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TEST: Max Payne 3

von OB | 17.05.2012 - 16:26 Uhr
8.5

Remedy erschuf 2001 und 2003 mit den beiden „Max Payne“-Teilen für das Genre prägende Actionspiele. Der Ruf nach einem würdigen Nachfolger geisterte über Jahre durch die Branche. Rockstar wagt sich mit neuer Crew an die schwere Aufgabe, zwei spielerisch wie stilistisch einzigartigen Titeln nachzueifern. Können die Schöpfer von „Red Dead Redemption“ Max Payne wieder ins Leben zurückholen?

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Was wir gut finden

Der alte Max
„Max Payne 3“ ist wie seine Vorgänger ein geradliniger Shooter, getrieben von einer dichten Story und der puren Bildgewalt. Beidhändiges Feuern, Hechtsprünge in Zeitlupe – Das alles funktioniert auch im neuen „Max Payne“. Das Handling ist dabei ausgesprochen flott und auf schnelle Action ausgelegt.

Der Third-Person-Shooter spielt sich richtig gut, extrem flüssig. Die Schusswechsel sind schnell, mit der R3-Taste versetzt ihr das Spiel aber in Zeitlupe und könnt so in aller Ruhe zielen. Die charakteristischen Dodges erzeugen immer wieder eine tolle Dynamik und sind ein probates Mittel, um einzelne Gegner stilvoll abzufertigen.

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Kopf runter
Ergänzt wird die Action durch das inzwischen übliche Deckungssystem. Auf Knopfdruck bezieht Max hinter Tischen, Mauern und anderen Objekten Stellung, kann auch über sie drüber springen. Anfangs fühlt sich das Cover-System für ein „Max Payne“ ungewohnt an. Doch die Steuerung funktioniert ordentlich und die Deckungsarbeit ist in Kombination mit den Zeitlupen-Sprüngen eine wirklich starke Mischung.

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Langer, harter Trip
Der gute Max muss weiterhin viel einstecken: Die Gegner-KI der Singleplayer-Kampagne ist fordernd. Die Burschen – von Paramilitärs über korrupte Cops – tauchen gerne in Heerscharen auf, sind teilweise gepanzert. Kein Wunder, dass man hier häufiger mal den Neustart-Button drückt. Insgesamt werdet ihr mit dem Story-Modus trotz geradlinigem Level-Aufbau zwischen zehn und zwölf Stunden verbringen.

Danach lockt die Suche nach goldenen Waffenteilen innerhalb der Levels und der unterhaltsame „New York Minute“-Modus. In bester Arcade-Manier müsst ihr möglichst schnell viele Schurken abballern, um Zeit für den ablaufenden Countdown dazu zu gewinnen.

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Angepasst
Wirklich gut gefiel uns auch der anpassbare Schwierigkeitsgrad: Bevor es losgeht, wählt ihr aus fünf Stufen und könnt obendrein das Maß des Auto-Aims festlegen. Sterbt ihr an einer Stelle allzu häufig, spendiert euch das Spiel kurzerhand beim nächsten Neustart eine zusätzliche Ladung Health in Form von Schmerztabletten.

Auch cool: Werdet ihr in der Hitze des Gefechts getötet, habt aber noch ein Döschen Pillen übrig, könnt ihr noch einen Nahtod-Abschuss landen. Erwischt ihr mit letzter Kraft euren Mörder, schmeißt sich Payne Tabletten ein und ihr könnt ohne Neustart weiterspielen. All diese Elemente fördern den Spielfluss massivst!

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Alkohol, Drogen, Blut
„Max Payne 3“ ist ein Spiel für Erwachsene. Kein weich gespülter Möchtegern-Nachfolger. Da sehen wir Max nach exzessivem Saufen kotzend in seinem eigenen Selbstmitleid baden. Oder amüsieren uns über wahre Schimpfworttiraden in den genialen Zwischensequenzen. Zu diesem Ü18-Anspruch passt auch die Gewaltdarstellung: Die neue Bullet-Cam präsentiert uns Abschüsse hautnah … mit allen Konsequenzen. Gesichter verbeulen blutig, Körper werden durchsiebt. Knallhart! Die deutsche Version ist nur marginal geschnitten. Lediglich das Abschießen Unschuldiger ist hier verboten.

