Meinung: Deshalb sind kurze Spiele oft besser

Schluss mit XXL-Games und Service-Spielen. Kurze Spiele sind besser, emotionaler und befriedigender als die meisten Open-World-Brocken. Wieso? Das erfahrt ihr in unserer Kolumne!

Meinung: Deshalb sind kurze Spiele oft besser

"The Witcher 3" erfordert mehr Zeit als viele andere Spiele.

Schaut mal auf euren Pile of Shame – wie viele dieser Spiele habt ihr angefangen und nie zu Ende gebracht? Und jetzt fragt euch, ob dafür die Qualität der Titel oder vielleicht doch einfach nur deren Länge verantwortlich war.

Der oft zitierte „Spielumfang“ gilt auch im Jahr 2020 noch als Urteilskriterium. „Das Spiel hat weniger als 15 Stunden. Das hole ich mir im Sale“, liest man immer wieder gerne bei Neuankündigungen. Das Ergebnis: Das klassische Singleplayer-Abenteuer wird zu einer bedrohten Videospiel-Spezies.

Größer ist besser. Ein absoluter Trugschluss. In der Kürze liegt nämlich die Würze. Gut erzählte, intensive und knackige Spielerfahrungen sind das, was ich mir für die Gaming-Zukunft wünsche!

Emotionale Reisen – mit Anfang und Ende

Videospiele erzählen ihre eigenen Geschichten und erzeugen dank der Interaktivität mit dem Konsumenten – also uns – ganz besondere Augenblick. Doch gerade story-basierte Abenteuer hatten es in den vergangenen Jahren schwer. Der Trend ging weg von Spielumfängen zwischen zehn und fünfzehn Stunden hin zu Mammut-Projekten mit einer Spielzeit von vierzig und mehr Stunden – oftmals verbunden mit einer offenen Spielwelt.

„The Elder Scrolls: Skyrim“, „Grand Theft Auto“, „Assassin’s Creed“ und wie die ganzen Blockbuster alle heißen. So qualitativ hochwertig die genannten Titel alle waren, das Open-World-Design erschwerte oftmals das Storytelling. Kein Wunder, kann ich doch meine Reise zwischendurch wie etwa in „The Witcher 3“ für stundenlanges Kartenspielen oder in „Assassin’s Creed“ mit der Suche nach der tausendsten Kiste unterbrechen.

So gut die Geschichten selbst auch sein mögen, die Masse an Optionen bilden Störfaktoren. Bei kurzen Spielen dagegen, in denen Nebenmissionen nur als Ergänzung dienen, stehen oftmals die Erlebnisse und der rote Faden selbst im Mittelpunkt. Als Spieler kann ich mich in eine fremde Welt hinein fallen lassen und diese an einem (verlängerten) Wochenende erleben und lieben lernen.

Ob „Journey“, „Her Story“ und die meisten Telltale-Abenteuer oder eben auch auf interaktives Storytelling ausgelegte Abenteuer wie „Uncharted“, „The Last of Us“ oder „Heavy Rain“ – Kurze und mittellange Spiele erzeugen eine emotionale Verbindung und die sorgen dafür, dass wir diese Titel von Anfang bis Ende erleben wollen … und dies auch zeitlich schaffen!

Wir werden alle nicht jünger

Machen wir uns nichts vor, auch unsere persönliche Entwicklung hat Einfluss auf unsere Gaming-Gewohnheiten. Was habe ich zu Schul- oder Studienzeiten gezockt. Doch kaum ist der erste feste Job da, wird es schwierig. Gut, bei meinem Beruf gehört das Spielen praktischerweise zum Handwerk. Aber spätestens wenn dann noch Familie und Kinder mit dazu kommen, wird es schwierig sich in ein „Red Dead Redemption 2“ oder ein „Assassin’s Creed: Odyssey“ hineinzuarbeiten.

Laut Statista gibt es im Jahr 2020 rund 34 Millionen Gamer in Deutschland. Im Schnitt sind diese 31 Jahre alt. 52 Prozent davon sind männlich, 48 Prozent weiblich. Wirklich spannend ist hier aber ein genauerer Blick auf die Alterstabelle: 62 Prozent der Spielerschaft ist jenseits der 30 und damit in einem Alter, in dem vermehrt andere Pflichten dem gemütlichen Zockerabend in die Quere kommen können.

Einen 50-Stunden-Brocken anzufangen, stellt daher oftmals eine Hürde da. Schließlich stehen die Chance denkbar schlecht, jemals den Abspann zu sehen. Kürzere Titel – also mit einer Story-Länge von fünf bis zwölf Stunden – sind da attraktiver.

Problem Service-Games

Heutzutage sind viele Spiele keine abgeschlossenen Erfahrungen. So genannte Service-Games bieten zwar wie etwa im Falle von „Marvel’s Avengers“ eine Kampagne, setzen aber mit Multiplayer-Inhalten und ständig aktualisiertem Content auf Langlebigkeit und eine erhöhte Kundenbindung.

Dies bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Auf der einen Seite erlauben diese Titel oft kurze Partien. Wir zocken schnell zwei oder drei Matches bzw. Missionen, erhalten unsere Belohnung und quatschen nebenbei noch mit unseren Online-Freunden.

Zum Thema

Im besten Fall, gerade in Zeiten der Corona-Krise, dienen diese Spiele also als Treffpunkt, in denen Menschen ein gemeinsames Interesse miteinander teilen und dabei auch noch interagieren. Im schlimmsten Fall aber werden diese Titel auch schnell zu puren „Time-Wastern“. Der Spaß weicht und die Gewohnheit nimmt Einzug. Der emotionale Bezug zerfällt mit der Zeit.

Ich will mehr kurze Spiele!

Ja, ich mag kurze Spiele. Nicht immer, aber immer wieder. Eine kompakte, gut inszenierte und treffend erzählte Geschichte darf kein Wagnis sein. Entwickler dürfen keine Angst vor der Umsetzung kurzer, kreativer Visionen haben.

Nicht jedes Spiel muss ein „Death Stranding“ oder ein „Grand Theft Auto“ sein – manchmal ist liegt in der Kürze die Würze. Und genau das ist mein Wunsch für die kommende Konsolengeneration.

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CaptainObvious

CaptainObvious

12. Oktober 2020 um 15:43 Uhr