Xbox: Bethesda-Übernahme wird Game-Industrie verändern – Meinung

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Es war ein historischer Deal, der zu Beginn dieser Woche verkündet wurde und einer, dessen Ausmaße noch nicht abschätzbar sind. Doch der Videospielmarkt, wie wir ihn kennen, dürfte sich nachhaltig verändern.

Xbox: Bethesda-Übernahme wird Game-Industrie verändern – Meinung
Sämtliche große Bethesda-Spieleserien sind bald im Xbox Game Pass erhältlich.

Zu Beginn der Woche wurde die Videospielindustrie von nicht weniger als einem Erdbeben erschüttert, denn Microsoft verkündete die Übernahme von Zenimax Media. Damit geht ebenfalls die Tochterfirma Bethesda in den Besitz des US-Unternehmens über. Selbiges gilt selbstverständlich für sämtliche Marken des Studios, einem der zuvor größten unabhängigen Publisher. Obwohl derzeit natürlich lediglich spekuliert werden kann, welche Auswirkungen dieser gigantische Deal auf die Branche haben wird, dürfte zumindest eines bereits feststehen: Diese Übernahme wird das Antlitz der Game-Industrie verändern.

Einer der größten Deals in der Unterhaltungsindustrie-Geschichte

Doch setzen wir das Ausmaß dieses Deals zunächst einmal in Relation. Microsoft übernahm für 7,5 Milliarden US-Dollar (ca. 6,3 Milliarden Euro) Zenimax Media und Bethesda. Das ist fast so viel, wie die Walt Disney Company für ihre Akquisitionen von „Marvel“ und „Star Wars“ zusammen bezahlte. Nach der Übernahme von Supercell („Clash of Clans“) durch Tencent für 8,6 Milliarden US-Dollar im Jahre 2016 ist dies der größte Deal der Videospiel-Historie und einer der größten Deals in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie.

Mit Bethesda wurde somit einer der größten Third-Party-Publisher unserer Zeit aufgekauft und mit ihm bekannte sowie seit Jahren oder Jahrzehnten etablierte Marken wie „Dishonored“, „DOOM“, „The Elder Scrolls“ oder „Wolfenstein“. Des Weiteren akquirierte Microsoft somit acht Studios auf einen Schlag, etwa id Software sowie Tango Gameworks. Ein massiver Gewinn an Knowhow und Qualität für die Xbox-Studios und ein möglicher Fingerzeig in die Richtung, in die das Redmonder Unternehmen zukünftig gehen könnte.

Auf diese Weise könnte schließlich eines der größten Xbox-Probleme der letzten Jahre gelöst werden: der Mangel einer breiten Auswahl an großen Blockbuster-Exklusivtiteln. Während die Konkurrenten Nintendo und vor allem Sony in den vergangenen Jahren ein großes Portfolio exklusiver qualitativ hochwertiger Titel für ihre Systeme veröffentlichten, hinkte Microsoft in dieser Hinsicht hinterher. Natürlich hat das Unternehmen mit Serien wie „Forza“, „Gears of War“ oder auch „Halo“ absolute Schwergewichte in seinem Line-Up, allerdings hatten auch diese Reihen zwischenzeitlich immer wieder mit Problemen zu kämpfen.

Der Kauf von Bethesda könnte somit ein Versprechen an alle aktuellen und zukünftigen Xbox-Spieler sein, dass Microsoft sich aus dem Kräftemessen mit Sony und Nintendo noch nicht verabschiedet hat. Vielmehr scheint das Unternehmen mehr denn je darauf zu brennen, in eigene hochkarätige Titel investieren zu wollen. Dabei dürften die Bethesda-Games, die in den letzten Jahren immer wieder wegen ihrer technischen Macken kritisiert wurden, von dem nun größeren internen Netzwerk und Xbox‘ Qualitätskontrolle profitieren. Dies sind durchaus vielversprechende Aussichten, doch Millionen Spieler bekommen derzeit wegen des Deals auch Kopfschmerzen.

Ungewisse Zukunft: Nie mehr Bethesda-Spiele auf Nintendo- und Sony-Konsolen?

In den vergangenen Jahren veröffentlichte Bethesda in der Regel seine Spiele stets auf allen verfügbaren Plattformen. Ein Trend, der, wie aktuell viele Gamer befürchten, nach der Übernahme durch Microsoft bald der Vergangenheit angehören könnte. Mit „Deathloop“ und „GhostWire: Tokyo“ werden zwar noch zwei Spiele des Publishers, wie zuvor bereits angekündigt, exklusiv für die PlayStation 5 erscheinen, doch ob Sony- sowie ebenfalls Nintendo-Konsolen auch darüber hinaus mit Bethesda-Games versorgt werden, steht zur Zeit noch in den Sternen.

