Review

Code Vein im Test: Wenn japanische Vampire zu viel Dark Souls spielen

von Olaf Bleich | 01.10.2019 - 15:40 Uhr
Platform
Playstation 4
Developer
Shift / Bandai Namco Studios
Publisher
Bandai Namco
Release
27. September 2019
8.5

Eigentlich ist der Vergleich zwischen „Dark Souls“ und „Code Vein“ unfair. Denn so schwer wie sein Vorbild ist das von Shift entwickelte und von Bandai Namco vertriebene Actionspiel längst nicht. Das soll aber nicht heißen, dass „Code Vein“ ein nächtlicher Spaziergang im Park ist. Der Action-Slasher fordert auf einem guten Level, ohne dabei geübte Spieler gnadenlos vor den Kopf zu stoßen.

Was wir gut finden

Blutsauger und Teamplayer

„Code Vein“ entführt euch in eine mysteriöse Endzeitwelt, in der ihr als Wiedergänger die Menschheit vor dem Untergang bewahren sollt. Was sind Wiedergänger eigentlich? Sie sind so etwas wie Mutanten, die durch einen Parasiten Superkräfte erlangt haben. Das einzige Problem: Dieser sorgt auch dafür, dass sie Blut trinken müssen. Tun sie das nicht, verwandeln sie sich in grässliche Kreaturen – die so genannten Verlorenen.

Nicht immer hübsche, dafür toll spielbare „Dark Souls“-Action

Im Gegensatz zu „Dark Souls“ oder Bloodborne“ durchstreift ihr die Anime-Apokalypse aber nicht allein. Immer wieder gesellen sich Kameraden zu euch und unterstützen euch im Kampf. Befehligen dürft ihr sie zwar nicht, aber immerhin entscheidet ihr, ob sie überhaupt mit gehen. Die Kameraden dienen im Kampf vor allem als Ablenkungsmanöver. In Boss-Matches etwa dreschen sie den dicken Brocken in den Rücken, bis dieser sich umdreht. Das wiederum gibt uns die Chance, unszu heilen oder eine kurze Verschnaufpause einzulegen.

Unterstützung von anderen Spielern

Das Kampfsystem ähnelt dem aus „Dark Souls“ stark. Jedoch spielt sich „Code Vein“ einen Tick schneller und aufgrund des Computer-Mitstreiters etwas flexibler. Gerade das Blocken und Ausweichen ist hier extrem wichtig. Parieren wir im richtigen Moment, bringt das womöglich unseren Gegenüber aus dem Gleichgewicht. Die Verlorenen auf der anderen Seite warten mit einer breiten Vielzahl an Gegnern mit unterschiedlichster Bewaffnung auf. Vom Standard-Grunt mit Schwert bis hin zu gewaltigen Tanks ist alles dabei, was ihr euch vorstellen könnt.

In Sachen Spiel- und Leveldesign bezieht „Code Vein“ seine eindeutigste Inspiration von „Dark Souls“. Levelaufstiege mit Hilfe von Dunst – also Erfahrungspunkten – führt ihr beispielsweise an so genannten Misteln aus. Dort füllt ihr auch eure Regenerationstränke auf und passt Talente an – also wie an den Lagerfeuern der Konkurrenz. Auch Shift integriert einen indirekten Multiplayer-Modus.

So könnt ihr andere Wiedergänger um Hilfe rufen und in eure Welt holen. Natürlich gibt es auch hier Einschränkungen: Der Spielfortschritt wird beim Gast gespeichert und ihr könnt natürlich nicht in nicht bereits besuchte Areale eindringen. Trotzdem: Der Mini-Koop-Modus macht – trotz fehlendem Lobby-System – durchaus Spaß.

Die Wahl des Blutcodes

Entwickler Shift implementiert zudem ein geschickten Rollenspiel- und Klassensystem. Die Fähigkeiten eures Charakters legt ihr mit Hilfe des so genannten Blutcodes fest. Diese Klassen bestimmen schließlich die Nutzung bestimmter Talente und auch die Fähigkeiten im Kampf. Der Zauberer beispielsweise agiert bevorzugt aus der Distanz, der Berserker schwingt hingegen lieber schwere Äxte und Hämmer.

Das Schöne an „Code Vein“ sind jedoch die Freiheiten, die einem dieses System lässt. Ihr könnt den Blutcode theoretisch jederzeit wechseln und passt dadurch eure Strategien und Möglichkeiten an. Manchmal sind gerade die Wechsel im Angriffstempo oder in der grundlegenden Ausrichtung ein Mittel zum Sieg über die immer wieder auftauchenden Boss-Gegner.

