Cyberpunk 2077: Spiele werden zu früh angekündigt - Meinung

Ankündigungen von Spielen sind ein komplexes wie schwieriges Thema, das vor allem nach viel Fingerspitzengefühl beim Timing verlangt. Allerdings werden immer noch viele Spiele viel zu früh angekündigt, obwohl sie offensichtlich noch nicht bereit dafür sind.

Cyberpunk 2077: Spiele werden zu früh angekündigt – Meinung

"Cyberpunk 2077" wurde bereits 2012 angekündigt - viel zu früh.

Vor wenigen Tagen ist eingetreten, was eigentlich nicht mehr hätte passieren sollen: „Cyberpunk 2077“ wurde zum dritten Mal verschoben. Nachdem die „The Witcher“-Macher von CD Projekt Red bereits 2012 erstmals ihr neuestes Rollenspiel-Epos vorstellten, müssen sich Spieler nun nochmal drei Wochen länger gedulden als zuletzt angenommen. Bereits in der Vergangenheit fragten sich viele Spieler, ob die Verantwortlichen ihr Projekt nicht womöglich doch etwas zu früh ankündigten. Eine Frage, die in den letzten Jahren bereits mehrfach hitzig diskutiert wurde und um die es nun auch hier gehen soll.

Zu frühe Ankündigungen sind ein zweischneidiges Schwert

Erinnern wir uns ein paar Jahre zurück, dürften vermutlich jedem von uns zwei, drei oder vielleicht sogar noch mehr Spiele einfallen, die der jeweilige Publisher rückblickend damals lieber noch nicht der Öffentlichkeit preisgegeben hätte. Nintendos Projekte „Bayonetta 3“ oder auch „Metroid Prime 4“ beispielsweise waren zu ihrer Zeit offensichtlich schlicht noch nicht reif, um auf dem Radar zu erscheinen. Beide Titel befanden sich damals sehr wahrscheinlich noch in einem äußerst frühen Entwicklungsstadium, womöglich hatte die richtige Entwicklung noch gar nicht begonnen, sondern die Macher waren noch in einer Findungsphase für das jeweilige Spiel.

Andere prominente Beispiele neben diesen beiden und „Cyberpunk 2077“ wären noch Bethesdas „DOOM“-Reboot, dessen Entwicklung nach der ersten Ankündigung mindestens einmal komplett neu gestartet werden musste, oder auch Naughty Dogs „The Last of Us: Part 2“ und Team Icos „The Last Guardian“. Wie bei den beiden zuvor erwähnten Nintendo-Projekten war auch in diesen Fällen die Entwicklung vermutlich noch nicht allzu weit fortgeschritten, wenn diese denn überhaupt schon richtig angelaufen war. In einem solchen Stadium darf ein Spiel schlicht und ergreifend einfach noch nicht angekündigt werden.

Allerdings gibt es durchaus nachvollziehbare Gründe für frühe Ankündigungen und der wichtigste hiervon lautet „Hype“. Insbesondere AAA-Produktionen großer Studios benötigen recht früh ein hohes Level an Aufmerksamkeit, das vom Zeitpunkt der Ankündigung bis zum Release idealerweise möglichst konstant gehalten werden muss. Gerade heutzutage ist dieser Schritt aus rein wirtschaftlicher Sicht verständlich, schließlich dient dies auch dazu, den Aktionären und Investoren zu zeigen, was das entsprechende Unternehmen zur Zeit in der Pipeline hat.

Frühe Ankündigungen sind jedoch, wie es so schön heißt, immer ein zweischneidiges Schwert. Erscheint das Spiel zu früh nach seiner Enthüllung, ist der Hype darum im Zweifelsfall nicht groß genug, um der erhoffte Hit zu werden. Erfolgt die Veröffentlichung allerdings zu spät, könnte der Hype und somit auch der Interesse der Spieler bereits erloschen sein und das Spiel untergehen. Zudem könnte eine zu frühe Ankündigung bei den Spielern unrealistische Erwartungen an das Endprodukt wecken, da eventuell Features gezeigt werden, die es am Ende doch nicht ins fertige Spiel schaffen. Der erste Eindruck zu einem Spiel bleibt oftmals haften – manchmal zum Leidwesen der Entwickler.

