TEST: Child of Light

Das PSN bringt immer wieder Perlen hervor. Speziell in der etwas müden Startphase der Playstation 4 gibt es hier mit Titeln wie „Don’t Starve“, „Outlast“ oder „Towerfall Ascension“ immer wieder kleine, aber nicht minder feine Spiele zu entdecken.

Ubisofts Bilderbuch-Rollenspiel „Child of Light“ ist da keine Ausnahme. Entwickelt mit Hilfe der Ubi-Art-Framework-Engine ist „Child of Light“ so etwas wie eine Liebeserklärung an japanische Rollenspiele. Ob es aber auch die Qualitäten eines „Final Fantasy“ oder „Tales of Xillia“ besitzt, das verrät euch nur der Test.

Was wir cool finden

Wie ein Kinderbuch
„Child of Light“ erzählt die (Gute-Nacht-)Geschichte der kleinen Aurora. Schwer krank schläft sie ein und erwacht schließlich in der Welt von Lemuria. Nach einigen Schritten will sie aufwachen, doch erfährt, dass sie zunächst Sonne, Mond und Sterne zurückbringen muss. Denn diese wurden von der mysteriösen Umbra gestohlen, die damit Lemuria und Finsternis gestürzt hat.

Die Spielwelt wird in „Child of Light“ mit wunderschönen Tusche- und Aquarell-Zeichnungen dargestellt. Alles wirkt, als käme es gerade direkt aus dem Konzeptblock der Grafiker oder eben direkt aus einem Kinderbuch. Absolut wundervoll und liebenswert!

Passend dazu sprechen die meisten Figuren nur in Reimen und Sprachausgabe gibt es nicht. Die deutsche Übersetzung ist ordentlich, auch wenn einige Reime ein wenig „holpern“. Insgesamt ist die Präsentation von „Child of Light“ märchenhaft schön und wird mit einem leicht melancholischen Soundtrack abgerundet. Diese Traurigkeit greift das Spiel auch in seinen Figuren auf, die alle samt ihre Ecken und Kanten besitzen, dadurch aber greifbar und sympathisch wirken.

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Ein Fall für zwei
In „Child of Light“ begleitet ein fliegender Helfer durch eure Abenteuer. Das Glühwürmchen Igniculus ist ein sympathischer Sidekick und obendrein noch Taschenlampe und Rätsellöser in einem. In simplen Lichtknobeleien ordnet ihr Farben oder Formen zu, um Tore zu öffnen oder ihr knackt silberne Schreine. Im Einzelspielermodus steuert ihr Igniculus mit dem rechten Analog-Stick und bringt ihn mit der L2-Taste zum Leuchten. Allerdings kann auch ein zweiter Spieler jederzeit mit einsteigen und das Glühwürmchen übernehmen. Denn in den Kämpfen blendet der Käfer eure Feinde und verlangsamt so deren Fortschritt auf der Aktionsleiste. Spielt ihr alleine, führt das gleichzeitige Steuern der Haupthelden und Igniculus – ähnlich wie in „Brothers: A Tale of Two Sons“ – regelmäßig zu Knoten im Gehirn.

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Runden kontra Zeit
Ähnlich wie in „South Park – The Stick of Truth“ kämpft ihr auch in „Child of Light“ nicht mit einer großen Party gegen Monsterhorden. Stattdessen stehen maximal zwei Kämpen bis zu drei Gegnern gegenüber. Die Schlachten laufen in Runden ab. Allerdings wird die Reihenfolge auch durch die Zeit beeinflusst. Eine farbige Leiste am unteren Bildschirmrand zeigt an, welche Figur als nächstes handeln darf und welche sich noch in der Cooldown-Phase befinden. Erreicht ein Charakter den roten Bereich, poppt ein Fenster auf und ihr entscheidet, welchen Angriff ihr benutzen wollt oder ob ihr lieber einen Trank einschmeißt oder gar eine Figur auswechselt. Diese Aktionen verschlingen unterschiedlich viel Zeit und werdet ihr beim Ausführen erfolgreich attackiert, unterbricht dies den Zug.

