God of War angespielt: Der Beginn einer neuen Ära

Nordische statt griechische Mythologie, Leviathan-Axt statt Chaos-Klingen, Third-Person-Ansicht statt festgelegte Kameraperspektiven – mit dem nächsten Teil der "God of War"-Saga krempelt Sony Santa Monica Studios die altehrwürdige Action-Abenteuer-Reihe in vielerlei Hinsicht um. Auf einer Presseveranstaltung in Berlin konnte PLAY3.DE nun knapp drei Stunden lang probespielen, mit dem Chef-Entwickler plaudern und alle Veränderungen im Detail begutachten. Ob sich das Warten auf den 20. April 2018 lohnt, verrät unsere Hands-on-Vorschau.

Ein entscheidendes Detail gleich vorweg: Obwohl das neue „God of War“ genauso heißt wie das PS2-Erstlingswerk aus dem Jahr 2005, handelt es sich hierbei nicht um ein Remake oder ein Reboot des ersten Teils. Im Gegenteil: Chronologisch betrachtet spielt „God of War“ für PS4 nach den Ereignissen von „God of War 3“.

Kratos ist sichtbar gealtert (u.a. zu erkennen an seinem leicht gräulichen Rauschebart), ein weiteres Mal Vater geworden und lebt nun nicht mehr in Griechenland, sondern im abgelegenen Skandinavien. Also dort, wo Odin, Thor, Loki und andere Gottheiten der nordischen Mythologie das Sagen haben. Die Gründe für seinen Ortswechsel? Hängen in erster Linie mit dem Ende des dritten Teils zusammen, den sich PS3-Veteranen in diesem Video noch mal in Erinnerung rufen.

God of War PS4 Screenshot 10

Alle anderen müssen wissen: Kenntnisse der Vorgängerspiele sind nicht zwingend erforderlich, um Kratos‘ nächste Odyssee in Angriff zu nehmen. Worum genau es in diesem neuen Abenteuer geht, wollen wir aus Spoiler-Gründen freilich nicht verraten. Nur so viel: Bereits kurz nach Beginn der Geschichte fasst Kratos den Entschluss, gemeinsam mit seinem heranwachsenden Sohn Atreus, den höchsten Berg der Region zu erklimmen, um dort ein Ritual durchzuführen. Das Problem: Die Götter des Nordens zeigen sich von diesem Vorhaben nicht sonderlich angetan. Schließlich wissen sie nur zu genau, welche Spur der Verwüstung der zornige Kratos in Griechenland hinterlassen hat.

God of War PS4 Screenshot 08

Schlagkräftiges Duo

Spielmechanisch bricht „God of War“ mit zahlreichen Traditionen der Vorgängerspiele. Das beginnt schon mit der Tatsache, dass sich Kratos nicht mehr allein ins Getümmel stürzt, sondern stets gemeinsam mit Sohnemann Atreus agiert – ein gewiefter Bogenschütze, der obendrein kraxelt wie ein Weltmeister und sogar nordische Runen entziffern kann.

Wichtig aus Gameplay-Sicht: Ein Wechsel zwischen beiden Spielfiguren ist nicht möglich. Ihr steuert also stets Kratos, könnt seinen Sprössling jedoch durch Drücken der Quadrattaste jederzeit anweisen, das Ziel im Zentrum eures Blickfelds aufs Korn zu nehmen – was der Junge je nach verfügbarer Pfeilmenge auch ziemlich gewissenhaft tut. Überhaupt handelt Atreus (was im Griechischen soviel wie „Der Furchtlose“ heißt) durchweg selbstständig und vorausschauend.

