Review

Sniper Elite V2 Remastered im Test: Treffsicher oder voll daneben?

von Olaf Bleich | 13.05.2019 - 16:00 Uhr
Platform
Playstation 4
Developer
Rebellion
Publisher
Sold Out Software
Release
17. Mai 2019
6.5

Die Welle der Neuauflagen ebbt nicht ab: Rebellion bringt mit „Sniper Elite V2 Remastered“ seinen durchaus populären Scharschützen-Shooter zurück und frischt das bereits 2012 für PC, Xbox 360 und Playstation 3 erschienene Spiel für die aktuelle Konsolengeneration auf. Neben optischen Spielereien wie 4K- und HDR-Unterstützung bringt das Programm vor allem eine Erweiterung des Multiplayers auf bis zu 16 Teilnehmer und die in Deutschland seiner Zeit nicht veröffentlichte „Assassinate the Führer“-Mission mit sich. Wir haben uns „Sniper Elite V2 Remastered“ für euch angeschaut und verraten, ob sich der Kauf lohnt!

Was wir gut finden

Eine schöne Abwechslung zu 08/15-Shootern

Bei „Sniper Elite V2 Remastered“ steigt ihr in die schmutzigen Stiefel von Scharfschütze Karl Fairbourne. Im Gegensatz zu „Call of Duty“ oder „Battlefield“ steuert ihr ihn aus der Verfolgerperspektive. Auch sonst gibt sich das Spiel deutlich langsamer und belohnt vor allem präzise Treffer mit eurem Scharfschützengewehr. Entsprechend anders verläuft die Planung eines Angriffs: Meist suchen wir uns zunächst ein höher gelegenes Plätzchen wie einen Balkon und legen uns dort auf die Lauer. Den Weg dorthin sichern wir mit Fallen wie Stolperdrähten oder Landminen ab.

Streifschuss für diese Neuauflage!

Sehr schön: „Sniper Elite V2 Remastered“ legt sehr viel Wert auf die realistische Flugbahn des Projektils. Je höher euer Schwierigkeitsgrad, desto anspruchsvoller fällt das Berechnen des nächsten Schusses aus. Die Kugel fliegt nämlich im Bogen und auch Faktoren wie Wind beeinflussen die Flugbahn. Je höher ihr also den Schwierigkeitsgrad dreht, desto mehr Anspruch kommt auch ins Spiel. Dann wird „Sniper Elite V2“ vom Shooter immer mehr zur Simulation.

Doch auch auf normaler Stufe setzt sich „Sniper Elite“ geschickt von der übermächtigen Konkurrenz ab. Wo ihr sonst ganze Magazine verballert, genügt hier oftmals ein präziser Schuss. Für Treffer wiederum hagelt es Ingame-Punkte für die Online-Rangliste.

Stealth-Kills oder Abschüsse mit Pistole oder MP quittiert das Spiel nur mit niedrigen Beträgen. Ein Kopfschuss aus über 100 Metern Entfernung sorgt dagegen für eine Belohnung jenseits der 1000 Punkte. Taktisches, langsames Vorgehen und die insgesamt gute Spielmechanik motivieren und trösten über die trotz Remastered-Variante angestaubte Technik hinweg.

Frisch von der Schlachtbank

„Sniper Elite V2 Remastered“ ist – wie schon das Original – kein Spiel für Zartbesaitete. Die damals noch entfernte X-Ray-Kill-Cam zeigt euch nämlich alle blutigen Details eurer Schüsse. Das Spiel erinnert dadurch fast schon an „Mortal Kombat 11“. Bei Körpertreffern seht ihr wie Knochen zersplittern und wie es Organe zerreißt. Das Geschehen erweist sich als brutal und wird sicherlich den einen oder anderen sogar anwidern.

Allerdings vermittelt das Spiel so auch ein gutes Gefühle für die eigenen Schusskünste und speziell bei harten Gefechten oder entscheidenden Schüssen stellt sich schnell der Belohnungseffekt ein. Wenn wir also einen anderen Scharfschützen stilecht umnieten oder einen der Bosse ins Jenseits befördern, dann erzeugt die X-Ray-Kill-Cam noch ein Quäntchen mehr Atmosphäre. Bleibt sie aber ein kontroverses Thema? Auf jeden Fall. Unterstreicht sie das Gameplay? Natürlich.

Solide Story und ordentlicher Mehrspielerumfang

In Sachen Umfang gibt es dagegen keinen Anlass für Ärger. Die Kampagne überzeugt – trotz des ziemlich blassen Hauptcharakters – bei einer Spielzeit von zehn bis fünfzehn Stunden. Die berühmt-berüchtige Mission, in der ihr Adolf Hitler umlegen müsst, ist in der „Remastered“-Fassung ebenfalls dabei. Die angesprochenen Schwierigkeitsgrade motivieren zudem zu einem zweiten Anlauf.

Die integrierten Sammelgegenstände wie etwa Goldbarren wirken dagegen aufgesetzt. Hinzu kommt ein Koop-Modus für die Kampagne, sowie diverse Multiplayer-Modi, die ihr teils mit 16 Spielern angeht. Das Gameplay bleibt dabei – abseits des Horden-Modus – ähnlich, ist jedoch durchaus unterhaltsam. Ein Dauerbrenner wird „Sniper Elite V2“ in Zeiten von „Apex Legends“, „The Division 2“ und Co. allerdings nicht.