Darüber hinaus erweist sich das Ausrüstungs- und Talentsystem ebenfalls als angenehm frei und flexibel. Blutcode-Wechsel bedeuten nicht zwangsläufig den Verlust aller zuvor ausgewählter Fähigkeiten, bestimmte Klassen teilen sich auch Talente bei verschiedener Stärke. Dadurch müssen wir immer wieder abwägen und haben reichlich Spielraum für Experimente.

Was wir schlecht finden

Die Monotonie der Apokalypse

Technisch hinterlässt „Code Vein“ einen zwiespältigen Eindruck. Anime-Fans fühlen sich spätestens im gut gefüllten Charaktereditor zuhause und erfreuen sich an den vielfältigen Individualisierungsoptionen. Auch die Spielwelt wirkt in den ersten Stunden noch interessant und stylisch. Allerdings ändert sich dieser Eindruck schnell: irgendwann werden die ständigen Grau- und Brauntöne langweilig. Es mangelt dem Spiel an optischer Abwechslung und auch an dem Stil, der beispielsweise Titel wie „Dark Souls“ oder „Bloodborne“ so unverwechselbar machte.

Dazu mag der Anime-Look auch den einen oder anderen abschrecken. Wenn uns die opulente Oberweite weiblicher Protagonistinnen aus deren zerfetzten Hemdchen förmlich entgegen springt, dann fragen wir uns doch, ob die „Vampir-Apokalypse“ wirklich so hart und mörderisch ist, wie gedacht. Diese sexualisierte Darstellung der Figuren jedenfalls bleibt auf jeden Fall Geschmackssache.

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Geh‘ mir aus dem Weg!

Die Computer-Kameraden sind ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für „Code Vein“. Allerdings unterstützen sie einen nicht nur, gelegentlich gehen uns die Kollegen sogar richtig auf den Keks. Gerade in den teils sehr engen Katakomben berauben sie uns oft der für Blocks und Ausweichmanöver notwendigen Übersicht. Wenn plötzlich ein gewaltiger Hammer ins Bild ragt, die Kamera verdeckt und unser Wiedergänger einen Treffer kassiert, dann ist das ein echtes Ärgernis. Abschalten wollten wir die Helfer allerdings auch nicht, da sie gerade in Bosskämpfen treue Dienste leisteten.

Keine Einser-Schüler

Grundsätzlich sind wir mit dem Gegner- und Mitstreiter-Verhalten nicht zufrieden. Unsere Kämpen agieren oftmals wenig taktisch und stürmen zu oft blind drauflos. Das wiederum torpedierte nicht selten unsere Angriffsbemühungen und sorgte für Chaos auf dem Schlachtfeld.

Wir hätten uns in diesem Fall eine stärker an die Blutcodes angelehnte Verhaltensweise gewünscht. Während also die Mitstreiter fast schon zu aggressiv zur Sache gehen, reagieren die Monster und Verlorenen eher als das sie agieren. Zwar fahren sie immer wieder schwere Geschütze auf, übernehmen aber selten wirklich die Initiative im Kampf.

8.5
Pro
  • gelungenes Kampfsystem
  • flexible Klassen bringen viele Freiheiten ins Spiel
  • durchaus interessante Spielwelt und Charaktere
Contra
  • teils merkwürdiges Verhalten der Mitstreiter
  • grafisch zu oft zu eintönig
  • der Anime-Look bleibt Geschmackssache

Wertung und Fazit

Code Vein im Test: Wenn japanische Vampire zu viel Dark Souls spielen

Wie schon „The Surge 2“ entpuppt sich auch „Code Vein“ als gut spielbarer und durchaus launiger „Dark Souls“-Klon. Das Anime-Abenteuer setzt mit dem flexiblen Klassensystem und den Computer-Mitstreitern eigene Akzente und punktet nebenbei mit einem souverän umgesetzten Kampfsystem.

Zwar erreicht das Spiel dabei nicht die Perfektion der eigenen Vorbilder, macht aber über weite Strecken derart viel Freude, dass wir auch über kleinere Schwächen wie gelegentliche Clipping-Fehler hinweg blicken und die insgesamt etwas abwechslungsarme Umgebung hinweg.

„Code Vein“ ist ein wirklich gelungenes Actionspiel mit knackigem Schwierigkeitsgrad und ausreichend Tiefe um 20 und mehr Stunden zu motivieren. Wer also ein etwas anderes „Dark Souls“ sucht, für den dürfte „Code Vein“ genau das Richtige sein.

Reviews

Kommentare

  1. Ridgewalker sagt:

    Demo finde ich schon gelungen. Das Spiel hole ich wenn die Zeit reif ist.

    Ich verstehe aber nicht war die Bewertung gleich ganz oben stehen muss.

  2. Terranigma sagt:

    Wertung ist besser als gedacht, freut mich :).