Will Kratos beispielsweise einen Hang erklimmen, klammert sich Atreus automatisch wie ein Affe am Rücken seines Vaters fest. Droht Gefahr durch einstürzende Levelobjekte oder hinterrücks anstürmende Feinde, weist der Filius mit exakten Positionsangaben darauf hin; und selbst bei Rätseln gibt er immer wieder mal einen praktischen Tipp ab, wie man die Sache eventuell angehen könnte. Kurzum: Die Rechnung mit Atreus als Begleiter geht prima auf und sorgt natürlich auch auf Story-Ebene für viele interessante Erzählansätze, die die Internet-Community bereits seit Monaten leidenschaftlich diskutiert.

God of War PS4 Screenshot 09

Aber zurück zu den Feinheiten des Kampfsystems. Atreus Pfeilattacken richten zwar nur begrenzt Schaden an, lassen dafür aber mit jedem Treffer den Benommenheits-Indikator eines Gegners ansteigen – hier dargestellt durch einen dünnen, rosafarbenen Balken unterhalb der Lebensenergie-Anzeige.

Einmal gefüllt, beginnt der Widersacher dann zu taumeln, woraufhin ihn Kratos mit einem brutalen Finisher (R3-Taste) eiskalt und ohne weitere Gegenwehr abservieren kann. Stichwort Benommenheits-Anzeige: Diese füllt sich auch dann, wenn der ehemalige Kriegsherr mit bloßen Fäusten auf seine Opfer einschlägt.

God of War PS4 Screenshot 07

Womit wir wiederum bei der mysteriösen, eng mit der Geschichte verwobenen Leviathan-Axt wären. Die nämlich funktioniert ganz ähnlich wie Thors berühmter Hammer Mjölnir und verfügt über eine praktische Rückholfunktion. Ihr werft die Axt also einfach auf ein beliebiges Ziel, drückt die Dreieck-Taste und schon surrt das Kriegswerkzeug in Windeseile zurück in Kratos’ rechte Hand.

Tiefkühlpizza auf Knopfdruck

Besser noch: Sofern Kratos die Axt vorher auflädt, werden kleinere Feindtypen, darunter die Zombie-ähnlichen Draugr, bei einem Direkttreffer umgehend schockgefrostet. Der Widersacher kann also erst dann wieder im Kampf mitmischen, wenn Kratos die Axt zurückruft. Clevere Spieler machen sich diese Mechanik natürlich zunutze, um besonders hartnäckige Kreaturen oder lästige Fernkämpfer in Eisskulpturen zu verwandeln, während sie parallel dazu weniger gefährlichen Gegnern im Nahkampf die Lebenslichter ausknipsen.

God of War PS4 Screenshot 11

Im Probespiel fand die Einfrierfunktion zudem mehrfach im Zusammenspiel mit Umgebungsrätseln Verwendung. An einer Stelle etwa gilt es, ein riesiges Metalltor zu öffnen, indem Kratos an einer Kette zieht (siehe Screenshot oben). Weil das Tor jedoch immer wieder zu Boden rasselt, sobald der Held die Kette loslässt, muss der dazugehörige Zahnrad-Mechanismus im richtigen Moment eingefroren werden. Nicht sonderlich kompliziert, aber charmant ins Leveldesign integriert. Genau wie eine Sound-Rätsel-Passage, in der Kratos seinen Sohn kurzzeitig aus den Augen verliert und dann – durch genaues Hinhören, von wo er um Hilfe ruft – wiederfinden muss. Schöne Idee!

God of War (4)

Nebst der Leviathan-Axt steht Kratos außerdem der sogenannte Wächterschild zur Verfügung. Gedrückthalten der L1-Taste genügt, schon fächert sich die linke Armschiene des Spartaners auf, bildet einen kreisförmigen Schild und reflektiert anfliegende Projektile, gegnerische Waffenhiebe und andere Gefahren. Streckenweise nutzt Kratos den Wächterschild aber auch für kraftvolle Nahkampfattacken, die einige Gegner meterweit durch die Luft schleudern oder temporär kampfunfähig machen.

