Review

DiRT 5 im Test: Spaßiger Arcade-Racer mit Motorproblemen

von Sven Raabe | 23.11.2020 - 20:17 Uhr
Platform
PS4, PS5
Publisher
Codemasters
Release
6. November 2020
8.0

Mit „DiRT 5“ schickt Publisher Codemasters erneut eine seiner PS-stärksten und erfolgreichsten Marken auf die Strecke. In bester Serientradition steht dabei natürlich vor allem der Spielspaß im Vordergrund, weshalb sich der Titel, wie seine Vorgänger, als astreiner Arcade-Racer präsentiert. Dabei brachte das Game auf der inzwischen etwas betagten PlayStation 4 gekonnt seine Stärken auf die Piste, einige technische Probleme verhindern auf der Zielgeraden jedoch den Abschluss auf der Spitzenposition.

Abwechslung & Motivation in der Singleplayer-Kampagne

Das Herzstück des Arcade-Racers bildet die Karriere. Diese wird als Podcast inszeniert, der von unserem Mentor „AJ“ moderiert wird. Er gibt uns kurze Einführungen in die insgesamt zehn verschiedenen Arten von Rennevents, kommentiert unsere Erfolge und liefert sich darüber hinaus gelegentlich kleinere Streitgespräche mit anderen Rennfahrern. All das ist keinesfalls mit einem „echten“ Story-Modus vergleichen, doch es liefert eine nette Rahmenhandlung und AJ sowie seine Gästen sorgen ab und an für ein kleines Grinsen.

Wir selbst sind natürlich ein junges Toptalent und müssen uns im Rennzirkus einen Namen machen. Dafür klemmen wir uns hinter das Steuer von 13 Fahrzeugklassen, die uns in der Regel für ein Event vorgegeben werden. Zu Beginn müssen wir noch mit eher schwachen und schlecht zu kontrollierenden Wagen die Ziellinie erreichen, doch bereits nach einigen Rennen hat man genug Preisgelder ergattert, um sich ein Gefährt mit besseren Werten zuzulegen. Generell gestalten sich die einzelnen Events über den gesamten Verlauf der Kampagne ziemlich motivierend, da wir am Ende immer mit Erfahrungspunkten, Geld und kosmetischen Boni belohnt werden. Auf diese Weise macht sich schnell das Gefühl breit, wirklich voranzukommen

Des Weiteren überlässt uns das Spiel recht schnell einen hohen Entscheidungsfreiraum. Wir bestimmen, welche Rennen wir fahren wollen, um voranzukommen. Anfangs sind wir noch dazu gezwungen, quasi jedes Event mitzunehmen, um voranzukommen, doch schon nach etwa einer Stunde Spielzeit können wir oft auch bestimmte Events ignorieren, die uns womöglich nicht wirklich liegen. Hierbei ist für jeden Geschmack etwas dabei, von den hitzigen Rallys über die fordernden Eisrennen bis hin zu den technisch anspruchsvollen Gymkhana-Strecken. Kleine Highlights sind dabei die Throwdown-Events, gewissermaßen die Bosskämpfe des Spiels, gegen besonders versierte Fahrer, die uns mehr abverlangen als die normalen KI-Gegner.

Dass sich dabei schnell ein „Ein Rennen geht noch“-Gefühl einschleicht, liegt genau zu einem großen Teil genau an diesen abwechslungsreichen Events, die uns im Rahmen der Karriere zur Auswahl stehen. Die Kampagne entführt uns in mehrere Länder und somit verschiedene Klimazonen rund um den Globus. Immer wieder warten also neue Umgebungen, Fahrzeugtypen und Herausforderungen auf uns, die gemeistert werden wollen. Apropos: In jedem Rennen gibt es gewissermaßen „Missionsziele“, für deren Erfüllung zusätzliche Belohnungen winken. Die Karriere ist ein durch und durch rundes Paket, das für vier bis acht Stunden, abhängig von eurem Schwierigkeitsgrad und eurem Komplettierungsanspruch, sehr gut motiviert.

Tolles Fahrverhalten und spannende Rennen

Doch die abwechslungsreichsten Rennen nützen natürlich wenig, wenn das Gameplay nichts taugt. Zum Glück zeichnen mit Codemasters Cheshire echte Rennspiel-Veteranen für „DiRT 5“ verantwortlich, die der eine oder andere sicherlich noch als Evolution Studios („Motorstorm“, „Driveclub“) kennen dürfte. Von ihren vorherigen Arcade-Racern haben die Entwickler zum Glück einiges übernommen, beispielsweise die zugängliche jedoch gleichzeitig angenehm fordernde Steuerung. Diese könnt ihr in den Optionen an eure Vorlieben anpassen und so etwa einige Fahrhilfen einstellen oder auf sämtliche Unterstützungen verzichten.

