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PS4-TEST: Mad Max

play3 Review: PS4-TEST: Mad Max

7.5

Dass sich die in Stockholm beheimateten Avalanche Studios auf packendes Open-World-Gameplay und überzeugende Technik verstehen, das haben sie mit „Just Cause 2“ hinlänglich bewiesen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als mit „Mad Max“ vor einigen Tagen der neue Hoffnungsträger der Schweden endlich das Licht der Welt erblickte…

Was wir cool finden

Mad Max - PS4 screenshot 01

Die Story beginnt hart und ruppig – ähnlich wie man es aus den vier Hollywood-Streifen kennt, mit denen das Spiel jedoch nicht in direktem Zusammenhang steht. Auf der Suche nach einem mysteriösen Ort namens „Ebenen der Stille“ wird Protagonist Max Rockatansky in der rasant geschnittenen Introsequenz von einer Gruppe motorisierter Halsabschneider verfolgt. Es ist eine Wettfahrt auf Leben und Tod, die der Überlebenskünstler zunächst mit waghalsigen Ausweichmanövern und gezielten Shotgun-Salven zu seinen Gunsten entscheidet. Doch dann leistet sich der um Frau und Tochter trauernde Familienvater einen Fehler und das Schicksal schlägt gnadenlos zu…

Mad Max - PS4 screenshot 03

Alles verloren
Als Max einige Zeit später in der sengenden Mittagssonne dieser von Chaos und Verderben gezeichneten Welt wieder aufwacht, hat er so ziemlich alles verloren, was ihm noch etwas bedeutete: seinen Wagen, seine Waffen, seine Vorräte und das Foto seiner Familie. Die einzig gute Nachricht: Er ist noch am Leben und trifft durch Zufall auf den buckeligen Chumbucket – einen leidenschaftlichen Mechaniker, der Fahrzeuge zu seiner Religion auserkoren hat. Chumbuckets Aberglaube an Zylinderköpfe und Motorenöl geht sogar so weit, dass er in Max eine Art Heiland sieht; entsandt vom Gott der Verbrennung, um ihm zu helfen, sein Lebenswerk in die Tat umzusetzen – den Bau des sogenannten Magnum Opus. Max weiß zunächst nicht so recht, was er davon halten soll, wittert dann aber die Gelegenheit, es seinen Peinigern heimzuzahlen und diesem Albtraum ein für allemal in Richtung „Ebenen der Stille“ zu entfliehen.

Mad Max - PS4 screenshot 02

Schicksal schweißt zusammen
Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf. Max und Chumbucket begeben sich auf einen verlassenen Fahrzeugfriedhof, schnappen sich das noch rudimentäre Chassis des angehenden Magnum Opus und stürzen sich Hals über Kopf in ein raues, blutgetränktes Offene-Welt-Endzeit-Abenteuer. Vorrangiges Ziel? Das Ödland aus dem Würgegriff der marodierenden Banden von Terrorfürst Scabrous Scrotus befreien, die ihr schwer bewachtes Hauptquartier in einer Stadt namens Gastown aufgeschlagen haben.

Bis es dort zum Showdown kommt, wollen allerdings erst einmal knapp 15 Haupt- sowie diverse Nebenmissionen bewältigt werden. Der daraus resultierende Storyumfang beläuft sich – je nach Spielweise – auf 15 bis 25 Stunden. Wer den nötigen Enthusiasmus mitbringt und die zahlreichen verbleibenden Neben- und Sammelaufgaben in Angriff nehmen will, kann hier aber durchaus auch 45 und mehr Stunden investieren.

Mad Max - PS4 Screenshot 09

Gut getunt ist halb gewonnen
Das Motoröl im Gameplay-Getriebe? Der kontinuierliche Ausbau des Magnum Opus und die daraus resultierenden Möglichkeiten, Missionsherausforderungen und Fahrzeugkämpfe für sich zu entscheiden. Egal ob nun frontal installierter Rammbock, seitlich montierte Stacheln zur Personenabwehr oder die unverzichtbare Nitro-Einspritzunng – mit seinen insgesamt 18 Kategorien macht das erstaunlich vielschichtige Upgrade-System richtig Laune und setzt Veränderungen zudem optisch schick in Szene. Genügend Schrottteile (die Währung im Ödland) vorausgesetzt, verwandelt ihr euer Vehikel letztlich Schritt für Schritt von einer trägen Rostlaube in eine mächtige Festung auf vier Rädern.

