Review

Project Cars 3 im Test: Gelungener Neustart für die Rennserie?

von Olaf Bleich | 25.08.2020 - 17:01 Uhr
Platform
Playstation 4
Publisher
Bandai Namco
Release
25. August 2020
8.0

„Project Cars“ blickt auf eine inzwischen bewegte Vergangenheit zurück. Die ersten beiden Teile finanzierte Entwickler Slightly Mad noch mit Hilfe von Crowdfunding, ehe das Studio 2019 schließlich vom Branchenriesen Codemasters übernommen wurde. Diese neue Führung zeigt sich auch in „Project Cars 3“. Man möchte weg vom Image der beinharten Rennsimulation hin zum zugänglichen Simcade-Game für passionierte Autofans. Kein Wunder also, dass der dritte Teil der Rennserie aus der Art schlägt, aber drückt das auch die Qualität des Spiels?

Was wir gut finden

Einsteiger- und vor allem Gamepad-freundlich

Dass „Project Cars 3“ nicht mehr nur allein die eingeschworene Fangemeinde, sondern die breite Masse erreichen möchte, zeigt sich von Beginn an. Das Spiel begrüßt uns nämlich nach der recht überschaubaren Erstellung eines eigenen Fahrers zunächst in einem Einladungsrennen, das wiederum als Tutorial dient. An Bord einer Chevrolet Corvette C8.R schalten wir durch die Kameraperspektiven und lernen die Grundlagen der Steuerung kennen.

Die Einstellungsmöglichkeiten sind auch in „Project Cars 3“ üppig. Neben Brems- und Lenkassistenten fällt vor allem das neue Streckensystem auf. Statt einer dynamischen Ideallinie markieren Symbole die Punkte für abbremsen, einlenken und beschleunigen. Das System funktioniert überraschend gut und öffnet zugleich das Rennspiel ein wenig.

Slightly Mad nimmt im Vergleich zum Vorgänger starke Veränderungen am Handling vor. Mit Gamepad spielt sich der Racer jetzt deutlich besser und kontrollierbarer. Jeder Wagen fährt sich anders, aber eigentlich keiner wirklich schlecht. Und dazu nehmen Tuning und Upgrades auch noch starken Einfluss auf die Steuerung. In Sachen Steuerung macht „Project Cars 3“ gerade für Controller-Piloten einen gewaltigen Schritt nach vorne und auch Fahranfänger kommen dank der vielfältigen Hilfen besser ins Spiel. Das bedeutet aber nicht, dass das Rennspiel ein Selbstläufer ist. Einige Rennen haben es nämlich ganz schön in sich.

Geradlinige, aber motivierende Karriere

Kern-Spielmodus von „Project Cars 3“ ist die Singleplayer-Karriere, in der ihr euch durch insgesamt zehn Rennserien arbeitet. Im Zuge dieser Progression sammelt ihr in verschiedenen Bereichen Erfahrungspunkte sowie Credits, die ihr zum Einkaufen neuer Autos und Upgrades, aber auch etwa zum vorzeitigen Aktivieren von Rennserien benötigt. Die schaltet ihr nämlich eigentlich mit Hilfe von erledigten Aufgaben frei, könnt diese aber eben auch überspringen, falls ihr keine Lust darauf habt.

Auch wenn die Präsentation der Karriere trotz einiger netter Zwischensequenzen eher solide als prunkvoll ist, motiviert sie dennoch zum Weiterspielen. Ihr erhaltet nämlich ein stetes Gefühl des Fortschritts, da „Project Cars 3“ nahezu jede eurer Aktionen in irgend einer Form belohnt. Die verschiedenen XP-Profile sind fast schon unübersichtlich und werden durch zusätzliche Herausforderungen ergänzt, die ihr quasi „nebenbei“ meistert. Kurzum: Das Spiel belohnt euch selbst in Niederlagen und das kommt der Motivation sehr zu Gute.

Darüber hinaus überzeugt es mit seinem soliden Umfang und der neuen Möglichkeit, Autos einzukaufen und anzupassen. In der Werkstatt verpasst ihr euren Karossen einen mit Lack und Mustern einen eigenen Anstrich. Zusätzlich verbaut ihr Upgrades und könnt diese im Vorfeld des Rennens auch noch einmal anpassen. Durch die Upgrades könnt ihr eure Lieblingskarren auch in verschiedenen Rennklassen einsetzen. Das Spiel zwingt euch also nicht zum ständigen Durchrotieren. Wer möchte greift zudem auf den Fotomodus zurück und setzt den eigenen Liebling entsprechend in Szene.

