Review

Diablo 2 Resurrected im Test: Die Rückkehr des Rollenspiel-Teufels

von Olaf Bleich | 24.09.2021 - 12:24 Uhr
Platform
PlayStation 4, PlayStation 5
Developer
Blizzard North, Blizzard, Vicarious Visios
Publisher
Activision-Blizzard
Release
23. September 2021
8.0

„Diablo“ gehört – ebenso wie „World of Warcraft“, „Starcraft“ und „Overwatch“ – zu den großen Blizzard-Marken. Wieso? Weil „Diablo“ mit dafür verantwortlich ist, dass das Unternehmen über lange Zeit so gut dasteht und vor allem, dass man sich so stark im Online-Gameplay involvierte.

Und weil die Verbindung zwischen Blizzard, „Diablo“ und der Community derart eng ist, setzten die „WoW“-Macher auch in den vergangenen Jahren vermehrt auf Fanservice und Nostalgie. Und auch wenn „Warcraft 3 Reforged“ scheiterte, so zeigte man spätestens mit „World of Warcraft Classic“, dass man weiß, was die Fangemeinde möchte.

„Diablo 2: Resurrected“ ist deshalb kein Remake, bei dem Blizzard keinen Stein auf dem anderen lässt. Vielmehr handelt es sich um einen Remaster, der so nah wie möglich beim Original bleiben und dennoch ein über 20 Jahre altes Action-Rollenspiel ins Jahr 2021 holen möchte. Im Test zeigt sich, dass dieser Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart über weite Strecken ausgezeichnet gelingt.

Der Teufel spielt online

„Diablo 2: Resurrected“ beinhaltet das Original „Diablo 2“ sowie die Inhalte aus der Erweiterung „Lord of Destruction“. Das bedeutet: Ihr kommt auf insgesamt fünf Akte und sieben Helden mit wechselnden Eigenschaften und Fähigkeiten: Amazone, Assassine, Barbar, Druide, Paladin, Totenbeschwörer und Zauberin. Die Geschichte schließt an den ersten Teil an und sieht nicht nur die Rückkehr von „Diablo“ sondern auch seiner Brüder Bhaal und Mephisto. Blizzard würzt die solide Story mit hübschen Zwischensequenzen.

Das Spiel trennt strikt zwischen Online- und Offline-Betrieb. Erstellt ihr einen Offline-Charakter, könnt ihr diesen ausschließlich für eure Kampagne verwenden. Im Gegenzug bleiben euch alle Fortschritte erhalten und ihr könnt jederzeit ins Spiel zurückkehren. Im Gegensatz zum Online-Charakter: Ihn levelt ihr zwar solo im „Privaten Spiel“ auf, allerdings gehen bei einem Neustart Fortschritte wie die aufgedeckte Karte und besiegte Gegner verloren. Andere Elemente wie gefundene Gegenstände oder Charakterprogression bleiben erhalten.

Sehr schade: Im Gegensatz zu „Diablo 3“ bietet „Diablo 2: Resurrected“ keinen lokalen Multiplayer via Splitscreen. Und im Online-Betrieb gibt es auch kein personalisiertes Loot. Die Beute gehört dem, der sie sich als erstes schnappt.

“Diablo 2“ sah noch nie so gut aus!

Blizzard hält sich massiv an die 21 Jahre alte Vorlage und baut selbst die überarbeitete Technik auf Basis des klassischen Leveldesigns. Deshalb könnt ihr auch per Tastendruck zurück ins pixelige „Diablo 2“ des Jahres 2000 springen und so das Original nochmal erleben. Ansonsten aber ist die Wiederbelebung gelungen: „Diablo 2: Resurrected“ erstrahlt im neuen Glanz – komplett mit 3D-Charaktermodellen, modernen Licht- und Schatten-Effekten und stimmungsvoller Umgebungsgrafik.

Kurzum: „Diablo 2: Resurrected“ sieht genau so aus, wie es sich für ein Action-Rollenspiel des Jahres 2021 gehört und bleibt der Linie des Originals dennoch treu. Kämpfe mit Gegnerhorden sind dank des wuchtigen Feedbacks und vieler Grafikspielereien extrem befriedigend. Da zerfallen etwa Skelettkrieger effektvoll in einen kleinen Haufen Knochen. Speziell im Mehrspielermodus für bis zu acht Teilnehmer artet „Diablo 2: Resurrected“ in ein launiges Spektakel aus, bei dem zwar die Übersicht gelegentlich verloren geht, aber die gute Laune im Vordergrund steht.

Den Bildschirmtod bestraft „Diablo 2: Resurrected“ übrigens weiterhin. Geht ihr drauf, landet ihr „nackt“ in eurem Lager und müsst im Anschluss euren Leichnam wiederfinden, um euer Inventar zurück zu erobern.

