Review

A Plague Tale Innocence im Test: Und dann kamen die Ratten ...

Die perfekte Unterhaltung für das Wochenende: Das Stealth-Adventure „A Plague Tale: Innocence“ erzählt eine packende Geschichte in wunderschönen Bildern. Aber genügt das, um den verwöhnten Videospiel-Connoisseur von heute zu überzeugen? Unser Test klärt auf!

play3 Review: A Plague Tale Innocence im Test: Und dann kamen die Ratten …
8.5

Ganz egal, ob „Rage 2“, „Red Dead Redemption 2“ oder „Days Gons“ – Open-World-Spiele und Titel mit gewaltigem Umfang beherrschen den Markt. Die Zeit der geradlinigen Abenteuer scheint vorüber. Kein Wunder also, dass das vom französischen Asobo Studio entwickelte „A Plague Tale: Innocence“ plötzlich neu und unverbraucht wirkt. Auf den ersten Blick erinnert es an Titel wie „Heavy Rain“, „Beyond: Two Souls“ oder auch die Adventures aus dem Hause Telltale. Die Frage ist aber: Funktioniert eine solch geradlinige Spielerfahrung noch oder ist „A Plague Tale: Innocence“ nur ein Relikt vergangener Adventure-Tage?

Was wir gut finden

Die Geschichte macht das Spiel

„A Plague Tale: Innocence“ entführt euch zurück ins Frankreich des Jahres 1348. Das finstere Mittelalter zeigt seine grausame Fratze: Der 100-jährige Krieg tobt und in den Städten wüten die Pest und eine gewaltige Rattenplage. Auch die De-Rune-Familie bleibt von diesem Chaos nicht verschont. Der kleine Hugo leidet unter einer mysteriösen Krankheit, die die Aufmerksamkeit der Inquisition auf sich lenkt. Das Ergebnis: Die fiesen Häscher zerstören das Anwesen. Hugo und seine ältere Schwester Amicia fliehen.

Schön, emotional, richtig gut!

Ihr übernehmt Amicia und kämpft euch mit Hugo an der Hand durch die Wirren dieser Zeit. Asobo opfert seiner Geschichte viele der möglichen Freiheiten und erzählt einen geradlinigen Plot. Entgegen aller Befürchtungen tut die Linearität dem Spiel gut: Die Figuren und die Ereignisse stehen im Fokus. Gerade das gestörte Verhältnis zwischen Bruder und Schwester bildet ein zentrale Element der Geschichte. Aufgrund der gut geschriebenen Dialoge und der stimmigen Vertonung wachsen einem beide schnell ans Herz.

Hugo ist manchmal geradezu herzerweichend naiv in seiner Kindlichkeit. Amicia auf der anderen Seite muss sich erst in ihre Position als Schwester hineinfinden. Die Story selbst wechselt geschickt schnell und dramatische Elemente mit ruhigen Passagen ab. Nebencharaktere fügen sich nahtlos ein. Die vorhandene Bedrohung ist – trotz kleinerer Klischees – immer da. Kurzum: Langweilig wird es in „A Plague Tale: Innocence“ zu keinem Zeitpunkt.

Schleichen, schleudern, sprengen

In Sachen Gameplay geht es „A Plague Tale“ daher eher langsam an. Amicia und Hugo sind meist Hand in Hand unterwegs. Als Kinder sind sie natürlich in körperlichen Auseinandersetzungen unterlegen. Entsprechend trickreich geht’s zur Sache: So vermischt das Spiel Schleich- und Rätsel-Passagen miteinander. Wachleute lenkt ihr beispielsweise mit Hilfe der Schleuder ab und lockt sie auf eine falsche Fährte. Das Gegner-Verhalten ist berechenbar, wenn auch nicht sonderlich clever. Die wenigen Kämpfe meistert ihr ebenfalls mit Hilfe von Amicias Schleuder. Kopftreffer sind tödlich. Für gepanzerte Gegner braucht ihr dagegen ein Upgrade eurer Waffe.

Viel wichtiger sind allerdings die Momente innerhalb der 17 Kapitel, in denen ihr es mit der Rattenplage zu tun bekommt. Die Biester brechen teils wie Fluten aus den Wänden und fressen alles mit Haut und Haaren auf. Allerdings haben die Nager Angst vor Licht und auch ihre Gefräßigkeit wird ihnen immer wieder zum Verhängnis.

Mal lenkt ihr sie etwa ab, indem ihr aufgehängte Schinken von der Wand schießt, mal indem ihr Fackeln entzündet. Ist keine Fackel zur Hand, greift ihr zu lodernden Ästen, die allerdings sehr schnell runter brennen. Daher müsst ihr euch schnell von einer Feuerstelle zur nächsten hangeln. Später erweitert ihr euer Arsenal und schleudert Feuerbomben, mit denen ihr etwa Windmühlenräder oder Heuhaufen entzündet und sogar die Ratten zürück treibt.

