Review

Snowrunner im Test: Die Transport-Simulation eurer (Alb-)Träume

von Olaf Bleich | 03.05.2020 - 10:28 Uhr
8.0

Dicke Trucks, schwere Ladungen und die wahrscheinlich härteste Herausforderung seit es Rennspiele gibt: in „Snowrunner“ – einem Spinoff der bekannten „Spintyres“-Reihe – trotzt ihr mit Trucks, Lastwagen und anderen Vehikeln Mutter Natur und bahnt euch euren Weg durch die Wildnis. „Snowrunner“ ist kein klassisches Rennspiel, sondern eine herausfordernde Simulation voller Umgebungsrätsel. Der Test verrät, wieso dieses Spiel überrascht und uns begeistert, aber unser Nervenkostüm zugleich auch arg strapaziert.

Was wir gut finden

Sandbox-Game für Offroad-Piloten

Was ist „Snowrunner“ eigentlich? In seinem Kern ist es ein Mix aus Offroad-Simulation und Transport-Spiel. Eure Aufgabe besteht auf den drei weitläufigen Gebiete mit jeweils vier Karten darin, Güter und Hilfsmittel von einem Punkt zum nächsten zu kutschieren. Das Problem: Straßen stehen euch bei euren Touren nur in den seltensten Fällen zu Verfügung.

Und genau darin liegt die Herausforderung. Wie bringt ihr einen tonnenschweren Sattelschlepper einen schmalen, vereisten Bergpfad hinauf? Wie bleibt ihr nicht im tiefen Schlamm mit eurem Truck stecken? Ihr startet in den USA, genauer gesagt in einer Region in Michigan, die gerade erst von schweren Überschwemmung heimgesucht wurde.

Sehr schön: im Spielverlauf verändert ihr die Karten und baut beispielsweise Brücken wieder auf, was euch das Leben stark erleichtert und ein gutes Gefühl für den Fortschritt gibt. Als nächstes verschlägt es euch nach Alaska, wo ihr es mit vereisten Pisten zu tun bekommt. Zuletzt geht’s dann nach Taymyr in Russland mitsamt tiefer Sümpfe und einem extrem unwegsamen Gelände.

Mit den Einkünften aus den erledigten Jobs wiederum schaltet ihr Erweiterungen für euren Fuhrpark oder gar neue Aufwertungen wie etwa verbesserte Reifen frei. Im Vergleich zu dem 2017 veröffentlichten „Mudrunner“ ist der Nachfolger deutlich umfangreicher und die einzelnen Karten bieten viel mehr Möglichkeiten, sich auch abseits der Hauptmissionen die Zeit zu vertreiben.

Die Freuden am Fahren

„Snowrunner“ erschafft sein ganz eigenes Spieltempo. Wie anders das Spiel ist, macht es bereits in den ersten Spielminuten klar: die Fahrt mit einem Pickup zu einem Wachturm stellt euch bereits vor kleinere Herausforderungen. Welche Gang muss ich einlegen, um maximale Zugkraft zu erreichen? Wie entkomme ich tiefem Schlamm? Wie erwähnt, ärgert ihr euch im Spielverlauf auch mit Sümpfen, Flussläufen, Abhängen und vereisten Straßen herum.

In diesem Spiel geht es nicht um Rekorde oder Bestzeiten. Alles dreht sich um das Lösen der mit Hilfe der überaus gelungenen Fahrzeug- und Umgebungsphysik aufgebauten Sandbox-Puzzles. „Snowrunner“ drückt euch durch den hohen Schwierigkeitsgrad sein Tempo auf und dennoch motivieren die teils enorm langen Fahrten mit ihrer Nachvollziehbarkeit und dem Gefühl des Erfolgs, wenn ihr einen weiteren Auftrag abgeschlossen habt.

Dabei macht es euch „Snowrunner“ aber zu keinem Zeitpunkt leicht. Zerlegt ihr euren fahrbaren Untersatz, könnt ihr diesen zwar gegen Bezahlung bergen lassen, verliert dabei jedoch den seit dem letzten Speichern erledigten Spielfortschritt. Diese Konsequenz sorgt wiederum für taktische Möglichkeiten: bleibt ihr nämlich einmal mit einem Wagen stecken, könnt ihr zu einem anderen wechseln und damit Pannenhilfe leisten. Im Online-Koop unterstützt ihr euch sogar gegenseitig.

So muss ein Truck klingen!

