Review

God of War im Test: Ein neuer Kratos feiert sein Comeback

von Olaf Bleich | 12.04.2018 - 09:01 Uhr
Platform
PlayStation 4
Developer
SCE Santa Monica Studio
Publisher
Sony
Release
19. März 2018
9.0

„God of War“ prägte die PlayStation. Die Abenteuer von Kriegsgott Kratos waren nicht nur blutige Schlachtplatten, sie holten auch stets das Maximum aus der Hardware heraus. Die drei Hauptteile der Serie zeigten das beinharte Treiben des Wüterichs, drei weitere Abenteuer („Ascension“, „Chains of Oylmpus“ und „Ghost of Sparta“) erzählten Nebengeschichtn. Doch nach all diesen Jahren war es Zeit für einen Neuanfang: „God of War“ zeigt einen sichtlich gealterten Kratos, der nicht nur mit seinen Vaterpflichten sondern auch mit sich selbst hadert.

Was wir gut finden

Gefühlsduseliger Papa

„God of War“ spielt in der nordischen Mythologie. Denn Kratos möchte weg von seine früheren Missetaten. Doch anstatt dass er im Schaukelstuhl auf der Veranda seines Hauses sitzt, beginnt sein aktuelles Abenteuer mit einer Beerdigung. Gemeinsam mit Sohn Atreus betrauert er den Tod seiner Frau. Die Geschichte dreht sich daher auch immer wieder um die Verarbeitung der schlimmen Geschehnisse und darum, dass Kratos und Atreus die Asche auf einem Berg verstreuen sollen.

Anders, aber trotzdem ganz „God of War“

Wer jetzt denkt, dass diese Rolle so gar nicht zu dem hasserfüllten Spartaner passt, der irrt. „God of War“ beweist viel Feingefühl bei der Inszenierung der Vater-Sohn-Beziehung und zum ersten Mal empfinden wir so etwas wie Mitleid mit Kratos. Wir spüren, dass er den Tod seiner großen Liebe noch nicht verarbeitet hat und dass die Beziehung zu Atreus mit vielen Problemen behaftet ist. Immer wieder kommt es zu kleinen Konflikten, in denen wir mit den Zähnen knirschen.

Die Inszenierung ist auf gewohnt herausragendem Niveau. „God of War“ rangiert nahezu mühelos unter den schönsten Spielen für die PlayStation 4. Egal, ob opulente Effekte, Charakterzeichnung oder Sprachausgabe – das Spiel ist technisch erstklassig und begeistert von der ersten Sekunde an.

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Komplexer, besser, anspruchsvoller

Jedoch müsst ihr euch auf ein vollkommen anderes „God of War“ einstellen. Waren die früheren Ableger noch eher drastische Actionspiele, geht diese Reinkarnation schon fast in Richtung Action-Rollenspiel. Die wichtigsten Veränderungen manifestieren sich in der Kameraperspektive und dem Kampfsystem. Ihr spielt „God of War“ mit der Verfolgerkamera und passt den Blickwinkel selbst an. Der Vorteil: Kratos steht stärker im Mittelpunkt und die Aktionen haben mehr Wucht.

Zugleich tauscht der Krieger seine Chaosklingen gegen die Leviathanaxt. Diese schwingt ihr oder nutzt sie sogar als Wurfgeschoss. Praktisch: Ähnlich wie Thors Mjölnir holt sich Kratos seine Waffe per Handbewegung wieder zurück. Besonders in einigen der Umgebungsrätseln, bei denen ihr Runen oder Wurzelknoten zerstören müsst, ist die Funktion wichtig. Ohne Axt kämpft ihr mit Schild und nackten Fäusten. Insgesamt fühlen sich die Schlachten körperlicher und härter an. Das Spiel wirkt weniger überzeichnet und fordert mitunter sogar Blocks und Ausweichbewegungen.