  3. RETROBOTER sagt:

    "Anime look" hat nix negatives zu bedeuten, wann checkt ihr das? Es ist eine Sache für sich.. ohh Ghost Reacon ist realistisch, ich mag run'n gun a lá Cod, deshalb ein Minus weil ich 1hit bin, genau wie z.B Burnout kein Sim Racer ist und man da es nich ankreiden sollte etc.!

  4. Ridgewalker sagt:

    Ja genau! Man kann es als neutral bewerten und nicht als contra.

    Leute die das Spiel kaufen, mögen halt den Anime Look und die das nicht mögen halt nicht. Ich zb hasse Fußball aber sagen nicht das PES doof ist.

  5. hensor sagt:

    "der Anime-Look bleibt Geschmackssache" was ist jetzt daran negativ? Der Animelook oder, dass es Geschmackssache ist?

    Spaß beiseite, warum etwas als Geschmackssache deklarieren, es dann aber negativ werten?
    Deswegen gebe ich nichts auf Tests und Wertungen. Man weiß nie was da für eine Person den Text schreibt. Vllt kann derjenige nichts mit dem Genre oder dem Look anfangen.
    Viele "Reviewer" haben keine Ahnung was objektiv bedeutet.

  6. xjohndoex86 sagt:

    Demo hat mir gut gefallen. Warum man sich allerdings das Souls Konzept ans Beins bindet, anstatt einfach ein launiges Hack 'n Slay abzuliefern will mir nicht einleuchten. Es wirkt einfach aufgesetzt, ohne auch nur annäherend die Tiefe zu erreichen. Da überzeugt der eigenwillige Style und die Idee mit den Blutcodes viel mehr.

  7. Yaku sagt:

    Noch drei Bosse und ich bin durch.
    Habe sehr viel Spaß damit, aber ich würde eine Wertung um die 80 geben, nicht höher.

  8. Tay_fly sagt:

    @ xjohndoex86
    Denselben Gedanken habe ich ebenfalls und das schon seit der Ankündigung! Anime Filme sind meist mit schneller Action, passend zu Hack n slay, verbunden. Aber das ist eben Kreative Freiheit! Allen damit dennoch eine unterhaltsame Zeit!

  9. -KEI- sagt:

    Game rockt uebelst.
    Wusste ich aber schon seit der beta dass das mein scheiss ist.

    Ist Dark Souls light mit story.

    Und die NPCs (Yakumo) sind besser als echte mitstreiter lol (so wars zumindest in der beta).
    Hab den online mode noch nicht probiert.

  10. Leitwolf01 sagt:

    Anime-Look ist Geschmackssache als negativer Punkt?

    Da kann man doch alles mit Geschmack negativ empfinden, wo man überall immer die gleichen realistischen Ansätze findet und die weibliche Oberweite sollte man auch nicht zu verklemmt betrachten, als ob man eine christliche Review Seite besuchen würde - Aber Ballern auf alles was sich in Videospielen bewegt ist völlig normal und okay?

    Dann bitte den Moralapostel für alles raushängen lassen, egal ob Gewalt in Videospielen, sexualisierte Darstellung, unterpräsentierte Hautfarben oder Religionen, das Nutzen von Klischees, Glücksspiel in Videospielen, gerechte Alterseinstufung, Darstellung und artgerechte Präsentation von Tieren, nachhaltig umweltbewusste Verwendung von Materialien, Gegenständen und Waffen in Spielen usw - Das Zeigen von einer üppigen Oberweite kann auch zeigen wie selbstbewusst und stark ein weiblicher Charakter ist, wenn man so selbstsicher rumlaufen kann und da kommt dann so eine Gegen Aussage, die nur dazu dient Frauen zu verunsichern und zu unterdrücken, indem man ihnen vorschreibt, wie sie sich zeigen dürfen.

  11. Magatama sagt:

    @ Terranigma
    Wieso? Die Wertung hier ist doch immer 8,5.

  12. ResidentDiebels sagt:

    Diese sexualisierte Darstellung der Figuren jedenfalls bleibt auf jeden Fall Geschmackssache
    ------------------------------

    Was ein Schmarn.

    Heutzutage ist alles "sexistisch" was nicht aussieht wie die frustrierte vorzeige feministin. Kann denn Müll nicht mehr hören.
    Das hat nix mit sexualisiert zu tun, sondern das ist der typische anime stil der japaner den es seit jahrzehnten gibt. Das nennt man Artstyle.

    Mich hat Code Vein nicht überzeugt, da es mir einfach zu trist war. Trotzdem ein guter ansatz mit dem Coop im gegensatz zu Dark souls oder bloodborne wo es einfach nur ein krampf war im coop zu spielen.

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