Das Spiel beeindruckt aber nicht nur mit seinem gelungenen Gameplay, sondern vor allem auch mit der starken Technik. Jedes Fahrzeug fühlt sich anders an und erfordert eine andere Fahrweise. Gefühl an Gas und Bremse werden in diesem Spiel groß geschrieben. Wer ständig in die Eisen steigt, fährt sich extrem schnell fest oder verliert die Kontrolle. Dazu bemüht sich das Spiel um zusätzlichen Realismus: so schaltet ihr manuell zwischen Gängen, zieht die Handbremse an und aktiviert den Allradantrieb. In größter Not hilft dann wiederum die Seilwinde, mit der ihr euch sprichwörtlich aus dem Dreck zieht.

Dazu passt auch die authentische Sound-Untermalung. Ein Jeep klingt folglich ganz anders als ein schwerer Sattelschlepper. Beim Schalten quietscht das Getriebe und gebt ihr zu viel Gas, heulen die Motoren laut auf. „Snowrunner“ wirkt auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär, ist aber ein technisch extrem rundes Programm.

Was wir schlecht finden

Ein besonderes Spiel

Auch wenn es die Screenshots und Videos vielleicht vermuten lassen: „Snowrunner“ ist kein leichtgängiges Offroad-Game, sondern eine anspruchsvolle „Fahrzeug-Simulation“. Wenn ihr euch auf dieses Spiel einlasst, dann benötigt ihr Durchhaltevermögen, Geduld und eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl. „Snowrunner“ nimmt euch nicht bei der Hand, sondern macht euch nur allzu gerne das Leben zur Hölle.

Habt ihr kein Problem damit, mit eurem Wagen minutenlang im Schlamm stecken zu bleiben oder kurz vor dem Ziel mit dem Truck eisige Berghänge hinab zu schlittern? Dann ist „Snowrunner“ das Richtige für euch. Erwartet ihr aber schnelle Rennspielaction und maximale Benutzerfreundlichkeit, dann solltet ihr lieber nach Alternativen Ausschau halten.

Alles andere als nutzerfreundlich

Wenig überraschend wirft einen „Snowrunner“ ins kalte Wasser. Großartige Tutorials oder gar eine Fahrschule gibt es nicht. Und auch die integrierten Texthilfen kommen vergleichsweise bieder daher. Gerade in der ersten Stunde kämpft ihr euch daher durch Optionen und verknotet euch aufgrund der durchaus komplexen Steuerung die Finger.

Ähnlich fummelig ist übrigens auch die Kartenfunktion, die nicht immer rechtzeitig geupdatet wird und auch nicht dynamisch auf eure Routen reagiert. Kurzum: „Snowrunner“ kaut euch nicht alles vor, sondern gibt euch lediglich die Werkzeuge in die Hand. Was ihr daraus macht, liegt letztlich an euch.

8.0
Pro
  • starke Technik und gelungene Fahr- und Terrain-Physik
  • ungewöhnliches, aber motivierendes Spieltempo
  • extrem steile Lernkurve sorgt für starkes Belohnungsgefühl
Contra
  • Kartenoptionen nicht optimal
  • hohes Frustpotenzial
  • kein wirkliches Tutorial

Wertung und Fazit

Snowrunner im Test: Die Transport-Simulation eurer (Alb-)Träume

„Snowrunner“ möchte nicht jedem gefallen und ist garantiert kein Spiel für jedermann. Es ist auch kein Spiel für Racing-Freunde. Denn die in dem Sandbox-Game präsentierten Aufgaben ähneln in ihrer Struktur eher einer gewaltigen Sammlung an Umgebungsrätseln: ähnlich wie „Death Stranding“ quält euch „Snowrunner“ bisweilen mit seinem lethargischen Tempo und fordert bei einigen Touren enorme Geduld ein. Und wenn ihr kurz vor dem Spiel scheitert, radiert das Spiel gnadenlos euren Fortschritt aus.

„Snowrunner“ erzeugt dennoch einen geradezu meditative Spiefluss und begeistert mit seinem nachvollziehbaren Gameplay, der tollen Umgebungsphysik und einer steilen Lernkurve. Wer eine vollkommen andere „Racing-Erfahrung“ sucht, der ist bei „Snowrunner“ goldrichtig. Diese Transport-Simulation packt euch nämlich bei der Spielerehre und, sofern ihr die Herausforderung annehmt, wird euch nicht mehr so schnell los lassen.

