Cyberpunk 2077: Das Launch-Debakel zerstört das Vertrauen in die gesamte Branche

Falsche Versprechungen, Bugs und zu viel Hype: „Cyberpunk 2077“ hätte das Spiel des Jahres werden sollen. Doch die fehlerhafter Konsolenversion zeigt die Schwächen der Branche auf und zerstört das Vertrauen der Community in nahezu allen Bereichen.

Cyberpunk 2077: Das Launch-Debakel zerstört das Vertrauen in die gesamte Branche

Wisst ihr noch als Keanu Reeves die Xbox-Bühne der Electronic Entertainment Expo 2019 betrat und ein Fan ihm zurief „You’re breathtaking“, was Reeves wiederum mit „YOU’RE BREATHTAKING“ und „YOU ARE ALL BREATHTAKING“ erwiderte. Danach kündigte er den Release-Termin zu CD Projekt Reds Science-Fiction-Abenteuer an: Den 16. April 2020. Ach, damals war die Welt noch in Ordnung.

Wie wir alle wissen, kam alles anders: „Cyberpunk 2077“ wurde in seiner siebenjährigen Entwicklungszeit mehrfach verschoben und erschien schließlich am 10. Dezember 2020 für PC, Playstation 4 und Xbox One. Playstation 5 und Xbox Series X/S erhalten erst 2021 eine spezifisch auf die neue Hardware angepasste Version. Fair enough! Was aber alles andere als „fair“ ist, war der Umgang mit den Spielern und vor allem den Besitzern von Playstation 4 und Xbox One.

Wir haben uns bereits in einer früheren Kolumne über die „inakzeptable Technik“ des Spiels ausgelassen. Worum es mir aber an dieser Stelle geht, ist der immense Vertrauensbruch, der mit diesen Problemen einher geht. CD Projekt Red hat eine Menge Kredit verspielt und selbst wenn das Epos in ein paar Monaten dank zusammen ge-crunchter Patches vernünftig laufen sollte, so wird der Start von „Cyberpunk 2077“ in die Gaming-Geschichtsbücher eingehen.

Am eigenen Hype verschluckt?

Wenn CD Projekt Red ein großes, neues Spiel auf den Markt bringt, dann ist das etwas Besonderes. Das Studio mit dem Hauptsitz im polnischen Warschau wurde bekannt durch die „The Witcher“-Rollenspiele, doch erst mit dem 2015 veröffentlichten „The Witcher 3: Wild Hunt“ gelang der Durchbruch. CD Projekt Red nannte man künftig in einem Atemzug mit Rockstar oder Valve. Zugegeben, auch „The Witcher 3“ war zum Start nicht fehlerfrei, aber wurde als neuer Rollenspiel-Meilenstein gefeiert.

CD Projekt Red kreierte mit cleverem Marketing und einem coolen Image seinen eigenen Hype. Stück für Stück veröffentlichte man immer neue Details zum Spiel, geizte nicht mit dem stylischen Look von Night City. Mit Aktionen wie dem Verschenken von Figuren im Rahmen der Gamescom 2018 an Journalisten, Blogger, YouTuber und Fachbesucher sorgte man für Wirbel. Es ging sogar so weit, dass mehrere hundert Dollar auf der Auktionsplattform Ebay für den Aufsteller bezahlt wurden. Dazu dann noch Keanu Reeves als Johnny Silverhand. Was hätte hier schief laufen können?

Um kaum ein Spiel in den vergangenen Jahren entwickelte sich so ein Medien- und Social-Media-Rummel. Gerade in Zeiten einer weltweiten Pandemie erwuchs „Cyberpunk 2077“ zum scheinbar letzten Hoffnungsschimmer auf eine gelungene Weihnachtszeit. Der Druck von Außen schien enorm und selbst Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen und beinharten Crunch konnten diese Woge der Euphorie nicht brechen.

