Review

Call of Duty: Black Ops Cold War im Test - Was taugt die Kampagne?

Keine Shooter-Revolution, aber knackig-laute Blockbuster-Action: Im Test erfahrt ihr, wieso die Kampagne von „Call of Duty: Black Ops Cold War“ Popcorn-Gaming der besseren Art darstellt.

play3 Review: Call of Duty: Black Ops Cold War im Test – Was taugt die Kampagne?
8.0

Die Kampagne und „Call of Duty“ – Das war über viele Jahre eine Beziehung, die den Status „Es ist kompliziert“ mehr als verdient hatte. War einer schicker Solo-Modus früher der absolute Kaufgrund für den Ego-Shooter, mauserte sich mit den Jahren der Multiplayer zum Favorit der Massen. Das Ergebnis: Das 2018 veröffentlichte „Call of Duty: Black Ops 4“ bot zwar einen Singleplayer, kam dabei eher wie ein besseres Tutorial für die Online-Optionen daher.

Nein, so etwas brauchen wir nicht noch einmal und genau deshalb sind wir auch froh, dass sich Treyarch und Raven Software in „Call of Duty: Black Ops Cold War“ wieder an eine vernünftige Kampagne wagen. Denn auch wenn diese mit fünf bis acht Spielstunden mal wieder kurz und knackig daher kommt, so ist sie doch genau das, was „Call of Duty“ immer auszeichnete: Launige Blockbuster-Action!

Der heiß-kalte Krieg

Wie es der Titel des Spiels natürlich schon deutlich macht, führt euch „Call of Duty: Black Ops Cold War“ zurück in die 80er und damit in die Zeit des Kalten Krieges. Die USA und Russland sind sich spinnefeind: Stellvertreterkriege, Wettrüsten und Spionage sind nur einige Stichworte, die die angespannte Lage umschreiben.

Über dieser kritischen Weltsituation schwebt zudem das Schreckgespenst des russischen Agenten Perseus. Ihn klassifiziert der amerikanische Geheimdienst als enorme Bedrohung – nicht nur für die USA, sondern auch für Europa. Daher beauftragt US-Präsident Ronald Reagan persönlich CIA-Spezialist Russel Adler und sein Team mit der „Beseitigung“ dieses Problems.

Ihr übernehmt für einen Großteils der Spielzeit den gesichts- und sprachlosen Agenten „Bell“, für den ihr gleich zu Beginn einen eigenen Steckbrief erstellt: Name, Herkunft, Geschlecht, Geheimdienstvergangenheit und vor allem erste Charakterzüge, mit denen ihr aktiv das Spielgeschehen beeinflusst. Als Soldat mit „gewalttätigen Tendenzen“ richtet ihr etwa 25 Prozent mehr Kugelschaden an und als Überlebenskünstler besitzt ihr 25 Prozent mehr Gesundheit.

Vietnam, Berlin oder Moskau?

Ihr geht also in der 15 Missionen umfassenden Kampagne auf die Jagd nach Perseus und versucht herauszufinden, was wirklich hinter diesem Codenamen steckt. Die große Stärke von „Call of Duty: Black Ops Cold War“ liegt dabei zweifellos in den vielen verschiedenen Schauplätzen, die das Spiel allein durch die häufigen Wechsel wie einen typischen Agenten-Thriller anmuten lassen: Da kraxeln wir durch die verschneiten Berge Jamantaus in Russland, schleichen uns durch Berliner Hinterhöfe, haben Vietnam-Flashbacks oder jagen Perseus in der Türkei hinterher.

Technisch und spielerisch rangiert „Call of Duty: Black Ops Cold War“ dabei auf der Playstation 5 auf einem ausgesprochen guten Level: Die Effekte knallen mächtig und immer wieder fliegen uns die Feuerfunken und Betonsplitter um die Ohren. Auf der PS5 gewinnt das Spiel dank Raytracing an mehr Tiefe hinzu. Auch der Sound ist mehr als passend und unterstreicht das Geschehen treffend.

