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One Piece Odyssey im Test: Spaßiges Piratenabenteuer mit jeder Menge Anime-Charme

Auf der Suche nach dem größten Schatz der Welt erleben Ruffy und seine Strohhut-Piraten in "One Piece Odyssey" ein neues Abenteuer. Was das JRPG zum Manga- und Anime-Hit zu bieten hat, verraten wir euch in unserem Test.

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8.5

"One Piece Odyssey" erscheint am 13. Januar 2023 unter anderem für PS4 & PS5.

In „One Piece Odyssey“ stechen Ruffy und seine Strohhut-Piratenbande in See, um ein neues großes Abenteuer zu erleben. Anders als noch in den letzten Games-Ablegern des überaus populären Franchise, erwartet uns diesmal ein waschechtes JRPG und kein Action- oder Fighting-Spiel. Ob uns hier womöglich ein erstes Highlight im noch jungen Spielejahr 2023 oder ein billiges Lizenzspiel erwartet, erfahrt ihr in unserem großen Test.

Eine vollwertige neue One Piece-Geschichte

Zu Beginn des Spiels landen unsere Hauptcharaktere unsanft auf einer ihnen unbekannten Insel, die sich einige Zeit später als das legendäre Eiland Waford herausstellen soll. Kurz nach ihrer Bruchlandung machen sie Bekanntschaft mit einem Wächter der Insel, einen mächtigen Koloss. Was sie nicht haben kommen sehen: Im Laufe des Kampfes verlieren sie ihre Kräfte! Zum Glück kommen ihnen Abenteurer Adio und ein junges Mädchen namens Lim rechtzeitig zur Hilfe.

Wie Ruffy und seine Freunde von letzterer erfahren, gibt es eine Möglichkeit, ihre Stärke zurückzuerlangen. Dafür müssen sie schicksalhafte Erinnerungen erneut durchleben und unter anderem einmal mehr gegen Sir Crocodile im Wüstenkönigreich Alabasta kämpfen. Des Weiteren suchen sie nach einem Weg, die Insel wieder verlassen zu können und kommen so langsam den Mysterien von Waford und seiner vergessenen Geschichte auf die Spur.

Die Story von „One Piece Odyssey“ ist die größte Stärke des JRPGs und fügt sich hervorragend in das uns bekannte Universum ein. Sowohl die beiden neuen Charaktere als auch Waford selbst sind willkommene Ergänzungen, die sich zu keinem Zeitpunkt wie Fremdkörper in der von Eiichiro Oda geschaffenen Piraten-Saga anfühlen. Dass dem so ist, dürfte sicherlich auch der Tatsache zu verdanken sein, dass die Verantwortlichen mit dem Mangaka zusammengearbeitet haben.

Darüber hinaus behandelt das JRPG im Rahmen seiner Handlung, die eigens für das Spiel geschrieben wurde, Themen, die seit jeher das Herz von „One Piece“ ausmachen. Hierzu zählen etwa Familie, Freundschaft und Vertrauen. Deshalb war es ein kluger Schachzug, gleich vier beliebte Story-Arcs (Alabasta, Water 7, Marineford, Dress Rosa) des Manga/Anime ins Spiel zu integrieren, die genau diese Elemente behandeln und die eigentliche Story wunderbar ergänzen.

In Kombination mit dem Mysterium rund um Waford, das mittlerweile auf keiner Karte mehr verzeichnet ist, motivierte uns das dazu, seinen Geheimnissen immer weiter auf den Grund gehen zu wollen. Inszenatorische Höhepunkte sind einige wirklich krachend choreographierte Zwischensequenzen, insbesondere gegen Ende des Abenteuers. Die Story, die uns während unseres Tests rund 34,5 Stunden mit ihrem Mix aus spannendem Abenteuer, großen Emotionen und einer ordentlichen Prise „One Piece“-typischer Comedy wirklich gut unterhalten konnte, hätte so auch als Vorlage für einen Anime-Kinofilm dienen können.

Gum-Gum-Rundenkämpfe!

Während „Odyssey“ hinsichtlich seiner Story auch neue Wege geht, gibt es sich hinsichtlich seines Gamedesigns sehr klassisch. Uns erwartet im neuen Abenteuer der Strohhut-Bande durch und durch ein Oldschool-JRPG. Neben der zuvor erwähnten Geschichte bietet es noch die Erkundung der mysteriösen Insel und rundenbasierte Kämpfe. Gerade die Konfrontationen mit Marinesoldaten, Monstern und anderen Piraten machen einen nicht gerade unerheblichen Teil der Spielzeit aus und sind definitiv ein weiterer Bereich, in dem das Spiel punkten kann.

