Review

The Last of Us Part 2 im Test: Wie gut ist Naughty Dogs Endzeit-Abenteuer wirklich?

Härter und schöner, aber auch wirklich besser: „The Last Of Us Part 2“ schickt sich an, den revolutionären Vorgänger zu übertrumpfen. Wir verraten im Test, ob der zweite Teil ebenfalls neue Standards setzt!

play3 Review: The Last of Us Part 2 im Test: Wie gut ist Naughty Dogs Endzeit-Abenteuer wirklich?
9.5

Naughty Dog blickt zurück auf eine Geschichte voller Meilensteine: „Crash Bandicoot“, „Jak and Dexter, „Uncharted“ und schließlich „The Last of Us“. Das in Kalifornien beheimatete Studio legte die Messlatte in nahezu jeder Konsolengeneration ein Stückchen höher. Kein Wunder also, dass „The Last of Us Part 2“ schnell zu einem der meist erwarteten Spiele für die Playstation 4 mauserte. Am 19. Juni 2020 erscheint das Endzeit-Abenteuer endlich und führt die Geschichte von Ellie und Joel fort – ernster, brutaler und düsterer als noch im ersten Teil. Wieso „The Last of Us 2“ trotzdem oder gerade deshalb eines der besten Spieler dieser Generation ist – das erfahrt ihr im Test.

Spoilerwarnung: Wir bemühten uns, diesen Artikel möglichst spoilerfrei zu halten. Trotzdem gibt es natürlich Passagen im Text, in denen wir auf bestimmte Punkte im Spiel eingehen und entsprechend Informationen preis geben müssen. Wer „The Last of Us Part 2“ ungespoilert erleben möchte, dem empfehlen wir diesen Artikel später zu lesen.

Was wir gut finden

Perfekt inszenierte Rachegeschichte

Wir möchten uns an dieser Stelle gar nicht groß mit der Geschichte hinter „The Last Of Us 2“ aufhalten. Denn letztlich ist sie es, die dieses Spiel so besonders macht. Nur so viel: Das Abenteuer schließt zeitlich einige Jahre an die Geschehnisse des ersten Teils an. Ellie, Joel und andere Überlebende der Pandemie sind in einer Siedlung in Jackson, Wyoming untergekommen.

Wenig überraschend bleibt es aber nicht allzu lange friedlich und so entspinnt sich über die Spielzeit von 25 bis 30 Stunden ein spannende Endzeit-Rachegeschichte voller denkwürdiger Momente und großer Emotionen. Kenntnisse über den ersten Teil sind allein schon wegen der emotionalen Bindung zu Ellie und Joel sowie dem kontroversen Ende stark von Vorteil. Wir bezweifeln, dass der Plot für Neueinsteiger so gut wirkt wie für erfahrene „The Last Of Us“-Spieler.

Ein wahres Meisterwerk!

An dieser Stelle möchten wir aber vor allem die Inszenierung hinter „The Last of Us 2“ hervorheben. Naughty Dog zieht in diesem Fall alle Register und so ist das Action-Adventure dichter an einer Hollywood-Produktion als jedes andere Spiel bislang. Von den Kamerawinkeln bis hin zu Details wie den Gesichtsanimationen bei Nahkämpfen oder lautlosen Angriffen – das Spiel strotzt vor Details, die die ernste Atmosphäre untermauern.

Technisch ist „The Last of Us 2“ eines der herausragendsten Spiele dieser Konsolengeneration. Grafik, Soundeffekte und Musik gehen absolut Hand-in-Hand und auch hier machen Details wie etwa leise Schritte oder sogar das Geräusch von Blut, das auf den Boden tropft, den Unterschied.

Naughty Dog erschafft eine in sich glaubwürdige Spielwelt, in der (fast) alle Puzzleteile nahtlos ineinander greifen und ein makelloses Action-Erlebnis mit dazu passender Geschichte – inklusive Stilmittel wie Flashbacks oder auch Perspektivwechsel – kreieren. Dieses Spiel ruft die gesamte Emotionspalette ab: Liebe, Hass, Wut und Freude.

Schleichen, erkunden, rätseln

Naughty Dog schneidet sich in Puncto Leveldesign eine Scheiben von der „Uncharted“-Reihe ab. In „The Last of Us 2“ sind die Gebiete oftmals weitläufiger als noch im Vorgänger. Das wiederum lädt zu längeren Erkundungstouren ein. Deshalb ist die bereits aufgeführte Spielzeit von 25 bis 30 Stunden auch stark abhängig von der Zeit, die ihr mit dem Sammeln von Vorräten und der Suche nach neuen Informationen verbringt.

Sehr schön: kleinere Rätselpassagen lockern das Spielgeschehen immer wieder auf. So verschiebt ihr etwa Müllcontainer oder nutzt Seile, um auf höhere Ebenen zu gelangen. Manchmal verlegt ihr auch Stromkabel für Generatoren. Das Spiel wechselt geschickt zwischen ruhigeren und schnelleren Passagen.

Das Gameplay fußt natürlich auf den Grundmechanismen des ersten Teils, jedoch fühlt sich „The Last of Us 2“ freier an. Das bedeutet: Im Verlauf klettert, kriecht, schwingt, springt, schwimmt und spurtet ihr durch die Levels. Für den kleinen Adrenalinkick zwischendurch sorgen Flucht- oder Jagdpassagen. Im Kampf entscheidet ihr, ob ihr laut oder leise vorgehen möchtet und legt euch auf der einen Seite mit Infizierten und auf der anderen mit Menschen an. Deren Verhalten und Ausrüstung variiert abhängig von der Gruppierung der sie zugehörig sind. Die Seraphiten etwa nutzen ausschließlich Pfeil und Bogen.

