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TEST - Resident Evil: Operation Raccoon City

play3 Review: TEST – Resident Evil: Operation Raccoon City

6.0

Mit Slant Six Games zurück nach „Raccoon City“: Die Macher von „SOCOM U.S. Navy Seals“ wagen sich an ein Spin-Off der berühmten Horror-Lizenz. Wird „Resident Evil: Operation Raccoon City“ der Tradition von „Outbreak“ folgen und in der Mittelmäßigkeit versinken? Oder erwartet uns hier ein wirklich spannender Actiontitel mit Hitqualitäten?

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Vorsicht geschnitten
„Resident Evil: Operation Raccoon City“ erscheint in Deutschland lediglich in einer geschnittenen Version mit dem Label „ohne Alterskennzeichnung“. In dieser Version fehlen Teile des Ragdoll-Modells. So können Körperteile nicht abgetrennt werden. Außerdem fehlen die Exekutionsmanöver und allzu brachiale Splatter-Effekte. Wir haben sowohl die deutsche, als auch die ungeschnittene PEGI-Fassung gespielt. Spielerisch gibt es keine gravierenden Unterschiede zwischen den beiden Fassungen, da sich die Kürzungen kaum auf das Gameplay auswirken. Freunden der etwas härteren Gangart empfehlen wir aber auch in diesem Fall die Import-Version.

Was wir cool finden

Online unterhaltsam
„Resident Evil: Operation Raccoon City“ baut massiv auf seinen Online-Part und die Koop-Funktionen. Und tatsächlich macht das Spiel gemeinsam mit bis zu vier Mitspielern am meisten Spaß. So habt ihr die Wahl, ob ihr in einer privaten Runde oder in einem offenen Match startet. Bei diesem werden dann bei Bedarf KI-Bots durch menschliche Spieler ersetzt und umgekehrt.

Mit drei Kameraden an der Seite gewinnt der Kampf gegen Zombies und Spezialeinheiten gleich deutlich an Fahrt hinzu. Dann fällt nämlich die schwache KI nicht mehr derart ins Gewicht. Mittels Chat-Funktion könnt ihr gemeinsame Taktiken absprechen und so die Gefechte koordinieren. Leider gibt es – bis auf das Wiederbeleben von gefallenen Kameraden – keine weiteren Möglichkeiten des aktiven Teamplays.

Bei den Versus-Optionen – u.a. Team-Deathmatch und Survival – sticht dagegen der Biohazard-Modus heraus. Hier müsst ihr eine Probe des G-Virus erobern und in die eigene Basis transportieren. Das Teamwork funktioniert sehr ordentlich und das beliebte „Schnappt euch den Typen mit der Probe“-Prinzip gibt diesen Optionen nochmal einen kleinen Kick.

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Die „Resident Evil“-Momente
„Operation Raccoon City“ zeigt euch die Geschehnisse beim Ausbruch des Virus aus einer anderen Perspektive. Zwar spielt ihr in dem „Resident Evil“-Spinoff keinen der aus der Serie bekannten Helden selbst, dafür begegnet ihr ihnen aber im Verlauf der Geschichte. Wir wollen hier natürlich nicht zu viel spoilern, aber gerade „Resident Evil“-Veteranen werden gelegentlich schmunzeln, wenn ihnen etwa auf Leon oder Jill über den Weg laufen.

Weiterhin nutzt „Operation Raccoon City“ die Vorlage ebenfalls aus, um einige Örtlichkeiten der früheren Spiele aufzugreifen. Szenarien wie die Umbrella-Labors oder auch der brennende Straßenzug aus „Resident Evil 2“ verleihen dem Third-Person-Shooter immer wieder einen zusätzlichen Atmosphäre-Schub, der über manche Länge innerhalb des Gameplays hinweg täuscht.