Walfänger der Apokalypse
Besonders interessant wird’s, wenn die Harpune ihre ersten Auftritte feiert. Bedient von Chumbucket, der während der Fahrt auf der Transportpritsche tänzelt, könnt ihr feindlichen Fahrzeugen damit zum Beispiel die Räder, Türen oder Ramm-Utensilien gezielt entfernen. Oder ihr bohrt dem Fahrer den Widerhaken ins Fleisch, zerrt ihn durch gefühlvolles Beschleunigen aus dem Cockpit und schleift ihn hinter euch her ins Verderben. Je nach Ausbaustufe der Harpune lassen sich darüber hinaus Tore, Wachtürme, Benzintanks, Vogelscheuchen, Kisten und andere stationäre Objekte aus ihrer Verankerung rupfen. Das Ergebnis erinnert ein bisschen an das Winden-Gameplay des Batmobils aus „Arkham Knight“, zeigt sich aber deutlich actionlastiger und weniger Puzzle-orientiert. Schön: Aufgrund einer automatisch zugeschalteten Super-Zeitlupe ist die Bedienung der Harpune ziemlich narrensicher.

Mad Max - PS4 screenshot 05

Kampfmaschine mit Zausebart
Doch nicht nur der Magnum Opus darf getunt werden. Max wird im Spielverlauf durch neues Rüstzeug ebenfalls immer stärker. Eine dickere Lederjacke zum Beispiel absorbiert mehr Faustschläge und Projektiltreffer, während spezielle Handschuhaufsätze für mehr Nahkampfschaden sorgen. Wer den mysteriösen Wanderer Griffa aufsucht, darf obendrein Punkte auf Max’ innere Werte verteilen und so länger im Wutmodus bleiben, bei Waffeneinsatz mehr Schaden verursachen, Boni beim Sammeln von Schrott und Trinkwasser einstreichen uvm. Kurzum: Die Charakterentwicklung gefällt und harmoniert gut mit dem rasant choreografierten, an die „Batman“-Reihe angelehnten Kampfsystem. Im Direktvergleich mit der Feldermaus geht’s hier allerdings noch eine Stufe brutaler zu.

Erstaunlich viele Hingucker
Technisch drückt Avalanche ebenfalls ordentlich aufs Gaspedal und lässt euch in einer dystopischen Spielwelt versinken, in der ein post-apokalyptisches Postkartenmotiv das nächste jagt. Das liegt zum einen an der fantastischen Weitsicht und den realistisch wechselnden Tageszeiten, zum anderen aber auch am Setting selbst. Denn „Mad Max“ ist angesiedelt in einer vertrockneten Meerebene. Tiefe Canyons, versteinerte Korallenbänke und bröckelnde Hafenmauern sind also ebenso präsent wie verrostete Pipelines, zerborstene Brückenpfeiler, ein hunderte Meter langes Tankerwrack und ein versandetes U-Boot. Ein Augenschmaus für Endzeit-Fans! Optischer Showstopper von „Mad Max“ bleiben gleichwohl die Sandstürme und Blitzgewitter. Einfach irre, wenn sich aus kleinen Luftwirbeln plötzlich ein peitschender, alles in seinem Weg mitreißender Orkan zusammenbraut.

Mad Max - PS4 screenshot 08

Momente für die Ewigkeit
Hervorheben möchten wir außerdem den großartigen Screenshot-Modus. Drückt ihr beide Analogsticks gleichzeitig hinein, wechselt die Perspektive zu einer frei schwebenden Kamera. Diese dürft ihr nun nach Belieben durch die Gegend lotsen. Den perfekten Blickwinkel gefunden, reichen zwei Tipper auf die X-Taste und sämtliche Bildschirmanzeigen verschwinden. Jetzt einfach die Share-Tasten drücken und fertig ist der Schnappschuss des Jahres. Extrem lässig: Ästhetiker experimentieren obendrein mit verschiedenen Farbfiltern und fügen Unschärfeeffekte hinzu. Und ist ein zweiter Controller zur Hand, kann ein weiterer Spieler die Kamera steuern während Spieler A wie gehabt die Action kontrolliert. Eine brillante Idee, die man viel öfter sehen möchte!

Mad Max - PS4 Screenshot 10

Was wir weniger cool finden

Größter Schwachpunkt ist zweifelsohne die Tatsache, dass sich die zur Verfügung stehenden Nebenaktivitäten von Gebiet zu Gebiet ständig wiederholen und dabei nur mäßig bis gar nicht mit der Handlung verwoben werden. Kein Vergleich zu „The Witcher 3“, wo bedeutend mehr Nebenmissionen mit kleinen Geschichten angereichert sind. Stattdessen steht hier also vor allem die Aufgabe an sich im Mittelpunkt. Minen entschärfen, Lager säubern, Vogelscheuchen umfahren, Fahrzeugkonvois überfallen, Scharfschützen ausknipsen, vom Heißluftballon mittels Fernglas die Gegend auskundschaften und dergleichen macht in den ersten Stunden durchaus Spaß, verkommt dann jedoch mehr und mehr zur Pflichtübung – nicht zuletzt, weil sich die spielerische Variation des Gebotenen in überschaubaren Grenzen hält.