Kommunikationsprobleme

Okay, jetzt ist „Cyberpunk 2077“ unter viel Getöse endlich erschienen. Und während die PC-Version überwiegend stabil läuft und bei Spielern wie Kritikern gleichermaßen gut weg kommt, schauen Konsoleros in die Röhre. CD Projekt Red reagiert mit einer Entschuldigung. Dafür, dass man im Vorfeld nicht deutlicher auf die Unterschiede zwischen PC und Konsolen-Version aufmerksam gemacht hat. Und dafür, dass man der Konsolen-Fassung mehr Aufmerksamkeit hätte widmen sollen.

Auch auf den Zertifizierungsprozess von Sony und Microsoft wirft „Cyberpunk 2077“ ein schlechtes Licht, auch wenn diese laut Rami Ismail, den Leiter der Videospielkonferenz Gamedev World, keine Schuld trifft. Wirklich begeistert wird man aber bei den beiden „Großen“ nicht über den Umgang mit der aktuellen Problematik sein. Schließlich deutete CD Projekt Red im gleichen Atemzug die Rückerstattung des Kaufpreises für Konsolenspieler an.

Und wie sich kurze Zeit später herausstellt, ist das weder auf PSN noch bei Xbox Live so einfach ist, wie zunächst angenommen. Tage später zieht Sony in „Matrix“-Manier den Stecker: „Cyberpunk 2077“ ist raus aus dem Playstation Store und Käufer können eine Rückerstattung in Anspruch nehmen. Die gesamte Kommunikation von CD Projekt Red aber wirkt alles andere als konsequent und wenig überraschend reagiert auch der Börsenkurs empfindlich auf die „Cyberpunk“-Schlappe. Und das trotz 8 Millionen Vorbestellungen und bereits eingespielter Entwicklungskosten.

Eine gesamte Generation von Konsolenbesitzern – nämlich all jene mit Playstation 4, Playstation 4 Pro, Xbox One und Xbox One X – wird zum Bremsklotz und bekommt vor Augen geführt, dass ihre Hardware zum alten Eisen gehört.

Vertrauensbrüche so weit das Auge reicht

Ja, CD Projekt Red hat Mist gebaut. Und auch wenn die Entschuldigungsversuche holprig und unbeholfen wirken, so wird man das Spiel auch auf Playstation 4 und Xbox One mit einigen zusätzlichen Monaten zum Laufen bringen. Irgendwann wird es überall im Rahmen der Möglichkeiten spielbar sein: Auf der „base“-Version mit technischen Einschränkungen und auf PS5 dank Technik-Upgrade vermutlich ähnlich wie auf hochgezüchteten PCs.

Trotzdem wiegt die Anzahl der Vertrauensbrüche schwer und wird bei vielen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Werdet ihr in nächster Zeit nochmal ein derart großes AAA-Game vorbestellen? Schließlich ist ja „Cyberpunk 2077“ nur die Spitze des Eisbergs, andere Titel wie etwa „Assassin’s Creed Valhalla“ oder Watch Dogs: Legions“ hatten ja ebenfalls ihre, wenn auch deutlich geringeren, Problemchen. Auch der zuvor aufgebaute Hype zeigt Probleme in der aktuellen Wahrnehmung und Berichterstattung auf: Transparenz kommt vielerorts zu kurz, Reglementierungen bei der Berichterstattung sorgen für ein falsches Bild beim Leser und damit beim späteren Konsumenten.

Zum Thema

Glanz, Gloria und „Fandom“ wurden in „Cyberpunk 2077“ auf die Spitze getrieben. So weit, dass es nach der Release-Verschiebung Ende Oktober 2020 Morddrohungen gegen die Entwickler gab. So weit, dass PC-Spieler jetzt über all diejenigen lachen, die sich auf „Cyberpunk 2077“ gefreut haben und jetzt oft mit Hardware-Problemen zu kämpfen haben. Videospiele sollten uns alle in unserem Hobby und unserer Leidenschaft zusammenbringen.

Die Akte „Cyberpunk 2077“ hat leider vielerorts das Gegenteil bewirkt. Das war mit Sicherheit nicht das Ansinnen der Entwickler, die Jahre ihres Lebens, Herzblut und Energie in das Projekt gesteckt haben. Die Debatte der vergangenen Wochen zeigt jedoch, dass sich vieles ändern muss: Bei der Spieleentwicklung, der Berichterstattung und der Diskussionskultur.

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