Review

PS4-TEST: Mittelerde: Mordors Schatten

von Olaf Bleich | 16.10.2014 - 17:25 Uhr
8.5

Besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht: Monolith – u.a. bekannt durch „F.E.A.R. 3“ – geriet mit „Mittelerde: Mordors Schatten“ in die Schlagzeilen. Denn gewisse Ähnlichkeiten zu „Assassin’s Creed“ lassen sich nicht verheimlichen. Sogar Gerüchte über gemopste Codezeilen machten die Runde. Diese bewahrheiteten sich allerdings nicht und am Ende ist „Mittelerde: Mordors Schatten“ das beste „Herr der Ringe“-Spiel seit Ewigkeiten!

Was wir gut finden

Lasst uns Orks jagen
Die „Herr der Ringe“-Filme lebten von den spektakulären und blutigen Schlachten. „Mittelerde: Schatten Mordors“ fängt diese Faszination nahezu perfekt ein. Die pure Lust am Kampf und die handliche Steuerung machen einen Großteil der Spielfreude aus. Das Mittel zum Sieg ist für das Actionspiel in erster Linie die gelungene Balance: Waldläufer Talion ist seinen Widersacher zwar überlegen, aber sobald sich ausreichend viele Orks um ihn scharen, wird es eng. So kreiert „Mittelerde: Schatten Mordors“ immer wieder befriedigende Momente: Sei es nun, wenn ihr einen verhassten, mächtigen Häuptling endlich zur Strecke bringt oder wenn eine Schleichattacke funktioniert.

Mittelerde™_ Mordors Schatten™_20140930113921

Das Beste aus vielen Welten
Eine Ausgeburt an Kreativität ist „Mittelerde: Mordors Schatten“ sicher nicht. Die Kämpfe erinnern stark an „Batman“, die Gegner-KI an „Far Cry 3“ und die Bewegungen innerhalb der offenen Spielwelt an „Assassin’s Creed“. Talion schleicht bei gehaltener R2-Taste, klettert und balanciert auf Seilen entlang. Es gibt hohe Türme zu erklimmen, versteckte Artefakte und allerlei Nebenmissionen. Dazu rüstet ihr Bogen, Schwert und Dolch mit Hilfe von erbeuteten Runen aus, schaltet bis zu 30 Fertigkeiten mit dem überschaubaren Erfahrungssystem frei und passt Talion so eurem Kampfstil an. Die gute Nachricht: Dank des gefällig umgesetzten Tolkien-Universums fühlen sich all diese Zutaten verdammt gut an. Natürlich spielt sich „Mittelerde: Mordors Schatten“ irgendwie gewöhnlich, aber es funktioniert und macht mächtig Laune. Und mehr sollte man von einem Actionspiel eigentlich nicht erwarten.

Mittelerde™_ Mordors Schatten™_20140929233243

Das Nemesis-System
Auch wenn die Spielwelt selbst vergleichsweise klein und irgendwie unnatürlich wirkt, so reißt das Nemesis-System vieles wieder raus! Denn es erweckt Mittelerde sprichwörtlich zum Leben. Über den Bildschirm „Saurons Armee“ erhaltet ihr einen Überblick über die Hauptmänner und Häuptlinge des dunklen Herrschers. Eure Aktionen haben Einfluss auf die Hierarchie innerhalb dieses Gefüges. Geht ihr drauf, werden Ork-Chefs stärker. Erschlagt ihr sie, rücken Emporkömmlinge nach.

Gerade zu harten Brocken entsteht nach einigen Neustarts eine Hass-Liebe, schließlich werden die Fieslinge mit eigenen Sprechchören und Mini-Sequenzen dargestellt und über Tafeln charakterisiert. Jeder dieser Krieger verfügt über Stärken, Schwächen, Ängste und Immunitäten. Sehr cool: Im späteren Verlauf zieht ihr Orks auf eure Seite und könnt sie in der Rangliste nach oben drücken. Das ist zwar in der Praxis mit viel Laufarbeit und sich immer wieder wiederholenden Missionsabläufen verbunden, kreiert aber eine emotionale Verbundenheit zu den Biestern.

Was wir schlecht finden

Tolkien ohne Esprit
„Mittelerde: Mordors Schatten“ siedelt zeitlich zwischen der „Hobbit“- und der „Herr der Ringe“-Trilogie an. Aber macht das Spiel wirklich Gebrauch von seiner starken Vorlage? Kaum! Die Geschichte kommt selten über die schon so oft benutzten Rachemotive hinaus. Waldläufer Talion mit geistreicher Unterstützung ist zwar sympathisch, aber insgesamt zu blass und eindimensional. Nebencharaktere – wie etwa der Möchtegern-Ork-Häuptling Ratbag – sind nicht dominant genug, um den Plot zu retten. Würde „Mittelerde: Mordors Schatten“ nicht auf Tolkiens Bestseller-Reihe basieren, wäre es sicherlich nur halb so spannend. So aber genügt allein das Setting, um ein Mindestmaß an Atmosphäre zu kreieren. Die Story an sich ist aber enttäuschend!