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Reif für Hollywood
Die Geschichte hinter „Max Payne 3“ wird in einer gewaltigen Rückblende erzählt. Dabei übernimmt Max alias James McCaffrey persönlich die Rolle des Sprechers und unterstreicht die Spielwelt immer wieder mit bitterbösen, teils melancholischen Kommentaren. Die Sprachausgabe ist ausschließlich auf Englisch mit deutschen Untertiteln verfügbar.

Die Story fällt recht solide aus, bietet aber nur wenige echte Überraschungen. Trotzdem begeistert das finstere Weltbild, welches hier gezeichnet wird, und die Art der Inszenierung. Rockstar versucht etwa durch Bildeffekte Max‘ Gemütszustand darzustellen. Eine coole Idee!

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Max kann’s auch online
Damit hätten wir nicht gerechnet: Der Online-Multiplayer von „Max Payne 3“ ist richtig gut gelungen! Hier gibt’s deutlich mehr als nur Standardkost. In Gang Wars werden Team-Schlachten mit kleinen Story-Einspielern ergänzt. Bei Painkiller übernehmt ihr Max Payne und seinen Kumpel Passos und seid plötzlich Jäger und Gejagter in einer Person. Ein starkes Erfahrungssystem und Bursts – also Perks für Eigenschaften – runden das Sortiment ab. Die Customization-Möglichkeiten sind mit Waffen-Sets und Outfits ebenso umfangreich. Selbst das Bullet-Time-Feature funktioniert online ganz hervorragend.

Was wir schlecht finden

Kleine Performance-Probleme
Nicht so tragisch: Gelegentlich gerät „Max Payne 3“ merklich ins Stocken. Gerade nach Auto-Saves oder beim Wechsel von Zwischensequenzen zu Spielgrafik gibt es kleinere Ruckler. Diese stören nur selten wirklich. Gleiches gilt für die teils etwas matschigen Texturen.

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Zu geradlinig?
„Max Payne 3“ bietet Action und eine spannende Geschichte. Ohne wenn und aber. Allerdings stören sich Freunde der etwas komplexeren Spielarten sicherlich an der insgesamt überschaubaren Spieldesign. Im Prinzip ballert ihr euch lediglich von einem Raum in den nächsten. Die Level sind sehr linear, die Gefechte werden nur durch gelegentliche Rail-Sequenzen aufgelockert. Das ist leider nicht sonderlich innovativ.

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Nerviger Nahkampf
Als Ex-Cop sollte Max Payne doch eigentlich in der Lage sein, seinen Widersachern saftig eins aufs Maul zu geben. Das sollte man meinen! Doch im Singleplayer funktioniert der Nahkampf nur kontextsensitiv und ist alles andere als zuverlässig. Gerade in verwinkelten Levels wie den Büros der Brancos oder dem Fußballstadion wären anständige Prügeleinlagen gut gewesen. Im Online-Modus funktioniert der Melee-Combat überraschenderweise besser.

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Ungewollte Waffenwechsel
Oh, was trieben uns die Waffenwechsel nach Zwischensequenzen auf die Palme! Nach den hübschen Filmchen hat Max immer wieder seine Standard-Desert-Eagle in der Hand. Selbst wenn ihr zuvor absichtlich etwa eine AK47 oder eine Schrotflinte ausgewählt habt. Gerade bei plötzlich angreifenden stärkeren Gegnergruppen nervt das Zurückwechseln immer wieder.

System: Playstation 3
Vertrieb: Rockstar Games
Entwickler: Rockstar Studios
Releasedatum: 18. Mai 2012
USK: ab 18
Offizielle Homepage: http://www.rockstargames.com/maxpayne3/

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