Review

Tales of Arise im Test: Erwachsene Story im Märchen-Look

von Franziska Behner | 08.09.2021 - 16:00 Uhr
Platform
PS5, PS4
Developer
Bandai Namco
Publisher
Bandai Namco
Release
10. September 2021
9.0

Es geht wieder in eine neue Runde: Mit „Tales of Arise“ bringt Bandai Namco den nächsten Ableger der „Tales of“-Reihe auf den europäischen Markt und versucht mit toller Grafik zu trumpfen. Wir haben uns auf PlayStation 5 in das JRPG gestürzt und verraten euch, wieso ihr es als Genre-Fans nicht verpassen solltet.

Gegen die Unterdrückung und Versklavung!

Wer die anderen Teile des „Tales of“ Franchises kennt, wird wissen: Hier steckt häufig mehr dahinter, als es im ersten Moment den Anschein macht. Oft werden komplexe Themen ein bisschen hinter der süßen Optik und den zauberhaften Charakteren versteckt. Daher wirken sie erst auf den zweiten Blick wirklich tiefgründig. „Tales of Arise“ hingegen schlägt mit dem Hammer auf den Tisch: Im neuesten Ableger werdet ihr bereits in den ersten Stunden mit Gewalt, Unterdrückung und Verlust konfrontiert.

Schon am Anfang des Spiels erfahrt ihr, worum es in den nächsten gut 50 Spielstunden gehen wird: Das Volk der Dahna wird von den Renäern unterdrückt und ausgebeutet. Das Volk der Rena macht sie zu Sklaven, erbeutet alle Rohstoffe und nutzt jeden Funken Energie, den sie den Menschen abzapfen können – wortwörtlich! Euer Ziel ist es, diese Tyrannei zu beenden und den Menschen ihre Freiheit zurückzugeben, indem ihr die fünf stärksten Lords des Landes besiegt.

Ein Held und seine fünf Freunde

Ihr schlüpft in die Haut von Alphen, der sich aufgrund seiner Amnesie nicht erklären kann, weshalb er keinerlei physischen Schmerz wahrnimmt. Ob blutende Wunde oder ausgekugelte Schulter: Er spürt es einfach nicht. Seine erste Gefährtin im Spiel hingegen hat ein anderes Problem: Jeder, der sie berührt, wird verletzt. Die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein, doch der Wunsch nach Gerechtigkeit und Frieden eint sie. Schon bald werdet ihr auf weitere Charaktere treffen, die sich der kleinen Gruppe schnell anschließen.

Manche von ihnen kämpfen aus purer Überzeugung gegen die renäischen Lords, andere begehren den Frieden, aber hegen innerlich noch weitere Wünsche, die sie als Teil des Heldenteams erreichen wollen. Es wurde viel Wert darauf gelegt, den Figuren ordentlich Tiefgang zu geben, den ihr vor allem in den zahlreichen Zwischensequenzen ergründen könnt. Es lohnt sich, die optionalen Dialoge abzuspielen und auch mal etwas zwischen den Zeilen zu lesen, um mehr über die wahren Gefühle der Figuren zu erfahren.

Ein Effektgewitter in Kämpfen

Das Herzstück vieler JRPGs sind die Kämpfe. „Tales of Arise“ versucht mit seinem schnellem Tempo möglichst modern und aufregend zu sein, was überraschend gut funktioniert. Während unserer Preview-Session haben wir das Kampfsystem noch als ein wenig unübersichtlich empfunden, da auf dem Bildschirm wahnsinnig viel passiert: Ausweichen, Kombo-Angriffe, Zauber und vor allem jede Menge Explosionen können manchmal etwas überfordernd aussehen.

Dieser Eindruck hat sich beim Testen des kompletten Spiels bestätigt: Manchmal ist es einfach ein unübersichtliches Effektgewitter, das da über den Bildschirm flimmert. Dank der intuitiven Steuerung wisst ihr aber so ziemlich immer, was ihr gerade machen müsst, sodass diese kurzen Effekt-Blackouts kein allzu großes Problem darstellen. Einfach mal zurücklehnen und genießen!

Funktionieren die Kämpfe nicht so besonders gut, habt ihr verschiedene Möglichkeiten: Entweder, ihr levelt ein bisschen auf, arrangiert eure Ausrüstung neu oder schaut nach, welche Fertigkeiten eure Teammitglieder aktuell noch erlernen können. Oft reicht es aus, einen Heilzauber mehr im Repertoire zu haben, um den nächsten Lord doch noch zu besiegen. Und wenn gar nichts hilft, schaltet ihr die Kämpfe einfach auf Automatik.

