Cyberpunk 2077: Der Gipfel einer traurigen Entwicklung im AAA-Bereich – Meinung

Kommentare (59)

"Cyberpunk 2077" sorgte in den letzten Wochen für zahlreiche Schlagzeilen und das aus anderen Gründen, als viele vor Release gedacht hätten. Dabei erreicht mit dem RPG eine traurige Entwicklung der letzten Jahre einen neuen Höhepunkt.

Cyberpunk 2077: Der Gipfel einer traurigen Entwicklung im AAA-Bereich – Meinung
"Cyberpunk 2077" ist unter anderem für die PlayStation 4 erhältlich.

Das neue Jahr ist endlich da, doch mit „Cyberpunk 2077“ beschäftigt uns noch immer ein Thema aus 2020. Obwohl die Veröffentlichung des von Millionen Spielern heißersehnten RPGs zumindest aus kommerzieller Sicht ein voller Erfolg war, sah sich Entwicklerstudio CD Projekt Red doch mit allerlei Problemen konfrontiert. Zuvor führten wir bereits aus, dass dieses Launch-Debakel das Vertrauen in die gesamte Branche zerstört. Allerdings ist es ebenfalls der Höhepunkt einer traurigen Entwicklung, die sich die letzten Jahre im AAA-Bereich beobachten ließ.

Auf den Hype folgt die Schadensbegrenzung

Es spielten sich Szenen ab, die viele Spieler bereits aus den vorangegangen Jahren zur Genüge kannten. Erinnern wir uns beispielsweise nur an den Launch von Bethesdas „Fallout 76“ zurück, das in einem desaströsen Zustand auf den Markt geworfen wurde und eher an eine spielbare Beta denn ein vollständig entwickeltes Spiel erinnerte. Schon vorher hatten sich neben Bethesda auch diverse Studios nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, wenn es um die Veröffentlichung neuer Spiele zu großen Marken ging, doch selten war es so schlimm.

Etwas hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren allerdings dann doch geändert, denn erstmals sah sich Sony zu drastischen Maßnahmen veranlasst und zog diese rigoros durch: Mit „Cyberpunk 2077“ entfernte der PlayStation-Hersteller erstmals einen Titel aus seinem Online-Store – eine der meisterwarteten AAA-Produktionen der letzten Jahre. Sicherlich agierte Sony hierbei auch mit einem gewissen Kalkül, schließlich dürfte das Unternehmen auch darum bemüht gewesen sein, sein eigenes Image vom missglückten „Cyberpunk 2077“-Launch nicht ankratzen zu lassen.

Generell ließe sich am jüngsten Werk des polnischen Entwicklerstudios einiges kritisieren und das über den von uns bereits als inakzeptabel betitelten technischen Zustand des Spiels auf den Last-Gen-Konsolen hinaus. Da wären die Kommunikationsprobleme zwischen Studio und Spielerschaft, enorme Belastung für die Entwickler durch massiven Crunch sowie Todesdrohungen gegen die Macher. Obwohl all dies es wert wäre, näher behandelt zu werden, ist dies nicht der Zeitpunkt, an dem wir das tun wollen. Stattdessen soll es wieder zurück zum eigentlichen Thema gehen, einem beunruhigenden Trend der letzten Jahre.

Erst veröffentlichen und dann fertig patchen

Hierbei meinen wir, dass in der jüngeren Vergangenheit vermehrt große Game-Produktionen in einem mehr als unschönen technischen Zustand auf den Markt geschmissen wurden. „Cyberpunk 2077“ bildet hierbei lediglich die Spitze des Eisbergs, denn bereits zuvor enttäuschten andere große Titel wie „Fallout 76“, „Mass Effect Andromeda“, „Anthem“ oder auch „Assassin’s Creed Valhalla“. Es kam immer mehr in Mode, große Spiele in einer offensichtlich unfertigen Version zu veröffentlichen, um das Spiel anschließend, nachdem Spieler bereits 60 oder 70 Euro bezahlt hatten, mittels Patches fertigzustellen.

