PlayStation: Wie Lizenzspielen die Wende gelang

Kommentare (14)

Lange genossen Videospiele, die auf bekannten Marken basieren, keinen allzu guten Ruf unter Gamern. In der jüngeren Vergangenheit wurden wirklich schlechte Lizenzspiele jedoch immer seltener. Ein Trend, der sich in Zukunft fortsetzen dürfte.

PlayStation: Wie Lizenzspielen die Wende gelang
"Batman: Akham City", "Dragon Ball FighterZ" und "The Witcher 3" zählen zu den besten Lizenzspielen der letzten Jahre.

In den letzten Tagen sorgten vor allem Videospiel-Ankündigungen aus dem Hause Disney für Schlagzeilen, die gleich zwei neue Games basierend auf ihren Lizenzen bestätigten. Zunächst arbeiten die „The Division“-Macher für Ubisoft an einem „Star Wars“-Titel, über das bereits erste Gameplay-Hinweise durchgesickert sein könnten. Darüber hinaus werkelt das schwedische Team von MachineGames („Wolfenstein“) an einem neuen „Indiana Jones“-Spiel. Anders als noch vor 20 oder 30 Jahren können Fans hierbei berechtigterweise auf durchaus gute Spiele hoffen.

Großer Name statt Qualität: Filmstudios gaben nichts auf Spiele

Ältere Spieler werden sich sicherlich noch an diese Zeiten erinnern, in denen zu quasi jedem größeren Kinofilm eine passende Videospiel-Adaption erscheinen musste. Idealerweise landete diese in etwa parallel zum Kinostart und weiteren Merchandise-Artikeln im Handel. Damals gab es mehrere Studios, die sich auf solche Lizenzspiele spezialisiert hatten, oftmals auch deshalb, da sie das schnelle Geld witterten. Anders als heutzutage gab es damals nur in sehr wenigen Fällen ein richtiges Verständnis für die jeweilige Vorlage.

Dies lag ebenfalls an den verantwortlichen Filmemachern, welche die Aufträge an die Studios verteilten. Es gab vonseiten der Filmindustrie keine wirkliche Kenntnis über die komplexen Arbeitsabläufe bei der Videospielentwicklung. Stattdessen rechneten viele Verantwortliche damit, dass sich notfalls ein Titel über den großen Namen auf dem Cover verkaufen würde, selbst wenn die Qualität schlecht sei. Dass viele Lizenzspiele zeitgleich zur Filmvorlage erscheinen mussten, machte es oftmals für die Entwickler nicht besser.

Selbst wenn ein Team von der Idee einer Adaption begeistert gewesen sein sollte, hinderte der enorme Zeitdruck die Entwickler regelmäßig daran, vernünftige und vor allem passende Konzepte zur jeweiligen Marke zu entwerfen. Deshalb kam es nicht selten vor, dass sich die Macher ein populäres Genre oder einen zur damaligen Zeit beliebten Titel auswählten, um auf dieser Grundlage irgendwie ein Spiel zu entwickeln. Irgendwie, da in der Regel eine knapp bemessene Deadline die nächste jagte.

Trendwende: Steigende Entwicklungs- und Lizenzkosten

Ende der 2000er sollte sich dies jedoch allmählich ändern. Im Laufe der Jahre stiegen die Kosten für Lizenzen immer weiter an, bis irgendwann ein Punkt erreicht war, an dem bekannte Lizenzen für kleinere Entwickler kaum mehr erschwinglich waren, weshalb immer öfter große Studios den Zuschlag erhielten. Konnten kleinere Teams doch eine Lizenz ergattern, musste dafür häufig bereits ein nicht unerheblicher Teil des Entwicklungsbudgets verwendet werden, was wiederum Auswirkungen auf die Qualität hatte und in Kombination mit dem Druck der Studios sowie den kaum einzuhaltenden Deadlines ebenfalls für die oftmals schlechten Endprodukte sorgte.

Dass wirklich schlechte Lizenzspiele langsam immer seltener wurden, liegt darüber hinaus auch daran, dass die Videospielbranche an sich wuchs. Nachdem viele Entwicklerstudios lange Zeit von Filmschaffenden belächelt wurden, entwickelten sich Games zu einer eigenständigen Kunstform, die kreativen Köpfen ganz neue narrative Optionen eröffnete. Dies führte auch dazu, dass direkte Adaptionen der Filmvorlagen allmählich verschwanden, da sich die Verantwortlichen nach Wegen umsahen, eigenständige Geschichten innerhalb dieser Welt zu erzählen. Einige Filmstudios, etwa Warner Bros., gründeten selbst Firmen für die Umsetzung hauseigener IPs wie „Batman“.

