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System Shock Remake im Test: Geglückte Rückkehr eines Videospiel-Meilensteins?

Mit "System Shock" kehrt ein absoluter Klassiker zurück, der zahlreiche spätere Titel inspiriert hat. Wir haben uns das Remake des Kultspiels auf der PlayStation 5 genau angeschaut und verraten euch, ob ihr der Neuauflage eine Chance geben solltet.

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8.0

Das "System Shock"-Remake erscheint am 21. Mai 2024 für die PlayStation 5.

Mit seinem atmosphärischen Sci-Fi-Abenteuer „System Shock“ hat das Team von Looking Glas Studios vor nunmehr 30 Jahren zweifelsohne Videospielgeschichte geschrieben. Titel wie „Thief“, „Deus Ex“ oder auch „BioShock“ sind klar von dem wegweisenden Gaming-Meilenstein inspiriert. Dementsprechend genau beäugen viele Fans des Kultspiels das Remake aus dem Hause Nightdive Studios, die ein vollwertiges Remake des Klassikers entwickelt haben.

Nachdem dieses vergangenes Jahr bereits für den PC (via Steam) veröffentlicht wurde, findet die Neuauflage nun auch endlich ihren Weg auf aktuelle Konsolen. Wir haben uns auf der PlayStation 5 für euch hinein ins Abenteuer gestürzt. In unserem Test des Remakes verraten wir euch, ob die Rückkehr von „System Shock“ gelungen ist.

SHODAN is watching you

Wie schon im Original von 1994 schlüpfen wir auch in der Neuauflage in die Haut eines namenlosen Hackers. Eines Tages werden wir jedoch aus unserer Wohnung entführt und erhalten den Auftrag, die KI einer Weltraumstation zu manipulieren. Als Belohnung wird unserer Spielfigur bewusstlos geschlagen. Einige Zeit später kommen wir wieder zu uns, doch in der Zwischenzeit hat die Künstliche Intelligenz SHODAN die Kontrolle über die Station übernommen!

Mehr noch, die Citadel setzt Kurs auf die Erde und nur ihr könnt sie noch aufhalten. Allerdings steht unserem Hacker kein Spaziergang im Park bevor, denn blutrünstige Mutanten und aggressive Cyborgs streunen durch die Gänge der gewaltigen Weltraumstation. Könnt ihr den Untergang der Menschheit doch noch irgendwie verhindern?

Ob das möglich ist, könnt ihr im Laufe der rund 13-16 Stunden langen Story-Kampagne des „System Shock“-Remakes selbst herausfinden. Ihr könnt das Spiel natürlich auch deutlich schneller beenden, abhängig von eurem gewählten Schwierigkeitsgrad, eurem Spielstil und Skill.

Da es für den einen oder anderen von euch der erste Spieldurchlauf des Kultklassikers sein dürfte, halten wir uns mit Spoilern natürlich zurück. Was wir euch jedoch verraten können, ist, dass die Atmosphäre an Bord der Citadel noch immer ein richtiges Brett ist. Die Horrorstimmung in den düsteren Gängen der Station zieht euch förmlich ins Spiel hinein, auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass sie Inszenierung der Story ebenso spannend gewesen wäre.

Seht euch genau um, wenn ihr euch traut

Nachdem euer Charakter wieder erwacht ist, könnt ihr die Station erkunden. Das Spiel gibt euch dabei übrigens nur wenig vor und nimmt euch nicht an die Hand. Das ist natürlich eine feine Sache für all jene, die sich wirklich in diesem packenden Sci-Fi-Abenteuer verlieren möchten. Ihr könnt euch die Weltraumstation wie ein großes Labyrinth sowie gleichzeitig Puzzle vorstellen, das ihr immer weiter erkundet und für euch erschließen müsst.

Neulinge könnten sich allerdings ab und an etwas verloren fühlen, während sie durch die zumeist eher sporadisch ausgeleuchteten und Mutanten-versuchten Gänge der Station laufen. Das liegt daran, dass das weitere Vorgehen nicht unbedingt immer ersichtlich ist, was dezentes Frustpotential bergen kann. Hier hätten eventuell optional zuschaltbare Tipps helfen können.

Doch wie bahnt ihr euch im „System Shock“-Remake eigentlich euren Weg durch die Citadel? Hinsichtlich des Gameplays erwartet euch in der Neuauflage des Immersive Sim-Klassikers ein Mix aus Rätseln, Erkundung sowie Action, wobei der Fokus klar auf der Erforschung der gewaltigen Raumstation und ihrer unterschiedlichen Abteilungen liegt. Ihr solltet euch also immer sehr genau umschauen, wenn ihr weiter vorankommen möchtet.

Seid immer wachsam

Euch in den Weg stellen sich sowohl SHODANs Mutanten und Cyborgs als auch ihre Sicherheitssysteme. Die KI hat euch übrigens die ganze Zeit über im Blick. Manchmal wird sie euch sogar verspotten oder eure Taten anderweitig kommentieren, was einen großen Teil der Atmosphäre des Spiels ausmacht. Im Laufe des Spiels findet ihr natürlich auch einige Waffen, mit denen ihr euch gegen die Feinde zur Wehr setzen könnt. Je durchschlagskräftiger unsere Waffen waren, die mit Upgrades verbessert werden können, desto selbstbewusster haben wir uns durch die Gänge gewagt. Doch wirklich sicher haben wir uns nie gefühlt.