So schön kann ein JRPG aussehen

Versteht uns nicht falsch: Das Effektgewitter in den Kämpfen ist zwar ein wenig unübersichtlich, aber es sieht dafür richtig cool aus! An jeder Ecke des Bildschirms leuchten Blitze auf, Wassersäulen spülen Gegner hinweg und das Flammenschwert von Alphen ist einfach richtig heiß. Im Vergleich mit anderen JRPGs, beispielsweise “Scarlet Nexus”, ist das Gegner-Design durchaus okay, aber nicht überragend gut.

Wenn ihr selbst ein bisschen Charakter Designer spielen möchtet, empfehlen wir euch übrigens einen Blick ins Menü: Es gibt zahlreiche kosmetische Items, mit denen ihr euer Team ausstatten könnt. Hasenohren und Fuchsschwanz sind ein echtes Muss, oder?!

Wenn ihr die alten Teile des Franchises gespielt habt, wart ihr sicher von der Grafik dieses Ablegers überrascht: „Tales of Arise“ sieht aus wie ein Märchen! Sobald ihr aus den düsteren Bergen heraus kommt, öffnet sich eine bunte Welt in romantischer Aquarelloptik, die einfach wunderschön ist. Obwohl ihr hier keine Open World habt und euch das Spiel recht linear durch die etwas schlauchig gehaltenen Areale schickt, gibt es viel zu sehen. Auch ein Blick in den Himmel lohnt sich! Flauschige rosa Wolken verschwinden hinter den Hügeln am Abend und so mancher Sonnenstrahl bricht durch die Baumwipfel vor der Stadt.

Mit der Gestaltung von NPCs wurde sich hingegen mal mehr und mal weniger Mühe gegeben. So sind wichtige Charaktere natürlich gut dargestellt, doch Stadtbewohner stehen nur statisch an ihrem Fleck und werden vom Spiel sogar ausgeblendet, wenn man sich einen Schritt zu weit von ihnen entfernt. Das ist sehr schade und zerstört ein wenig die Immersion. Leider kann man in den Städten selbst auch recht wenig erleben – hier zeigt sich deutlich, dass “Arise” toll aussieht, aber kein AAA-Game ist.

Wenn ihr gerade keine Lust auf einen Spaziergang habt, könnt ihr euch mit kleinen Nebenquests und Minispielen beschäftigen. Im Laufe des Spiels bekommt ihr zum Beispiel einen kleinen Hof, auf dem ihr verschiedene Tiere züchten könnt. Vergesst nicht, auch ab und an die Angel auszuwerfen, um leckeren Fisch für das Abendessen zu fangen. Wenn ihr euch zum Ausruhen mal wieder am Lagerfeuer versammelt, könnt ihr daraus nämlich leckere Gerichte zaubern, die hilfreiche Boni für die nächsten Kämpfe bringen.

9.0
Pro
  • Tolle, märchenhafte Grafik
  • Schnelles Kampfsystem mit intuitiver Steuerung
  • Gute Story mit einigen Twists
  • Charakterentwicklung im Team spürbar
  • Viele kosmetische Items
  • Deutsche Untertitel verfügbar
Contra
  • Kämpfe manchmal etwas unübersichtlich
  • Welt recht klein und schlauchig
  • NPCs werden manchmal ausgeblendet

Wertung und Fazit

Tales of Arise im Test: Erwachsene Story im Märchen-Look

Besonders auffällig ist, dass sich  "Arise" nicht hinter einem kunterbunten Look voller niedlicher Charaktere versteckt, die ernste Themen durch ihre unbekümmerte Art abfedern. Stattdessen wirkt der neueste Serienableger insgesamt deutlich erwachsener, was frischen Wind ins Franchise bringt. Genregemäß gibt es viele Dialoge - sehr viele. Wir können euch aber wirklich empfehlen, sie alle zu verfolgen. Ihr werdet so manch lustiges Geheimnis entdecken.


„Tales of Arise“ wagt einen Schritt nach vorn und hat damit Erfolg. Der Grafikstil ist atemberaubend schön und zeigt sich vor allem bei Sonnenuntergang in voller Pracht. Bleibt einfach mal stehen, schaut euch um und genießt den märchenhaften Charme des Spiels! Denn trotz kleinerer Stolpersteine, ist “Arise” durchaus gelungen. Das schnelle Kampfsystem geht leicht von der Hand und stellt nach wenigen Spielstunden kein Problem mehr dar.

