Review

Prey im Test: Ungewöhnlich, unkonventionell und genial

Science-Fiction-Kunst oder Möchtegern-„Bioshock“? Die „Dishonored“-Macher der Arkane Studios wandeln mit „Prey“ auf den Spuren großer Klassiker und scheren sich nicht um den Mainstream.

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8.5

Eine Geschichte inmitten von Action zu erzählen, das gehört zu den Königsdisziplinen der Spieleentwicklung. Dieses Kunststück gelingt nur in den seltensten Fällen. „Battlefield 1“ versuchte sich in seinem Episodenformat beispielsweise an der anspruchsvollen Aufbereitung des Ersten Weltkriegs doch verfiel irgendwann wieder in alte Muster.

Die Arkane Studios aber besitzen scheinbar ein Händchen dafür. Denn bereits „Dishonored 2: Das Vermächtnis der Maske“ überzeugte im vergangenen Jahr mit einer gleichermaßen ausgefuchsten wie anspruchsvollen Mischung aus Action und Storytelling. Mit „Prey“ hat das Team nun gleich noch ein heißes Eisen im Feuer und rangiert mit seinem Science-Fiction-Abenteuer irgendwo zwischen „Bioshock“ und dem Klassiker „System Shock“.

Was wir gut finden

Pure Spannung!

„Prey“ spielt in einer alternativen Zukunft, in der John F. Kennedy nicht ermordet wurde und sich stattdessen für ein fortschrittliches Weltraumprogramm einsetzte. Ihr übernimmt Wissenschaftler(in) Morgan Yu und stellt sehr schnell fest, dass die Hightech-Fassade einige dicke Risse hat. Die in den Laboren zu Versuchszwecken gehaltenen Typhon-Aliens entkommen nämlich aus ihrem Gefängnis und verwandeln die Raumstation Talos I von einer Forschungsanlage in ein einziges Trümmerfeld.

Eine Prise „Alien“ und ganz viel „Bioshock“

Durch den plötzlichen Twist zu Beginn des Spiels entsteht eine ganz eigene Dynamik und Intensität. „Prey“ erinnert dadurch an Spiele wie „Half-Life“ oder Filme wie „Alien“. Als Spieler wisst ihr zunächst überhaupt nichts und kämpft mit einem Schraubenschlüssel ums Überleben.

„Prey“ setzt euch von Beginn an unter Strom und zehrt an euren Nerven. Die schattengleichen Typhon-Biester spielen ihre Rolle als Widersacher ausgezeichnet und fahren allerlei hinterhältige Taktiken auf. Allein durch die Verwandlungstechnik der Mimics werdet ihr mehr als ein Mal laut aufschreien. „Prey“ besitzt eine ungemein dichte Atmosphäre und nimmt sogar Grusel-Elemente mit auf. Es gibt immer ein Gefühl des Unbehagens oder der Unsicherheit, verbunden mit dem Spaß am Entdecken einer neuen Welt.

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Endlich mal Anspruch

„Prey“ ist kein leichtes Spiel und kratzt immer wieder an der Unfairness. Munition ist knapp. Deshalb erfordert das Actionspiel aktives Mitdenken und die Benutzung des gesamten Inventars und der Umgebung. Durch die ständige Ressourcenknappheit fällt so etwas wie Routine weg. Ihr müsst immer mitdenken und eure Taktik an die Geschehnisse anpassen.

Ihr merkt rasch, dass der Frontalangriff nichts bringt. Weder Waffen, noch das Spiel selbst sind darauf ausgelegt. Trotz umfangreicher Upgrade-Funktionen mit Hilfe von Neuromods, sowie dem Verbessern der eigenen Waffen fühlt man sich in „Prey“ niemals übermächtig. Vielmehr gibt einem das Programm mit der Zeit lediglich immer mehr Werkzeuge an die Hand, die man möglichst gewinnbringend einsetzen muss. Beispielsweise sorgt die Kombination aus Köder- und Recycling-Granate für jede Menge Rohstoffe und ist gerade gegen größere Gruppen enorm effektiv.

Zum Freischalten der Talente auf den insgesamt sechs Skill-Bäumen benötigt ihr das Psychoskop. Erst durch Scannen lebendiger (!) Widersacher erfahrt ihr deren Stärken und Schwächen und schaltet neue Alien-Fertigkeiten frei. Somit koppelt „Prey“ selbst sein Charaktersystem an vorsichtiges Vorgehen, schenkt euch aber zugleich enorm mächtige Spezialfertigkeiten. Allerdings mit einem Haken: Stattet ihr Morgan mit zu vielen Alien-Neuromods aus, wendet sich die Station gegen ihn.