Die Gegner variieren häufig und reichen von modrigen Untoten bis hin zu Wiedergängern und sogar Drachen. Atreus auf der anderen Seite agiert selbständig und stört eigentlich nie. Vielmehr leistet er profunde Unterstützung und feuert auf Kommando Pfeile auf Feinde oder bestimmte Objekte. Im Verlauf sprengt er rotes Harz, entzündet Kristalle oder baut Lichtbrücken auf. „God of War“ fühlt sich fordernder und anspruchsvoller als seine Vorgänger an, besitzt aber – speziell bei den sich leider recht oft wiederholenden – Finishing-Moves dessen Stärke.

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So viel zu tun

Im Verlauf der Kampagne arbeitet ihr euch durch verschiedene Gebiete der nordischen Mythologie und wenig überraschend geht nicht alles wie anfangs geplant vonstatten. „God of War“ überlässt euch überraschend viele Freiheiten. In den Arealen verstecken sich etwa Runenrätsel zum Öffnen von Bonus-Sarkophagen, aber auch Nebenaufgaben – fast wie in einem Rollenspiel. Das Durchrennen zum nächsten Zielpunkt ist zwar möglich, aber dann verpasst ihr auch einiges.

Und ihr macht es euch vor allem unnötig schwer: In „God of War“ gibt es nämlich ein Erfahrungs- und ein Inventarsystem. Ihr kauft oder findet also neue Rüstungen, verbessert eure Gegenstände oder verkauft sie im Shop. Das XP-System ist einfach und effektiv: Für erledigte Gegner erhaltet ihr Erfahrung, diese investiert ihr in neue Fertigkeiten. Sehr schön: Ihr rüstet nicht nur Kratos‘ Talente auf, sondern auch die von Atreus. Wir verbrachten überraschend viel Zeit mit Mikro-Management und hatten viel Freude beim Ausprobieren von Runen, Zaubern und anderen erweiterten Funktionen.

Was wir schlecht finden

Ist das noch unser „God of War“?

Machen wir uns nichts vor: Das neue „God of War“ hat spielerisch mit den früheren Titeln herzlich wenig gemein. Zwar transportiert das veränderte Kampfsystem weiterhin den Zorn des einstigen Kriegsgottes, doch der aktuelle Ableger spielt sich derart anders, dass es beinahe zu einem Kulturschock kommt. Wer sich ein allzu geradliniges Abenteuer erhofft, der muss sich umstellen. „God of War“ besitzt seine eigene Identität und so dauert es seine Zeit, ehe wir uns etwa an das Zusammenspiel von Vater und Sohn oder auch an das Talentsystem gewöhnt hatten.

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Pass auf deinen Rücken auf!

Frühere „God of War“-Teile besaßen eine feste Kameraperspektive. Kämpfen konnten dadurch perfekt eingefangen werden. Die freie und dennoch sehr nahe Kamera erschwert besonders Auseinandersetzungen mit Distanzschützen, die sich nur allzu gerne auf höheren Ebenen verstecken. Wenn euch gleich mehrere Widersacher immer wieder in den Rücken schießen, dass nervt das – trotz Hinweispfeilen – enorm. Gerade mit vielen Gegnern auf dem Bildschirm geht die Übersicht daher schnell flöten. Es wäre praktisch gewesen, wenn die Kamera in Schlüsselmomente einen Tick raus zoomen würde.

9.0
Pro
  • starke Präsentation
  • sehr umfangreich
  • gelungener Mix neuer Spielelemente
Contra
  • mangelnde Übersicht
  • teils lange Wege

Wertung und Fazit

God of War im Test: Ein neuer Kratos feiert sein Comeback

„God of War“ ist ein vollkommen eigenständiges Spiel und hat in puncto Gameplay kaum noch etwas mit den Vorgängern zu tun. Darauf müsst ihr euch einstellen! Vergesst also lange Kombos mit den Chaosklingen und dass ihr euch wie ein Messer durch Monster und Unholde metzelt. Das neue „God of War“ geht eigene Wege und präsentiert sich erwachsener und ausgewogener als frühere Abenteuer. Die Mischung aus Action, Rätseln und Talentsystem passt und ist ein Garant für jede Menge Motivation. Dazu vernachlässigt das Spiel auch alte Tugenden nicht.