Schnell, fordernd, schweißtreibend

Doch wie spielen sich die Kämpfe denn nun in der Praxis? Zugegeben, in der ersten Spielstunde fühlen sich „God of War“-Kenner noch etwas unterfordert, da die Entwickler die Dinge vergleichsweise ruhig angehen und die einzelnen Spielmechaniken Schritt für Schritt erklären. Nach dieser Aufwärmphase geht’s jedoch ordentlich zur Sache.

Im Eingangsbereich eines verwinkelten Tunnelsystems zum Beispiel kriegt es das Duo auf einer vergleichsweise kleinen Fläche mit knapp einem Dutzend unterschiedlich befähigter Draugr zu tun. Die Bestien stürmen aus allen Himmelsrichtungen heran, weshalb Kratos ständig in Bewegung bleiben muss, um nicht zwischen die Fronten zu geraten.

God of War PS4 Screenshot 14

Zuschlagen, ausweichen, verwundete Feinde mit Fußtritten in die angrenzende Schlucht befördern, höher positionierte Fernkämpfer mit Wurfangriffen neutralisieren, Atreus in Notfällen zur Hilfe eilen, den Gefahren-Indikator im Auge behalten, Umgebungsfallen im richtigen Moment auslösen – all das und mehr erfordert volle Konzentration und eine durchdachte taktische Herangehensweise.

Die gute Nachricht, wenn’s mal eng wird: Obwohl Papa Kratos seine Wut deutlich besser im Griff hat als noch in jungen Jahren, kann er (ausreichend Kills vorausgesetzt) noch immer verheerende Spartan-Rage-Attacken vom Stapel lassen und die gegnerischen Reihen damit vergleichsweise schnell lichten. Zumindest auf den unteren Schwierigkeitsgraden.

Auf den höheren Herausforderungsstufen jedoch sollen auch Veteranen schnell ins Schwitzen kommen. Zitat von Spieldirektor Cory Barlog: „Es gibt eine Schwierigkeitsstufe namens God of War und die hat’s wirklich in sich. Ich selbst spiele das Game bereits seit langer Zeit, aber auch ich bin hier nicht weiter als Level zwei gekommen.“

God of War PS4 Screenshot 15

Geht’s nach Barlog sind Scharmützel gegen ein Dutzend Gegner übrigens nur ein erster Vorgeschmack auf spätere Schlachten, in denen sich bis zu 100 Gegner auf einem Bildschirm tummeln. Richtig gelesen, bis zu 100 Gegner gleichzeitig! Inwiefern diese Masse an Halsabschneidern in Kombination mit der deutlich näher am Spieler positionierten Third-Person-Kamera zu Übersichtsproblemen führt, wird allerdings erst die Testversion zeigen.

Bosskämpfe? Sind selbstverständlich in schöner Regelmäßigkeit an Bord und erneut echte Hingucker. Kurz vor Ende der Hands-on-Runde etwa konfrontieren uns die Kalifornier mit einem drei Stockwerke hohen, Lava-Brocken werfenden Feuertroll. Noch besser hat uns gleichwohl der Showdown davor gefallen. Denn er macht Kratos auf unmissverständliche Weise klar, dass er in Midgard und den übrigen acht Welten der nordischen Mythologie definitiv nicht willkommen ist. Wie genau das zu verstehen ist, müssen Fans im April allerdings schon selbst herausfinden.

God of War PS4 Screenshot 13

Von Schlacht zu Schlacht stärker

Einen vielversprechenden Eindruck hinterließ darüber hinaus das Upgrade-System. Wichtigste Erkenntnis: Jede der insgesamt drei Waffen verfügt über zwei Techtrees, die das Fähigkeitenspektrum von Kratos und Atreus kontinuierlich erweitern. Für die Leviathan-Axt zum Beispiel könnt ihr 9 Fernkampf- sowie 14 Nahkampf-Upgrades freischalten. Das Schild gestattet 12 Schildkampf sowie 8 Rage-Kampf-Upgrades und der Bogen erlaubt 12 Magie- sowie 11 Experten-Kampf-Upgrades. Macht summa summarum über 65 verschiedene Verbesserungen (meist neue Moves oder Manöver), die ihr im Tausch gegen Erfahrungspunkte freischaltet.