Trends, die sich in den letzten Jahren fortsetzten sollten: Electronic Arts unterzeichnete beispielsweise einen Deal mit der Walt Disney Company, um exklusiv Videospiele basierend auf deren „Star Wars“-Lizenz erstellen zu dürfen. Sony Interactive Entertainment einigte sich indes mit Disney auf eine Vereinbarung bezüglich „Spider-Man“, während CD Projekt Red sich die Rechte an der Fantasy-Romanreihe „The Witcher“ sicherten, auf deren Grundlage das Studio in den letzten Jahren drei RPGs entwickelte.

In den letzten Jahren sahen wir deshalb immer häufiger gute bis sehr gute Videospiele, die auf großen Lizenzen basieren, etwa „Star Wars Jedi: Fallen Order“, „Marvel’s Spider-Man: Miles Morales“ oder auch „Dragon Ball Z: Kakarot“. Natürlich gab es immer wieder einige Ausnahmen, beispielsweise „Marvel’s Avengers“ von Square Enix sowie einige kleinere Projekte für Mobile-Geräte. Der Trend generell ist allerdings bereits seit einigen Jahren überaus positiv, was Hoffnung bezüglich weiterer Spiele basierend auf bekannten Lizenzen macht.

Blick in die Zukunft: Uns erwarten vielversprechende Lizenzspiele

Und von diesen erwarten uns in der nächsten Zeit einige: MachineGames arbeitet, wie eingangs schon erwähnt, derzeit an einem „Indiana Jones“-Spiel, bei Ubisoft scheint sich ein „Star Wars“-RPG in Produktion zu befinden und Electronic Arts lässt gar gleich an mehreren Games basierend auf der weit, weit entfernten Galaxis arbeiten. Hinzukommen weitere hochkarätige Titel wie „Gotham Knights“ von Warner Bros. Montreal sowie Bandai Namcos Adaption des Anime-Hits „Demon Slayer“.

Zum Thema

Natürlich macht ein großer Name allein nicht automatisch ein gutes Spiel. All den eben genannten (angekündigten) Games ist jedoch gemein, dass sie bei durchaus talentierten Studios entstehen. Folglich dürfen sich Fans der entsprechenden Marken wohl berechtigte Hoffnungen auf gute oder auch sehr gute Lizenzspiel-Umsetzungen machen. Der Trend zeigt jedoch seit Jahren deutlich nach oben, weshalb wirklich miese Lizenzgurken irgendwann hoffentlich gänzlich der Vergangenheit angehören.

Jetzt seid ihr dran: Empfindet ihr den Trend hinsichtlich der Qualität von Lizenzspielen ebenfalls als positiv?

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Kommentare

  1. MCRN sagt:

    Ich fand beide Division-Teile zum Einschlafen langweilig. Auch das simple Spielprinzip mit Onlinezwang und dem permanenten Gespawne von Gegner an jeder Ecke sowie dem vorhersehbarem Gameplay war nicht der Bringer. Grafisch toll, inhaltlich mies.

    Ich erwarte daher mal nicht allzu viel von dem, was Ubi da entwickeln lässt.

  2. signature88 sagt:

    Seltener? War da nich neulich was mit den Avengers? Schlechter geht's nicht.

  3. big ed@w sagt:

    Tatsächlich viel seltener.

    Früher war Lizenzschrott Standard der Marke "es werden sich schon genügend Idioten finden die den Schrott kaufen.So lange der richtige Name drauf steht reichts immer für etwas Gewinn",mittlerweile hat man gemerkt dass sich massig Gewinn mit einer guten Lizenz einfahren lässt u sich die Spiele über Jahre hinweg noch gut verkaufen u quasi eine Trilogy planen kann,wenn die Qualität stimmt u man in das Spiel so viel Geld investiert wie in die Lizenz.