Mittelerde™_ Mordors Schatten™_20140929212411

Im Dutzend billiger
Auch abseits der 20 Hauptmissionen bietet Monolith’s Actionspiel viel Hausmannskost. Die Aufträge stammen nämlich direkt aus dem Standardbaukasten jedes Open-World-Titels. Lästige Sammelaufträge Marke „Töte vier Häuptlinge“ oder „Schalte 10 Schützen innerhalb von zwei Minuten aus“ säumen die gut 20 Stunden Spielzeit. Dank des gelungenen Kampfsystems – inklusive blutigen Hinrichtungen und hübscher Waffenbalance – nimmt man diese Längen zwar wohlwollend in Kauf, doch insgesamt mangelt es dem Spiel vielerorts einfach an kreativen Ideen.

Mittelerde™_ Mordors Schatten™_20140930104557

Überschaubares Open-World
Monolith stellt das Open-World-Genre nicht auf den Kopf. Andere Spiele – allen voran natürlich Titel wie „Assassin’s Creed: Black Flag“ oder „GTA V“ – bieten größere, in sich stimmigere Welten. „Mittelerde: Schatten Mordors“ ist vergleichsweise überschaubar und wirkt insgesamt ein wenig leblos. Zwar patrouillieren überall Ork-Truppen durch die Gegend und haben auch Vorposten aufgestellt, doch von einem lebendigen Drumherum kann hier kaum die Rede sein. Vielleicht liegt das aber auch an der Grafik: So schön die Schlachten sein mögen, so ist die Umgebungsdarstellung eher einfach gehalten. An die optische Opulenz der Filme reicht das Spiel zu keinem Zeitpunkt heran.

System: Playstation4, Playstation 3
Vertrieb: Warner Bros. Interactive
Entwickler: Monolith
Releasedatum: 02. Oktober 2014
USK: ab 16
Offizielle Homepage: https://www.shadowofmordor.com/de/

8.5

Wertung und Fazit

PS4-TEST: Mittelerde: Mordors Schatten

Auch ganz ohne „Herr der Ringe“ im Titel ist „Mittelerde: Mordors Schatten“ ein wirklich gutes Spiel geworden. Obwohl sich Monolith freigiebig bei der Open-World-Konkurrenz bedient und von „Batman“, „Far Cry“ und „Assassin's Creed“ klauen, so ist das Actionspiel ein Mordsspaß. Besonders das Kampfsystem transportiert die Härte und Brutalität der Filme einfach erstklassig und ist obendrein auch noch so gefällig, dass man von der Orkjagd gar nicht mehr genug bekommen kann. Das für sich genommen durchschnittliche Missionsdesign wird durch das Nemesis-System spürbar aufgewertet. Es kreiert eine – wenn auch künstliche – Dynamik in dem kleinen „Mittelerde“-Universum. Die ständig wechselnden Herrscher gegen alle Widerstände zur Strecke zu bringen, motiviert ungemein und entschädigt für manche Schwäche innerhalb der Auftragsstrukturen. „Mittelerde: Mordors Schatten“ ist ein beachtlicher Überraschungserfolg und für Action-Fans allemal empfehlenswert.

Kommentare

  1. samonuske sagt:

    mich erinnerte es mehr an Viking nur fand ich dieses damals schöner und besser .

  2. LDK-Boy sagt:

    Genau richtig bewertet..würd ich auch geben 85%..gutes spiel.

  3. redfield84 sagt:

    tolles Spiel! Auch wenn es die ein oder andere kleine Schwäche hat, macht das Schnetzeln der Uruk-Horden rießen Spaß!

  4. Ballerlocke sagt:

    Boahhh ja, das viking war mal richtig klasse. Fand ich richtig gut.

  5. Slash̶̶man sagt:

    Sehr gutes Spiel!

  6. Modul8 sagt:

    Viking fand ich auch mega und der letzte Kamp war ne harte Nummer. Aber extrem gut gewesen!

  7. Knofel sagt:

    Ist ein richtig gutes Spiel mit Suchtfaktor geworden. Ich metzele seit 2 Wochen Orks und es macht immer noch Spaß!