Genau dadurch wird „Child of Light“ zu einer taktischen Herausforderung. Manchmal ist es klüger, eine schwächere, aber schnelle Aktion vorzuziehen, um einen Widersacher zu unterbrechen. Manchmal ist es smarter, in den Verteidigungsmodus zu wechseln, um Schäden zu vermeiden. Das Kampfsystem ist blitzschnell erlernt, aber erfordert dennoch strategisches Denken. Mit Beschleunigungs- und Verlangsamungszaubern, Tränken und passiven Fähigkeiten, Resistenzen oder Kontern gibt es massig Unwägbarkeiten und Möglichkeiten, die das Kampfgeschehen verändern und an die ihr euch anpassen müsst.

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Überraschend knackig
Ich habe „Child of Light“ unterschätzt. In der ersten Stunde fliegt ihr förmlich durch eure Widersacher hindurch, erkundet die linear gehaltene Welt von Lemuria. Eine echte Herausforderung sind die Kämpfe nicht. Doch das soll sich nach spätestens zwei Stunden massiv ändern! Dann gewinnen plötzlich die Elementareigenschaften und Spezial-Attacken eurer Kameraden an Bedeutung hinzu. Gegen größere Gegner müsst ihr immer wieder deren Schwächen erst herausfinden. So kinderleicht wie „Child of Light“ auf den Screenshots daher kommt, ist es nicht. Speziell die Endgegner – wie etwa die Riesenspinne im Inneren des Steinkolosses Magna – haben mächtig Lebenspunkte. Daher ziehen sich diese Schlachten gerne über fünf oder zehn Minuten. Gut so!

Was wir weniger cool finden

Oculi-Fummelei
In „Child of Light“ gibt es kaum Loot. Für Rollenspiele geradezu klassische Gegenstände wie Waffen oder Rüstungen findet ihr nicht. Alle Figuren behalten über die gesamte Spielzeit die gleichen Outfits an und benutzen die gleichen Kriegswerkzeuge. Trotzdem lohnt es sich, die weitläufigen 2D-Areale abzusuchen. Denn nicht selten verstecken sich hier Kisten, die wiederum Zaubertränke – ausgesprochen nützlich im späteren Teil des Spiels – und Oculi.

Dabei handelt es sich um Edelsteine, mit denen ihr die drei Bereiche Angriff, Rüstung und Zauber mit für die Oculi spezifische Eigenschaften verbessern könnt. Das System an sich ist simpel: Edelstein aussuchen, Erklärungstext durchlesen und anschließend abwägen, was man wirklich will. Allerdings ist das Kombinieren der Oculi zu feineren und mächtigeren Edelsteinen eine fummelige Angelegenheit.

Denn es gibt keinerlei Rezeptbuch, welche Klunkerarten sich miteinander kombinieren lassen oder was das Ergebnis der Kombination ist. Ihr müsst euch also merken oder sogar aufschreiben, welche Mischungen funktionieren und welche Auswirkungen diese haben.

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Charakter ohne Tiefe
Das Kampfsystem von „Child of Light“ überzeugt. Allerdings wirkt das Charaktersystem üppiger als es tatsächlich ist. Zwar besitzt jede Figur einen sich in mehrere Zweige verästelnden Fähigkeitenbaum. Die pure Anzahl der erlernbaren Aktionen ist allerdings überschaubar. Ein Großteil der Upgrades verbessert nämlich lediglich Standardwerte wie Lebens- oder Magiepunkte. In „Child of Light“ ist es kaum möglich, eine Figur mit wirklich individuellen Fähigkeiten auszurüsten. Stattdessen geben die Bäumchen den Weg vor. Die Frage ist eben nur, wann ihr bei Finn beispielsweise den Monsun-Zauber auf die zweite Stufe hievt oder wann ihr das Lauffeuer auch für „alle“ Feinde aktiviert.

Über den Autor:Olaf ist bereits seit dem Jahr 2000 als freier Redakteur im Bereich der Video- und Computerspiele tätig. So schrieb er u.a. von 2005 bis 2007 für die Printmagazine „play THE PLAYSTATION“ und die Schwestermagazin „Playstation – Das offizielle Magazin“ und „Games Aktuell“. Heute arbeitet er u.a. für „COMPUTER BILD Spiele“ und „www.spieletipps.de“ oder schreibt Specials und Tests für „playBlu“ von Computec.

System: Playstation 3, Playstation 4
Vertrieb: Ubisoft
Entwickler: Ubisoft Montreal
Releasedatum: 30. April 2014
USK: ab 6
Offizielle Homepage:http://childoflight.ubi.com

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