Review

Observer: System Redux im Test

Wir haben uns in die verzerrte Cyberpunk-Welt von "Observer System Redux" gewagt und vorsichtige Schritte auf dem Weg zum Ziel gemacht. Ob uns der Horror gepackt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

play3 Review: Observer: System Redux im Test: Verstörender Psycho-Horror
7.5

Wir haben uns in die verzerrte Cyberpunk-Welt von „Observer System Redux“ gewagt und vorsichtige Schritte auf dem Weg zum Ziel gemacht. Ob uns der Horror gepackt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

„Observer: System Redux“ – klingelt es bei diesem Namen eventuell bei euch? „Observer“ erschien in seiner Grundversion bereits im Jahr 2017 und wickelte mit seinem Psycho-Horror im Cyberpunk-Look viele Spieler um den virtuellen Finger. Kein Wunder: Grafisch sah es damals schon ganz gut aus und es macht einfach Spaß, als Detektiv auf Spurensuche zu gehen. Mit „System Redux“ wurde eine verbesserte und für die neue Konsolengeneration aufgehübschte Version veröffentlicht, die seit dem 23. Juli 2021 auch als physische Version sowie als Last-Gen-Fassung erhältlich ist.

Blooper Studios hat keine Mühen gescheut, „Observer“ an die Power und Möglichkeiten der PlayStation 5 anzupassen. Neben 4K-Auflösung springen euch vermutlich direkt die vielen kleinen Details in der holografischen Welt auf. Was damals schon nett aussah, ist nun optisch ein echtes Highlight.

Die vielen strahlenden Neon-Lichter, die düsteren Ecken und so manch Gedärme von Opfern: Alles wirkt nahezu real. Zahlreiche Verbesserungen, unter anderem Raytracing und 60 FPS, spielen dabei natürlich eine große Rolle. Die Spiegelungen in den zahlreichen Spiegeln und Flächen sind zwar vorhanden, aber ehrlich gesagt eher einfach gehalten und nur vage erkennbar.

Einen optischen Sprung hat das Spiel gemacht, aber auch inhaltlich gibt es kleine Ergänzungen. Doch lasst uns am Anfang beginnen:

Wo ist euer Sohn?

Im Jahr 2084 ist die Welt kaum noch wiederzuerkennen. Kybernetische Veränderungen von Geist und Körper sind völlig normal geworden. Menschen ohne Verbesserungen findet ihr hier nur noch ganz selten. Doch es birgt nicht nur Vorteile, wenn man so perfektioniert wird: Eine digitale Seuche, die Nanophage, tötete bereits zahlreiche Menschen mit Verbesserungen an und im Körper.

Passend zum Namen des Spiels, schlüpft ihr in die virtuelle Haut des Elite-Ermittlers Daniel Lazarski – einem Observer. Er macht sich auf die Suche nach seinem Bruder, der ihm eigenartige Nachrichten zukommen ließ. Doch in seiner Wohnung angekommen, findet Daniel nur eine kopflose Leiche. Ist das euer Bruder oder einfach nur ein Passant? Wie ist diese Person gestorben? Wer ist der Mörder? Und warum wird plötzlich die Wohnanlage abgeriegelt, sodass kein Signal nach Außen dringen kann?

Viele Fragen und so wenig Antworten. Glücklicherweise habt ihr als Observer viele technische Verbesserungen und Spielzeuge im Gepäck, um eure Umgebung nach Hinweisen abzusuchen. Eine Biosicht lässt euch zum Beispiel Blut untersuchen, die Tech-Sicht zeigt euch Details zu technischen Geräten und Co. Während ihr die Umgebung absucht, kommen euch hier und da ein paar kleine Rätsel unter. Haltet also unbedingt die Augen nach Zahlen offen, denn ihr braucht einige Codes.

Um an neue Informationen zu gelangen, sprecht ihr mit allen Menschen, die euch begegnen. Manche kommunizieren nur hinter geschlossener Tür mit euch, andere stehen euch direkt gegenüber. Was davon die gruseligere Variante ist, müsst ihr beim Spielen selbst entscheiden. Es lohnt sich auf jeden Fall, an alle Türen zu klopfen und die Bewohner des Wohnkomplexes in Gespräche zu verwickeln. Sie sind alle fantastisch vertont (mit deutschen untertiteln) und geben so manch pikantes Detail der Welt preis.