Was wir schlecht finden

Der Zahn der Zeit

Trotz 4K und HDR wirkt „Sniper Elite V2“ technisch veraltet. Gerade die Animationen erscheinen steif und ungelenkt. Schleichen wir beispielsweise in der Hocke, bleibt Karl Fairbournes Oberkörper komplett ruhig und nur seine Beine drehen und winden sich bei Richtungswechsel teils arg unnatürlich zur Seite.

Immer wieder entdecken wir selbst im Test auf der Playstation 4 Pro matschige Texturen. Besonders störend fallen allerdings die Probleme beim Klettern oder auch beim Deckungssystem aus. Denn längst nicht alle größeren Objekte können wir direkt als Schutz vor heranfliegenden Kugeln nutzen. Immer wieder kassieren wir dadurch Treffer.

Die Tücken der Steuerung

Zugleich bedeutet Deckung auch nicht gleich Deckung: Bei einigen Hindernissen dürfen wir darüber hinweg schießen, bei anderen müssen wir diese manuell verlassen und aus dem offenen Feld heraus schießen. Das erhöht die Gefahr, Schaden zu nehmen. Darüber hinaus legt uns das Spiel künstlich Steine in den Weg: So steigen wir nur dafür gedachte Schrägen empor.

In einem Hangar angetroffenen Leiterwagen etwa können wir nicht nutzen. Dafür, dass sich gerade ein Scharfschütze die beste Position für sein Handwerk suchen muss, ist Karl leider arg bewegungsfaul und unathletisch. „Sniper Elite V2 Remastered“ schenkt uns nur auf dem Papier viele Freiheiten. Im Praxistest aber stapfen wir trotz großer Gebiete doch zu sehr auf den vorgetrampelten Pfaden und können zu wenig improvisieren.

Wohin des Weges?

Eine weitere Schwachstelle bezieht sich auf die – ebenfalls im Original kritisierte – Gegner-KI. Die Leistung der Wachen mäandert zwischen Genie und Wahnsinn. Im Test blieben die Spießgesellen immer wieder an Objekten hängen, liefen plötzlich in die falsche Richtung oder wechselten ohne Not die Stellung.

Kurzum: Sie verhielten sich merkwürdig. Zugleich aber machen uns gerade andere Scharfschützen das Leben schwer und setzen uns mit Hilfe gezielter Schüsse unter Druck. Allerdings trüben die Momente, in denen die KI-Soldaten einfach nur Kanonenfutter sind und sich haarsträubende Fehler leisten, den Spielspaß und brechen mit der Atmosphäre.

6.5
Pro
  • angenehm langsames Scharfschützen-Gameplay
  • anspruchsvolles Physik-Modell – gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden
  • im Vergleich zum Original aufgestockter Umfang
Contra
  • weiterhin viele KI-Probleme
  • Deckungungssystem
  • Steuerung und Interaktion mit der Umgebung

Wertung und Fazit

Sniper Elite V2 Remastered im Test: Treffsicher oder voll daneben?

„Sniper Elite V2 Remastered“ bietet einen frischen Ansatz auf das Shooter-Genre und spielt sich – genauso wie das 2012 veröffentlichte Original – spürbar anders als viele vergleichbare Spiele auf dem Markt. Das gezielte Ausspähen der Gegner und das anschließende Abfertigen der Übermacht erzeugen immer wieder ordentlich Nervenkitzel.

Gelungene Abschussserien fühlen sich, so absurd es sich anhört, nicht zuletzt dank der X-Ray-Kill-Cam sehr belohnend an. Wer mit den Splatter-Effekten kein Problem hat, wird hier sicherlich seine Freude haben und kann sich dank Mulitplayer-Modi und den verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten ordentlich austoben. Denn in „Sniper Elite V2 Remastered“ steckt weitaus mehr als nur ein simples Ballerspiel. Allerdings patzt Rebellion auch!

Denn für einen Remastered-Titel weist die Weltkriegshatz zu viele aus dem Original bekannte Fehler auf. Der große Aha-Effekte bleibt trotz 4K und HDR aus. Stattdessen ärgern wir uns über KI-Aussetzer, Clipping-Fehler und das im Jahr 2019 doch arg hakelige Deckungssystem. Hier hätte in den vergangenen sieben Jahren einfach noch mehr Arbeit geleistet werden müssen.

Reviews

Kommentare

  1. Analyst Pachter sagt:

    ENE MENE MUH

  2. xjohndoex86 sagt:

    Als Demo fand ich es damals spaßig. Dann habe ich irgendwann die Vollversion gekauft und spätestens ab der Hälfte entnervt aufgehört. Nur Doom (2016) fand ich im Ablauf noch eintöniger.

  3. Fakeman sagt:

    Mir hat's beim ersten durchspielen Spaß gemacht und beim
    zweiten mal wird das nicht anders sein !

  4. Rushfanatic sagt:

    Ich verstehe eure Art zu bewerten absolut nicht

  5. ZaphodX sagt:

    Hmm, X-Ray Killcam hatte ich in der PS3 Version. Bei den ersten fünf Treffern ist das einigermaßen interessant weil es einen vor Augen führt was so ein Geschoss anrichten kann. Irgendwann habe ich das aber abgeschaltet weil dann nervig wird.
    Hatte wohl die UK Version, denn Adolf habe ich auch mehrfach gegeben was er verdient hat.

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