Reviews

Kommentare

  1. martgore sagt:

    Das ist was für mich, ich quäle mich gerne, bzw. habe gerne die Herausforderung in games.

  2. big ron sagt:

    Hier liefert man bedeutend schöner und anspruchsvoller als im Post-Simulator Death Stranding.

  3. LDK-Boy sagt:

    Das spiel is die Hölle. Keine Strecke ist mal einfach oder leicht befahrbar. Hab mein Truck auf die Alaska Karte verschickt und jetzt komm ich damit nicht mehr zuruck zu der ersten Karte. Somit hab ich da nur den jeeb mit dem man kaum Material liefern kann. Und beibder Alaska Karte komm i mit dem Lkw nicht weiter. Bock schwer.

  4. StevenB82 sagt:

    Du musst den Truck einlagern, dann bekommst ihn wieder in der ersten Werkstatt

  5. Nanchuk sagt:

    Kannst doch den LKW „Bergen“ lassen und dann in der Werkstatt einlagern... danach die Karte wechseln und LKW übernehmen. Bergungen kosten übrigens keine Credits, wie hier im Test beschrieben.

  6. Banane sagt:

    Nichts für mich.
    Sobald es zu simulationslastig wird, hab ich keinen Spaß mehr dran.

    In einem Videogame muss für mich übertriebene Action herrschen. Langweilig herumfahren und im Stau stehen kann ich auch im Real Life. 😉

  7. Nathan Drake sagt:

    Der erste Teil hat mich leider nach kurzer Zeit angeödet, obwohl mir die Idee dahinter gefällt (die Spielmechanik von Death Stranding finde ich z.B. super).
    Aber die Abwechslung (die Welt) und die Möglichkeiten und Aufgaben und die Story waren schwach.

    Wie sieht das bein Neuen aus im Vergleich? Kann jemand dazu was sagen?

  8. LDK-Boy sagt:

    Ist viel besser als Teil 1 find ich. Auch von der Grafik her. Und man hat mehr zu tuen. Zb türme finden und die karte aufdecken. Damit schaltet man neue Missionen frei.

  9. xjohndoex86 sagt:

    Klingt auf jeden Fall wieder nach 'nem toughen- aber auch sehr belohnenden Konzept. Und ja, für ein Death Stranding 2 wäre das auch irgendwie geil. Auch wenn ich da sehr genossen habe vernünftige Straßen später zu bauen und mich nicht mehr abzuplagen. 😉

  10. Kalim1st sagt:

    8.0 wie unerwartet

  11. Zockerfreak sagt:

    Macht auf jeden Fall mehr Spaß als der Vorgänger, leider hat man irgendwann die Nase voll immer das gleiche zu machen,die Physik der Oberflächen ist zwar sehr gut umgesetzt allerdings hat man sich nach einer Weile satt gesehen.

  12. Nathan Drake sagt:

    Okay, danke Leute!

  13. GeaR sagt:

    Hab mal den Teil auf psnow gespielt. 29 Minuten mit Holz gefahren und dann musste ich abladen und das Holz war weg... Ne ich fahre doch nicht wieder 20 Minuten zurück. Das war dann auch das letzte mal, dass ich es gespielt habe. 😀

  14. Mutzelbart sagt:

    Also, so schwer ist es echt nicht. So steil war die Lern Kurve für mich nicht. Und das ist mein erster Simulator.

    Hab direkt zu Beginn erst einmal die Karte mit dem Pickup erkundet. Daraufhin getestet, was mit dem jeweiligen Trucks möglich ist und was nicht. Und schon hat man den Dreh raus.. Frustriert war ich kein einziges Mal.

    Hab auf twitch schon gesehen, wie sich manche anstellen. Da ist es kein Wunder, warum es dann heißt, es wäre zu schwer.
    Ich weiß, natürlich nicht, wie hier die Leute spielen. Aber wenn man auf twitch sieht, wie jemand ohne Schnorchel, allrad oder der diff. Sperre versucht durch den Sumpf zu fahren und dann ausrastet weil es nicht klappt und der Truck absäuft. Dann sollten diejenigen vllt etwas anderes spielen.

    Daher mal im Ernst. Wenn ihr schon merkt, dass ihr mit dem pickup + Anhänger + 2 mal Holz Probleme habt. Solltet ihr entweder daran arbeiten oder eben etwas anderes spielen. Denn das ist noch leicht im Gegensatz was ihr später noch transportieren müsst.

