Review

Mafia Definitive Edition im Test: Der Don unter den Remasters?

von Olaf Bleich | 24.09.2020 - 18:02 Uhr
Platform
Playstation 4
Developer
Hangar 13
Publisher
2K Games
Release
25. September 2020
8.5

Nach „Tony Hawk’s Pro Skater 1+2“ und „Crysis Remastered“ erwartet uns mit „Mafia – Definitive Edition“ die dritte große Neuauflage innerhalb weniger Wochen. Das ursprünglich 2002 veröffentlichte Gangster-Abenteuer wurde damals noch vom tschechischen Studio Illusion Softworks entwickelt. Für die „Definitive Edition“ zeichnete allerdings Hangar 13 verantwortlich und bringt den Klassiker auf Basis der „Mafia 3“-Technik ins Jahr 2020.

„Mafia“ avancierte über die Jahre zum echten Kult-Spiel und das vor allem aufgrund der in der Kampagne erzählten Geschichte. Und genau dadurch überzeugt auch die Neuauflage und bietet Spielern, die das Original noch nicht kennen, ein Gangster-Drama wie man es zuletzt in „Der Pate“ erlebt hat.

Vom Taxifahrer zum Gangster-Boss?

„Mafia“ erzählt seine Geschichte aus der Retrospektive. In der ersten Szene seht ihr einen gebrochenen Thomas „Tommy“ Angelo, der sich nicht mal mehr einen Kaffee leisten kann und über seine Vergangenheit auspackt. Tommy war einst ein kleiner Taxifahrer in Lost Heaven, der durch einige Wirren in die Welt der organisierten Kriminalität hinein gezogen wurde. Schon bald fand er sich im Krieg zwischen den Ganoven von Don Salieri und Don Morello wieder.

Eine Neuauflage, die ihr nicht ablehnen könnt

„Mafia“ lässt sich in seiner Erzählung Zeit. Zu Beginn ist Tommy nicht viel mehr als ein Laufbursche, der gemeinsam mit seinen Gangster-Kollegen Paulie und Sam Schutzgeld abholt oder kleinere Botengänge erledigt. Allerdings steigert sich mit jeder Mission die Gewalt und auch die Bedeutung eurer Taten: Wettbetrug, Kopfgeld und später jagt ihr sogar ein Bordell in die Luft.

Die Gewalt eskaliert immer mehr und dank der aufwendig inszenierten Zwischensequenzen und der gut geschriebenen Charaktere entsteht schnell eine emotionale Bindung zu den Figuren. Gerade Tommys Wandlung erweist sich als extrem interessant und macht einen großen Teil er Langzeitmotivation aus.

Kleine, aber feine Open-World

Hangar 13 erweckt Lost Heaven mit der Neuauflage zu neuem Leben. In den Straßen flanieren die Fußgänger, zeitgenössische Autos kutschieren über den Asphalt und ein Blick nach Chinatown zeigt die volle Pracht dieser Metropole. „Mafia – Definitive Edition“ fängt gekonnt das Flair der 30er-Jahre ein und dazu passend lauscht bei euren Fahrten durch die Stadt natürlich auch zu Jazz, Swing und anderen Musikrichtung dieser Zeit.

Ein neues „Grand Theft Auto“ aber möchte „Mafia“ trotzdem nicht sein. Und das wollte auch das Original nicht. Stattdessen dient Lost Heaven als stimmungsvolle Kulisse für eure Eskapaden. So schaltet ihr zwar nach dem ersten Kapitel den „Freie Fahrt“-Modus frei und könnt das gesamte Areal erkunden, im Gegensatz zu aktuellen Open-World-Spielen gibt es aber keine Nebenmissionen und auch nur wenige Sammelgegenstände wie Zigarettenbilder oder Romane. „Mafia – Definitive Edition“ bietet somit wenig Ablenkung von der Hauptgeschichte und das tut in der heutigen Zeit ausgesprochen gut.

Fahren, kämpfen, schleichen

Im Vergleich zum Original entschlackt Hangar 13 das Gangster-Abenteuer aber spürbar. Wer das Spielerlebnis von damals wiederholen möchte, aktiviert den „Klassisch“-Schwierigkeitsgrad. Ansonsten könnt ihr bestimmte Parameter wie etwa das Verhalten der Polizei auch per „Simulations“-Option beeinflussen. So könnt ihr etwa auch lange Fahrt zum nächsten Missionspunkt abkürzen.

Besonders wichtig: Gerade die Fahrsequenzen wurden mit den aktivierten Hilfen merklich entschärft. Das Fahrzeug-Handling ist nun deutlich leichter. Ein bestimmtes Rennen Im Speziellen ist nun absolut spielbar und kostet weit weniger Nerven als noch zuvor. Auf den höheren Schwierigkeitsstufen allerdings haben es gerade die Verfolgungsjagden und Rennpassagen weiterhin in sich.

