The Witcher Blood Origin: Eine blutleere Prequel-Serie - Serienkritik

Mit seiner Prequel-Serie "The Witcher: Blood Origin" baut VoD-Anbieter Netflix sein Fantasy-Universum weiter aus. In unserer Serienkritik gehen wir darauf ein, ob das Spin-off einen Blick wert ist.

The Witcher Blood Origin: Eine blutleere Prequel-Serie – Serienkritik

"The Witcher: Blood Origin" ist seit dem 23. Dezember 2022 exklusiv bei Netflix verfügbar.

Bereits ziemlich früh bestätigte Streaming-Anbieter Netflix, das Unternehmen plane ein ganzes „The Witcher“-Universum aufzubauen. Dieses soll neben der Hauptserie rund um Hexer Geralt ebenfalls weitere Ableger umfassen. Nach dem tollen Animationsfilm „Nightmare of the Wolf“ ist nun die Mini-Serie „The Witcher: Blood Origin“ verfügbar, die derzeit von allen Seiten viel Kritik abbekommt. In unserer Serienkritik werfen auch wir einen genaueren Blick auf die Prequel-Show.

Die guten alten Zeiten?

Die Story setzt über 1000 Jahre vor dem schicksalhaften Treffen von Geralt und Ciri an. Genauer zu einer Zeit, in der es weder Menschen noch Hexer auf dem Kontinent gab. Dafür existierte bereits das Königreich Cintra, eine der einflussreichsten Großmächte der Fantasy-Welt, damals noch unter der Herrschaft der Elfen. Im engsten Kreis befand sich damals auch Krieger Fjall, der nach einem pikanten Vorfall jedoch des Hofes verwiesen und ins Exil geschickt wurde.

Dort macht er Bekanntschaft mit der durch die Gegend ziehenden Bardin Éile, die zunächst wenig gut auf Fjall zu sprechen ist. Wie der Zufall es so will, müssen sie wenig später ihre Meinungsverschiedenheiten begraben, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Eine neue Macht hat sich auf dem Kontinent erhoben und diese hat die Clans unserer beiden Hauptfiguren ausgerottet. Um ihre Familien zu rächen, begeben sie sich auf die Suche nach Verbündeten.

Der Boden für ein potentiell spannendes Fantasy-Abenteuer ist also bereitet und tatsächlich finden Fjall und Éile ziemlich fix andere fähige Söldner und Krieger, die sich ihrer Sache anschließen. Diese allesamt neuen Charaktere haben jeder für sich durchaus spannende und teils tragische Hintergrundgeschichten. Zwergen-Kriegerin Meldof und ihr Hammer Gwen, den sie nach einer Freundin benannte, wären hier ein schönes Beispiel. Von diesen Hintergründen erfahren wir allerdings nur wenig. Wirklich viel zu wenig. Statt die Figuren allmählich zu ergründen und ihre Dynamik langsam wachsen zu lassen, hetzen die Macher lieber durch die Story.

Unterentwickelte Charaktere

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung sprachen Showrunner Declan de Barra (via Netflix) und seine Kollegin Lauren Schmidt Hissrich (via Redanian Intelligence) über die Gründe, warum „The Witcher: Blood Origin“ von ursprünglich sechs auf am Ende nur vier Episoden gekürzt wurde. Vor allem zwei Dinge seien für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen: Einmal wollten die Verantwortlichen eine filmähnliche Erfahrung schaffen, die den Zuschauer wie einen Schlag treffen und keine Atempause gönne sollte. Außerdem sollte das Pacing (Erzähltempo) erhöht werden, da für ruhige Momente, etwa einen Plausch am Lagerfeuer, keine Zeit gewesen sei.

„Ursprünglich lernten wir die Charaktere viel langsamer kennen, sozusagen in jeder Folge einen neuen Charakter. Aber wir haben erkannt, dass diese Figuren am stärksten sind, wenn wir sie als Team arbeiten sehen und wir hatten das ganze Team erst viel später in der Serien zusammen. Wir merkten, dass wir das beschleunigen wollten“ erklärte Hissrich diesbezüglich. Eine unglückliche Entscheidung, denn ruhigere Momente zwischen den Figuren hätte die Serie nötig gehabt.