  15. feabhra sagt:

    Das Spiel hat einen schon fast meditativen Spielfluss. Es macht richtig Spaß, sich in aller Ruhe durch Morast, Eis oder Sümpfe zu kämpfen mit den schweren Fahrzeugen...
    Besser als jedes Hektiker Rennspiel. Wer auf sowas steht, ist hier definitiv falsch.
    Für mich ist das das motivierenste Spiel mit Fahrzeugen, was ich je sah. Ohne Zeitdruck oder Rennen gegen die Zeit die Herausforderungen zu lösen, wie man mit den Trucks da durch kommt in sehr guter Grafik Darstellung und Atmosphäre.
    Sich bergen zu lassen scheint allerdings keine Credits zu kosten, jedenfalls nicht bei mir.
    Und das ist doch ab und zu nötig.

  16. CrAsHnYr sagt:

    Ich kann feabhra nur zustimmen. Auch ich habe den Vorgänger nur kurz gespielt, weil mir das eintönig Setting nicht zugesagt hat. Aber hier wird soviel geboten. Und durch die völlig frei wählbare Herangehensweise werden die vielen Aufträge auch nie langweilig. Am Wochenende konnte ich auch den Koopmodus spielen. Auch das ist ein absoluter Spaß, wenn man mit Freunden versuchen kann die Aufträge zu erledigen. Hat man niemanden aus der Freundesliste, der das Spiel auch spielt, kann man sogar in laufende Koopsessions joinen. Das Gefühl, etwas in dem Spiel zu erreichen, dass man nicht direkt vorgekaut bekommt ist absolut großartig. Man darf nie zu früh aufgeben. Meistens kommt man doch irgendwie zum Ziel. Ich kann das Spiel absolut empfehlen. Es ist nicht zu schwer, wenn man sich die Zeit nimmt, die das Spiel einfach braucht. Man muss sich einfach darauf einlassen.

  17. spencerhill sagt:

    Albträume bekomme ich bei dem Spiel nur wenn im Kartenmenü das Spiel immer und immer wieder abstürtzt

  18. Fantasy Hero sagt:

    Wieder kein manuelles speichern möglich... :/

  19. Banane sagt:

    @GeaR
    "Hab mal den Teil auf psnow gespielt. 29 Minuten mit Holz gefahren und dann musste ich abladen und das Holz war weg... Ne ich fahre doch nicht wieder 20 Minuten zurück. Das war dann auch das letzte mal, dass ich es gespielt habe. "

    Nice. Da geht einem doch das Herz auf als gamer. 😀

  20. big ron sagt:

    Ich spiele heute noch den Vorgänger immer wieder. Klar, man macht nichts anderes als Materialien zu transportieren. Aber ich finde es meditativ und entspannend den riesigen LKWs zuzugucken, wie sie sich durch den Schlamm und Dreck fühlen und durch Wasser waten und sich vollsauen. Der Zeitaufwand ist durch das sehr langsam Vorankommen nicht ohne und es gibt immer Momente, wo man auch mal ungeduldig wird.

    Aber wer sich mal durch Modder wühlen will, weil er es in realem Leben nicht kann, der sollte die Serie mal probieren.

    Das einzige, was bei der Serie noch fehlt und mit der Physik echt gut kommen würde wäre die Möglichkeit richtig zu baggern und mit der Planierraupe Sachen abzuschieben.

  21. olli3d sagt:

    Das was hier als schlecht befunden wurde finde ich eigentlich gut, das man nicht andauernd an die Hand genommen wird hat für mich zB auch KCD sehr gut gemacht.

  22. President Evil sagt:

    Hat das Lenkrad Unterstützung?

  23. SchatziSchmatzi sagt:

    @olli3d
    So sollte es auch sein.

  24. Nanchuk sagt:

    @President Evil

    Der Hersteller arbeitet mit Hochdruck am Patch für die Lenkradunterstützung an den Konsolen.

  25. President Evil sagt:

    Cool! Danke für die Info @Nanchuk

  26. ExXTrem gamer sagt:

    Wusste nicht das spintires mit y geschrieben wird

  27. D1avolus sagt:

    Das Spiel selbst ist soweit echt Top.

    ABER: Warum zum Teufel gibt es kein RADIO zur Sounduntermalung?

    Gerade wenn man schon alleine spielt, keine Zwischen Scenen mit Gesprächen etc passieren, warum zur Hölle dann keine 2 bis 3 Radio Sender ?

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