Mehr als genug Content

Eine der großen Stärken von „Project Cars“ bleibt allerdings seine Vielseitigkeit, gewürzt mit einer gehörigen Portion Authentizität. Wenn wir unseren Porsche 959 erst mal ein paar neue Reifen aufziehen und dann erste Runden drehen, hüpft unser Herz doch einen Tick höher. Zudem gefällt uns gut, wie „Project Cars 3“ Faktoren wie beispielsweise das dynamische Wetter und die über 120 Strecken-Layouts. Gerade Fahrten bei Gewitter und entsprechendem Regen haben es wirklich in sich. Optisch und akustisch kann sich das Spiel ebenfalls sehen und hören lassen.

Die Modus-Vielfalt abseits der Karriere überzeugt ebenfalls. Für asynchrone Mehrspielerduelle sorgt das „Rivalen“-System. Hier messt ihr euch indirekt bzw. mit Hilfe von Ghosts mit den Leistungen eurer Freunde und anderer Piloten. In „Eigene Events“ könnt ihr alle Autos und Strecken ausprobieren, um eigene Proberunden zu drehen. Hinzu kommt noch der Online-Multiplayer mit eigenen Events und anderen Mehrspieler-Varianten. „Project Cars 3“ bietet also soliden Umfang für ein vermeintlich geradliniges Rennspiel.

Was wir schlecht finden

Strenge Regelauslegungen

Trotz des insgesamt gelungenen Fahrspaßes, besitzt auch „Project Cars 3“ seine Frustmomente. Bei uns kamen diese vor allem im Spielmodus „Heiße Runde“ auf. Hier geht’s um das Erfahren einer sauberen und möglichst schnellen Rundenzeit. Allerdings ist das Abkommen von der Strecke nicht erlaubt. Und „Project Cars 3“ legt an dieser und an einigen anderen Stellen die Regeln sehr streng aus. Berühren wir teils nur minimal das Grün, gilt die Runde als ungültig und wir müssen noch einmal neu ansetzen.

Weiterhin keine Rückspulfunktion

Dazu passend weigert sich Slightly Mad weiterhin, die Rückspulfunktion in eines ihrer Spiele zu integrieren. Auch das sorgt für Ärger. Vor allem kollidiert das Fehlen mit den reichlich vorhandenen XP-Systemen. Wann immer wir also einen Unfall bauen oder es bereits sehr früh in einem Rennen aussieht, als würden wir nichts erreichen, müssen wir entscheiden: Fahren wir das Rennen trotzdem zu „Übungszwecken“ zu Ende und sammeln immerhin ein wenig Erfahrung oder brechen wir ab, sparen Zeit und starten von Neuem. So wirklich toll sind beide Varianten nicht.

Nicht innovativ, aber doch irgendwie anders

Für Kenner der ersten zwei Teile ist „Project Cars 3“ ein Kulturschock: Es richtet sich eindeutig an Gamepad-Piloten und öffnet die Serie spürbar für eine neue Zielgruppe. Trotzdem macht es nicht so viel anders als andere Rennspiele und genau das mochten ja viele an den biederen, aber durchaus komplex-authentischen Vorgängern.

Uns fehlten tatsächlich die ganz großen Innovationen des Renngenres in „Project Cars 3“. Es macht wenige Dinge wirklich deutlich anders und schiebt Slightly Mads Racing-Reihe eher einfach nur in eine andere Richtung. Wer auf diesen Spagat keine Lust hat, der wird auch wenig Freude am dritten Teil haben.

8.0
Pro
  • sehr umfangreich
  • stark verbesserte Gamepad-Steuerung
  • motivierendes Fortschrittsystem
Contra
  • schafft nicht immer die Mischung aus Einsteigerfreundlichkeit und Authentizität
  • rüpelige KI, strenge Regelauslegung und
  • wenige echte Neuerungen

Wertung und Fazit

Project Cars 3 im Test: Gelungener Neustart für die Rennserie?

Slightly Mad und Codemasters stoßen alte „Project Cars“-Fans sicherlich mit dem dritten Serienableger vor den Kopf. Waren frühere Teile eher konservativ und fast schon ein wenig verkopft, greift „Project Cars 3“ viele aktuell populäre Stil- und Gameplay-Erweiterungen zurück. Speziell die verschiedenen Erfahrungssystem erzeugen eine natürliche Progression und damit einen Anreiz weiterzufahren. Puristen könnten sich jedoch an diesen Funktionen stören und ihr altes „Project Cars“ zurück wollen.

Für alle anderen gibt sich der Simcade-Flitzer vielseitiger als jemals zuvor und gerade Elemente wie das dynamische Wetter und die Masse an Autos überzeugt. Einige Schwächen wie etwa die nicht perfekte Umsetzung für alte PS4-Konsolen und auch das Fehlen einer Rückspulfunktion stören den Spielspaß nur leicht. „Project Cars 3“ ist ein überzeugender, wenn auch andersartiger Vertreter der Serie.

Kommentare

  1. Crysis sagt:

    Wird dann für PS5 gekauft scheint richtig gelungen zu sein das Spiel.

  2. _Hellrider_ sagt:

    Grafisch ist es schlechter als PC2. Das ist sehr schade.