Das teils deutlich anspruchsvolle Fahrverhalten ergibt sich ebenfalls aus den Strecken und Witterungsbedingungen. Auf jedem Untergrund verhält sich euer Wagen ein bisschen anders. Im Schlamm kommt der Wagen ins Rutschen, Kies bremst euch etwas aus und auf einer nassen Fahrbahn muss man auch auf Asphalt etwas vorsichtiger mit Bremse und Gas hantieren. Unsere Highlights waren jedoch die Rennen auf vereisten Fahrbahnen, denn hier kommt es am meisten auf eurer fahrerisches Können sowie euer Feingefühl am Controller an und kleine Fehler – von euch wie von euren Gegnern – können in den spannenden Rennen entscheidend sein.

Dabei spielt sich übrigens jede der verfügbaren Fahrzeugklassen angenehm unterschiedlich. Kleine Sportwagen rasen mit jaulendem Motor über die Piste und schneiden messerscharf noch die engsten Kurven, während dicke Trucks eher schwerfällig über die Strecken donnern. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit geht die Steuerung für jedes Vehikel zügig in Fleisch und Blut über. Die KI geht übrigens schon auf den unteren Schwierigkeitsgraden recht ruppig zur Sache, was ärgerlich sein kann, wenn die Verfolger nach einem kleinen Fahrfehler mit Schmackes in euch reinfahren, sorgt andererseits jedoch auch dafür, dass die Rennen nie langweilig werden. Sollte euch das zu viel werden, könnt ihr auch die Aggressivität der KI-Gegner in den Optionen anpassen.

Grafisch und akustisch wirklich schön…

Die Technik ist auf der mittlerweile etwas in die Jahre gekommene PlayStation 4 derweil überaus ansehnlich und weiß zu überzeugen: Die Autos sind wunderschön detailliert gestaltet und selbiges gilt für den Großteil der Strecken. Hinzukommen die ausgezeichneten Wetter- und Partikeleffekte während der Rennen. Wenn in der ersten Runde ein gewaltiger Sandsturm aufzieht oder in einer weiteren Runde ein Regenschauer die Stimmung der Strecke verändert, ist das toll mit anzusehen. Optische Highlights sind dabei erneut die Eisrennen, in denen sämtliche Facetten hervorragend ineinander greifen. Die Spiegelungen auf dem Eis und in den Autos sind toll gelungen und erzeugen so eine einvernehmende Atmosphäre.

Nachts kommen noch Neonlichter und Feuerwerk hinzu, die den Strecken in Kombination mit der ohnehin sehr farbenfrohen Präsentation teilweise fast das Flair eines Festivals verleihen. Durch die wunderbare Lichtstimmung und die vielen Spiegelungen entsteht ein insgesamt tolles grafisches Gesamtbild. Des Weiteren habt ihr dank zwei unterschiedlicher Modi die Wahl, ob ihr lieber eine schönere grafische Darstellung des Geschehens mit mehr Details haben möchtet, oder ob lieber einige Details ausgeblendet und dafür die Framerate hochgeschraubt werden soll. Unsere Empfehlung ist die letztere Einstellung, da die Rennen so noch einen Tick geschmeidiger ablaufen.

Abgerundet wird all dies von einer sehr guten Soundkulisse sowie einem tollen Soundtrack mit einigen bekannten Liedern. Die Motoren hören sich schön kraftvoll an und tragen so schön zur Atmosphäre bei. Der Soundtrack beinhaltet einige echte Ohrwürmer und peitscht den Spieler noch ein bisschen zusätzlich an. Auch die deutschen Sprecher machen ihre Sache gut, obwohl sie teils etwas zu bemüht versuchen, cool klingen zu wollen, und sich einige Sprüche nach euren Rennen auf Dauer wiederholen. Audiovisuell gibt es insgesamt wenig an „DiRT 5“ auszusetzen.

