Review

FIFA 22 im Test: Stadionatmosphäre auf PS5

von Olaf Bleich | 27.09.2021 - 13:16 Uhr
Developer
Electronic Arts
Publisher
Electronic Arts
Release
1. Oktober 2021
8.5

Electronic Arts schneidet alte Fußball-Zöpfe ab: „FIFA 22“ ist auf PlayStation 5 der nächste Evolutionsschritt der Sportspielserie. Der Test deckt Stärken und Schwächen auf!

Das über viele Jahre sehr beliebte Duell zwischen Electronic Arts‘ „FIFA“ und Konamis „Pro Evolution Soccer“ fällt 2021 anders aus. Denn aus „Pro Evolution Soccer“ wird „eFootball 2022“ und damit ein Free-To-Play-Ableger mit ganz eigener Ausrichtung.

Zugleich serviert Electronic Arts den Fußball-Fans zwei Versionen von „FIFA 22“: Auf der alten Konsolengeneration und PC gibt es Aufgewärmtes aus dem Vorjahr. Wer den nächsten Evolutionssprung der Fußball-Serie erleben möchte, benötigt zwingend eine PlayStation 5 oder eine Xbox Series X/S. Nur dann kommt ihr in den Genuss von Hypermotion und anderen exklusiven Features wie etwa der deutlich aufgewerteten Präsentation.

Aber wie gut ist „FIFA 22“ auf PlayStation 5 wirklich und wieso ist auch hier nach alles Gold, was glänzt?

Stimmungsvoller Einstieg und erste Probleme

Electronic Arts verzichtet in „FIFA 22“ auf größere Story-Elemente – im Gegensatz zu den Vorjahren. Ein wenig Hollywood gibt es als lediglich Einstieg: Statt eines schnöden Tutorials setzt es eine nett inszenierte Erklärsequenz, in der ihr mit eurem Avatar die Straßen Paris‘ unsicher macht, an einem Probetraining bei Paris St. Germain inklusive prominenter Unterstützung teilnehmt und schließlich das Champions-League-Finale zwischen Paris und Chelsea austragt. In dieser Sequenz lernt ihr die exklusiven Neuerungen wie explosiven Sprints, Hypermotion-Dribblings und auch harte Pässe. Dieser Einstieg macht Lust auf mehr.

Diese Lust sinkt allerdings mit einem Blick in die Lizenzabteilung. Zwar fährt Electronic Arts viele neue Lizenzen u.a. aus der 3. Liga oder sogar aus Indien auf, aber gerade bei den Nationalmannschaften gibt es Kürzungen. So fehlt beispielsweise die Schweiz und das obwohl die Schweizer Super League mit an Bord ist. Auch afrikanische Teams wie Südafrika oder Kamerun vermissten wir schmerzlich.

Schöner, besser spielbar und trotzdem nicht perfekt …

Aber entscheidend bleibt natürlich das, was bei „FIFA 22“ auf dem Platz passiert und hier legt Electronic Arts‘ Fußball-Primus merklich zu. Die im Vorfeld angekündigte Hypermotion-Gameplay-Technologie nimmt massiven Einfluss auf den Spielverlauf, das Mitspielerverhalten und auf die Präsentation.

„FIFA 22“ ist insgesamt einen Tick langsamer und vor allem ruhiger als die Vorgänger. Obwohl ihr also ein wenig mehr Zeit beim Aufbauspiel habt, gibt es weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen Verteidigung und Angriff. So profitiert die Offensivabteilung von dem verbesserten Passspiel – gerade auf kleinem Raum. Hier fühlt sich „FIFA 22“ deutlich besser an, vor allem auch weil sich Mitspieler aktiver anbieten.

Dribblings – speziell über die Flügel – bleiben sehr dominant und gerade im Multiplayer-Wettstreit sind oft schnelle Spieler wie Mbappe das Zünglein an der Waage. Zugleich aber freuen wir uns über die überarbeiteten Laufwege, über mehr taktische Möglichkeiten und auch eine insgesamt realistischere Ballphysik. „FIFA 22“ ist näher am echten Fußball als die Vorgänger, aber noch nicht perfekt.

Und damit kommen wir zur Defensive: Grundsätzlich macht das Spiel einen kleinen Schritt nach vorne, geht aber noch nicht weit genug. Gerade im direkten Eins-gegen-Eins zieht man zu leicht den Kürzeren und wird überlaufen. Dazu agieren Außenverteidiger und Flügelspieler oft zu offensiv und reißen so Lücken in die eigene Defensive. Verteidiger verhalten sich in Strafraumnähe besser, werfen sich in Bälle und erschweren so Angriffe. Trotzdem: Die Defensive braucht noch Feintuning.

Das Gleiche gilt für die Torhüter. Sie reagieren deutlich souveräner bei Fernschüssen und laufen häufiger raus. Allerdings kommt es dabei auch immer wieder zu merkwürdigen Kollisionen, die zu selten geahndet werden. Hier muss auch noch einmal nachgebessert werden, da die Keeper teils zu viel Risiko eingehen und so für merkwürdige Augenblicke sorgen.