Glücklicherweise ist mit ILCA, Inc., die in der Vergangenheit beispielsweise mit „Dragon Quest XI: Streiter des Schicksals“ ihre Qualitäten unter Beweis stellen konnten, ein mehr als fähiges Entwicklerteam am Werk. Die Kämpfe laufen dabei nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip ab: Es gibt insgesamt drei Klassen (Kraft, Technik, Tempo), die je einer andere überlegen beziehungsweise unterlegen sind. Doch das rundenbasierte Kampfsystem von „Odyssey“ hat noch mehr zu bieten.

In einem Kampf habt ihr mehrere Optionen, unter anderem könnt ihr normale Angriffe nutzen, Fähigkeiten wie Ruffys Gum-Gum-Pistole auf eure Gegner loslassen oder Gegenstände einsetzen. Mit Items könnt ihr sowohl eure Figuren stärken als auch Feinde schwächen. Mit Freunschaftsaktionen habt ihr noch ein weiteres Ass im Ärmel, um Gegner zu erledigen. Diese Aktionen müssen, wie Fähigkeiten, erst aufgeladen werden, etwa indem ihr die Feinde in der Zone eines Freundes erledigt oder diesen heilt. Attacken wie Ruffys oder Nico Robins Teufelskräfte hängen indes von SP ab, die ihr mit normalen Attacken oder Items auffüllt.

Die Kämpfe spielen sich durch diese Fülle an Optionen angenehm taktisch und es macht wirklich Spaß, Gegner erst mit den persönlichen Lieblingscharakteren zu schwächen und dann mit einem bildgewaltigen Finisher, etwa Zorros Löwenlied oder Ruffys Gum-Gum-Jet-Bazooka aus dem Ring zu fegen. Dass die Kämpfe nicht langweilig werden, liegt auch an den „Dramatischen Szenen“, in denen ihr Vorgaben erfüllen müsst, etwa einen Feind mit einer bestimmten Figur zu besiegen, was mit Extra-XP belohnt wird. Habt ihr genug XP gesammelt, steigen die Strohhüte im Level auf.

Viele Fähigkeiten der Piratenbande könnt ihr zudem mit speziellen Würfeln, die überall in der Spielwelt verstreut sind, verstärken. Selbiges gilt für Accessoires, die ihr unter anderem in Schatztruhen finden und mit denen ihr Ruffy & Co. ausrüsten könnt. So erhalten die Skills der Strohhüte noch mehr Wumms. Da die wirklich schicken Animationen jedoch nicht übersprungen werden können, ist es nett, dass die Entwickler die Möglichkeit integriert haben, die Spielgeschwindigkeit während der Kämpfe zu erhöhen. Wahlweise können die Scharmützel auch komplett von der KI ausgetragen werden, was JRPG-Neulingen zugute kommen dürfte.

Solltet ihr bereits Erfahrung mit dem Genre haben, dürfte euch der eher moderate Schwierigkeitsgrad von „One Piece Odyssey“ hingegen kaum überfordern. Lediglich während einiger Bosskämpfe, gerade in den letzten beiden Kapiteln des Spiels, mussten wir öfter zu Heilitems greifen und unser Team klug einstellen, um etwaige Nachteile ausgleichen zu können. Insgesamt machten uns die Scharmützel während des Tests großen Spaß und wenn wir einmal in einem Areal nicht kämpfen wollten, konnten wir den in der Spielwelt zumeist gut sichtbaren Feinden entgehen. Allerdings konnten uns andere Facetten nicht ähnlich überzeugen.

Antikes Gamedesign

Das Erkunden der Spielwelt, sowohl der verschiedenen Bereich Wafords als auch altbekannter Schauplätze, bietet zunächst eine angenehme Abwechslung von der herrlich wuchtigen Anime-Action. Wie in den Kämpfen kommen auch hier die bekannten Stärken der Strohhüte gut zur Geltung. Mit Ruffys Teufelskräften können wir uns über Abgründe hinwegschwingen, Zorro zersäbelt Eisentore und Chopper kann enge Tunnel erkunden. Allerdings wurde unser Entdeckerdrang sehr häufig eingeschränkt, da das Spiel immer wieder vorgab, wie weit wir vom Story-Pfad abweichen durften.

Davon abgesehen lockern ein paar kleine Rätseleinlagen das Spielgeschehen auf und unterstreichen gekonnt das Abenteuer-Feeling des JRPGs. Auf Waford befinden sich einige Ruinen, in denen ein paar Denksportaufgaben auf Ruffy und seine Freunde warten. Jede Ruine wartet dabei mit einem eigenen Thema auf, das immer wieder recht clever in die Knobeleien eingebaut sind. Die Rätsel an sich dürften zwar niemanden überfordern, doch sie sind eine schöne Änderung des Spieltempos.

