Angespielt: Thief - Detaileindrücke des Stealth-Abenteuers

Ich höre ein leises Schnarchen. Ich blicke mich um. Auf dem Bett vor mir schlummert ein Händler den Schlaf der Gerechten. Er liegt auf dem Bauch und träumt wahrscheinlich von Gold und Reichtum. Dabei ahnt er nicht, dass ich gerade seine Bude leer räume.

Mit Meisterdieb Garrett aus „Thief“ (hier gibt es unsere erste Preview) bin ich nämlich Sekunden zuvor durch sein Fenster gestiegen. Eigentlich ist der Langfinger nur auf der Durchreise, soll er doch den Urzeitkraftstein von Baron Northcrest stibitzen. Aber so eine Gelegenheit kann ich mir nicht entgehen lassen.

Langsam schleiche ich durch die mittelalterlich anmutende Behausung, schnappe mir Silberbesteck, einen Parfumflakon und einen wertvollen Füller. „Thief“ macht mich zum Ganoven. Und genau diese Diebestouren sind das Salz in der Suppe des Stealth-Action-Games.

Wie viel „Thief“ hättet ihr denn gerne?
Aber bevor „Thief“ so richtig in die Vollen geht, steht zunächst die Wahl des Schwierigkeitsgrades auf dem Plan. Diese Entscheidung beeinflusst das Spielerlebnis deutlich. Denn auf „Dieb“ – der mittleren Stufe – ist „Thief“ zwar kniffelig, verzeiht euch aber Unachtsamkeiten. So hält Garrett einige Attacken der Wachen aus, schlägt sie problemlos KO und kommt halbwegs preisgünstig an Extras und Upgrades.

Wer eine „Thief“-Erfahrung wie aus dem Jahr 2001 möchte, der sollte unbedingt mit der Stufe „Meister“ beginnen. Hier reagieren die Wachen spürbar schneller, sind aggressiver und vergessen langsamer. Die Preise beim Händler sind ebenfalls höher und Garrett ist merklich schwächer auf der Brust. Zudem ist der Fokus-Modus stärker eingeschränkt. Im vierten Schwierigkeitsgrad fällt diese Hilfe gar vollends weg. So versuchen die Entwickler den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Eine gute Idee, dass sie den Spieler die Wahl überlassen.

Wichtig: Der Schwierigkeitsgrad kann im laufenden Spiel nicht mehr verändert werden.

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Eine zerbrochene Freundschaft
So startet „Thief“ mit einer etwas ungleichen Buddy-Geschichte. Garrett und sein Protegé Erin sind auf der Suche nach besagtem Urzeitstein. Erin präsentiert sich als ungestüme Diebin, die ruchlos auch über Leichen geht und auf eigene Technologien wie ihre Kletterkralle setzt. Garrett dagegen ist eher der traditionelle Schurke: Er tötet nur wenn es keinen anderen Ausweg gibt und glaubt an so etwas wie Berufsehre.

Die Gespräche zwischen den beiden Protagonisten erinnern an die Dialoge von Batman und Robin oder anderen Lehrer-Schüler-Duos. Wenig überraschend kommt es zum Ende der Tutorial-Mission zum Streit, bei dem Erin verunglückt. In Folge dieser Ereignisse ist Garrett traumatisiert. Immer wieder suchen ihn Visionen seines Schützlings heim.

Im Anschluss macht „Thief“ einen Zeitsprung. Ein Jahr später treffe ich Garrett wieder. Auf einem Leichenkarren. In der Stadt wütet nämlich die „Schwermut“ – eine tödliche Seuche – und die Wagen sind ein gutes Versteck, um ungesehen zu Garretts Uhrenturm zu gelangen.

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Orientierungsschwierigkeiten
Auch wenn es „Thief“ einem vorgaukeln will: Ein Open-World-Spiel ist es nicht! Vielmehr springt ihr stets von einem großen, frei begehbaren Gebiet ins nächste. Aber dazwischen gibt es Ladezeiten. Die Stadt ist unterteilt in verschieden Gebiete. Garrett startet seine Mission in „Stone Market“, dem Ortskern. Hier zeigt „Thief“ seine mittelalterliche Seite. Die Orientierung fiel mir – trotz mit dem Digitalkreuz zuschaltbarer Mini-Map – unglaublich schwer. Schuld daran ist die im Gegensatz zu Spielen wie „Skyrim“ oder „GTA V“ viel verschachteltere Architektur der Straßenzüge. Nicht selten gibt es drei oder mehr Ebenen. Von der Kanalisation bis hin zu den Dachzinnen und aktivierbaren Stiegen.