„FIFA 22“ bietet trotzdem ein deutlich runderes und vor allem frischeres Spielerlebnis. Selbst Kenner müssen sich umstellen und neue Strategien entwickeln. Technisch ist es wenig überraschend der schönste Teil der Reihe und trumpft mit lauten Stadiongesängen, stimmungsvollen Zeitlupen und einem insgesamt stimmigen Gesamtbild auf.

Bekannte Spielarten dezent aufgewertet

Ein Blick auf die Spielmodi zeigt das gewohnte Ensemble an Optionen. Für den kurzen Spielspaß greift ihr beispielsweise zu Freundschaftsspielen, spielt die Champions League aus oder probiert die Hausregeln aus. Beim Straßenkick Volta verzichtet Electronic Arts diesmal auf eine Story, geht dafür noch stärker in Richtung Fun-Sport und „FIFA Street“. So greift ihr nun auf Spezialfertigkeiten wie verstärkte Dribblings oder bessere Schüsse zurück oder tobt euch in Playlists aus. Als Motivation baut ihr die Fähigkeiten eures virtuellen Alter Egos weiter aus.

Dieses steht natürlich auch in der Spielerkarriere im Mittelpunkt: Hier sammelt ihr durch Trainingsübungen und Match-Leistungen Erfahrungspunkte und verbessert damit eure Fähigkeiten. Zudem aktiviert ihr sogar bis zu drei Spezial-Talente und könnt so euren Kicker stärker individualisieren. Zugleich müsst ihr auch Aufgaben innerhalb der Spiele erfüllen, um das Vertrauen eures Trainers zu erlangen – ansonsten droht sogar der Verkauf.

Die Spielerkarriere erfährt so eine sinnvolle Erweiterung und ist definitiv einen längeren Blick wert. Die im Vorjahr aufgewertete Managerkarriere erhält einen Club-Editor, mit dem ihr euren eigenen Verein aufbauen und individualisieren könnt. Das motiviert natürlich, auch wenn es keine vollkommen neue Idee für die „FIFA“-Serie ist.

FIFA Ultimate Team bleibt indes seinem Ruf treu: Wer bezahlt, hat es hier leichter. Immerhin dürft ihr euch täglich nun die Inhalte zweier Karten-Packs in der Vorschau anschauen, ehe ihr Geld investiert. Am Pay-To-Win-Aspekt ändert das herzlich wenig. Ansonsten erleichtert Electronic Arts den Einstieg in die Division Rivals und macht das System einen Tick fairer und motivierender – etwa mit Saisonfortschritten und andere Aufgaben, die das Spielen mit der Zeit belohnen. Hinzu kommen mit FUT Champion Online-Turniere und Online-Koop-Spiele.

FIFA Ultimate Team vertieft obendrein Individualisierungsoptionen – wie etwa bei den Stadien – und erzeugt trotz aller Probleme erneut eine Sogwirkung, die weiterhin stark motiviert.

Bei Pro Clubs wiederum geht treten nun auch weibliche Spieler-Modelle in den Matches an, genauso passt ihr auch hier eure Arena an. Schnelle Matches mit Freunden werden durch überarbeitete Menüs und „Spieler-Loadouts“ erleichtert und die eigenen Mühen werden mit freischaltbaren Talenten belohnt. Pro Clubs funktionierte im Test sehr gut, aber der Spielspaß hängt hier natürlich stark von den Mitspielern ab.

8.5
Pro
  • sehr starke Präsentation
  • deutlich verbessertes Gameplay und Animationen dank Hypermotion
  • gewaltiger Umfang und sehr große Multiplayer-Vielfalt

Wertung und Fazit

FIFA 22 im Test: Stadionatmosphäre auf PS5

Mit „FIFA 22“ macht sich Electronic Arts nicht nur Freunde. Das Versions- und Zahlungsmodell ist schlichtweg eine Frechheit. Treue Fans werden einmal mehr zur Kasse gebeten. Allerdings erweist sich „FIFA 22“ auf PlayStation 5 auch als der nächste Evolutionsschritt der Serie.

Zwar besitzt das Spiel Schwächen, Technik und Gameplay aber machen einen deutlichen Sprung im Vergleich zum Vorgänger. „FIFA 22“ ist besser spielbar, bietet mehr Tiefe und ist obendrein (wenig überraschend) der schönste Teil der Serie. Natürlich gibt es gerade in der Defensive und bei den Torhütern noch Verbesserungsbedarf. Trotzdem ist „FIFA 22“ mehr Fußball als frühere Ableger.

In Puncto Spielmodi wartet der Titel mit der bekannten, gewaltigen Mischung inklusive kleiner, aber zumeist feiner Verbesserungen auf. Wer das Fußballspiel kauft, ist über Monate beschäftigt. Deshalb: Electronic Arts geht mit „FIFA 22“ den nächsten Schritt.