  8. Sickboy2k8 sagt:

    eins meiner highlights dieses jahr weil ich es nicht wirklich auffm schirm hatte 😀

  9. st0nie sagt:

    Bin gerade in der zweiten Region angekommen und es rockt. Man will/kann gar nicht aufhören Orcs zu jagen. Die Story finde ich bisher okay, immerhin mal neue Infos zur HdR-Welt. Ich befürchte nur, dass das Spiel zu schnell vorbei sein könnte :/

  10. DonGeilo84 sagt:

    ich würde dem spiel eine 9 geben. sicherlich ist es storytechnisch eher mäßig und auch die grafik ist nicht der kracher, aber durchaus schön anzusehen. es hat aber einfach richtig spaß gemacht. so sehr, wie schon lange kein anderes spiel mehr. seit ewigkeiten habe ich mal wieder ein spiel platiniert.ich kann das game nur empfehlen, zumal man es neu schon für unter 50€ bekommt!

  11. Ray Donovan sagt:

    Ich würd Alien und Evil Within besser bewerten als Mordor

  12. Nacktenschrank sagt:

    War ein gutes Spiel, habs immerhin auf 98% gebracht (das Blümchenpflücken für 100% war mir dann zu doof)...
    Allerdings hat es auch ein paar Macken gehabt. Grafisch wars z. B. nicht so pralle... Und das einige von diesen Viehchern ständig wiederauferstanden sind war auch nervig... Wenn ich Uzgnurf Klötentreter zum dritten mal bekämpfen muss, obwohl ich ihn schon einmal zu Schaschlik verarbeitet hab und einmal die Murmel vom Hals gezwirbelt war des scho bissl lächerlich :mrgreen:
    Aber ansonsten hatts gut unterhalten 🙂

  13. skywalker1980 sagt:

    Schaschlik
    😀

  14. Krawallier sagt:

    Fand es sehr gut und ein erstes spiel was ich platiniert habe. Eine Mischung aus AC und Viking. Wer es günstig sieht kann es ruhig holen.

  15. Cwalk2009 sagt:

    fand es richtig geil. schon alleine die epischen gegenstände machen das game um vieles geiler. Habe zb schon bei gegner kontern die chance den gegner in brand zu setzen, der zündet dann paar leute an 😀
    und wenn ich denen headshot gebe habe ich cie chance of ne fette schockwelle die alles weg pustet 😀
    insgesamt ist man dann aber schon viel zu OP. aber trotzdem noch geil 😀

  16. Wassillis sagt:

    Leider nicht mein Ding. Mich zieht es da doch mehr zu Lords of Fallen. Bis dahin weiter Destiny und Evil Within.

  17. redman_07 sagt:

    finds auch ein klasse spiel,klar hat es auch seine schwächen aber die stärken überschatten die,macht einfach laune sich durch mordor den weg frei zu schnetzeln 😉

  18. BleedMage sagt:

    20 Stunden? Ich hab jetzt nach 22 Stunden gerade mal 55% der Story durch. Soviel zur Spielzeit. Das Spiel bekommt eine klare 10/10. Mehr davon!

  19. ManHunter31 sagt:

    @BleedMage : Wieviele Hauptmissionen hast du denn schon? Ich kann kaum glauben, dass du die Story nach 22Stunden immernoch nicht durch hast. Ich hab ungefähr über 10 Stunden gespielt und mir fehlen nur noch 3 Missionen. (und ich hab mir sehr viel Zeit gelassen) Aber bei deiner Bewertung stimm ich voll und ganz zu, endlich mal ein geiles, süchtig machendes Game 🙂

  20. Cwalk2009 sagt:

    habe nach ca 33-35h die platin trophy. geiles game.

  21. Maria sagt:

    Überraschungshit 2014

  22. Nacktenschrank sagt:

    Hab für meine 98% ca. 29 Std. gebraucht... und wär Uzgnurf Klötentreter nicht gewesen wärens wohl nur 28 gewesen :mrgreen:

  23. FrauEm sagt:

    Ist ok. MMn fehlt die Abwechslung bzw. mehr Tolkien Flair. Leider ein wenig zu eintönig für meinen Geschmack.
    Und ein ganz großes Minus sind die Gegner die einfach direkt bei mit spawnen (bzw. aufploppen).

  24. Assein93 sagt:

    Mir geht dieses gerede von einem geklauten Titel mitlerweile tierisch auf die nerven... mittelerde ms ist alles andere als geklaut... ist jetzt jedes Spiel in dem man Wände hinauf klettern kann plötzlich eine Kopie von assassins creed... schließlich stempeln wir ja auch nicht jeden ego shooter als eine Kopie von battlefield ab. Das klettern ist komplett anders gestaltet und funktioniert nicht annähernd so gut wie bei assassins creed und das macht es noch lange zu keiner Kopie !