Einen kleinen Haken gibt es in „Thief“ im Vergleich zu „Dishonored“ oder „Assassin’s Creed IV: Black Flag“ aber dennoch: Viele Objekte sind nur Dekoration und können beim Freerunning mit gehaltener L2-Taste nicht übersprungen werden. Es dauert seine Zeit, ehe ich die für Garrett leicht hervorgehobenen Objekte auch in der Hektik einer Flucht erkenne. „Thief“ erfordert Geduld und Einarbeitung. Gehe ich zu rasch vor, bestraft mich das Spiel auch auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad.

So muss ich beispielsweise in dem ersten Kapitel von Bassos Laden zur alten Kapelle im Süden der Stadt laufen. Bereits dieser Weg zur eigentlichen Mission wird zur Herausforderung. Garrett ist stadtbekannt. Sprintet ihr durch die Gassen, habt ihr schnell eine Horde Wachleute am Allerwertesten. Im Nahkampf setzt der Dieb ausschließlich auf seine Keule. Attacken weicht ihr mit L1 und dem linken Analog-Stick aus. Trotzdem sind direkte Auseinandersetzungen meist eine dumm Idee. Klüger sind versteckte Angriffe aus dem Hinterhalt. In der Testsession bestahl ich Wachleute zunächst durch das Halten der Quadrat-Taste und schlug sie anschließend mit R1 nieder. Auch Takedowns aus luftiger Höhe sind möglich.

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Fummel-Touchpad und der Geruch von Moos
Garretts Werkzeug der Wahl ist sein Bogen samt einer großen Auswahl an Pfeilen. Mit dem Breitkopfpfeil aktiviert ihr Schalter und schickt Feinde ins Land der Träume. Mit dem Seilpfeil lasst ihr an vorgegebenen Stellen Seile herunter. Mit dem Wasserpfeil löscht ihr Fackeln. So gut mir die Pfeil und ihre Einsatzmöglichkeiten gefallen, so furchtbar funktioniert das Inventar mit Hilfe des Touchpads. Stellt euch vor, das Touchpad wäre in zehn Quadrate unterteilt. Sie stehen für Pfeile, Wurfobjekte oder Nahrung zum Auffüllen der Lebensenergie. Durch leichtes Berühren der jeweiligen Parzelle wählt ihr den Gegenstand aus, durch Klicken nimmt Garrett ihn schließlich in die Hand. In der Praxis dauert dieser Vorgang furchtbar lang und gerade das Wechseln von einem Objekt zum nächsten ist sehr fummelig. Glücklicherweise könnt ihr auch mit dem Digitalkreuz zwischen euren zwei Lieblingspfeilen wechseln.

Deutlich besser gefallen mir die verschiedenen Upgrades und Extras. Beim Händler kaufe ich für Gold Werkzeuge wie den Schraubenzieher, mit dem ich Kanaldeckel und Gitter öffne. Zudem spielt „Thief“ mit dem Moos-Köcher auf seine Ur-Väter an, schließlich gab es dort Moospfeile, die Garretts Schritte dämpften. Weiterhin bessere ich auch Garretts Fokus-Fähigkeiten durch Spenden an die Königin der Bettler auf und sorge so dafür, dass er benutzbare Objekte besser erkennt, feindliche Geräusche wie bei einem Sonar sieht oder insgesamt ein wenig schneller agiert.

Zu Beginn sind diese Upgrades nur in einem gewissen Rahmen möglich. Mit zusätzlichen Bauplänen erweitert ihr eure Optionen. Auf diese Weise werden auch Streifzüge durch die Nachbarschaft belohnt. Besonders auffällig sind die Freiheiten, die mir „Thief“ im Spielverlauf lässt. Beim Einbruch in eine Gießerei habe ich im Hof gleich mehrere Eingänge zur Auswahl. Ich kann bequem aber auffällig durch das Haupttor spazieren oder sogar – den Schraubendreher vorausgesetzt – durch die Kanalisation krauchen. Garrett ist auch ein geschickter Kletterer. So kraxelt er in der Third-Person-Perspektive an der Außenwand der Gießerei herum. Diese Passagen erinnern stark an „Assassin’s Creed“.

