Review

Resident Evil 4 Remake im Test: Survival-Horror-Neuauflage der Extraklasse

Im Jahr 2005 setzte "Resident Evil 4" neue Standards und revolutionierte das Survival-Horror-Urgestein. Wird das "Remake" diesen hohen Ansprüchen gerecht? Das erfahrt ihr im ausführlichen Test zu "Resident Evil 4 Remake".

play3 Review: Resident Evil 4 Remake im Test: Survival-Horror-Neuauflage der Extraklasse

9.0

„Resident Evil“ ist im Jahr 2023 so allgegenwärtig wie schon lange nicht mehr. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte Capcom im Zuge des Launches der PlayStation VR2 eine kostenlose Erweiterung, um den jüngsten Serienteil „Resident Evil: Village“ in VR spielbar zu machen. In den Jahren zuvor veröffentlichte man u.a. Neuauflagen der ersten drei Serienteile und erhielt dafür sowohl von der Presse als auch der Community enorm positives Feedback.

„Resident Evil 4“ allerdings stellte das Team vor besondere Herausforderungen. Das Original war eine Art Neuanfang für die gesamte Serie: Weg vom methodischen Survival-Horror, hin zu einem actionreicheren Panik-Grusel. „Resident Evil 4“ gilt als Meilenstein des Genres und auch der Serie.

Das am 24. März 2023 für PC und Konsolen erscheinende „Resident Evil 4 Remake“ gehört daher zu den am sehnlichsten erwarteten Neuerscheinungen des noch jungen Kalenderjahres. Zu Recht, wie sich im ausführlichen Test herausstellt.

Schön und ganz schön gruselig

Aber von vorne: „Resident Evil 4 Remake“ ist ein Third-Person-Actionspiel, in dem ihr Spezialagent Leon S. Kennedy kontrolliert. Den kennen einige vielleicht noch als Polizisten aus dem zweiten Serienteil. Inzwischen ist der ehemalige Cop allerdings bei der Division of Security Operations gelandet und kämpft dort gegen den Bio-Terrorismus.

Im Intro erfahrt ihr ein wenig über die Hintergründe und Leon betont hier auch, wie hart diese Zeiten für ihn waren und sind. In „Resident Evil 4“ verschlägt es ihn auf der Suche nach Präsidententochter Ashley Graham ins spanische Hinterland. Das Mädchen wurde von der Los-Illuminados-Sekte entführt. Die Rettung von „Baby Eagle“ ist das zentrale Motiv im Spiel und im Verlauf werden Leon und Ashley auch gemeinsam den Gefahren der Spielwelt trotzen.

Diese begegnen euch in „Resident Evil 4 Remake“ etwa durch die vom Las-Plagas-Parasiten vereinnahmten, fanatischen Dorfbewohnern oder auch Sektenmitgliedern. Und natürlich dürfen auch dicke Brocken wie El Gigante oder der Kettensägen-Typ nicht fehlen.

Wichtig: Auch wenn es im „Remake“ keine Quick-Time-Events und damit etwa kein Button-Mashing mehr gibt, müsst ihr doch immer wieder schnelle Reaktionen beweisen, um etwa im rechten Moment Attacken zu kontern.

Technisch macht die hier getestete PS5-Version im Vergleich zum Original natürlich einen gewaltigen Sprung nach vorne. Als wir zu Beginn des Spiels einige finstere Häuser mit der Taschenlampe in der Hand durchforsten und dabei neben blutigen Leichenteilen auch die dazu passenden Werkzeuge entdecken, läuft es uns eiskalt den Rücken herunter.

Gerade die Passagen in völliger Dunkelheit sind extrem atmosphärisch und spielen in Verbindung mit dem 3D-Sound geschickt mit einem ständigen Gefühl der Bedrohung und Anspannung. Die über 15 Jahre alte Formel des virtuellen Grusels funktioniert viele Jahre später noch ausgezeichnet und sorgt für einen konstant hohen Puls im Verlauf der insgesamt 16 Kapitel.

Auch in Bezug auf die Effekte wartet das „Remake“ mit optischen Verbesserungen auf: Gerade das Mutieren der vom Las-Plagas-Parasiten befallenen Dorfbewohner sieht herrlich ekelhaft aus und weckt Erinnerungen an John Carpenters „Ding aus einer anderen Welt“. Die optische Wucht der gewaltigen Bosskämpfe reicht zwar nicht ganz an „God of War: Ragnarok“ heran, ist aber dennoch mehr als bemerkenswert.

Kleinere Abzüge gibt es lediglich für die wenigen Unsauberkeiten. Im Test flogen beispielsweise Kistenteile merkwürdig durch die Luft und auch die Darstellung von Haar oder Gras sah mitunter nicht hundertprozentig aus.

Kämpft sich besser

Auch wenn „Resident Evil 4″ seinerzeit das schnellste und actionsreichste Spiel der Serie war, hatte es dennoch seine Limitierungen – etwa, dass ihr nicht gleichzeitig laufen und schießen konntet. Capcom passt das Spielprinzip an moderne Standards an: Leon bewegt sich deshalb deutlich schneller, kann im Sprint nachladen und schießen. Die Steuerung ist dabei angenehm flott.

Einige Einschränken gibt es dennoch: Beispielsweise könnt ihr Angriffen nicht wie in anderen Actionspielen direkt ausweichen. Stattdessen könnt ihr sie kontextsensitiv und timing-basiert blockieren und so herrlich harte Sequenzen aktivieren.