Eingebettet sind viele der Aktivitäten, denen wir in „One Piece Odyssey“ nachgehen können, allerdings in antiquierte Gamedesignstrukturen, die teilweise an Spiele aus der vorletzten Konsolengeneration erinnern. Der Aufbau der Missionen, Story- wie Sidequests (etwa Kopfgeldjagden), sind in der Regel sehr repetitiv: Lauft von A nach B nach C, sammelt unterwegs noch etwas ein oder erledigt einen Gegner und lauft wieder zurück nach A. Da viele Aufträge im Piratenabenteuer so aufgebaut sind, nutzt sich diese Struktur schnell ab. Auch mit einer recht großen Portion Backtracking, also dem erneuten Besuch alter Areale, müsst ihr euch anfreunden.

Zudem sind die Levels, abgesehen von einigen Ausnahmen, sehr linear aufgebaut. Es reiht sich oft ein Levelschlauch an den nächsten, was auf Dauer etwas ermüdend werden kann. Unser größtes Problem war jedoch das Pacing des Spiels, denn insbesondere zwei Abschnitte, unter anderem Alabasta, ziehen sich arg in die Länge. Bevor wir im Wüstenkönigreich gegen Sir Crocodile kämpfen konnten, mussten wir stundenlang (!) durch die Wüste irren und viel zu oft an bereits besuchte Orte zurückkehren. Da wir die Schnellreisefunktion nicht immer nutzen konnten, hat dieser Umstand arg an unserem Geduldsfaden genagt und den Spielspaß getrübt.

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Gute Optik mit Anime-Charme

Dafür hat uns die Optik des Spiels wirklich gut gefallen, die den Charme der Anime-Serie gekonnt einfängt. Die Charaktermodelle sind, vor allem die der Hauptfiguren und Story-Bosse, sind sehr schick gelungen und die knalligen Farben passen wunderbar zur Vorlage. Zudem ist auch hier der Einfluss von Eiichiro Oda spürbar, der nicht nur Adio und Lim, sondern darüber hinaus ebenfalls verschiedene Monster für das JRPG designt hat. Alles wirkt wie aus einem Guss und das auch dank der japanischen Originalsprecher, die einmal mehr Ruffy, Zorro, Nami & Co. ihre bekannten Stimmen leihen, und dem stimmungsvollen Soundtrack.

Insgesamt fällt das Spiel technisch allerdings nur gut aus, was unter anderem an einigen hölzernen Bewegungen und Gesichtsanimationen liegt. Darüber hinaus traten manchmal vereinzelte kleinen Fehlern auf. Ab und an fielen uns während unseres Tests kleine Ruckler, Clippingfehler sowie nachlandende Texturen auf. Von wirklich gravierenden Fehlern sind wir indes verschont geblieben und das Spiel lief auf der PlayStation 5 zumeist konstant.

8.5

Wertung und Fazit

PRO
  • Spannende Original-Story mit gutem Umfang (~ 30 Stunden)
  • One Piece-Feeling wird super eingefangen
  • Stärken der Hauptcharaktere kommen in und abseits der Kämpfe zur Geltung
  • Angenehm taktische rundenbasierte Kämpfe
  • Schicker Anime-Look
CONTRA
  • Veraltetes Gamedesign (Erkundung, Levels, Missionen)
  • Missionsqualität schwankend
  • Pacing-Probleme zehren an den Nerven
  • Kleine technische Fehler

One Piece Odyssey im Test: Spaßiges Piratenabenteuer mit jeder Menge Anime-Charme

Aus jeder Pore beziehungsweise jedem Polygon trieft in "One Piece Odyssey" die Leidenschaft der Verantwortlichen für die Piraten-Saga. Die Charaktere, allen voran Ruffy & Co., wurden hervorragend umgesetzt und die neue Story erweitert das bekannte Universum um spannende Facetten. Als Fan fühlt man sich deshalb direkt zuhause und kann sich an den vertrauten und neuen Dynamiken sowie allerlei Easter Eggs und Referenzen auf andere Ableger erfreuen.

Zudem gelingt es dem Spiel, woran viele vorherige Games zum Franchise noch scheiterten: Wir können ein neues Abenteuer hautnah mit den Strohhut-Piraten erleben und zwar in einem Ausmaß, wie es bisher noch nicht möglich war. Die Erkundung von Waford und altbekannter Orte ist (meistens) unterhaltsam und vor allem die rundenbasierten Kämpfe sind dank vielfältiger Optionen stets spaßig. Die Gegner mit einer Gum-Gum-Bazooka vom Bildschirm zu fegen hat einfach was.

Verpackt ist dies in ein in mancherlei Hinsicht sicherlich zu klassisches JRPG, denn einige Facetten des Gamedesigns sind heute schlichtweg veraltet. Gerade eine höhere Qualität bei einigen Sidequests und ein flotteres Pacing wären wünschenswert gewesen. Trotz dieser Schwächen erwartet uns hier ein überzeugendes Paket und eines der besten Spiele zum epischen Piratenabenteuer von Monkey D. Ruffy bisher, dem auch "One Piece"-Neulinge guten Gewissens eine Chance geben können.

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