Die meisten Rätsel sind, sobald ihr das Prinzip dahinter verstanden habt, leicht zu lösen. Die Stealth-Passagen erfordern manchmal etwas mehr Fingerspitzengefühl oder sogar das Entsenden von Hugo, der dann durch Fenster klettert und Türen öffnet.

„A Plague Tale“ integriert die Aufgaben ausgezeichnet in die Levels. Dadurch stören sie nicht den Spielfluss oder wirken gar aufgesetzt. Kleine Minuspunkte gibt es lediglich für die wenigen Male, in denen die Steuerung nicht absolut präzise funktioniert – etwa beim Verschieben von Objekten.

Traumhafte Umsetzung

„A Plague Tale: Innocence“ ist – gerade gemessen an der Größe der Produktion – ein wirklich schön inszeniertes Action-Abenteuer, das eine stimmige Atmosphäre kreiert. Die bereits erwähnte Vertonung ist auch in der deutschen Synchronisation ansprechend, das englische Original aber weiterhin eine Spur besser. Trotzdem: Wer gerne auf Deutsch spielen möchte, der büßt wenig von der Qualität des Spiels ein.

Auch grafisch rangiert das Spiel auf einem sehr guten Niveau. Asobo Studio fängt die Stimmung der damaligen Zeit ausgezeichnet ein und schafft spannende, aber vor allem interessante Schauplätze wie etwa Katakomben oder einen von Ratten überlaufenen Hof. Trotz etwas steifer Gesichtsanimationen besitzen die meisten Figuren zudem einen enorm hohen Wiedererkennungswert und speziell Amicia und Hugo sind echte Sympathieträger.

Was wir schlecht finden

Crafting nur mit geringem Einfluss

Während Rätsel und Stealth-Passagen nahtlos in die Spielwelt passen, ist das Crafting eines der unauffälligeren Feature. Unterwegs sammeln wir also Zutaten wie Leder oder Öl ein und können damit dann an Werkbänken neue Items wie beispielsweise Feuerbomben basteln oder auch Objekte wie die Schleuder selbst, das Inventar oder Amicias Kleidung erweitern. Auch wenn das System nicht dramatisch stört, so bricht für uns das Absuchen der Gebiete gelegentlich leicht mit der Immersion.

Geringer Wiederspielwert

Lineare Spiele haben ein Problem: Wieso sollte man sie nochmal zocken? Im Falle von „A Plague Tale: Innocence“ gibt es ebenfalls keinen richtigen Grund dafür, es sei denn ihr wollt das Abenteuer einfach noch einmal genießen. Die Sammelobjekte wie beispielsweise Blumen jedenfalls motivieren wenig zum erneuten Ausprobieren und auch sonst gibt es keinen Anreiz für einen zweiten Durchmarsch. Schade eigentlich!

8.5

Wertung und Fazit

PRO
  • sehr gelungene Technik
  • schön erzählte Geschichte mit interessanten Figuren
  • guter Mix aus Stealth, Rätseln und Action
CONTRA
  • geringer Wiederspielwert
  • Crafting passt nicht so recht zum Spiel
  • minimale Steuerungsprobleme

A Plague Tale Innocence im Test: Und dann kamen die Ratten …

Selten erscheinen heute Spiele, die derart konsequent und durchdacht umgesetzt wurden. An „A Plague Tale: Innocence“ finden wir kaum Kritikpunkte. Wie bei vielen Spielen dieser Art, ist auch dieser Titel eher ein einmaliges Vergnügen und auch die Crafting-Optionen wirken eher wie ein netter Bonus als wie ein entscheidendes Gameplay-Feature.

Und sehen wir von kleineren Steuerungsproblemchen ab, ist „A Plague Tale: Innocence“ ein herrlich atmosphärisches Abenteuer mit einer spannenden Geschichte und einem clever ausbalancierten Spielverlauf. Asobo Studio ordnet sämtliche Funktionen der Story unter und fährt damit genau richtig. Das Mittelalter-Drama besitzt keine echten Längen und ist vor allem zu keiner Sekunde langweilig.

Wir möchten immer wissen, wie es mit Amicia und Hugo weitergeht. Dass „Innocence“ dann schon nach zehn bis fünfzehn Stunden vorüber ist, tut fast ein wenig weh. Aber in dieser Zeit haben wir uns ausgezeichnet unterhalten gefühlt. Wer also mal wieder ein echtes, lineares Story-Abenteuer sucht, der liegt bei „A Plague Tale: Innocence“ goldrichtig!

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