In Ehren ergraut!

In Puncto Gameplay bleibt die Neuauflage dem Original ebenfalls treu und das sorgt für so manchen Kulturschock. Gerade in Sachen Inventarmanagement müssen sich Freunde moderner Action-Rollenspiele umgewöhnen. „Diablo 2“ basiert zwar auf „Looten & Leveln“, allerdings setzt es auch auf Inventarknappheit. Entsprechend viel Zeit bringt ihr beim Aussortieren auf und könnt auch längst nicht jeden Gegenstand mitnehmen.

Stattdessen springt ihr immer wieder zwischen Spielwelt und Lager hin und her. Das Inventar erweist trotz der insgesamt gut umgesetzten Gamepad-Steuerung als fummelige Angelegenheit. Beispielsweise gibt es – wie im Original auch – keine Optionen zum Vergleichen von Gegenständen oder zum Markieren mehrerer Objekte. Ihr werdet also viel Klickarbeit während eurer Reise leisten müssen.

Im Gegenzug überzeugen das Action-Gameplay und die Kämpfe gleichermaßen. Die Spezialfähigkeiten eurer Helden legt ihr frei auf die Tasten eures Controllers und könnt so immer wieder Veränderungen vornehmen. Bis auf das etwas unpräzise Auto-Aim gehen die Gefechte aber flott von den Fingern. Gerade die Vielzahl an Spezialfertigkeiten und Zaubern machen hier den Reiz aus.

Allerdings ist das grundsätzliche „Diablo 2“-Gameplay auch in die Jahre gekommen. Seid ihr moderne Action-Rollenspiele gewohnt, vermisst ihr vielleicht erweiterte Charakteroptionen oder auch die Abwechslung im Leveldesign. Im Endeffekt kloppt ihr euch in „Diablo 2: Resurrected“ von einer Gegnerhorde zur nächsten. Sonderlich variantenreich war „Diablo“ also nie.

8.0
Pro
  • technisch gelungene Neuauflage des 21 Jahre alten Klassikers
  • stark umgesetzte Gamepad-Steuerung inklusive freie Button-Belegung für Specials
  • launige Kämpfe und motivierende Story
Contra
  • Inventar-Management hapert es an Komfortfunktionen
  • unpraktische Kartenfunktion
  • Gameplay auf Dauer arg monoton

Wertung und Fazit

Diablo 2 Resurrected im Test: Die Rückkehr des Rollenspiel-Teufels

Bei „Diablo 2: Resurrected“ pochen zwei Herzen lautstark in unserer Brust. Auf der einen Seite springt der Nostalgiker im Dreieck und freut sich über eine Rückkehr nach Sanktuario. Blizzard bleibt der Vorlage in vielen Belangen extrem treu, überarbeitet die Technik und ergänzt kleinere Komfortfunktionen.

Von dieser Warte aus ist „Diablo 2: Resurrected“ ein voller Erfolg und entfaltet gerade im Multiplayer den Charme des Originals. Andererseits aber schreit auch der moderne Action-Rollenspieler in uns auf und hätte sich noch mehr Verbesserungen gewünscht. Denn viele Gameplay-Aspekte von „Diablo 2: Resurrected“ fühlen sich einfach alt an.

Das beginnt beim fehlenden Tutorial und endet schließlich bei dem extrem fummeligen Inventar-Management und dem auf Dauer zu eindimensionalen Spielablauf. „Diablo 2: Resurrected“ ist ein toller Nostalgietrip, bei dem es jüngere Spieler trotz Hochglanzpolitur schwer haben könnten hinein zu finden.

Kommentare

  1. BoC-Dread-King sagt:

    keine Optionen zum Vergleichen von Gegenständen? Das geht doch mit Dreieck und in der PS5 Version kann man bitte mit welche einem Knopf auf die grafische Ur Version springen? Welche Version wurde hier getestet?

  2. dukatan sagt:

    L2 und Pad in der Mitte . Einfach Mal unter Hilfe im d2 Menü schauen

  3. jorgus666 sagt:

    Gegenstände vergleichen funktioniert .. aber ich hoffe da kommen noch QoL Features, das Inventar und das Trankmanagement sowie die Charms sind einfach nicht mehr zeitgemäß, da mir jeder D2 Veteran erzählen was er will von Nostalgie und sonstigem, KEINER denkt an D2 zurück und schwelgt in Erinnerungen wie geil es doch war den Gürtel fummelig mit tränken aufzufüllen...

  4. BoC-Dread-King sagt:

    Nee also an den Inventar-Optionen muss halt dringend noch gearbeitet werde, auch wenn ich das Ur-Diablo gezockt habe, das ist einfach nicht mehr Zeitgemäß, hoffe da entsprechend noch auf Besserung in zukünftigen Patches.