CD Projekt Red hat ebenfalls eine gewisse Vorgeschichte mit verbuggten Spielen, schließlich befand sich zum Launch auch „The Witcher 3“ damals keinesfalls in einem technisch einwandfreien Zustand. So schlimm wie in einigen anderen Fällen oder beim jüngsten Werk der Macher war es jedoch nicht. Dabei wollen wir die Schuld für diese Veröffentlichungen auch nicht den Entwicklern zuschieben, die unter teils enormen Anstrengungen und heftigem Crunch versucht haben, das bestmögliche Produkt für uns Spieler zu erschaffen. Viel mehr liegt die Verantwortung für solche Releases bei den Geschäftsführern der Studios, die in den zuvor erwähnten Fällen gewusst haben müssen, dass die Spiele damals noch nicht bereit für ihren Release waren.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei immer wieder der Umgang mit den Spielern, die Kommunikation zwischen den Machern und uns wartenden Fans. Es geht hierbei vor allem um das Spiel mit unseren Erwartungen, also der Generierung eines gewissen Hypes. Dass Entwickler und Publisher genau auf diesen abzielen, ist nicht verwerflich, sondern nachvollziehbar, schließlich gibt es durchaus gute Gründe, weshalb möglichst früh ein großer Hype generiert werden sollte. Dies fordert natürlich vor allem die zuständigen PR-Teams und es spricht im Falle von „Cyberpunk 2077“ definitiv für die Marketing-Abteilung, über 8 Millionen Vorbestellungen generiert zu haben.

Doch natürlich kommen noch weitere Facetten hinzu, beispielsweise die Vertrautheit der Spieler mit der bisherigen Arbeit eines Entwicklerteams oder einer besonderen Marke. Allein aus diesen Gründen genießen große AAA-Produktionen wie „Assassin’s Creed“, „Cyberpunk 2077“ oder ein „Marvel’s Spider-Man“ einen nicht unerheblichen Vertrauensbonus vonseiten der Fans. Umso schwerer wiegt es dann, wenn der zuvor geschürte Hype in solchen Fällen, etwa damals bei „Mass Effect Andromeda“, nicht erfüllt werden kann. In seinem Kern war es immer noch ein gutes Action-RPG, doch in ihrer Summe machten die vielen kleinen Fehler es zahlreichen Spielern madig.

Große Studios müssen Vertrauen der Spieler zurückgewinnen

Natürlich gab es in den letzten Jahren auch immer wieder einige Positivbeispiele, die wir an dieser Stelle nicht unter den Tisch fallen lassen wollen. Nach einem massiven Shitstorm wegen vieler nicht eingehaltener Versprechen meldeten sich die Verantwortlichen Entwickler von „No Man’s Sky“ für eine lange Zeit nicht zu Wort. Stattdessen ließen sie Taten folgen in Form von diversen kostenfreien DLCs und umfassenden Patches, die das Spiel näher an die Vision heranbrachten, die den Spielern vorab versprochen worden war. Auch Square Enix‘ Online-RPG „Final Fantasy XIV“ wurde nach einem für die Serie desolaten Launch massiv überarbeitet und konnte so das Vertrauen vieler Spieler zurückgewinnen. Projekte, an denen sich mehr Studios ein Beispiel nehmen sollten.

Schauen wir uns alle Entwicklungen rund um den Launch von „Cyberpunk 2077“ an, dann ist es vielen Last-Gen-Spielern deshalb nicht zu verübeln, dass sie sich vielleicht sogar von den Machern betrogen fühlen. Das zuvor enge Vertrauensverhältnis zwischen CDPR hat schließlich Risse abbekommen, die nicht allzu schnell verheilen dürften. Dass Sony sich letztendlich gar dazu gezwungen sah, die Notbremse zu ziehen und das RPG aus dem PlayStation Store zu entfernen, spricht Bände. Das Spiel ist somit tatsächlich bereits in die jüngere Videospielgeschichte eingezogen, doch vermutlich nicht so, wie es sich viele Spieler und die selbst Entwickler gewünscht hatten.

Positiv ist, dass sich CD Projekt Red der Situation bewusst ist und bereits betonte, die Kosten für das Patchen des Titels seien absolut „irrelevant“ für das Unternehmen. Bereits in der Vergangenheit unterstützte das Studio seine Spiele über längere Zeiträume hinweg, um diese beständig zu verbessern. Auch dies macht Hoffnung, dass die technischen Mängel beseitigt werden können, damit das in seinem Kern gute Spiel besser zur Geltung kommen kann. Allerdings zeigt es auch auf eindrucksvolle Weise, was bereits seit längerer Zeit in der Branche falsch läuft, denn Spiele sollten nicht erst nach ihrem Release fertiggestellt werden und viele große Entwickler und Publisher müssen beweisen, dass sie das Vertrauen ihrer Fans und Kunden zurückerlangen wollen.

Jetzt seid ihr dran: Was ist eure Meinung zu dieser Entwicklung, dass viele große Spiele erst nach ihrem Release mit Patches fertiggestellt werden?

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Kommentare

  1. 16bitMilchshake sagt:

    @lunatic88m
    Durchspielen und zurückerstattet ist für mich menschlich und charakterlich das widerlichste was es geben kann.