Doch damit nicht genug: Mit Hilfe zuvor gefundener Ressourcen verbessert ihr die einzelnen Waffen, was wiederum direkten Einfluss auf Kratos’ Statistiken zeigt. Der mystische Gegenstand „Gefrorene Flamme“ zum Beispiel stuft die Axt von Level 1 auf Level 2 hoch und erhöht Kratos Stärke-Wert dadurch um 20 Punkte. Andere Upgrades verbessern Vitalität, Glück, Verteidigung, Cooldown-Zeiten von mächtigen Runenangriffen sowie den Schadenswert von Elementar-Angriffen.

God of War PS4 Screenshot 16

Das Crafting neuer Gegenstände unterschiedlicher Seltenheit ist ebenfalls möglich und erfolgte in der Anspiel-Fassung durch einen Besuch im Laden des wandernden Zwergenhändlers Brok. Konkreter formuliert: Ihr bezahlt Brok – der sich rühmt, die magische Leviathan-Axt zusammen mit seinem Bruder Sindri geschmiedet zu haben – mit ausreichend Hacksilber und im Gegenzug fertigt er für Kratos neue Rüstungsteile, wie beispielsweise einen besseren Schulterschutz aus Wildschwein-Leder.

Einschätzung: sehr gut

"God of War" gibt sich redlich Mühe, anders zu sein als die Vorgängerspiele und scheut sich dabei nicht, bewährte Spielelemente der Vergangenheit über Bord zu werfen. Die vielseitig einsetzbaren Chaosklingen etwa sind passé, springen kann Kratos nur noch an bestimmten Stellen, das Schwimmen wurde wegrationalisiert und auch die schlüpfrigen Minispiele sind Schnee von gestern. Keine Frage, all das dürfte langjährigen Fans der Reihe auf den ersten Blick ein Dorn im Auge sein. Wer sich jedoch erst einmal auf das Gesamtkonstrukt einlässt, wird schnell erkennen, dass die neuen Design-Ideen in vielerlei Hinsicht Früchte tragen und den Grundstein legen für ein erfrischend neues Kapitel im Leben von Kratos.

Durch die Ergänzung von Atreus als Sidekick etwa gewinnt das Gebotene nicht nur an spielerischer Dynamik, sondern auch an erzählerischer Tiefe. Denn plötzlich sind es nicht mehr Rache, Vergeltung und Sühne, die den Kriegsgott antreiben, sondern allem voran seine Beschützer- und Vater-Instinkte. Kratos will seinen Sprössling auf den rechten Weg bringen und auf alle großen und kleinen Gefahren dieser Welt vorbereiten. Dass ihm dabei ausgerechnet seine eigene Vergangenheit ständig einen Strich durch die Rechnung macht, erhöht die Dramatik der Geschichte spürbar und könnte im Gegenzug sogar Atreus grundlegend verändern. Was zum Beispiel würde passieren, wenn Arteus erfährt, was Kratos seiner damaligen Frau Lysandra und seiner Tochter Calliope - wenn auch fremdbestimmt - angetan hat? Würde er seinem Vater weiterhin trauen? Oder mit einmal ganz eigene Wege gehen?

Doch nicht nur die Story macht neugierig. Auch das im Spielverlauf zunehmend komplexer werdende Kampfsystem, die zahlreichen Crafting- und Rollenspiel-Aspekte sowie das neue Setting mit seinen zahlreichen Welten, Kreaturen und Sagengeschichten bergen viel Potenzial. Nicht zu vergessen die fantastische Präsentation und der vielversprechende Umfang, den die Kalifornier mit 25-35 Stunden beziffern. Ob all das reicht, um - wie der Namesvetter damals - Videospiel-Geschichte zu schreiben? Spätestens am 20. April 2018 können wir hierauf hoffentlich schon eine Antwort liefern.

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