  5. BoC-Dread-King sagt:

    Danke *duk.

  6. tonyvercetty sagt:

    Was für Ewiggestrige 😀

  7. Waltero_PES sagt:

    Für mich genau richtig 🙂

  8. tonyvercetty sagt:

    Habe gehofft auf ein Diablo 2, das wie Diablo 3 ist nur besser / moderner.. aber das da ist nur ein Indie :/

  9. big ed@w sagt:

    moderner?
    das von jemandem der immer noch einem 20 Jahre alten Spiel hinterläuft?

  10. FakeAccount sagt:

    Sorry, aber dieser Test ist einfach ein Witz. Fängt schon damit an, dass der Tester sich scheinbar nicht mal mit der Steuerung befasst hat. Zur Performance auf den jeweiligen Versionen liest man auch nichts. Was ist z. B. mit den massiven lags/Rucklern der PS4 Version aus der Beta? Wie unterscheiden sich die 3 PS Versionen bei Auflösung, Detail Controller Feedback etc? Lieblos und einfach nur schnell ne Wertung raus gekloppt um Klicks zu bekommen... Setzen sechs!

  11. Lichkoenig sagt:

    @tonyvercetty
    Also je nachdem wen du fragst ist diablo 2, diablo 3 nur besser. Für mich war und ist das jedenfalls so.

  12. Spielstationfünf sagt:

    @Waltero Darauf kann man anstoßen! Finde es (trotz der mittlerweile vielen Nervigkeiten) immer noch (oder gerade wieder) hervorragend. Liegt vielleicht auch am Alter des Spielers.

  13. southpark1993 sagt:

    Mir sind immer noch zu viele sachen altbackend und nicht zeitgemäß, ja es soll schon an das alte spiel halter aber z.b die Steuerung mit dem controller ist solala.

  14. GeaR sagt:

    "Das Spiel trennt strikt zwischen Online- und Offline-Betrieb"

    Endlich. Zum Glück wird dieses Spiel von Savegame editor Usern nicht komplett zerstört.

  15. svenny81 sagt:

    Mal eine Frage, vielleicht kann jemand mir hier helfen,
    Gibt es eigentlich eine eigenständige ps5 Version oder ist das nur eine ps4 Version die halt durch die abwärts kompatibeletät, läuft und aufgehübscht ist?
    Im Store werde ich nicht schlau daraus, weil im Infotext steht, das einige Funktionen möglicherweise nicht vorhanden sind. Und das Game nur auf aktueller Firmware auf der Post läuft.

  16. svenny81 sagt:

    "auf der PS5" läuft meinte ich:)
    Danke für mögliche antworten

  17. FakeAccount sagt:

    @svenny
    Nein, es ist im Endeffekt das gleiche Spiel, läuft halt mit besseren Effekten und höherer Auflösung. Wenn du die PS4 Version hast, kannst du es auch auf der 5er spielen und anders herum auch.
    Habe es mir auch quasi für meine 2t Konsole (4Pro) geholt, aber bisher nur auf der 5er ausprobiert

  18. svenny81 sagt:

    Alles klar danke sehr

  19. TheEagle sagt:

    Bekomme nächsten Monat meinen neuen Iphone und darauf werde ich wenn es erscheint Diablo Immortal zocken, ein paar Runden zwischendurch ist es perfekt und ich denke, das Immortal alle Dia Teile in Spielerzahlen und Einnahmen in den Schatten stellen wird. Auf dem PC hatte ich noch nie Lust auf Diablo, ab Diablo 1 was geil war, haben mich 2 und 3er nie interessiert, selbst der noch kommende 4er erweckt kein interesse, da freue ich mich viel mehr auf Immortal eben weil es für unterwegs ist, hoffe Blizz vermasselt es nicht

  20. GeaR sagt:

    @TheEagle

    Diablo Immortal soll auch die Smartphone casuals melken und nicht die Spieler, die gute Spiele wollen. Das die Zahlen dann theoretisch besser sein werden ist rein von der großen Masse an Smartphonebesitzern auch klar. Das es besser wird bezweifle ich aber total. Entweder wird es ein vollgepumptes microtransaktionen Smartphone Game mit Autoplay sein oder es wird einfach total scheiße spielbar sein auf dem Touchscreen und dann ist das Bild viel zu klein für so ein Spiel.

    Da Blizzard aber schon lange nicht mehr das Blizzard ist und viel Mist produziert haben, wird es mit Immortal sicherlich nicht besser.

  21. triererassi sagt:

    Hab's damals nicht gezockt und Spiel es jetzt mit nem guten Kumpel.
    Mir bockt das Game defenitiv mehr als Diablo 3.
    Man merkt das früher die Games nicht für nicht gamer waren 🙂