  3. BoC-Dread-King sagt:

    Scheint gelungen zu sein?
    Da warten wir doch lieber erstmal GT7 ab, PC3 schaut nämlich eher nur nach gutem Durchschnitt aus, da gibs schon genug andere die das abdecken.

  4. Crysis sagt:

    @BoC-Dread-King, ja das PS4 Gameplaymaterial sieht wirklich Grafisch nicht sehr schön aus. Mal schauen wie es Grafisch dann auf PS5 wirkt wenn es sich mit GT 7 messen wird, ohne Next Gen Update werd ich mir PC3 jedenfalls nicht kaufen.

  5. JigsawAUT sagt:

    Ja ich hoffte, dass PC3 nach den ersten beiden Teilen ein Ersatz für Assetto Corsa Competizione sein könnte aber PC3 geht in die Richtung gegen SIM-Fans.
    In PC2 gab es zwar wenige aber anständige Onlineligen. Das wird auch so bleiben da diese Spieler sicher nicht auf PC3 umsteigen werden oder wechseln dann halt zu ACC

  6. DarkSashMan92 sagt:

    "Keine Rückspulfunktion" ... ein Feature für Kacknoobs Kappa

  7. Banane sagt:

    Fand Teil 2 schon grottig. Mit Pad unspielbar und auch mit Lenkrad echt kacke.
    Habs extra nochmal geladen um es mal mit meinem G29 zu testen. Das kann gar nix für mich.

    Nochmal kauf ich von denen kein Rennspiel.
    Selbst mit Lenkrad müsste man da erstmal rumstellen bis zum Geht nicht mehr um es halbwegs fahrbar zu machen.

    Ich bleib bei GT. Da stöpsel ich das G29 an und es passt perfekt so wie es ist.

  8. Eloy29 sagt:

    @Crysis
    Es wird kein PS5 Update geben , das hätten sie schon längst angekündigt.
    Wo für diese GT7 kommt kann PC 3 gerne gegen die Wand fahren.
    PC2 war mit Pad selbst nach allen Patches unspielbar.

    Von denen hole ich mir nichts mehr.

  9. JigsawAUT sagt:

    @Banane

    Simracing muss einen auch liegen. Wem das nicht liegt der wird mit Spielen wie PC2, Assetto Corsa (Competizione), iRacing, RaceRoom usw nicht glücklich. Da ist man in GT Sport dann halt besser aufgehoben!

  10. M'Aiq the Liar sagt:

    8.0 wie ich es mir gedacht hab und was die Rückspulfucktion betrifft so brauche ich sie nicht aber ich warte bis es billiger wird dann greife ich zu.

  11. Banane sagt:

    @JigsawAUT

    Wahrscheinlich. Fühl mich in GT einfach am wohlsten. Das ist nicht zu sehr Sim und nicht zu sehr Arcade.

    Und alle Action Arcade Racer wie z.Bsp. NFS spiele ich sowieso nur mit Pad.

  12. redeye4 sagt:

    Meinte nicht der Chefentwickler vor einem Jahr noch, dass dieser Teil ein Gamechanger wird und 200 Prozent besser wird als der zweite Teil? Tja, mit solchen Aussagen sollte man sich besser zurückhalten...

  13. Lox1982 sagt:

    @Crysis
    Auf dem PC ist die Grafik auch nicht wirklich besser, Teil 2 war schon nur Okay aber Teil 3 naja egal ich werd es mal holen wenns im Sale ist schlecht muss es ja trotzdem nicht sein .

  14. nacholibre sagt:

    Ich warte nach wie vor auf ein Rennspiel, welches das Cockpit-Feeling von Shift auch nur im Ansatz so genial umsetzt. Seitdem habe ich kein einziges Rennspiel mehr gesehen, was die Power, die Geschwindigkeit, die Lautstärke, die Brutalität und die Kraft eines aufgemotzten Rennwagens so authentisch rübergebracht hat. Man hat beim Spielen schon fast seine Nackenmuskulatur gespürt und die Anstrengung des Rennfahrers. Gran Turismo und Co. wirken immer etwas wie eine gemütliche Sonntagsfahrt mit dem Golf dagegen. So auch Project Cars 3, wenn ich die Videos sehe.

  15. DerDax sagt:

    @nacholibre
    Kann dir nur Zustimmen, die Cockpitansicht aus Shift war wirklich einzigartig. In keinem anderem Game wurds seitem so gut umgesetzt. Selbst die Bodenwellen waren der hammer

  16. Twisted M_fan sagt:

    Keine Rückspulfunktion ist ein klarer Pluspunkt für mich.Wie ich diesen Rückspul dreck hasse und das dann noch als negativ zu beurteilen zeigt das eure Wertungen nicht ernst zu nehmen sind.Wenn ihr mit den kompromissen eines Rennspiels nicht klar kommt dann kauft auch kein Rennspiel.

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