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Die Freude am Entdecken

Talos I spielt bei der Faszination für „Prey“ eine nicht unerhebliche Rolle. Das offene Gebiet lädt nämlich zu ausgiebigen Erkundungstouren ein und bietet jede Menge versteckte Geheimnisse. Wer fleißig die Gebiete absucht, macht sich das Leben leichter. Immer wieder findet ihr beispielsweise in kleinen Kammern Munition oder Neuromods. Außerdem schaltet ihr über das Kontrollieren von Computern interessante und lohnenswerte Nebenaufgaben frei. Die Spielwelt saugt einen schnell in ihren Bann und unterstreicht letztlich noch die Atmosphäre. „Prey“ ist kein Actionspiel, dass man an einem Wochenende runter zockt. Es entfaltet seine ganze Stimmung erst, wenn ihr euch Zeit dafür nehmt und die Augenblicke und das Mini-Universum genießt.

Was wir schlecht finden

Kleine Story-Schwächen

Doch so faszinierend das Szenario selbst ist, die eigentliche Geschichte und vor allem ihre Nebencharaktere bleiben vergleichsweise blass. „Prey“ gelingt es – im Gegensatz zu „Bioshock“ – nicht, die Motive seiner Figuren klar darzulegen. Das stört zwar den eigentlichen Spielverlauf kaum, jedoch mangelt es dadurch dem Finale an emotionaler Wucht. Nichtsdestotrotz aber unterhalten sowohl Haupt- als auch Nebenquests ausgezeichnet, nur die darin vorkommenden Figuren hätte noch packender dargestellt werden müssen.

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Manchmal ganz schön frustig

„Prey“ ihat es in sich. Auf der einen Seite mögen wir das! Denn der Anspruch ist maßgeblich für die Motivation und das Ausnutzen sämtlicher Ressourcen verantwortlich. Auf der anderen Seite aber hat das Spiel es manchmal auch faustdick hinter den Ohren. Typhon strecken Morgan mit nur einem Treffer nieder und geben einem keine Chance zu reagieren. „Prey“ gibt sich nicht besonders viel Mühe, zugänglich zu sein. Sobald Aliens auftauchen oder Morgan angeschlagen ist, verzerrt das Bild. Grelles Licht blendet plötzlich. Dazu poltert Kampfmusik und Sound derart laut aus den Boxen, dass man beinahe graue Haare bei jeder Auseinandersetzung bekommt. „Prey“ besitzt seinen eigenen Stil für die Inszenierung und die Durchführung seiner Schlachten. Der traditionelle Stealth-Takedown eines „Dishonored 2“ fehlt beispielsweise völlig. Das wird nicht jedem gefallen!

8.5

Wertung und Fazit

PRO
  • unglaublich atmosphärisch
  • Freude am Entdecken von Talos I
  • spielerisch anspruchsvoll
CONTRA
  • Nahkämpfe mitunter zu chaotisch
  • gelegentlich frustrierend
  • belanglose Nebencharaktere

Prey im Test: Ungewöhnlich, unkonventionell und genial

„Prey“ besitzt einfach alle Tugenden, die einen Science-Fiction-Fan so richtig anmachen: Fiese Aliens, abgefahrene Technologien und eine gewaltige Raumstation voller Geheimnisse. Gerade die ersten Stunden auf Talos I sind daher ungemein intensiv. Der Twist zum Anfang und die Gefechte mit den Typhon zehren an den Nerven. Doch selbst im späteren Verlauf nimmt diese Anspannung nicht ab. Im Gegensatz zu vielen anderen Spielen bleibt „Prey“ jederzeit fordernd und möchte, dass ihr es gänzlich anders spielt. Ständige Konzentration und eine gute Auffassungsgabe führen hier zum Erfolg. Wer die gelegentlich auch mal unfairen Hürden umschifft, den belohnt das Spiel mit der motivierenden Erkundung seiner toll präsentierten Spielwelt. Talos I steckt voller Ideen und einzigartiger Schauplätze. Das Erforschen des Unbekannten macht den ganz großen Reiz bei „Prey“ aus und tröstet mitunter über den einen oder anderen Frustmoment hinweg. „Prey“ gehört zu den spannendsten Spielen dieses Jahres und ist somit für Actionfans ein klarer Pflichtkauf.

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Kommentare

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samonuske

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