Ganz egal, ob brutale Finishing-Moves oder gewaltige Bosskämpfe – das neue „God of War“ bewahrt diese Elemente der ursprünglichen Serie, verpackt sie aber anders. Wir hatten im Test reichlich Spaß mit Kratos und Atreus und waren überrascht darüber, wie gut das Vater-Sohn-Gespann letztlich doch funktionierte. Schwächen – wie etwa die wackelige Kamera oder das durchwachsene Schnellreisesystem – sind letztlich nur Erbsenzählerei. „God of War“ erweist sich als fantastisches Stück PS4-Historie und bringt die Serie ins Jahr 2018.

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Kommentare

  1. Sleeping-Ex sagt:

    @Alfonso

    Weil so etwas wie normaler Umgang oder eine gepflegte Diskussionskultur im Kommentarbereich dieser Seite selten bis gar nicht zu finden ist.

    und @Frauenarzt

    Merkt man wirklich nur ein ganz klein bisschen. 😉

  2. yesyesya sagt:

    wird das Spiel "uncut" sein in DE ?? weil auf gameshop.at zB gibt es eine Uncut EU inport version. ist das die selbe wie man sie zB von Amazon bestellen kann ? schließlich ist es ja auch hier in DE FSK18

  3. jackpotrk sagt:

    Frauenarzt hat immer die Meinung die am meisten anstößt. Wenn du das nicht merkst bist du emotional sehr unintelligent.

  4. Vaiel sagt:

    @play3

    Schon ne Frechheit, was ihr hier als Test verkaufen wollt!

  5. Link sagt:

    Schließe mich ein paar Vorrednern an, der Test ist mager. Mich hätte die Gegnervielfalt interessiert, unterschiedliche Spielareale, hat die Handlung Tiefgang, etc. Dieser „Test“ lässt vermuten, dass euer Tester das Spiel entweder noch nicht besitzt oder abgeschlossen hat. Ich brauche mir nur die letzten fünf GoW-News durchlesen und kann den selben Bericht schreiben. Sehr schade.

  6. ScorpioN sagt:

    Verstehe das ganze Gehate gegen dieses Spiel nicht...
    Resident Evil 4-6 (7) gehen auch seit Jahren eine andere Richtung und viele hier keulen sich einen auf die neueren Teile. Manche meinen sogar das die 3rd Person Teile die besten der Reihe wären.
    Deshalb verstehe ich nicht wieso man eine neue Ausrichtung von GoW so verteufelt....

  7. Ich_mag_Alfons sagt:

    Denkt ihr wirklich, dass der Verfasser des Textes das Spiel auch nur eine Sekunde gespielt hat? JEDER "Test", der hier veröffentlicht wird ist oberflächlich und zusammengeklaubt. Als ob diese Gammelseite eine Reviewfassung vom Hersteller kriegen würde :D.

  8. IamYvo sagt:

    Hast du schon mal überlegt, dass hier die Reviews so kurz und oberflächlich gehalten sind, weil man vlt auch ein Heft verkaufen will? 😉

  9. Syndroid sagt:

    Muss mich der Meinung Frauenarzts mal außnahmsweise anschließen.
    Sie hätten dem Spiel und Protagonisten auch ganz einfach einen anderen Namen geben können, aber haben wahrscheinlich aus wirtschaftlichen Gründen nicht die Eier dazu gehabt. Der Name alleine sorgt eben für das halbe Marketing und Verkaufszahlen.
    Was mich da im Zuge der Reboots auch nervt, ist die komplette Übernahme des ursprünglichen Namens, ohne Zusatztitel..
    Wie lange soll dieser Trend denn weitergehen? in 30 Jahren hätten wir dann von jeder halbwegs großen Marke 5 Titel mit dem selben Namen und jedesmal mehr Distanzierung zum Original.

