babys, das ihr an eurer Brust in einem kleinen Gefäß mit euch herumtragt. Ihr könnt die Gegner mit seiner Hilfe erkennen und sie schleichend umgehen, indem ihr die Luft anhaltet.

Dies funktioniert jedoch nicht jedes Mal und sollten sie euch entdecken, bleibt entweder nur der Kampf oder die Flucht. Letzteres ist in den ersten Spielstunden definitiv die bessere Wahl, denn ihr erhaltet erst später Waffen, mit denen ihr die GDs verletzen könnt. Bekommen euch diese trotzdem zu packen und reißen euch mit, müsst ihr euch Bossgegnern stellen, denen ihr besser nicht zu nahe kommen solltet. Doch nicht nur diese mysteriösen Wesen wollen Sam und BB, das ihr nach stressigen Situationen beruhigen müsst, um es am Leben zu erhalten, ans Leder, sondern ebenfalls die unnachgiebigen Naturgewalten wie Regen und Stürme sowie die zuvor bereits erwähnten MULEs.

Diese Plünderer warten nur darauf, euch auseinanderzunehmen und eure kostbaren Lieferungen zu stehlen. Ihr könnt diese Gegner zwar in den ersten Spielstunden mittels eines rudimentären Nahkampfsystems erledigen, doch meist ist es sinnvoller, diese Gruppen zu umgehen oder durch ihr Gebiet zu schleichen. Hier blitzt immer wieder Kojimas „Metal Gear Solid“-Vergangenheit durch. „Death Stranding“ ist zwar beileibe kein Stealth-Game, doch meist steht es euch frei, ob ihr Gegnern ausweicht oder lediglich ausknockt. Töten müsst ihr nur selten.

Ein Traum in 4K und HDR

All dies spielt sich, abgesehen von einigen Fahrzeugen, die gefühlt an jedem Kieselstein hängen bleiben, sehr rund. Auch die neuen Inhalte, etwa die neuen Objekte, die im PS5-„Director’s Cut“ enthalten sind, fügen sich organisch ins Spiel ein und erweitern das Original sinnvoll. Dank ihnen erhaltet ihr neue Möglichkeiten, um eure Waren sicher ans Ziel zu bringen. Habt ihr dieses nach zahlreichen Strapazen endlich erreicht, den Naturgewalten und Feinden getrotzt, ist es jedes Mal ein wohliges Gefühl, das sich in euch breitmachen wird.

Aufgrund der Hardwareleistung der PlayStation 5 sieht das Spiel dabei übrigens noch besser aus als ursprünglich auf der PS4. Insbesondere auf einem 4K-Fernseher mit aktiviertem HDR sieht „Death Stranding“ schlicht umwerfend schön aus und zieht euch mit seinen natürlichen Farben und den atemberaubenden Landschaften unweigerlich mitten ins Geschehen hinein. Auch die Charaktere wirken noch lebensechter und begeistern mit einer enormen Detaildichte. Abgesehen von kleinen Clipping-Fehlern ist uns während des Tests technisch nichts negativ aufgefallen.

8.5
Pro
  • Einvernehmende Atmosphäre
  • Faszinierende Spielwelt mit interessanten Charakteren
  • Beeindruckende Natur(phänomene)
  • Viele Möglichkeiten, um ein Ziel zu erreichen
  • Asynchroner Multiplayer fügt sich organisch ins Spiel ein
  • Hervorragende Technik & Inszenierung mit hochkarätigen Darstellern
Contra
  • Story wird teils ziemlich verworren erzählt
  • Menüführung unnötig kompliziert
  • Nahkampf & Fahrzeugsteuerung ausbaufähig
  • Langsames Gameplay dürfte nicht jedem gefallen

Wertung und Fazit

Death Stranding Director’s Cut im Test: Kein gewöhnliches Abenteuer

Mit "Death Stranding Director's Cut" hat Hideo Kojima einmal mehr ein Videospiel abgeliefert, das nicht bei jedem Gamer auf Gegenliebe stoßen dürfte. Das Gameplay, insbesondere die teils ausgedehnten Wandertouren während der Missionen, sind langsam und beschwerlich.

Auch die noch immer unnötig verschachtelten Untermenüs dürften nicht dabei helfen, dass sich wirklich jeder in die Mechaniken des Titels hineinfuchsen wird. Hinzukommen zudem die von Kojima gewohnt abgedrehten Charaktere und verrückten Momente innerhalb der Story.

Wer sich damit arrangiert und mit dem langsamen Gameplay sowie dieser mysteriösen Spielwelt anfreundet, der erhält im Gegenzug ein Videospiel, dessen Faszination man sich nur schwer entziehen kann. Seine besondere und nachdenklich stimmende Atmosphäre entfaltet der Titel gerade wegen seiner schwerfälligen und teilweise sperrigen Bedienbarkeit.

Doch damit transportiert es eine starke Botschaft, die gerade in unserer Gegenwart so wichtig ist: Wir müssen gemeinsam voranschreiten, immer weiter, um die Dinge wieder besser zu machen.

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Kommentare

  1. Venne sagt:

    Egal wie viele Tests ich lese, ich habe keine Ahnung was mich in dem Game erwarten würde. War bei der PS4 Version auch schon so.
    Und Videos von Games ansehen ist nicht so meins.
    Wird wohl wieder an mir vorbei gehen...

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