    Das Höhepunkt ist, dass er sich noch fair nennt.
    Eckelhaft

  2. 16bitMilchshake sagt:

    Das Hohepunkt vorallem, ich sollte mal lesen vor dem abschicken 😀

  3. VerrückterZocker sagt:

    Ist für mich nur ein mittelmäßiges Spiel. Die Hauptstory ist gut gelungen, die vielen Nebenmissionen sind bisher maximal mittelmäßig. Die NPCs sind sinnlos, weder wehren die sich noch wirken die richtig am Platz machen mir eher den Anschein als wären es nur Lückenfüller. Der Loot ist größtenteils sinnlos. Das Fahren fühlt sich so an als wenn man ein SNES Rennspiel spielt.

    Abstürze oder Bugs habe ich keine. Das einzige was mal passiert ist das Gegenstände schweben. Zocke es aufm PC, Ultra Einstellung und RTX läuft.

    Bin eher über das Spiel an sich enttäuscht als über der Qualität des Releases.

    Ne Kaumempfehlung ist das Spiel nicht, wüsste bis auf die gute Grafik nicht ein Punkt wo das Spiel wirklich gut ist.

    Warum haben Spieler schuld daran das die Spiele in solchen Zuständen auf den Markt kommen? Die Entwickler versprechen Inhalte und liefern die nicht. Ergo liegt das an denen. Und bei Cyberpunk hätte man die Inhalte nicht streichen brauchen sofern man die Last Gen außen vor gelassen hätte. Wie so oft liegt das an der Profitgier von den Unternehmen.

  4. VerrückterZocker sagt:

    @16bitMilchshake

    Warum wird es toleriert wenn unternehmen widerlich handeln, macht es aber ein Konsument ist er charakterlich unten durch. Was wie ne geile Doppelmoral einige an den Tag legen

  5. lunatic88m sagt:

    @16bitMilchshake:
    Ich wiederhole mich erneut....

    Ich hatte geschrieben, dass ich es mir dann wieder kaufen werde, wenn die notwendigen Patches da sind. Ich denke, dass Cyberpunk im Grunde ein sehr gutes Spiel ist. Hier kommen noch einige DLCs und Nebenmissionen hatte ich auch noch nicht alle durch, da sie schlichtweg verbuggt waren. Ich hatte zum beispiel 3 Nebenmissionen auch abgeschossen, konnte aber keine Belohnungen abholen....

    Ich hatte aber auch meine Entscheidung begründet, warum ich den Refund in Anspruch genommen hatte. Die Fehler wurden immer nerviger und nahmen in ihrer Anzahl stark zu, je weiter ich kam..

    CD Projekt Red bekommt von mir dann den Kaufpreis wieder, wenn ich das versprochene Spiel erhalte. Ich gehöre nicht zu der Sorte Mensch, wie du nun glaubst. Ich werde es mir wieder kaufen. Lies dir also das nächste mal Kommentare wirklich richtig durch.

    Relativ einfach.

    Aber deine Art, wie du Leute persönlich in Kommentaren angehst, ist nicht in Ordnung.

  6. PS5 Gamer sagt:

    Sie sollten einfach bei the witcher bleiben und nicht in den FPS- Bereich gehen.

  7. Argonar sagt:

    Es ist ein Service der angeboten wird und legal benutzt werden kann. In gewisser Form Marketing zur Schadenbegrenzung.

    Und selbst wenn nicht fallen mir 1000 Sachen ein, die ich schlimmer finden würde, als wenn wer ein Game nach dem Durchspielen unerlaubterweise zurückgibt (auch wenn das nicht grade für den Charakter sprechen würde)

    CDPR gehört sowieso nicht zu denen, die den Hauptgewinn gleich am Anfang einfahren, sondern über die gesammten, ungewöhnlich lange Lebensspanne eines Titels. Trotzdem ist es jetzt bereits ein Erfolg. Irgendwann biegen sie das Spiel auch noch hin

  8. Blackmill_x3 sagt:

    @16bitMilchshake
    Ist jedem sein gutes recht das Spiel zurückzugeben. Selbst wenn mans durchgespielt hat. Hat CDPR nicht anders verdient. Ist doch deren eigene schuld.
    Sollen die einfach ein fertiges Spiel auf den Markt bringen.

    Keine ahnung wie man die firma auch nur ein kleines bisschen verteidigen kann.

  9. SoenkeE sagt:

    Na ja, auch die Portale / Seiten wie play3, bzw. die Games-Zeitungen sollten ihre Rolle in diesem Thema hinterfragen. Mit der ersten Ankündigung / Konzeptzeichnung eines Spiels tragen sie durch eine euphorische Berichterstattung zur Bildung des Hypes bei und schrauben die Erwartungen der Game in ungeahnte Höhen. Klar verdienen sie damit ihr Geld, aber eine gewisse Zurückhaltung /neutralere Berichterstattung würde da guttun, und nicht schon immer 3 Jahre vor Release die Superlativen raushauen .....

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