„Mafia – Definitive Edition“ variiert nicht nur in der Kampagne, sondern auch im Gameplay sehr geschickt das Tempo. Mal müsst ihr in Story-Einsätze aufdringliche Verehrer von Tommys Freundin ausschalten, dann gibt es wieder witzige Shootouts mit Morellos Schergen. In seinem Kern ist „Mafia“ ein klassischer Cover-Shooter aus der Verfolgerperspektive. Tommy verträgt nur wenige Treffer und selbst auf niedrigem Schwierigkeitsgrad sind Munition und Medi-Kits rar gesät.

Ein wenig Taktik ist hier also durchaus gefragt. Viele Missionen bieten mehrere Zugänge, sodass ihr beispielsweise auch lautlos agieren dürft. Alternativ werft ihr auch mit Granaten oder Molotowcocktails um euch. Sehr schön: Getroffene Gegner reagieren filmreif auf Verletzungen und selbst Holzbarrikaden gehen unter Beschuss kaputt.

Das Deckungssystem funktioniert ordentlich, jedoch wirkt Tommy gelegentlich ein wenig hüftsteif. Zudem kam es im Test zu einigen KI-Aussetzern, in denen sich Computer-Figuren merkwürdig verhielten oder sogar in Wänden verschwanden. Das schmälerte aber den Gesamteindruck kaum. „Mafia“ hält für die gesamte Spielzeit über bei Laune und begeistert mit seiner tollen Inszenierung und dem rundum gelungenen Gameplay.

8.5
Pro
  • weiterhin geniale Gangster-Story voller Dramatik
  • starker Mix aus Action, Stealth und Verfolgungsjagden
  • viele Einstellungsmöglichkeiten bei der Wahl des Schwierigkeitsgrades
Contra
  • Deckungssystem mit Schwächen
  • gelegentliche Bugs
  • Open-World eher „Fassade“

Wertung und Fazit

Mafia Definitive Edition im Test: Der Don unter den Remasters?

Hangar 13 hat bei „Mafia – Definitive Edition“ an genau den richtigen Stellen die Hebel angesetzt. Die Neuauflage des inzwischen 18 Jahre alten Klassikers erweist sich als sehr gelungen und überzeugt – wie schon das Original – mit der konsequenten Inszenierung und der spannenden Geschichte. Tommys Weg vom kleinen Taxifahrer zum gescheiterten Gangster vollführt etliche Höhen und Tiefen und ist genau deshalb so emotional und aufreibend.

Jede Figur besitzt ihre eigene Geschichte, jede Cutscene hat eine Bedeutung. Spielerisch ist „Mafia – Definitive Edition“ sicherlich nicht fehlerfrei, punktet aber mit variierenden Settings, ausreichend Abwechslung und einem nahezu perfekten Pacing durch die rund 15-stündige Kampagne. Kurzum: Wer „Mafia“ noch nicht kennt, sollte dies nun unbedingt nachholen. Spieler des Originals sollten noch einmal nach Lost Heaven zurückkehren und den Zauber von damals im neuen Gewand genießen.

Kommentare

  1. Stuka sagt:

    Wie siehts denn technisch mit mafia aus? Läuft es flüssig und stabil ?

  2. Sveninho sagt:

    Hört sich doch super an. Habe mir gestern die Trilogy für 45€ bestellt, da kann man nicht meckern. 🙂

  3. Björn23 sagt:

    Hört sich sehr gut an. Auch die andern Testwertungen sind sehr gut aus. Außer 4players aber die nehme ich sowieso nicht ernst. Meins kommt morgen bin schon gespannt wie es wird. Damals vor 17 Jahren war die Story ein grandioses Gangster-epos. Was Story an geht. Um längen besser als der extrem schlechte 3 Teil. Auch besser als der an sich sehr gute 2 Teil. Hätte nicht gedacht das Hangar 13 es hinbekommen würde. Ein schönes Remake zu entwickeln. Vo einem der Bester Gangsters-spiele überhaupt.

  4. James T. Kirk sagt:

    Beim originalen Mafia hatte man das Gefühl dass eine Intelligenter Mensch die Dialoge geschrieben hatte. Beim Remake war es wahrscheinlich eher ein Kleinkind.

    Deswegen mag ich keine Remakes. Remaster sind besser da so der Kern des Spiel erhalten bleibt. Wie bei Mafia 2.

  5. LDK-Boy sagt:

    Wer ne xbox x hat solls lieber dafür holen.

  6. LDK-Boy sagt:

    Sieht schon Top aus. Bin überrascht zocks gerade.

  7. KeksBear sagt:

    @LDK-Boy

    Ist für mich eher ein Sale Game. Nach Mafia lll bin ich sehr skeptisch und 40 Euro ist es mir aktuell nicht wert.