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Solide Action
Machen wir uns nichts vor: „Resident Evil: Operation Raccoon City“ ist ein traditioneller Third-Person-Shooter und spielt sich daher massiv anders als die klassischen „Resi“-Spiele.Die Levelstruktur von „Raccoon City“ hebt sich dabei ein wenig ab. Zwar sind die Ziele recht linear verteilt, aber abseits der Hauptroute befinden sich immer wieder verwinkelte Gassen und Nebenwege, in denen ihr Extras, versteckte Gegenstände oder Datensätze entdecken könnt. Daher lohnt es sich immer wieder, die Areale abzusuchen und so den Balleralltag kurz zu unterbrechen.

Ansonsten aber wird hier solide Ballerkost mit einer gehörigen Portion „Resident Evil“ geboten. Wir kämpfen dabei sowohl gegen Zombies und Mutationen, als auch gegen Spezialeinheiten, die uns mit MGs und Granaten auf den Pelz rücken. Zwar gibt es auf beiden Seiten diverse KI-Aussetzer, aber durch die Vielzahl unterschiedlicher Gegner müssen wir zumindest unsere Taktik variieren.

Als kleiner Bonus bekommen wir für unsere Leistungen Erfahrungspunkte, mit denen wir Spezialfähigkeiten und Waffensysteme für unsere verschiedenen Soldatenklassen freischalten. Der Spectre (Aufklärung) kann etwa mit passiven Fähigkeiten Gegner und Gegenstände auf dem Radar aufspüren oder mit einer Wärmebildkamera durch Wände schauen. Das ist nett, aber zumeist nicht spielentscheidend. Viel wichtiger ist das langsame Aufstocken des eigenen Arsenals, sodass ihr vor dem Beginn einer Mission die Knarren wechseln könnt.

Was wir weniger cool finden

Durchschnittlich!
Trotz seiner „Resident Evil“-Anleihen ist „Operation Raccoon City“ kein über die Maßen schönes Spiel. Die Areale sind häufig dermaßen dunkel, dass wir kaum Details an den Wänden erkennen können. Und irgendwie wirkt das gesamte Spiel ein bisschen wie aus dem großen Shooter-Baukasten zusammengesetzt.

Die Bewegungen von Soldaten und Monstern fallen ebenfalls recht steif aus. Gerade Hunter und Licker hätten einige Animationsphasen mehr vertragen können. Das fällt im Nahkampf auf, wo die Figuren lediglich über eine handvoll unterschiedlicher Angriffe verfügen, diese aber in rasender Geschwindigkeit ausführen.

Ähnlich unspektakulär fallen die Effekte aus: Splittergranaten erinnern eher an Rauchbomben und selbst explodierende Fässer sorgen nur für verhältnismäßig kleine Stichflammen. So hinterlässt „Resident Evil: Operation Raccoon City“ einen grafisch soliden Gesamteindruck, hinkt der Konkurrenz damit allerdings hinterher.

Gleiches gilt einmal mehr für die deutsche Synchronisation. Die aufgesetzt wirkenden osteuropäischen Akzente und die stellenweise seltsame Betonung ließ uns ganz schnell wieder zum englischen Original wechseln.

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Kopf runter
Leider funktioniert das Deckungssystem – wie bereits in unserer letzten Preview befürchtet – auch im fertigen Produkt eher mittelmäßig. So hatten wir das Gefühl, dass wir nur an eigens zu diesem Zweck aufgestellten Barrikaden Platz nehmen dürfen. Sobald wir aber von diesem Prinzip abwichen, kommt es zu Problemen. Etliche Male konnte wir uns etwa nicht hinter kleinere Objekte oder gar Schrägen klemmen. Und auch das Feuern über unsere Deckung hinweg klappte nicht immer fehlerfrei. Durch diese Macken fühlt sich „Resident Evil: Operation Raccoon City“ schwerfällig und steif an.

Offenbar ohne Hirn
Leider leistet sich „Operation Raccoon City“ in Sachen Gegner- und Kameradenverhalten unzählige Fehler. Spielt ihr mit KI-Bots schwankt deren KI zwischen „solider Helfer“ und „absolut konfus“. Da ihr keine Kommandofunktionen habt, seid ihr diesen Schwächen leider ausgeliefert. Und so kann es vorkommen, dass sich die Burschen etwa direkt in den Nahkampf mit dem Nemesis stürzen oder einfach nur vollkommen kopflos durch die Gegend rennen.