Im Verlauf bessert ihr zudem eure Waffen mit gesammeltem Schrott auf und erhöht so etwa Stabilität, Schaden oder andere Werte. Zusätzlich besitzen Ellie und die anderen spielbaren Figuren spezielle Talente, die ihr ebenfalls weiter ausbaut. Und natürlich bastelt ihr euch auch mit gesammelten Vorräten Erste-Hilfe-Packs, Molotow-Cocktails und andere Hilfsmittel. Diese System funktionieren ordentlich und sind einen Hauch komplexer als im Vorgänger, ohne jedoch den Fokus zu sehr von den eigentlichen Gameplay-Schwerpunkten zu nehmen.

Der blanke Kampf ums Überleben

Doch so praktisch Crafting und Talente auch sein mögen, der eigentliche Star von „The Last Of Us 2“ ist neben der Geschichte die ständige Anspannung, die in der Luft liegt. Naughty Dog setzt Gameplay und Präsentation derart geschickt zusammen, dass ihr konstant unter Strom steht. Selbst in ruhigeren Passagen erwartet man daher förmlich, dass wieder irgend eine Katastrophe geschieht und euch bis ins Innerste erschüttert.

In seinen intensivsten Momenten – wie etwa der Flucht aus den U-Bahn-Systemen Seattles – spielt sich „The Last of Us 2“ wie ein Horror-Game. Trotzdem müsst ihr kühlen Kopf bewahren und die gegebenen Möglichkeiten zu eurem Vorteil ausnutzen. Beispielsweise könnt ihr Soldaten und Infizierte auch gegeneinander ausspielen.

Gerade in Schleichpassagen oder im Kampf mit größeren Gegnergruppen und Infizierten wie dem Bloater stockt einem der Atem. Das Spiel hält die Vorräte vergleichsweise knapp: das motiviert zum Absuchen der Areale, aber bringt einen zugleich auch immer wieder in Bedrängnis. Jeder Schuss muss wohl überlegt sein und genau das macht letztlich auch den Reiz des Spiels aus. Es ist kein klassisches Survival-Abenteuer, aber nimmt sich dieses Genre doch zum Vorbild.

Was wir schlecht finden

Inventarfummelei und Waffenwechsel

In Sachen Nutzerkomfort ist „The Last of Us 2“ aber nicht perfekt: das Aufrufen mit Hilfe des Digi-Pads funktionierte im Test längst nicht fehlerfrei und auch Waffenwechsel erwiesen sich als viel zu fummelig. Es dauert oftmals einfach zu lange, ehe man mit dem Digitalkreuz die Waffe ausgewählt und gewechselt hat. Andere Spiele machen das besser.

Kleinere Schwächen im Kampf

Gleiches gilt für das Kampfsystem. In Deckung ist nicht immer klar ersichtlich, wie „geschützt“ die eigene Spielfigur tatsächlich ist. Da ihr euch nicht halbautomatisch an die Wand drücken könnt, bleibt immer ein gewisses Restrisiko. Dadurch kassiert ihr immer wieder Treffer. Die Gegner-KI erweist sich insgesamt als mehr als solide. Nur gelegentlich störten wir uns an kleineren Auswüchsen auf mittlerem Schwierigkeitsgrad, in denen feindliche Soldaten unlogisch oder gar „blind“ agierten.

Zu hart?

Eins ist klar: „The Last of Us 2“ ist ein Spiel für Erwachsene. Die düstere Rachegeschichte geizt im Verlauf nicht mit blutigen Schockmomenten und konsequent inszenierter Gewalt. Auch in den Actionpassagen kratzt das Spiel immer wieder an der Grenze des Ertragbaren: schon mal einem Schäferhund den Schädel mit einem Streithammer eingeschlagen? Oder dabei zugehört, wie das Blut eures getöteten Gegners auf den Asphalt tropft?

Egal, ob in den Zwischensequenzen oder im tatsächlichen Spiel – „The Last of Us 2“ besitzt einen gänzlich anderen Tonfall als der Vorgänger und irgendwann erreicht man den Punkt in der Geschichte, an der man einfach nur den nächsten „schlimmen“ Augenblick erlebt. Das alles passt zum Grundtenor des Spiels, aber wird – trotz aller Qualitäten – nicht jedem gefallen.

9.5

Wertung und Fazit

PRO
  • fantastische Präsentation und Inszenierung
  • perfektes Spieltempo und konstante Spannung
  • starker Mix aus Stealth, Action und Erkunden
CONTRA
  • Inventarführung nicht perfekt
  • kleinere KI-Probleme
  • Brutalität hart an der Schmerzgrenze

The Last of Us Part 2 im Test: Wie gut ist Naughty Dogs Endzeit-Abenteuer wirklich?

„The Last of Us Part II“ enttäuscht zu keiner Sekunde. Auch wenn der Grundtenor und auch die Erzählstruktur deutlich anders ist als beim Vorgänger. Der zweite Teil zeigt sich als beinhartes, erwachsenes und bisweilen markerschütternd brutales Endzeit-Drama.

Dieses Spiel macht keine gute Laune, sondern nimmt euch, lieb gewonnene Charaktere wie Ellie und Joel und neue Figuren auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Die Geschichte und der Weg bis zum Abspann ist in diesem Fall wichtiger als das Gameplay selbst. „The Last of Us 2“ ist zu jeder Sekunde Spannung pur und nicht für schwache Nerven.

In Sachen Gameplay verfeinert Naughty Dog die Formel des ersten Teil mit Hilfe der gemachten Erfahrungen aus „Uncharted 4“ - weitläufiger, freier und schöner. Wer für diesen Sommer noch ein Spiel benötigt, wird mit „The Last of Us Part II“ glücklich und wird dieses Erlebnis so schnell nicht wieder vergessen.

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