  8. questmaster sagt:

    Ja 40 Euro für 1 remake game wenn ich die trilogy für 49 Euro bestellen kann sehe den sin nicht darin. Wenn ich wieder aus dem Garten komme( seit Mai im Garten) wird langsam kalt mal amazon bemühen

  9. LDK-Boy sagt:

    Hab ja auch die Trilogy geholt. Nur auf Standard ps4 würd ich es net holen.

  10. Baran2 sagt:

    Warum sollte man für standart ps4 net holen soll ich extra dafür eine ps4 pro kaufen lol

  11. questmaster sagt:

    Werde vielleicht bis zur PS5 warten.

  12. Yaku sagt:

    Hab jetzt auch zugeschlagen. Teil 1 habe ich bisher noch nicht gespielt.

  13. DUALSHOCK93 sagt:

    4 Players hat 54% gegeben... Alter manchmal denke ich komm so schlecht ist es doch nicht.

  14. LDK-Boy sagt:

    Baran weil in vergangenheit die std ps4 version immer schlechter war von Hangar 13

  15. Sveninho sagt:

    @DUALSHOCK93: 4players verstehe ich manchmal auch nicht. Wenn ein Spiel nicht gefällt, zeigen sie es eindeutig mit einer übertrieben schlechten Wertung.
    Gamepro hat 89% gegeben. Pcgames eine 9/10, getestet von Mathias Dammes, den ich sehr schätze.
    Ich freue mich jedenfalls. 🙂

  16. olideca sagt:

    „Kleine Openworld“ - das werte ich positiv bei den in der heutigen Zeit völlig übertriebenen Spielwelten!

  17. Gurkengamer sagt:

    Bei 4Players im Video Test hat's ne 54 % Wertung bekommen .. naja irgendwann mal für 10/15€ mitnehmen.

  18. Link sagt:

    Kann mir einer auf die Sprünge helfen? Habe seinerzeit im Store die Trilogy gekauft, wo ziehe ich denn jetzt Teil Eins/ starte den?

  19. Kaos sagt:

    Ich finde eben die 4Players Test am besten - Play , Gamepro usw vergeben doch 80%er Wertungen wie Süßigkeiten an Kinder! Der 4Players Test bringt alle Befürchtungen exakt auf den Punkt was Hangar 13 wieder falsch gemacht hat - die Idioten sollen einfach Mafia in andere Hände abgeben , ich hab mich so auf das Remake gefreut, aber scheinbar wurde es zu halbherzig gefertigt - vllt im Sale dann ...

  20. SchatziSchmatzi sagt:

    Kleine Openworld und wenig Sammelkrams, das lobe ich mir. Endlich kommt nach langer Zeit wieder ein Spiel, was sich wirklich auf Story und auf ein narratives Spielerlebnis fokussiert. Hangar 13 hat ganze Arbeit geleistet und das soll mit einem Kauf von meinerseits belohnt werden.

  21. Horst sagt:

    Muss ich dringend nachholen. Bin froh dass das Remake so geglückt ist ^^ Toll!

  22. theHitman sagt:

    Meins kommt heute an und ich freue mich riesig darauf. Mafia II hat mich damals einfach begeistert eben wegen der Story und nicht der Open World und hier hoffe ich selbiges.

  23. GolDoc sagt:

    @Kaos

    In den meisten Fällen sind die Tests von 4players durchaus gut und zutreffend. Hin und wieder haben sie aber auch einen Test drin, wo man sich fragt, ob die alle Tassen im Schrank haben oder ein anderes Spiel gespielt haben.

    Far Cry 3 hatte damals bei denen glaube ich auch nur um die 65 bekommen.

    Wie manche Leute/Tester immer noch nicht begriffen haben, dass Mafia 1 und Mafia 2 KEINE Open world Spiele sind, das sind lineare Storyspiele. Ist ähnlich wie LA Noire, das ist auch keine richtige Open World. Ich kann da immer nur mit dem Kopf schütteln.

  24. Bulllit sagt:

    Kaufen und selber testen. Wenns doch nicht so gut sein soll, kann man das Game einfach weiter verkaufen. 🙂

  25. olli3d sagt:

    Interessant das als negativ Punkt die Open World gelistet wird, im Text das aber ganz anders klingt: "stimmungsvolle Kulisse", " in der heutigen Zeit ausgesprochen gut." Warum wird das dann am Ende negativ gesehen?

    Mit gefällt es bisher sehr gut.

  26. Schnäbedehämbrä sagt:

    Ich habe es bald durch gespielt. Das Spiel lebt ganz klar von der tollen Story & Atmosphäre. Technisch ziemlich altbacken, Maskengesichter. Ich kannte Teil 1 nicht und wurde gut unterhalten. Teil 2 war der Hammer. Teil 3 eine grosse Enttäuschung. Ich finde 4players Wertungen immer mutig und authentisch. Aber 56% ist dann schon gnadenlos. Play3 könnte auch mutiger bewerten. Ziemlich alles kriegt 85%. Das ist bei Mafia 1 mit diesen technischen Mängel auch total daneben.

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