"Tales of Arise" ist eins der besten JRPGs des Jahres! Wer das Genre liebt, sollte hier unbedingt zugreifen und die Welt retten. Obwohl die Geschichte ein bisschen altbacken startet, erwarten euch einige Twists, die unter die Haut gehen und uns hart schlucken ließen. So schön wie alles optisch wirkt, so grausam ist es, wenn man hinter die Fassade einiger Menschen blickt.

Kommentare

  1. Hideo Howard sagt:

    Toller Test!
    Aber JRPGs sind nicht so meins und das Kampfsystem scheint ja ab und zu sehr unübersichtlich zu sein. Das hat man schon in der Demo gemerkt. :/

    Evtl. warte ich auf den ersten Sale oder vllt. kommt es ja irgendwann in den Game Pass. ^_^

  2. AlgeraZF sagt:

    Es ist kein AAA Game? Und dann Vollpreis? Hätte gedacht das nur AAA Titel Vollpreis kosten.
    Und für das Effect Gewitter Kampfsystem würde ich auch noch etwas abziehen.

    Eine 7,5/10 dürfte realistisch sein. Die 8,5-9 bekommen hier ja eh 9 von 10 Spiele.

  3. RikuValentine sagt:

    Klar ist es AAA.

  4. kema2019 sagt:

    Warum sollte das kein AAA sein?

  5. AlgeraZF sagt:

    @kema2019

    Kein Plan. Steht doch in dem super Test.

  6. Technikeinsiedler sagt:

    Die letzten Teile waren ziemlich Mist. Ich bleibe erstmal bei Genshin Impact

  7. RikuValentine sagt:

    Berseria und Vesperia Remaster waren sicher kein Mist :p

  8. Squall Leonhart sagt:

    Also wenn Tales of Arise kein AAA JRPG sein soll dann weiß ich auch nicht :p

    Heute die Collector’s Edition der PS5 Version bekommen. Wirklich fabelhaft das Merchandising und vor allem die Figur. Spiel wird erst aber später gezockt, aus zeitlichen Gründen.^^

  9. Technikeinsiedler sagt:

    Doch. Seit Xillia 2 ist jedes neue Tales ziemlich schwach.

  10. Wojak sagt:

    Werd ich mir auch irgendwann günstiger holen, grad zu viel zu zocken^^aber nachdem Zestiria eine völlige Katastrophe war, aber danach Berseria doch wieder besser gefallen hat, auch wenn mir das Kampfsystem dort nicht so gut gefallen hat und das Setting etwas zu wenig konsequent genug war in Bezug auf die Thematik des Spiels, bin doch doch mal gespannt wie dieser Teil hier wird. Hab alles gezockt seit GC/PS2 Ära, und meine Top 3 sind Xillia 1, Vesperia und Graces f

  11. ras sagt:

    War klar das es gut wird.

    Und zum einen Punkt:
    "Welt recht klein und schlauchig "

    Zum Glück.
    Zu offene Welt,mit zuviel Zeugs gabs die letzten 15 Jahre schon genug.

  12. DarkSashMan92 sagt:

    Collie 1 und Graces f vor Symphonia? Symphonia war so ziemlich das beste Tales of Spiel

  13. TomCat24 sagt:

    Freu mich schon . Komm zwar erst in zwei Wochen zum zocken aber liegt schon bereit .

    Da Kena ja jetzt digital only ist, ist es Tod für mich und wird dann für maximal 5 Euro geschossen , außer es kommt doch noch eine physische Version . Damit ist ToA das letzte Game dieses Jahr das mich interessiert . Außer Sony hat morgen noch was in der Hinterhand oder TW3 Current Gen Update erscheint noch 🙂

  14. Greifchen sagt:

    Tales of Arise ist sicher das Flaggschiff was JRPGs angeht und hat ein vielfaches des Budgets der sonstigen Vertreter.

  15. AlgeraZF sagt:

    @Greifchen

    Das ist für mich Dragon Quest!

  16. Wojak sagt:

    Für mich Persona 5!

  17. Eloy29 sagt:

    Hab es mir auf der SeriesX geholt mit den Reward Punkten. Dort sind es 40 GB. Wenn es wirklich nur 20 auf der PS5 sind dann wird die Kraken Kompression immer besser.

  18. Squall Leonhart sagt:

    Final Fantasy VII Remake hat das höchste Budget verschlungen. Glaube kaum das es ein Spiel geben wird aus der JRPG Szene, welches dies übertreffen wird.