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Der Spaß am Schleichen
So richtig Freude macht „Thief“ nämlich genau dann, wenn ich seinem Namen alle Ehre mache. Wenn ich der Anwaltsfrau ihren wertvollen Goldpokal unbemerkt vom Tisch klaue oder wenn ich mich dem fiesen Diebesfänger-General einen wertvollen Ring entwende. „Thief“ fordert dabei aber jederzeit eure Aufmerksamkeit. Als ich beim ersten Spielen normalen Schrittes durch die Gießerei ging, machte ich die Wachen auf mich aufmerksam, als ich knirschend durch Glas lief. An anderer Stelle schleiche ich geduckt und nahezu in Zeitlupe durch Wasser, damit Garrett kein Geräusch macht.

Aber „Thief“ findet einen guten Mittelweg aus leisen Schleichpassagen und flotten Action-Momenten mit tollen Figuren. Besagter Diebesfänger-General entpuppt sich als wahres Scheusal und tobt gar furchtbar, als ich seinen Tresor nach einem simplen Schieberätsel knacke und ihm Garrett in einer Zwischensequenz die Tür vor den Kopf knallt. Bei meiner Flucht überrascht „Thief“ mit netten Schreckmomenten. Nach einem gekonnten Spurt durch die Gießerei springe ich auf ein Häuschen kurz vor dem Ausgang des Geländes. Da breche ich plötzlich durch das Dach dieser Scheune und werde von Wachleuten umringt.

So kreiert „Thief“ eine wirklich starke Atmosphäre, die nicht allein von der faszinierenden Spielwelt, sondern auch von den toll implementierten Gameplay-Ideen und den starken Figuren lebt.

Über den Autor:Olaf ist bereits seit dem Jahr 2000 als freier Redakteur im Bereich der Video- und Computerspiele tätig. So schrieb er u.a. von 2005 bis 2007 für die Printmagazine „play THE PLAYSTATION“ und die Schwestermagazine „Playstation – Das offizielle Magazin“ und „Games Aktuell“. Heute arbeitet er u.a. für „COMPUTER BILD Spiele“ und „www.spieletipps.de“ oder schreibt Specials und Tests für „playBlu“ von Computec.

System: PlayStation 4, Playstation 3
Vertrieb: Square Enix
Entwickler: Eidos Montreal
Releasedatum: 28. Februar 2014
USK: noch nicht bekannt
Offizielle Homepage: http://thiefgame.com/

Einschätzung: sehr gut

Seit meiner letzten Diebestour mit Langfinger Garrett hat sich bei „Thief“ einiges getan. Das Stealth-Game fühlt sich insgesamt merklich runder und besser spielbar an. Wo mich andere Titel vor Einbahnstraßen-Levels stellen, da bietet mir „Thief“ gerne zwei oder mehr Möglichkeiten an, einen Abschnitt zu beenden. Mal durch die Vordertür, mal durch Kanäle oder über Dächer. Ganz individuell abhängig von meinen bislang eingekauften Upgrades, meinen spielerischen Vorlieben und natürlich meiner Geduld. Denn „Thief“ ist eines dieser Spiele, die man nicht mal eben für ein paar Minuten einlegt und zwischendurch zockt. Auf „Thief“ muss man sich einlassen und sich von der Welt mit Haut und Haaren auffressen lassen. Die Atmosphäre, die Geschichte und die Figuren sind top. Die Spielmechanik dagegen hin und wieder grob bis gewöhnungsbedürftig. Speziell die Steuerung ist zu Beginn des Spiels trotz Tutorial alles andere als schnell erlernt. Aber trotzdem möchte ich „Thief“ weiterspielen. Weil es mich fordert, mir aber auch gleichzeitig viele Werkzeuge und Freiheiten gönnt. Ich jedenfalls kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es in der Geschichte um Garrett weitergeht.

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