Der erste Eindruck bleibt oftmals haften

Gegenüber GamesIndustry sagte etwa Dominic Matthews, der als Product Manager bei Ninja Theory unter anderem an „DmC: Devil May Cry“ und „Enslaved: Odyssey to the West“ arbeitete, zu frühe Enthüllungen seien vor allem deshalb schwierig, da diese bei vielen Spielern bis zur Veröffentlichung eines Titels haften blieben. Seiner Ansicht nach können oder wollen viele Gamer nicht verstehen, dass sich ein Spiel nach seiner Ankündigung noch verändern kann, weshalb das während der Ankündigung gezeigte Produkt so gut wie nie repräsentativ für dessen finale Version sein könne.

Allerdings räumt er ein, dass recht frühe Enthüllungen für die Entwickler auch eine befreiende Wirkung haben können und viele wollen ihr Spiel auch möglichst früh ankündigen. Einmal fällt so eine Last von den Verantwortlichen ab, da sie von da an öffentlich über ihr Projekt sprechen dürfen – auch Freunden und Familien gegenüber. Zudem kann eine frühe Ankündigung, sofern diese eine positive Reaktion hervorruft, dabei helfen, zusätzliche Kräfte für die Entwicklung anzuwerben. Nebenbei erschwert eine frühe Präsentation den Publishern die Absetzung eines Projekts, da nun viele Leute darüber reden. Sollten dann längere Zeit die Informationen ausbleiben, wirft dies vor allem ein schlechtes Licht auf den verantwortlichen Publisher, der womöglich nicht weiß, was er da tut.

Ein weiteres Risiko sind außerdem gerade heutzutage Leaks, die ein Spiel vor seiner Enthüllung publik machen könnten. Frühe Ankündigungen sind in solchen Fällen ein probates Mittel, etwaigen Leaks, die ein Spiel unter Umständen viel zu früh ins Rampenlicht zerren könnten, zuvorzukommen. Doch wann wäre denn nun, angesichts dieses komplexen Umfelds, der perfekte Zeitpunkt, um ein Spiel offiziell anzukündigen?

Das perfekte Timing zu finden, ist schwer möglich

Für die Verantwortlichen ist es oftmals eine Herkulesaufgabe, das perfekte Timing für eine Ankündigung abzupassen. Viele Produktionen benötigen heutzutage einen gewissen Hype, um letztendlich möglichst viele Spieler erreichen zu können. Deshalb ist es für uns Spieler schwer einzuschätzen, wann eine Ankündigung zu früh erfolgte – zumindest in vielen Fällen. Wirklich viel zu früh ist es allerdings vor allem dann, wenn die Macher im selben Atemzug einer Enthüllung hinterherschieben, die eigentliche Produktion des Spiels habe noch gar nicht vollumfänglich begonnen, wie vor acht Jahren auch im Falle von „Cyberpunk 2077“.

Letztendlich ist es für alle Beteiligten gut, wenn immer etwas zur Ankündigung gezeigt werden kann, das zumindest einen ungefähren Eindruck davon vermittelt, was wir als Spieler am Ende auch wirklich in den Händen halten werden – und dies sollte idealerweise mehr sein als nur ein Logo oder ein nichtssagender Render-Trailer. Spiele sollten deshalb erst dann angekündigt werden, wenn der Release nicht mehr in allzu weiter Ferne liegt. In solchen Fällen wissen Entwickler und Publisher, dass sie etwas zeigen können, was dem Endprodukt auch wirklich nahe kommt, und wir Spieler bekommen idealerweise bereits eine ziemlich deutliche Vorstellung, worauf wir uns am Ende tatsächlich freuen können.

Jeder Gamer dürfte verstehen, dass Entwicklung und Veröffentlichung eines Titels ein gewaltiges logistisches Unterfangen sind. Allerdings sollten wir nicht für mehrere Jahre in der Luft hängen gelassen werden und uns fragen müssen, ob das zuletzt angekündigte Spiel, auf das wir uns freuen, auch wirklich eines Tages erscheinen wird. Dies könnte schlimmstenfalls dazu führen, dass Leute damit beginnen, schlechte Stimmung gegen ein Spiel zu machen. Deshalb dürfte eine Enthüllung ein bis maximal zwei Jahre vor Release ein akzeptabler Kompromiss sein, mit dem, die richtigen Vorbereitungen und die nötige Kommunikation vorausgesetzt, alle Seiten leben könnten. So haben die Verantwortlichen genug Zeit, einen Hype zu generieren, und wir Spieler haben etwas, worauf wir uns freuen können.

Jetzt seid ihr dran: Wann sollten Spiele eurer Meinung nach idealerweise angekündigt werden?

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