Mad Max - PS4 screenshot 04

Magere Survival-Mechaniken
Wertvolles Potenzial verschenkt Avalanche Studios zudem in Sachen Survival-Gameplay. Zwar ist Trinkwasser für Max überlebenswichtig, sprich frischt seine Gesundheit auf, wenn er im Kampf Schaden genommen hat. Durst hingegen scheint der Protagonist trotz oft brütender Hitze keinen zu haben. Mit Benzin, der zweiten kostbaren Ressource in „Mad Max“, verhält es sich ganz ähnlich. Ständig wird uns eingebläut, dass wir ohne Treibstoff in dieser Welt ein Niemand sind. Trotzdem findet man in Camps immer wieder sich auf magische Weise regenerierende Spritkanister. Nicht zu vergessen Max’ gestörtes Verhältnis zum Thema Feuer. Das nämlich schadet ihm in vielen Situationen – aber eben nicht immer. Brennende Autowracks zum Beispiel krümmen dem Ödland-Eroberer kein einziges Haar.

Der nächste Kritikpunkt betrifft die fehlende deutsche Sprachausgabe und damit etwas, mit dem sich Publisher Warner eigentlich bestens auskennt. Während man für „Mordors Schatten“ und „Arkham Knight“ eine illustre Riege an professionellen deutschen Synchronsprechern verpflichtete, werden „Mad Max“-Kunden mit ordentlich übersetzten, aber leider viel zu klein dargestellten Untertiteln abgespeist. Immerhin: Auf Englisch kommt Max’ australischer Akzent prima rüber und auch das ständige Gemurmel von Chumbucket muss man einfach mögen.

Mad Max - PS4 screenshot 07

Bug-Report
Trotz zwei erfolgreich eingespielter Software-Flicken sei an dieser Stelle ferner auf einige seltsame Programmfehler hingewiesen. So kam es unter anderem vor, dass wir unabsichtlich eine Ödlandbewohnerin über den Haufen fuhren. Tot am Boden liegend quasselte die dennoch munter vor sich hin. Nach ihrer kleinen Moralpredigt fror die Szene schließlich ein und das Spiel musste neu gestartet werden.

Weiteres Bug-Beispiel: Max steht vor einer gigantischen, hermetisch abgeriegelten Festung und ruft Chumbucket samt Wagen herbei, die daraufhin beide im Inneren der Anlage auftauchen und nicht mehr vor und zurück wissen. Wie der treue Schrauber dort hinfahren konnte? Ein Rätsel. Erst wenn man sich Dutzende Meter vom Ort des Geschehens entfernt und Chum noch einmal mittels Leuchtpistole herbeiruft, löst sich das Problem ganz von selbst.

Dazu gesellten sich einige merkwürdige Clipping-Fehler, einige im Sandsturm „tanzende“ Ragdoll-Modelle und eine Gott sei Dank sehr überschaubare Anzahl an Bildraten-Einbrüchen. Etwa in der Szene, in der Max vor dem sogenannten „Kiefer“ von einer ganzen Meute Fahrzeuge bedrängt wird. Unter Strich nichts Weltbewegendes. Trotzdem würden wir uns wünschen, dass die Schweden solche Probleme im Blick behalten und schnellstmöglich ausmerzen.

System: PlayStation 4
Vertrieb: WB Games
Entwickler: Avalanche Studios
Releasedatum: 1. September 2015
USK: ab 18 Jahren

7.5

Wertung und Fazit

PS4-TEST: Mad Max

Allen sich wiederholenden Open-World-Aktivitäten, Technik-Ungereimtheiten, KI-Macken und Logikpatzern (siehe Fließtext) zum Trotz – am Ende des Tages wollte ich den Controller dann doch erst aus der Hand legen, als die Credits über den Bildschirm scrollten. Denn so gesehen machen die Schweden vieles sehr richtig. Die Weite und Größe des Ödlands fasziniert, die Fahrzeugkämpfe reißen mit, die Aufrüst-Optionen motivieren, die Grafik hält viele Wow-Momente bereit, die Bedrohlichkeit der Wetterumschwünge muss man selbst erlebet haben und das klerikale Geplapper von Schraubenschlüssel-Genie Chumbucket sorgt regelmäßig für gute Laune. Schade nur, dass die Story einen nie so richtig vom Hocker haut und Avalanche spielerisch kaum Risiken geht. Wie schön wäre es doch, wenn ich Chumbucket eine bereite Palette an taktischen Befehlen erteilen könnte. Oder er öfter mal zu Fuß auf eine Mission mitkäme. Auch ein Koop-Modus (einer spielt Max, der andere Chumbucket) hätte das Gesamtvergnügen sicherlich nochmals aufgewertet. Doch wer weiß: Vielleicht bastelt das Team aus Stockholm ja bereits im versteckten Kämmerlein an genau solchen Download-Inhalten. Ich jedenfalls freu mich auf meine nächste Begegnung mit Max.

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