    Ansonsten ist das neue GoW sicher ein klasse Spiel, was die Wertung verdient hat.. nur stört mich eben obiges und mit dem Setting kann ich aber geschmacksbedingt leider auch nur wenig anfangen.

  10. Frauenarzt sagt:

    @IamYvo

    Das Heft hat nichts mit dieser Seite hier zu tun.

  11. IamYvo sagt:

    Warum hat das nichts damit zu tun? Die Seite heißt play3.de und wer einen ausführlicheren Test will, muss sich wohl oder übel das Heft kaufen. Wenn man exakt den gleichen Test anbieten würde, gäbe es einen Grund weniger fürs Heft.

  12. President Evil sagt:

    @IamYvo

    Das Magazin hat wirklich nichts mit dieser Seite zu tun (ich nehme an du meinst Play4)

  13. IamYvo sagt:

    Also gehört diese Seite hier nicht zu Computec?

  14. President Evil sagt:

    Nein

  15. IamYvo sagt:

    Okay my bad 😀

  16. DDoubleM sagt:

    Was für ein trauriges Stück DNA hier manche sind, unglaublich.

    3 Monate ab in die Wüste. Selbst ernähren usw. Evtl bekommen dann manche einen klaren Kopf.

  17. Mr. Orange sagt:

    Nächste woche gibt's bei real eine Aktion... 20% Rabatt auf Konsolenspiele wenn man den Coupon aus dem Prospekt abgibt. Da kostet das Spiel dann nur noch etwa 48 Euro. Da sag ich nicht nein.

  18. IamYvo sagt:

    Hab den aktuellen Prospekt in der Hand und da ist kein Coupon?

  19. Mr. Orange sagt:

    Nicht der aktuelle, der für nächste woche.

  20. IamYvo sagt:

    Und wie kommst du dann auf 48€? Zumindest auf der Website steht es für 72€ drinnen.

  21. Mr. Orange sagt:

    Es ist nächste Woche in der Werbung. Kostet 59,95. Aber eben erst ab Freitag.. da ist VÖ.

  22. High-Tech sagt:

    alter ist der test scheisse, genau wie der von giga.de

  23. Saro Isamura sagt:

    wer auf play3 geht um nach spieletests zu schauen der geht auch zu seiner oma wenns mal bei der freundin im bett nicht so gut klappt

  24. Check008 sagt:

    Das was ich gesehen hab bisher auf Twitch spricht mich überhaupt nicht an. God of War 3 hab ich verschlungen, war sehr geil.
    Grafisch finde ich es auch enttäuschend, hab ich viel mehr erwartet wohl zu viel von der PS4. Sieht alles sehr statisch aus. Bin wohl zu verwöhnt vom PC.
    Naja, nichts für mich allen anderen viel Spaß.

  25. VisionarY sagt:

    Ein neues God of War, in jeder hinsicht, wer ein hack & slay spiel mit button smashing (wie die alten teile) erwartet hat wird enttäuscht sein. Man brauch bei diesem Spiel eher Taktik und Geschick in den Kämpfen, Stumpfes button smashing is nicht mehr!
    Ich war Skeptisch dem Spiel gegenüber wurde aber sehr Positiv überrascht.
    Einzig negativer Aspekt ist das es ab und an zu lange ruhigere Passagen gibt, da waren die alten teile doch etwas Brachialer von anfang bis ende.
    Ist aber durch den Bezug zu Atreus (dem Sohn) wohl eher passend das es auch mal ruhige Passagen gibt.

  26. Kratos_the_God_of_War sagt:

    Ist und wird immer eins der besten Spiele für die PS4 sein.

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