Kommentare

  1. JinofTsushima sagt:

    Guter Test, freue mich drauf und werde dafür einen Twitch Acc eröffnen. Mein Ziel ist es, Blocksberg in Sachen views und co zu überholen.

  2. BigB_-_BloXBerg sagt:

    Ich supporte dich und lass nen follow da, das bin ich dir als dein erster richtiger Freund ja schon fast schuldig. 😀

  3. JinofTsushima sagt:

    Danke! Hoffe, du bist dann nicht nur ein imaginärer Freund. Denn davon habe ich bereits schon genug und Mutti ist deshalb schon sauer auf mich. ):

  4. El Chefè sagt:

    Ich warte lieber auf FIFA31.

  5. Juan sagt:

    Wie verträgt sich das
    "neue Features wie Hypermotion-Gameplay-Technologie exklusiv für PlayStation 5"

    Mit dem hier
    "Wer den nächsten Evolutionssprung der Fußball-Serie erleben möchte, benötigt zwingend eine PlayStation 5 oder eine Xbox Series X/S. Nur dann kommt ihr in den Genuss von Hypermotion und anderen exklusiven Features wie etwa der deutlich aufgewerteten Präsentation."

    ??

  6. JinofTsushima sagt:

    Juan

    Guten Morgen... Einfach deinen Text nochmal lesen, dann kommst du von selbst drauf. Ist schon alles korrekt.

  7. Chad_Muska sagt:

    Ihr habt beide recht. Exklusiv kann sich auf eine einzelne Konsole beziehen, hier ist aber wohl die Konsolengeneration gemeint. Treffender wäre da die Umschreibung "exklusiv für die neuen Konsolengeneration" gewesen. Da es sich hier aber um eine PlayStation-bezogene Seite handelt geht es auch so in Ordnung, bedeutet demnach aber so viel wie "nicht für PS4"... richtig?!

    Hab den Text nicht gelesen, da mich Fifa nicht interessiert. Aber so interpretiere ich das einfach mal aus dem Kontext eurer Kommentare. 😉

  8. Frosch1968 sagt:

    Für mich ist FIFA komplett gestorben.
    EA hat die SeriesS-Version absolut versaut.
    Furchtbarer "Grafik-Verwasch-Filter".
    Ich erwarte nicht, dass es besser aussieht als auf SeriesX bzw. PS5, aber bei FIFA wird sogar geraten die One-Version über AK zu benutzen, weil die besser aussieht.

  9. TheEagle sagt:

    Juan
    Im grunde hast du Recht, aber mit Exklusiv ist hier ganz einfach für die neue Gen gemeint, trotzdem etwas irreführend. PS5 Exklusiv gegenüber PS4/Pro

  10. Juan sagt:

    @JinofTsushima die beiden zitierten Sätze finde ich im Artikel.

  11. Sunwolf sagt:

    Mal schauen was die anderen Tester sagen. Hab schon von einigen gehört das Hypermotion das Gameplay sich anders anfühlt.

  12. proevoirer sagt:

    Gefällt mir optisch sehr aber etwas mehr Gewicht würde ich schon gerne spüren

  13. LDK-Boy sagt:

    Nach paar matches gestern kann man sagen es spielt sich besser und realistischer als 21.was genau is denn das mit der exklusiven Hypermotion gemeint.?

  14. kuw sagt:

    Erster Patch kommt und aktiviert wieder Momentum und zerstört das Spiel wie jedes Jahr

  15. BVBCHRIS sagt:

    Standardkost wie jedes jahr.

  16. Sunwolf sagt:

    @LDK-Boy

    Heist soviel das die alten Konsolen PS4 und Xbox one X die Hypermotion Technik nicht nutzt sondern nur die Next Gen Konsolen.

  17. LDK-Boy sagt:

    Meinte eigentlich auf PS5 LoL.

  18. naughtydog sagt:

    Gummiband-Stadion-Simulator 22

  19. luckY82 sagt:

    @kuw

    genau so isses, da bin ich leider oft drauf reingefallen. Demo und Start immer sehr gut spielbar, dann kam der Patch und alles im A*sch...

  20. RoyceRoyal sagt:

    Da X Play zw PS4 und PS5 nicht klappt spare ich mir mein zweites Fifa in Folge 🙂
    Hätte dabei gerne wieder wegen Pro Clubs zugeschlagen.

    Am 30.09. kommt doch PES? Das reicht mir auch in einer vorerst Light Variante für einen Kick zwischendurch.

  21. Schnäbedehämbrä sagt:

    Die Schweiz, immerhin Weltrangliste Nr.15!!!! Wurde aus dem Spiel genommen. Dafür gibt es Frauenfussball. Die reichen & dummen Schweizer können dann ja kostenpflichtig den passenden DLC kaufen… nein danke, ich zocke dann halt weiter FIFA 18. werde sowieso nie mehr ein FiFA kaufen. Für couch koop reicht die noch weitere Jahre