… technisch nicht immer auf der Höhe

Allerdings präsentierte sich der Arcade-Racer auch immer wieder unsauber während unseres Tests. Wir hatten mit diversen technischen Problemchen zu kämpfen, die mit Tearing (Bildzerreißen) anfingen, sich über merklich zu spät nachladende Texturen sowie Physik-Bugs erstreckten und mit merkwürdigen Darstellungsfehlern in den Hintergründen der Strecken endeten. Dabei flackerten beispielsweise Gebäude oder Berge in der Kulisse immer wieder auf oder verschwanden teilweise für wenige Sekunden komplett. Einmal ist das Spiel bei uns sogar vollständig abgestürzt und hat so den jüngsten Fortschritt der Karriere zunichte gemacht.

Hinzugesellen sich viele, teils recht lange Ladezeiten. Vor und nach einem Rennen waren während unseres Tests Pausen zwischen 15 und 25 Sekunden die Regel und zwischenzeitlich kam es währenddessen auch zu kleineren Rucklern, die uns während der Rennen jedoch nicht aufgefallen sind. Selbst der Fotomodus, der während eines Rennens jederzeit aktiviert werden kann, geht stets mit einer Ladezeit bei seiner Aktivierung und Abschaltung einher, was schade ist, da so der eigene Flow unterbrochen wird. „DiRT 5“ präsentiert sich somit an der Oberfläche zwar gut und stimmig, leidet jedoch unter der Haube an einigen kleinen technischen Problemen.

Fehlende Erklärungen und Fremdkörper im Line-up

Wie zuvor bereits erläutert, präsentiert sich die Karriere an sich ziemlich abwechslungsreich und motivierend. Allerdings gibt es zu einigen Events keine wirklichen Erklärungen oder kurze Tutorials, was speziell für Einsteiger schade ist. Gerade einige Exoten im Line-up, beispielsweise die Sprint- oder Pathfinder-Events hätten vorab mit kleineren Videoclips besser erklärt werden können, speziell hinsichtlich der Eigenheiten der Steuerung.

Ein Modus, der heraussticht, ist derweil Playgrounds. Hierbei handelt es sich um einen Streckeneditor, der fast so wirkt, als sei er aus einem ganz anderen Spiel entliehen worden. Das Bauen mit dem Controller ist zunächst etwas fummelig, doch die Community hat online bereits einige spannende Kreationen geteilt. Es ist vermutlich nichts, was den Großteil der „DiRT 5“-Spieler lange beschäftigen dürfte und auch dezent deplatziert wirkt, doch der Modus ist durchaus ein ganz netter Bonus.

Abschließend noch ein paar kurze Worte zum Online-Modus: Die Rennen an sich funktionierten in der Regel sehr gut, auch wenn ihr euch auf einige längere Wartezeiten einstellen müsst. Die normalen Rennen waren während unseres Tests nicht allzu gut besucht, zwischenzeitlich fanden wir online nur zwei statt der maximal möglichen elf Mitspieler. Anders sah es derweil bei den Party-Spielen aus, weshalb es entsprechend schwer war, einen Platz zu bekommen. Doch Achtung, es kam zwischenzeitlich immer mal wieder vor, dass unsere Verbindung zu den Servern unterbrochen wurde.

8.0
Pro
  • Abwechslungsreicher, motivierender Karrieremodus
  • spaßiges Arcade-Gameplay
  • gute Optik und treibender Soundtrack
Contra
  • diverse technische Fehler
  • manchmal zu wenige Erklärungen
  • Pathfinder und Playgrounds wirken etwas deplatziert

Wertung und Fazit

DiRT 5 im Test: Spaßiger Arcade-Racer mit Motorproblemen

Auf der Piste selbst präsentiert sich „DiRT 5“ in Höchstform und begeistert mit seinem schnellen, spaßigen jedoch auch stets angenehm fordernden Arcade-Gameplay in Kombination mit seiner schicken Optik. Codemasters holt hier viel aus der PlayStation 4 heraus und erschafft ein abwechslungsreiches, motivierendes Rennspiel mit sehr schicker Optik, einem fetzigen Soundtrack und einem tollen Fahrgefühl.

Abseits der Strecke läuft es derweil nicht immer rund, denn technisch hat der Titel mit diversen Problemen zu kämpfen und ein paar Events fügen sich nicht wirklich organisch ins große Ganze ein. Außerdem wäre ein richtiges kleines Tutorial zu einigen Eventtypen nicht verkehrt gewesen, um nicht sofort ins kalte Wasser geworfen zu werden. Doch dies sind keineswegs Schwächen, die sich nicht verschmerzen ließen, denn Codemasters liefert hier definitiv einen der aktuell besten Arcade-Racer ab.

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