Ähnlich doof präsentieren sich die KI-Spezialeinheiten. Sie ballern gelegentlich einfach in die falsche Richtung, reagieren sehr seltsam auf Granaten und nutzen die Barrikaden ebenfalls mehr schlecht als recht.

Die Mutationen auf der anderen Seite agieren unberechenbar. Während Zombies typischerweise das Heil im Angriff suchen, springen Hunter wild von einem Gegner zum nächsten und verbreiten so Chaos. Ein echtes Angriffsschema ist allerdings bei keinem der Widersacher klar zu erkennen.

Alle Gegner erscheinen an dafür vorgesehenen Punkten und so kann es durchaus vorkommen, dass Widersacher aus einem scheinbar leeren Schrank springen.

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Wir sind keine Helden
Wir haben nichts gegen böse Buben als Spielfiguren. Ganz im Gegenteil, Kratos und Agent 47 sind Kult und gehören auch zu unseren Favoriten. Doch die vier Umbrella-Schurken sind wahrlich das blasseste und zugleich unsympathischste Antihelden-Quartett, das wir seit langem in einem Videospiel gesehen haben. Die Charaktere wirken in sich absolut austauschbar und Slant Six Games gelingt es zu keinem Zeitpunkt, einer der Figuren Konturen oder Tiefe zu verleihen.

Diese erzählerischen Schwächen ziehen sich leider auch bis in die Kampagne hinweg. Die Geschichte wirkt in sich sehr zusammen gestückelt. Es scheint fast so, als hätte Capcom eine Reihe von Szenarien vorgegeben, die Slant Six dann an einander gereiht hätte. Trotz der zuweilen hübschen Render-Sequenzen konnte uns die Story zu keinem Zeitpunkt zum Weiterspielen animieren, eben weil spannende Twists und vernünftig aufgebaute Charaktere absolut fehlten.

System: PlayStation 3
Vertrieb: Capcom
Entwickler: Slant Six Games
Releasedatum: 23. März 2012
USK: ab 18 Jahre
Offizielle Homepage: http://www.residentevil.com/reorc/

6.0

Wertung und Fazit

TEST – Resident Evil: Operation Raccoon City

Es ist fast wie befürchtet: Einzig die Koop- und Online-Funktionen von „Resident Evil: Operation Raccoon City“ machen dauerhaft wirklich Spaß. Allein ist der Third-Person-Shooter wahre Durchschnittskost mit einer platten Story, unsympathischen Charakteren und einem 08/15-Gameplay gewürzt mit einer soliden Ladungen KI-Fehlern. Besonders ärgerlich sind dabei die Verfehlungen beim Deckungssystem. Denn dieses fühlt sich absolut nicht handlich an und ist stattdessen geprägt von Ecken und Kanten. „Resident Evil: Operation Raccoon City“ wäre gerne so etwas wie die Third-Person-Variante von „Left 4 Dead 2“. Allerdings fehlt es dafür an einem Hauch Genialität und vor allem an Liebe zum Detail. Abgesehen von den netten „Resident Evil“-Momenten ist „Raccoon City“ einfach nur ein weiteres Actionspiel. Das ist vielleicht für ein paar Online-Runden okay und unterhaltsam. Im Jahr 2012 erwarten wir aber weitaus mehr von einem Third-Person-Shooter.

Hotlist

Kommentare

Das_Krokodil

Das_Krokodil

21. März 2012 um 10:33 Uhr
TROUBLEMAKERXXX

TROUBLEMAKERXXX

21. März 2012 um 12:55 Uhr
LiLJaYfromhtown

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21. März 2012 um 14:45 Uhr
PlaysiFreak

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21. März 2012 um 18:02 Uhr
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Silversoul

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24. März 2012 um 08:31 Uhr
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16. April 2012 um 11:49 Uhr