The Witcher Nightmare of the Wolf: Besser als die Serie? - Filmkritik

Seit dem 23. August 2021 steht mit "The Witcher: Nightmare of the Wolf" der erste Zeichentrickfilm des Franchise exklusiv bei Netflix zur Verfügung. Wir haben uns das Werk angesehen und verraten euch, ob sich ein Blick lohnt.

The Witcher Nightmare of the Wolf: Besser als die Serie? – Filmkritik

"The Witcher: Nightmare of the Wolf" ist exklusiv bei Netflix verfügbar.

Seit wenigen Tagen ist der Animationsfilm „The Witcher: Nightmare of the Wolf“ bei Netflix verfügbar. Wir haben uns das Abenteuer rund um den jungen Hexer Vesemir angesehen und verraten euch nachfolgend, ob sich das Werk lohnt und ob es vielleicht sogar besser gelungen ist als die 1. Staffel der Live-Action-Serie.

Kampfeslustige Hexer in einer Welt der Monster

Die Handlung des Films setzt mehrere Jahrzehnte vor der Geschichte der „The Witcher“-Serie an. Statt Geralt steht dessen Mentor Vesemir im Mittelpunkt, den wir an verschiedenen Punkten seines Lebens sehen. Zumeist verfolgen wir einen erwachsenen und erfahrenen jedoch ebenfalls etwas zu selbstbewussten Hexer, der sich gegen allerlei gefährliche Monster stellt. Vorausgesetzt, der Preis seines Auftraggebers stimmt.

Dabei wird immer wieder ersichtlich, dass die Hexer noch ein ganz anderes Standing in der Gesellschaft als zu Geralts aktiven Zeiten haben. Hier sind sie noch eine schlagkräftige Macht, mit der der Kontinent rechnen muss, was manchen Leuten ein Dorn im Auge ist. Als dann plötzlich Monster an Orten erscheinen, an denen sie zuvor noch nie wüteten, beginnt sich allmählich eine Front gegen die Hexer zu formieren, die zu ihrem Untergang führen könnte.

Seine Geschichte erzählt „Nightmare of the Wolf“ dabei geradliniger als es noch die 1. Staffel der Serie tat. Zwar gibt es auch im Zeichentrickfilm immer wieder Zeitsprünge innerhalb der Story, allerdings geht hierbei nie die Übersicht verloren. Ein Problem ist jedoch, dass sich der Film keine Zeit nimmt, um den Zuschauer in seine Welt einzuführen. Stattdessen wird der Zuschauer direkt in das blutige und brutale Setting hineingeworfen.

Dadurch legt der Animationsfilm einerseits zwar ein hohes Tempo vor, wodurch kaum Leerlauf entsteht, andererseits richtet sich das Werk dadurch eher bedingt an Neulinge des „The Witcher“-Franchise. Es wirkt so, als sollten Zuschauer idealerweise bereits etwas Grundwissen rund um die Marke mitbringen, um das Meiste aus dieser Erfahrung herausziehen zu können. Doch das bedeutet nicht, dass Newcomer keinen Spaß haben können.

Die Wandlung eines Hexers

Zunächst einmal liegt dies an Vesemir, der im Verlauf des Films eine durchaus gute Entwicklung nimmt. Dabei gewähren die Macher immer wieder Einblicke in seine Vergangenheit, was, im Gegensatz zur Serie, übersichtlicher gehandhabt wird. Es ist immer klar ersichtlich, an welchem Punkt im Leben wir den Protagonisten gerade sehen und was es ist, das ihn antreibt.

Zunächst ist es der Wunsch nach einem besseren Leben. Er stammt aus einfachen Verhältnissen und macht eines Tages Bekanntschaft mit dem Hexer Deglan. Obwohl Vesemir zunächst noch zögert, beschließt er, sein altes Leben hinter sich zu lassen, in der Hoffnung, ein besseres führen zu können. Sein Weg führt ihn zur Festung Kaer Morhen, dem Stützpunkt der Hexer, wo er sich gemeinsam mit anderen Jungen der Kräuterprüfung unterzieht. Dieser Prozedur verdanken die Hexer ihre übermenschlichen Kräfte, mit denen sie gegen Monster kämpfen können.

Obwohl Vesemir viel Leid, Schmerz und Qualen erleiden musste, konnte er sich einen gewissen Idealismus bewahren, den er unter einer breiten Brust versteckt. Er gibt sich überheblich und unnahbar, will oftmals mit dem Kopf durch die Wand, doch immer wieder schimmert noch etwas von dem kleinen Jungen durch, der er einst war. Diese Momente, in denen Vesemir seine Deckung fallen lässt, zählen zu den emotional stärksten des ganzen Films und zeigen, dass „Nightmare of the Wolf“ mehr ist, als nur ein blutiges Spektakel.

Des Weiteren wird ebenfalls ersichtlich, dass Vesemir gewissermaßen ein Produkt seiner Umwelt ist, die ihn Zeit seines Lebens geprägt hat. Und genau auf diese bekommen wir von den Machern einen detaillierteren Blick gewährt, vielleicht sogar noch etwas mehr als in der Serie. Der Kontinent wird als komplexe und glaubhafte Welt gezeichnet, in der wir schonungslos gezeigt bekommen, mit welchen Gräueln sich ihre Einwohner tagtäglich konfrontiert sehen.

Blutige Action trifft auf dynamische Animationen

Auf visueller Ebene gibt es derweil nichts zu Beanstanden. Verantwortlich für „Nightmare of the Wolf“ ist das südkoreanische Studio Mir, zu deren bekanntesten Werken sicherlich der Nickelodeon-Cartoon „Die Legende von Korra“ zählt. Zuletzt produzierten sie für Netflix mit „DOTA: Dragon’s Blood“ ebenfalls eine düstere Fantasy-Story. Im Prequel-Film zur „The Witcher“-Serie darf das Animationsstudio nun erneut zeigen, was es kann.

Die Charaktere sind klar gezeichnet und insbesondere die Welt begeistert mit vielen Details, doch natürlich sind es gerade die Kämpfe, in denen die Verantwortlichen zu Höchstform auflaufen. Die Scharmützel zwischen Vesemir und den Monstern sind die klaren optischen Highlights des Films: Wie schon Korra bewegt sich unser Protagonist geschmeidig über den Bildschirm und wirkt dabei stets wunderbar dynamisch. In Kombination mit ihren tollen Choreographien überragen diese Schlachten dabei auch die Kämpfe der Live-Action-Serie.

Obwohl „The Witcher: Nightmare of the Wolf“ seine Schwächen hat, die gerade Neulingen den Einstieg in den Film erschweren dürften, ist er definitiv sehenswert. Vesemir ist ein charismatischer Hauptcharakter, der in den düsteren sowie blutigen Scharmützeln gegen allerlei Monster ordentlich austeilt und doch mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick erscheint. Der Animationsfilm ist eine intelligente Weiterentwicklung der Netflix-Serie, der diese zum Teil sogar überflügelt und hoffen lässt, dass es nicht der letzte Zeichentrickableger des Franchise bleiben wird.

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