Das System funktioniert gut, sorgt aber auch dafür, dass ihr ungewohnt bewegungsfreudig mit Leon agieren müsst. Gerade in stressigen Momenten macht es nämlich oft mehr Sinn, einfach an Feinden vorbei zu spurten oder die Flucht zu ergreifen. In Resident Evil 4“ habt ihr es häufig mit mehr als einem Gegner zu tun. Dadurch ist die so genannte „Crowd-Control“ enorm wichtig. Granaten oder auch Schüsse mit der Schrotflinte schleudern oft gleich mehrere Kontrahenten zu Boden und eröffnen so Zeitfenster für weitere Angriffe.

Auf kurze Distanz bietet das „Resident Evil 4 Remake“ nun gleich mehrere Optionen: Seid ihr unbeobachtet, könnt ihr unachtsame Zombie-Dorfbewohner hinterrücks mit dem Messer meucheln. Derartige Attacken ohne Schneidewerkzeug sind allerdings nicht möglich. Ein Stealth-Spiel ist „Resident Evil 4“ dadurch aber noch lange nicht. Anschleichen ist eher eine gut gemeinte Alternative, bevor das nächste Mal die Hölle losbricht.

Aufgrund der gelegentlichen Munitionsknappheit besitzt das Messer ohnehin eine prominente Position im Kampfgeschehen. Die Klinge nimmt bei häufigem Einsatz Schaden, kann repariert oder auch aufgelevelt werden. Geratet ihr mal in die Fänge der Unholde, könnt ihr euch mit einem Messer befreien. Allerdings solltet ihr dabei immer wieder die Schadensanzeige im Auge behalten. Diese ist anfangs ein wenig nervig, bringt aber zugleich eine taktische Komponente ins Spiel. Denn auch wenn ihr im Verlauf immer wieder Messer entdeckt, so will jeder Einsatz gut überlegt sein.

Zudem eignet sich die Klinge ausgezeichnet zum Vorbereiten von Nahkampfattacken und dem damit verbundenen Betäuben von Gegnern. Für kurze Verschnaufpausen sorgen übrigens weiterhin eingestreute Rätsel, wie etwa das Suchen von Schlüsseln sowie kleinere Schalter-Puzzles. Diese fallen aber weitaus weniger komplex und ausschweifend als bei den Vorgängern aus.

Bewährtes neu aufbereitet

Abseits der Kämpfe passt Capcom sowohl das Storytelling und die Darstellung der Charaktere als auch das Leveldesign dezent an. Viele Gebiete wurden vorsichtig erweitert, um so beispielsweise zusätzliche Extras auszulegen und Spieler verstärkt zum Erforschen der Umgebung zu motivieren.

Diese Ergänzung fallen aber in keiner Weise negativ auf, sondern wurden mit viel Fingerspitzengefühl ergänzt. Andere Gameplay-Elemente wie etwa die Escort-Passagen mit Ashley wurden entschlackt. Bei Angriffen segnet sie jetzt nicht mehr das Zeitliche, sondern geht nur zu Boden. Ein Neustart ist also nicht mehr notwendig. Den gibt es lediglich, wenn ihr euch zu weit von ihr entfernt oder die Angreifer sie wegtragen.

Beim legendären „Resident Evil 4“-Händler kauft ihr weiterhin Waffen und Upgrades. Neu dabei sind aber auch Nebenaufträge. Diese sind allerdings eher Arbeitsbeschaffungsmaßnamen und warten leider nicht mit zusätzlichen Geschichten auf. Stattdessen geht es meist um das Sammeln bestimmter Objekte oder das Erledigen von Gegnern. Insgesamt fährt „Resident Evil 4 Remake“ mit allerlei Bonusaufgaben und Herausforderungen sehr viel Content für „Completionists“ inklusive New Game Plus auf.

9.0

Wertung und Fazit

PRO
  • Stimmungsvolle und zeitgemäße Präsentation
  • Gut umgesetzte Steuerung
  • Auch im Jahr 2023 noch extrem spannend und intensiv
CONTRA
  • Nebenquests eher langweilig
  • Kleinere Bugs und Ungenauigkeiten

Resident Evil 4 Remake im Test: Survival-Horror-Neuauflage der Extraklasse

Bemessen daran, dass das Basisspiel „Resident Evil 4“ rund 18 Jahre auf dem Buckel hat, fühlt sich das Remake – trotz vorsichtiger Innovationen – erstaunlich zeitgemäß und modern an. Die Grundzutaten aus Parasiten-Grusel, Panik und Survival-Horror funktionieren inmitten des weiterhin ungewöhnlichen Settings erstaunlich gut.

Die für die Neuauflage getätigten Anpassungen in der Steuerung, der Technik und der Nutzerführung fügen sich ebenso nahtlos ein wie die Veränderungen innerhalb der Spielwelt. „Resident Evil 4 Remake“ ist spannende und bisweilen nervenaufreibende Actionkost der Extraklasse, die mit saftigen Kämpfen und starker Inszenierung punktet.

Egal, ob ihr das Original kennt und liebt oder diesen Teil bislang noch nicht kanntet: „Resident Evil 4 Remake“ wird dem Erbe des Originals mehr als gerecht und gehört schon jetzt zu den prägenden Actionspielen des noch jungen Gaming-Jahres 2023.

Hotlist

Kommentare

Doppeldenker86

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