Obwohl die eine oder andere Situation bei der Detektivarbeit ein bisschen Unbehagen auslöst, wird es erst später so richtig gruselig. Und wir sprechen hier nicht von Jumpscares oder Splatter-Horror: Hier geht es wirklich an die Substanz, denn „Observer“ lässt euch in die kranken Köpfe der Menschen eintauchen. Ihr könnt einfach ein Kabel ziehen und es den Menschen in den Körper stecken, um einen Blick in ihr tiefstes Inneres zu werfen. Und da tun sich wirklich Abgründe auf…

Wie ihr euch sicherlich denken könnt, erwarten euch hier keine Blumenwiesen und Karnevalspartys: Ihr irrt durch eine verzerrte Traumwelt, die so ziemlich alles aus dem Psycho-Horror-Hut zieht, was es jemals gab. Nicht lokalisierbare Schreie, unendliche Gänge, Illusionen, schlechte Sicht und Verfolgungsangst sind nur ein paar Begriffe, mit denen wir das beschreiben wollen. Ganz zu schweigen von den extremen Lichtspielen, die ihr als Epileptiker unbedingt vermeiden solltet. Ehrlich gesagt sind wir selbst noch ziemlich verstört davon.

Warum ihr euch diese gruseligen Ausflüge in die Träume und Gedanken der Menschen antun sollt? Ganz einfach: Weil ihr es liebt! Sonst würdet ihr ein solches Game  vermutlich nicht zocken. Es sei denn, ihr habt es mit einem harmlosen Detektivspiel verwechselt. In diesem Fall: Sorry! Die Suche nach Hinweisen spielt aber trotzdem eine Rolle in den Gedankenausflügen: Neben den Nerven zehrenden Geräuschen und Geschehnissen, müsst ihr Beweisstücke extrahieren, um dem Täter auf die Spur zu kommen.

Wenn ihr euch durch das Horror-Spiel gekämpft habt, werdet ihr sehr weit am Ende vor einer schwerwiegenden Entscheidung stehen. Sie bestimmt, welches Ende ihr schließlich zu sehen bekommt. Aber keine Sorge: Dort wird ein Speicherpunkt angelegt, sodass ihr später an diese Stelle zurückspringen und euch den alternativen Ausgang der Geschichte ansehen könnt.

Wenn ihr „Observer“ bereits gespielt habt, bekommt ihr neben den Quality-of-Life Verbesserungen noch etwas mehr Inhalt spendiert. Insgesamt drei neue Nebenmissionen verraten zusätzliche Details zur Welt und den Charakteren, die dort leben. „Errant Signal”, „Her Fearful Symmetry” und „It Runs in the Family” sind nicht nur für die Story des Spiels interessant. Sie stimmen nachdenklich bezüglich der eigenen Realität und der Welt, die sich immer mehr digitalisiert und verändert.

7.5

Wertung und Fazit

PRO
  • Fantastische Vertonung (+ deutsche Untertitel)
  • Optisch sehr interessante Cyberpunk-Welt
  • Welt stellenweise sehr detailreich
  • Verstörend guter Sound
CONTRA
  • Steuerung ein wenig ungenau
  • Raytracing mit Performance-Einbrüchen
  • Laaange Dialoge

Observer: System Redux im Test: Verstörender Psycho-Horror

Wenn ihr auch psychologischen Horror steht, dann könnte "Observer: System Redux" genau euer Spiel sein. Wenn ihr denkt, dass "The Evil Within" bereits stark an einer psychischen Angstebene geknabbert hat, werdet ihr hier eines besseren (oder schlimmeren?) belehrt. Das Spiel weiß ganz genau, wie es den Spagat zwischen ruhigen Gesprächsmomenten und völligem Psychoterror schafft, ohne die Spieler abzuschrecken.

Die Steuerung ist auf PlayStation 5 leider gerade für die Detektivarbeit eher mäßig. Sie wirkt ungenau und es braucht mehrere Anläufe, um eine etwas versteckte Tür oder ein Schränkchen zu öffnen. Das sorgt manchmal für kleine Frustmomente und zerstört einen Teil der fantastischen Immersion.

Obwohl der Fokus auf dem Hacken des Geistes liegt, sind vor allem die Gespräche mit den Menschen in "Observer: System Redux" ein echtes Highlight. Könnte so die Zukunft tatsächlich aussehen?

Hotlist

Kommentare

Seven Eleven

Seven Eleven

24. Juli 2021 um 09:11 Uhr
klüngelkönig

klüngelkönig

24. Juli 2021 um 20:25 Uhr
Krawallier

Krawallier

26. Juli 2021 um 12:58 Uhr