Und das, obwohl uns schon bald ein ziemlich umfangreiches Arsenal aus Nahkampf- und Schusswaffen zur Verfügung gestanden hat. Einige davon sind sehr klassisch, etwa Pistolen und Gewehre, andere hingegen schön futuristisch. Es ist eine tolle Mischung und wir hatten viel Spaß dabei, unsere Waffen auszuprobieren. Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass unsere unterschiedlichen Argumentationsverstärker etwas mehr Wumms hätten. Gegner reagieren kaum auf eingesteckte Treffer, weshalb sich gerade die Nahkämpfe für uns leider immer wieder ziemlich unbefriedigend angefühlt haben. Hier wäre sicherlich etwas mehr drin gewesen.

Habt ihr einen Raum von Gegnern gesäubert, müsst ihr oft kleinere Rätsel lösen oder Minispiele spielen, um noch tiefer in die Station vordringen zu können. Viele dieser kleinen Puzzles sind übrigens zufallsgeneriert. Selbiges gilt für Zahlencode-Schlösser diverser abgeriegelter Räume. So hält euch „System Shock“ permanent dazu auch, euch wirklich auf diese Erfahrung einzulassen und vor allem die Dokumente, die ihr überall finden könnt, genau zu studieren.

All das geht mit einer ordentlichen Portion Backtracking einher und fühlt sich verglichen mit moderneren Genre-Vertretern auch nicht mehr unbedingt richtig zeitgemäß an. Doch zumindest für uns hat es die meiste Zeit über gut funktioniert, weshalb wir uns im Laufe des Tests immer mehr in den Weiten der Raumstation verloren.

Behutsame Modernisierung

Nightdive Studios fangen den Kern von „System Shock“ somit hervorragend ein und haben die Mechaniken des Klassikers sehr behutsam modernisiert. Euch erwartet hier also weder ein vollumfängliches Remake wie etwa bei „Resident Evil 2“ noch eine tiefschürfende Neuinterpretation wie bei „Final Fantasy 7 Remake“. Stattdessen bleibt der Kern des Immersive Sim-Klassikers erhalten und wird lediglich hier und da ein bisschen optimiert.

Die Inventarführung erinnert zum Beispiel eher an das Pendant aus „System Shock 2“, genauso wie die Sounds bei der Anwendung eines Medipatches. Zudem wurde das Minispiel im Cyberspace überarbeitet, wodurch es sich nun packender als im Original spielt. Die Macher haben also eher im Detail nachgebessert und an kleinen Stellschrauben gedreht, anstatt weitreichende Veränderungen vorzunehmen, was alteingesessene Fans sicherlich freuen dürfte. Neulinge dürften sich indes vermutlich an der einen oder anderen Stelle etwas mehr Mut wünschen, um das Spiel an einigen Stellen noch etwas zugänglicher zu machen.

Auch technischen setzt Nightdive Studios beim „System Shock“-Remake nicht auf topmoderne Grafik, sondern bleibt dem Stil des Originals treu. Das Ergebnis ist ein etwas eigenwilliger Mix aus verpixelten Texturen auf der einen und sehr stimmungsvollen Beleuchtungseffekten auf der anderen Seite. Dafür lief das Spiel während unseres Tests auf der PlayStation 5 angenehm rund und auch der atmosphärische Soundtrack sowie der dichte Klangteppich können sich hören lassen. Die englische Sprachausgabe ist darüber hinaus wirklich gut gelungen, doch auf eine deutsche Synchronisation müsst ihr dafür leider verzichten.

8.0

Wertung und Fazit

PRO
  • Die Citadel ist ein toller Schauplatz
  • SHODAN ist eine immerwährende Bedrohung
  • Packende Atmosphäre
  • Große spielerische Freiheit
CONTRA
  • Inszenierung hätte gerne etwas modernisiert werden dürfen
  • Ziemlich viel Backtracking
  • Kämpfen fehlt es an spürbarer Wucht

System Shock Remake im Test: Geglückte Rückkehr eines Videospiel-Meilensteins?

„System Shock“ ist, 1994 wie 2024, in erster Linie eine Erfahrung. Die Spuren, die der Kulttitel hinterlassen hat, sind bis heute klar erkennbar und nur wenige „Nachfolger“ haben die Intensität dieses Immersive Sim-Klassikers erreicht. Auch das Remake lebt in erster Linie von seiner zum Schneiden dicken Atmosphäre in Kombination mit seinem düsteren Sci-Fi-Setting. Vorsichtig durch die Gänge der Citadel zu gehen, während SHODAN uns immer im Auge hat und wir uns nie sicher sein können, was hinter der nächsten Ecke auf uns wartet, hat nichts von seiner Faszination verloren.

An einigen Ecken hat der Zahn der Zeit jedoch spürbar genagt. Das teils ziemlich ausschweifende Backtracking oder das lasche Trefferfeedback in den Kämpfen fühlt sich heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß an. Zudem ist die Inszenierung der Story im Vergleich zu heutigen Immersive Sims nicht gerade sonderlich fesselnd. Neulingen dürfte der Einstieg darüber hinaus mitunter etwas schwer fallen, denn so sehr sich alteingesessene Fans über die großen spielerischen Freiheiten freuen dürften, so sehr könnten „System Shock“-Einsteiger hiervon überwältigt werden.

Wir hätten uns hier und da etwas mehr Mut gewünscht, verschiedene Aspekte deutlicher zu modernisieren. Doch all das ist Meckern auf einem hohen Niveau, denn der Kern dieser Spielerfahrung weiß heute noch immer so zu packen wie damals. Das Remake ist eine Liebeserklärung an einen Videospiel-Meilenstein, dem ihr eine Chance geben solltet, wenn ihr ein Stück Gaming-Geschichte in überarbeiteter Form nachholen möchtet.

Hotlist

Kommentare

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