Bitter nötig sogar, um uns die Motivationen und Vergangenheit der einzelnen Charaktere näherzubringen und um ihre Teamdynamik organisch zu entwickeln. In den vier verbliebenden Episoden werden weder Fjall & Co. noch den Zuschauern kurze Pausen erlaubt. Somit kommt es etwas abrupt, wie schnell sich die insgesamt siebenköpfige Truppe zusammenfindet. Konflikte werden oft schnell beigelegt oder bekommen keinen Raum, um sich entfalten zu können. Selbst die sympathischen Darsteller rund um Michelle Yeoh („Tiger & Dragon“) können aus den bescheidenen Möglichkeiten, die ihnen gegeben werden, nicht viel rausholen.

Letztendlich bleiben somit sowohl die Protagonisten als auch die Antagonisten deutlich hinter ihrem Potential zurück, was auch an der oft eher überschaubaren Qualität der Drehbücher liegt. Gerade auf Seiten der Bösewichte hätte es viele Möglichkeiten für spannende Charakterentwicklungen gegeben, putscht sich eine Prinzessin doch hinterrücks zur Krone. Ein anderer Schurke, der nach unbändiger Macht sucht und dafür sogar die Grenzen seiner Heimatwelt überschreitet, wird eher grob skizziert. Doch nicht nur die Figuren bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück, sondern ebenso die Fantasy-Welt der Prequel-Serie.

Es wird beispielsweise ein Klassensystem angesprochen, dem bald der Zusammenbruch drohen könnte, doch auch hier bleibt keine Zeit, tiefer zu schürfen. Als wäre hier nicht bereits genug erzählerisches Potential auf der Strecke geblieben endet „The Witcher: Blood Origin“ auch gerade dann, wenn die Geschichte wirklich spannend zu werden beginnt. Immerhin erleben wir den Ursprung der Hexer mit und die Story spielt zeitlich quasi unmittelbar vor der Sphärenkonjuktion, also jenem historischen Ereignis, das den Kontinent für immer verändern sollte. Was für spannende Geschichten und Abenteuer hier hätten erzählt werden können!

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Sterile Fantasy-Welt

Etwas mehr Charakter hätte auch die Fantasy-Welt an sich vertragen können, denn die Sets in Innenräumen wirken an vielen Stellen einen Tick zu sauber. Das Gefühl, gemeinsam mit Fjall und seinen sechs Verbündeten durch dreckige, teils unwirtliche Gegenden zu ziehen, kommt deshalb eher selten auf. Dies gilt nicht nur für die Umgebungen, sondern auch für viele Kostüme, die oft so wirken, als kämen sie gerade frisch von der Stange, was an der Atmosphäre zehrt. Immerhin bekommen wir zwischenzeitlich immer mal wieder einige wirklich schicke Landschaftsaufnahmen zu sehen, die dies zumindest ein wenig ausgleichen.

Darüber hinaus hätten auch einige Spezialeffekte noch etwas mehr Zeit benötigt, gerade die CGI-Monster, denen sich unsere Heldentruppe gegenübersieht. Diesen scheint in vielen Szenen noch der letzte Feinschliff zu fehlen. Mit anderen großen Fantasy-Epen, die dieses Jahr im Serien-Bereich starteten, etwa „House of the Dragon“ oder der Mittelerde-Geschichte „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ kann sich „Blood Origin“ nicht messen.

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Ist deshalb nun alles schlecht am zweiten „The Witcher“-Spin-off aus dem Hause Netflix? Kurz gesagt: Nein. Durch das hohe Erzähltempo bleibt zwar nur wenig Zeit, die Welt und die in ihr lebenden Figuren genauer zu ergründen, dafür ist es ein ziemlich kurzweiliges Abenteuer. Die Darsteller und Darstellerinnen harmonieren zudem ziemlich gut miteinander, weshalb es Spaß macht, ihnen zuzusehen – vor allem in den gut choreographierten Actionszenen. Besonders die Schwertkämpfe sind insgesamt herrlich wuchtig inszeniert und durchaus unterhaltsam anzuschauen. Es ist ersichtlich, dass Netflix hier keine Billigproduktion abgeliefert hat.

Insgesamt ist „The Witcher: Blood Origin“ dennoch eher enttäuschend. Aus den Charakteren, den Themen und der Welt zum Zeitpunkt der Geschichte hätte so viel mehr herausgeholt werden können, weshalb es schade ist, dass so viel Potential schlichtweg verschwendet wurde. Fans der Romane und Games dürften sich sicherlich noch über einige kleine Easter Eggs freuen, doch auch diese täuschen kaum darüber hinweg, dass dies eine eher blutleere Prequel-Serie ist.

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