Das Gunplay bleibt griffig und erlangt durch den Dualsense-Controller und die adaptiven Trigger noch mehr Realismus dazu. Diese simulieren nämliche Abzüge und imitieren einen Widerstand, ehe ihr abfeuert. Keine Bange, die Finger tun einem nach längeren Sessions nicht weh. Trotzdem solltet ihr häufiger die Hände ausschütteln als gewohnt.

Ansonsten ballert ihr euch durch Heerscharen von Gegnern und kämpft euch durch lineare Level-Schläuche. Typisch „Call of Duty“! Störend fallen hier gelegentliche Grafik-Fehler wie Probleme mit der Ragdoll-Mechanik sowie die Computer-Begleiter auf. Wenn diese bei Granatenbeschuss einfach in der Explosion hocken bleiben, zerstört das die Illusion einer imposanten Schlacht.

Während die Action-Missionen insgesamt gewohnt wuchtig daher kommen und euch sogar einen Helikopter steuern lassen, sind es aber die ruhigeren Passagen, die im Gedächtnis bleiben. Besonders unser Ausflug ins KGB-Hauptquartier hat es uns angetan. Hier müssen wir schleichen, Wachen überreden und sogar ein wenig knobeln – gut so. Wir haben sogar mehrere Lösungswege und entscheiden selbst, wie wir vorgehen möchten.

Entscheide dich, Schätzchen

Diese neuen Entscheidungsmöglichkeiten sind zwar spärlich gesät, stehen dem Spiel aber ausgezeichnet zu Gesicht. Gleich in der ersten Mission etwa schnappt ihr euch einen feindlichen Agenten und bestimmt, ob ihr den Herren vom Dach werft oder ihn mit ins Hauptquartier nehmt.

Im späteren Verlauf sammelt ihr zudem Beweismittel, die ihr für das Meistern von zwei Nebenmissionen benötigt. Diese sind zwar spielerisch eher Durchschnitt, die Verknüpfung mit Rätselelementen jedoch bringen ordentlich Abwechslung ins Spiel. In späteren Levels nehmt ihr durch eure Spielweise sogar Einfluss auf Sprechtexte – ein netter Gag. Zum Abschluss könnt ihr so je nach den von euch getroffenen Entscheidungen eines von insgesamt zwei Enden bewundern.

„Call of Duty: Black Ops Cold War“ besitzt natürlich nicht die Entscheidungsvielfalt eines Rollenspiels, jedoch fügen sich die Optionen mitsamt Dialoge gut in die Geschichte und erzeugen somit zusätzliche Atmosphäre.

8.0

Wertung und Fazit

PRO
  • gelungene Technik und Inszenierung
  • spannend erzählte, wenn auch kurze Story
  • Entscheidungsfreiheiten und Knobelelemente
CONTRA
  • insgesamt zu wenig Mut zu neuen Gameplay-Ideen
  • Missionsdesign leider zu oft nur Standard
  • gelegentliche KI-Aussetzer und kleinere Grafik-Probleme

Call of Duty: Black Ops Cold War im Test – Was taugt die Kampagne?

Die Kampagne von „Call of Duty: Black Ops Cold War“ ist mit fünf bis acht Stunden kein monumentales Action-Werk. Allerdings variieren Treyarch und Raven Software das Spieltempo deutlich besser als in früheren Ablegern: Hier wechselt sich hitzige Hollywood-Action mit ruhigeren Agenten-Passagen und sogar ein wenig Knobelarbeit ab.

Natürlich steht der Shooter-Aspekt weiterhin stark im Fokus, jedoch tut das gelegentliche Abschweifen von bewährten Tugenden gut. Spielerisch reißt der Story-Modus keine Bäume aus oder revolutioniert gar das Genre. Aber es ist über die Spielzeit hinweg sehr gut Unterhaltung mit einem spannenden Plot, abwechslungsreichen Schauplätzen und gelegentlichen Entscheidungsfreiheiten.

„Cold War“ ist nicht zuletzt dank des Settings eine der besseren „Call of Duty“ der jüngeren Vergangenheit.

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Kommentare

KingOfkings3112

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_Hellrider_

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