  19. dukatan sagt:

    Wann kommt endlich das Update für die Speichererweitrrung ! Ich brauche Platz ...

  20. sonderschuhle sagt:

    Xillia, Zestiria und Berseria waren für mich ein Graus, vorallem technisch.

    Aber von Arise scheinen viele begeistert zu sein, denke ich werd mir jetzt CE besorgen. 18 cm hohe Figur mit beiden schauen toll aus.

  21. Spock sagt:

    Rollenspiele mag ich ja wirklich sehr. Nur schade, dass japanische im Gegensatz zu westlichen Werken in der Regel so ein niedriges Budget haben, dass es nicht einmal zu einer deutschen Synchronisation reicht.
    Aber sobald der Preis auf 30€ fällt, stimmt für mich das Preis-Leistungsverhältnis wieder, und ich schlage zu.

  22. RikuValentine sagt:

    Bandai hätte genug Geld dafür. Ist wohl eher eine Frage des Willens.

  23. ras sagt:

    @RikuValentine

    Ha ja aber du weisst ja wie es ist.
    "Heuchelei" bei manchen Leuten ist groß.

    Rockstar gibt ihren Games nie eine andere Synchronisation.
    Da stört es anscheinend auch niemanden.
    Genau so die Aussagen wie "Preis-Leistungsverhältnis"
    Bei einem Game was 40-50 bietet.

    Was willst mit dennen noch diskutieren außer sowas : ---___---

  24. Spock sagt:

    Genau dies ist doch das Problem, dass der Wille zur Synchronisation nicht vorhanden ist. Bei der westlichen Konkurrenz geht es ja schließlich auch.
    GTA ist übrigens kein Story getriebenes RPG, sondern ein Actionspiel. Daher ist das ein schlechter Vergleich.

  25. ras sagt:

    "GTA ist übrigens kein Story getriebenes RPG, sondern ein Actionspiel."

    Spielt keine Rolle. Kein gutes Argument.

  26. Argonar sagt:

    Scheinbar ist bei den Meisten der Wille genausowenig vorhanden mal englisch zu lernen, dann gäbs das Problem nämlich nicht..

    JRPGs sind trotz allem Nichen Spiele, selbst die großen verkaufen sich deutlich schlechter als andere Genres. Klar wird da nicht jede Sprache synchronisiert.

    Diese Ausrede hat ein GTA z.B nicht und auch wenns dort keinen Storyfokus gibt, stehen die Beziehungen der Charaktere und deren Interaktionen mit ihrem Umfeld im Vordergrund. Gibt dort sicher nicht weniger Dialoge als z.B in einem FF, DQ oder Tales of.

  27. ras sagt:

    @Argonar

    Ich zock Tales auf japanisch, sowieso besser:P

  28. Devil-Ninja sagt:

    Das game macht spass.
    Klare Empfehlung von mir.

  29. DerMongole sagt:

    @Argonar Schwachsinn Menschen zu english zu zwingen !

    Rockstar IST zu kritisieren , das hab ich schon immer wegen der fehlenden Synchro (fahren/reiten und lesen ist besch...) Und kommt mir nicht mit dem pseudo Argument von: Ja im deutschen würden einige Witze nicht funktionieren... Juckt mich null !

    Die Wahl sollte man dem Spieler überlassen auf welche Sprache er spielen möchte !

    Und wir leben nun Mal in DEUTSCHLAND !! (Als Mensch mit Migrationshintergrund bin ich der Meinung, das in jedem Land die eigene Sprache im Zentrum sein muss und nicht english)

    Nicht umsonst ist es die Zweitsprache ... So sollte sie auch behandelt werden !

  30. Lisa-Chan sagt:

    Ich finde DerMongole hat völlig recht ! Rockstar hat sowas von genug Geld aber sche**t auf andere Sprachen. Finde ich auch assi. Man sollte den Spieler entscheiden lassen.

  31. sonderschuhle sagt:

    Tales of Arise CE ist da, Statue und Steelbook ist schön, auch PS5. Werde am Abend alles schön einrichten und loszocken. 🙂

  32. Puhbaron sagt:

    @ras wenn diese 40-50h jedoch zu 70% auf generischen 0815 Sidequests bestehen, passt das p/l überhaupt nicht.

  33. Puhbaron sagt:

    Als JRPG im Vergleich zu anderen JRPG vllt ne 8,5. Im Vergleich mit RPGs jedoch nur ne 6,5.