Xbox‘ Phil Spencer äußerte sich bereits hierzu und sagte, Bethesda werde auch zukünftig weitestgehend so agieren, wie wir es aus den letzten Jahren kennen. Das Unternehmen wird entsprechend weiterhin als Publisher seiner eigenen Titel auftreten und soll weitestgehend unabhängig operieren. Darüber hinaus solle „von Fall zu Fall“ entschieden werden, ob ein Titel ebenfalls auf anderen Systemen veröffentlicht werde. Zukünftige Ableger von „DOOM“ oder „The Elder Scrolls“ könnten dementsprechend auch weiterhin auf der PlayStation spielbar sein.

Allerdings gibt es hierfür natürlich keine Garantie, schließlich dürfte Microsoft sehr daran gelegen sein, die kommende Xbox Series X/S mit hochkarätigen Spielen seiner eigenen 23 Studios zu versorgen. Spencers Aussage ist sehr schwammig formuliert und lässt sicherlich sehr bewusst einen großen Raum für allerlei Spekulationen. Denkbar wäre ebenso eine vorübergehende Exklusivität großer Bethesda-IPs für Xbox und PC. Ähnlich wie „Deathloop“ könnte ein „The Elder Scrolls 6“ ein Jahr nur für Microsoft-Systeme erscheinen, ehe es für PlayStation 4/5 oder Switch verfügbar gemacht wird. Andererseits könnte Microsoft natürlich auch strikt sagen, alle kommenden Bethesda-Games werden ausschließlich für Xbox und PC erscheinen. Punkt.

Kurzfristig dürfte sich hingegen erstmal nichts an der aktuellen Situation ändern. Natürlich ist die Anzahl talentierter Xbox-Studios sehr beeindruckend, doch die Früchte dieser in der jüngeren Vergangenheit getätigten Investitionen wird Microsoft erst in zwei bis vier Jahren ernten können. Ob die Xbox dann mit diesen Spielen den qualitativ extrem hochwertigen Sony- und Nintendo-Exklusivtiteln der letzten Jahre wird Konkurrenz machen können, bleibt allerdings abzuwarten. Vorerst dürfte sich somit weder an der aktuellen Situation mit Sony als Marktführer im Konsolensektor noch an dessen Strategie, die Kunden mit Exklusivinhalten in Form hochklassiger Games überzeugen zu wollen, etwas ändern. Entscheidender wird vielmehr sein, wie Sony sich mittelfristig verhält.

Übernahmestreit erscheint unwahrscheinlich

Viele Fans fordern gegenwärtig eine Reaktion des japanischen Unternehmens, die Microsoft durch die Bethesda-Übernahme beinahe schon zu erzwingen scheint. Mögliche Kandidaten für einen Kauf durch Sony wären beispielsweise Square Enix oder auch Konami. Gerade letzteres würden vermutlich viele Spieler herbeisehnen, um so neue Ableger von „Castlevania“, „Metal Gear Solid“ oder auch „Silent Hill“ zu erhalten. Dafür spricht natürlich die alte Darwin’sche Regel „Survival of the Fittest“, das Überleben des Stärksten. Übertragen auf die Wirtschaft heißt das, ein Unternehmen muss unbedingt solange übernehmen, bis es selbst nicht mehr übernommen werden kann.

Ein solches Szenario ist dennoch äußerst unwahrscheinlich, schließlich investierte Sony in der Vergangenheit stets recht bedacht in neue Studios. Darüber hinaus ist das Unternehmen durchaus imstande, namhafte Projekte wie jüngst „Final Fantasy XVI“ exklusiv auf die eigene Konsole holen, ohne dafür gleich einen Publisher aufkaufen zu müssen. Ein „Wettrüsten“ würde der PlayStation-Herstellers (ca. 80 Mrd US-Dollar Marktwert) davon abgesehen ohnehin definitiv gegen Microsoft (ca. 1,2 Billionen US-Dollar Marktwert) verlieren.

Ein solches „Wettrüsten“ erscheint jedoch auch deshalb eher unwahrscheinlich, weil Microsoft mittlerweile ein gänzlich anderes Spiel als Sony oder auch Nintendo zu spielen scheint. Auf lange Sicht könnten dementsprechend die Verkäufe der eigenen Konsole aus ökonomischer Sicht nur noch eine sekundäre Rolle für das US-Unternehmen spielen. Bedeutend wichtiger dürfte hingegen der Wert der Zenimax Media-Übernahme für den hauseigenen Game Pass sein, der über kurz oder lang unweigerlich in den Fokus der Xbox-Sparte rücken dürfte.

Es ist egal, wo du spielst – Hauptsache, du hast einen Game Pass

Angesichts des immer größeren Fokus auf den Xbox Game Pass, der zukünftig direkt zum Launch hochkarätige Blockbuster-Titel wie „Halo Infinite“ oder „Starfield“ beinhalten wird, dürfte genau in diesem Geschäftsmodell die Zukunft von Microsofts Gaming-Sparte liegen. Entsprechend dürfte es dem Unternehmen mittel- bis langfristig womöglich relativ egal sein, wie gut sich ein Xbox-Modell auf dem Markt verkauft – bedeutend wichtiger wird sein, den hauseigenen Game Pass möglichst vielen Spielern schmackhaft zu machen.

Derzeit nutzen bereits 15 Millionen Menschen Microsofts Abo-Service, woraus sich für die US-Firma jährliche Einnahmen in Höhe von mehr als 1 Milliarde US-Dollar ergeben. Mit den durch die Bethesda-Übernahme hinzugewonnenen hochkarätigen wie prestigeträchtigen IPs in Form von „DOOM“ oder „The Elder Scrolls“ ist natürlich die Attraktivität der kommenden Xbox-Generation gestiegen, doch darüber hinaus steigert dieser Schachzug ebenfalls schlagartig die Anziehungskraft des Game Pass. Der Kauf von Zenimax Media wurde sicherlich nicht ganz zufällig vor dem Start des Vorverkaufs der Xbox Series X verkündet.

Über kurz oder lang dürfte es Microsoft deshalb vermutlich beinahe schon egal sein, auf welcher Plattform die Gamer ihre Spiele erleben werden – zumindest, wenn sie dabei den Game Pass nutzen. Speziell die Kombination von Game Pass und der Xbox Series S dürfte hierbei zunächst von besonderer Bedeutung sein, schließlich spricht Xbox damit gezielt Gamer an, die über kein allzu hohes Einkommen verfügen und sich im Zweifelsfall keine PS5 für 500 Euro leisten können. Eine „kleine“ Next-Gen-Konsole mit einem Abo-Service, der nur etwas über 150 Euro im Jahr kostet, dafür jedoch etliche Spiele beinhaltet, ist da aus dieser Perspektive eine durchaus lohnenswerte Alternative.

Ob PlayStation-Spieler dann noch ein Stück vom Bethesda-Kuchen abbekommen werden, ist somit mehr als fraglich. Gänzlich auszuschließen ist es selbstverständlich nicht, dass Microsoft einige bekannte Marken weiterhin auch für Sony- und Nintendo-Konsolen veröffentlicht. Während Game Pass-Kunden die Titel kostenlos zum Release erhalten, könnte das US-Unternehmen so etwa in Form von Lizenzgebühren an verkauften Einheiten auf Konkurrenzplattformen mitverdienen. All dies ist selbstverständlich ein Stück weit Spekulation, doch so oder so steht bereits fest, dass die Gaming-Industrie nach der Bethesda-Übernahme nie wieder dieselbe sein wird.

Jetzt seid ihr dran: Was ist eure Meinung zur Bethesda-Übernahme durch Microsoft?

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Kommentare

  1. Ren_55 sagt:

    Ich liebe viele Game-reihen von Bethesda, ABER eine hässliche "Box" mit diesem klobigen Controller wird mir NIE ins Haus kommen !
    Dafür bin ich ein zu stolzer und überzeugter Sony Boy

    Sony ist kreativ, innovativ und in den Games steckt viel Liebe drin........und Microsoft kauft einfach das Know-how auf !!!

    Ich bin auf jeden Fall loyal und bleibe den kleinen Japanern treu

  2. keepitcool sagt:

    @consoleplayer
    Resi 2 habe ich auch erst mit dem Remake nachgeholt nachdem ichs damals nie gezockt habe. An sich ganz ok, aber vom Gameplay schon sehr oldschool, da bin ich heute einfach was anderes gewohnt, Stichwort Zugänglichkeit;-)...Mr. X nervte, ich wusste oftmals nicht was zu tun ist und habe hier und da mal die komplettlösung bemüht. Sind einfach nicht meine Spiele, da bleibe ich bei meinen (storybasierten ) SP games von Sony:-)...The evil within 1+2 fand ich aber echt top...

  3. consoleplayer sagt:

    Evil Within finde ich so richtig stark. Sehr atmosphärisch und betreffend Waffenupgrades etc. umfangreich aber nicht übertrieben. Die Handlung ist komplex und interessant. Für mich sind es sehr unterschätzte Spiele.

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