    Dass Marvel Schrott geworden ist liegt nicht an der technischen Qualität u deren Potential,sondern am GaaS Ansatz der Spiele beschneidet u repetitiv macht.
    Dieses Spiel wurde nicht von den Entwicklern,sondern von den Bossen ruiniert.
    (u es ist immer noch um Längen besser als Superman aufm n64)

  4. galadhrim05 sagt:

    In der regel schon seltener ; da es auf keinen bestimmten film basiert , was vieles vereinfacht , man denke da an batman begins im vergleich zu den arkham teilen

  5. daywalker2609 sagt:

    Auch wenn das Avengers Game massiv geflopt ist, so war es im Vergleich früherer Lizenspiel Gurken immer noch ein passables Spiel.

  6. DerMongole sagt:

    Das Medium (Gaming) wächst und ist kein zu unterschätzender Markt mehr.

    Ausserdem haben die Filmstudios/Lizenzgeber verstanden, das es ihrer Marke schadet wenn ein schlechtes Spiel mit ihrer Lizenz erscheint... Wie gesagt meistens... Avengers als Ausnahme bestätigt die Regel 😀 (Marvels Image kann man nicht mal mit einem Ka*k Spiel schaden 😀 die sind zu groß)

  7. UgaMugaLulu sagt:

    Seh ich anders. Gute Lizenzspiele gab es auch früher! Von Indiana Jones Adventures bis hin zu vielen verschiedenen Star Wars Spielen mit vielen guten Titeln auf allen möglichen Plattformen.

    Lizenzgurken gibt es auch heute noch viele, dabei ist avengers nur ein Beispiel, aber auch SpongeBob Spiele und zig andere Titel sind durchaus ganz schöne Gurken.

    Ein kleiner Wendepunkt war dennoch die Batman Reihe, die in einer Zeit mit vielen Gurken plötzlich mit einer herausragenden Spielebombe raus kamen. Auch derzeit noch unerreicht. Spiderman ist z.B. zu 50% von Batman abgekupfert und kommt dennoch nicht ganz dran.

    Witcher seh ich gar nicht so in der Riege, da das vorher jetzt nicht die bekannteste Marke war. Aber ja, irgendwie stimmts schon, ist im Endeffekt auch ne Lizenz.

  8. EyLanAlter sagt:

    Allgemein ist es schon besser geworden, finde ich. Natürlich gab es aber auch damals schon geniale Spiele, ich denk nur an GoldenEye fürs N64.

  9. DerMongole sagt:

    Stimmt wo du es sagst fällt mir einiges ein Star Wars Kotor war super ! Ich meine sogar das mir Episode 1 auf PS1 auch gefallen hat.

    Oder König der Löwen und Aladdin auf Super Nintendo 😀 wer sich noch daran erinnern kann.

    Aber es gab ne viel zu lange Zeit, da wurden die Lizenzspiele überschattet von Müll...

  10. DerMongole sagt:

    @Eylanalter stimmt Goldeneye war super !

    Mission Impossible 1 auf PS1 war auch sehr gut... Da fallen einigen noch sicher noch mehr gute Spiele ein aber dennoch gabs/gibts viel mehr Lizenzmüll...

  11. Argonar sagt:

    Es gab auch früher gute Linzenspiele, nur deutlich seltener.

    Spider-Man 2 auf der PS2 hat immer noch die realistischste Schwingmechanik. Zu Batman und den Turtles gibts auch eine Handvoll, wenn auch mehr aus der NES, GB und SNES Ära.

    X-Men Legends, Marvel Ultmate Alliacne 1 + 2, Golden Eye, die Budokais und Budokai Tenkaichis...

    Der Lowpoint waren dann Spiele wie Thor, Green Lantern, Superman Returns und co.

    Die richtige Wende kam aber mit den Arkham Spielen, man hatte mit Batman Begins (welches für ein Lizenzgame noch halbwegs passabel war) sogar den direkten Vergleich.

    Avengers ist kein schlechtes Spiel, nur die Preispolitik ist/war (ka ob sich was geänndert hat) viel zu agrressiv und die Leute wollten halt was anderes.

  12. MartinDrake sagt:

    Ich freu mich auf „Project 007“ von iO Interactive, denen traue ich ein super Spiel zu, abwohl mir die neueren Hitman‘s gar nicht so zusagten.

    Aber Bond Games, gerne, damals von GoldenEye über Nightfire bis zu Blood Stone alle gespielt.

  13. EightySix sagt:

    Gurken gibt es insgesamt weniger, dass ist richtig, aber wie hier auch schon angemerkt gab es auch früher schon gute Lizenzspiele. Der Trend lässt sich eher daraus ableiten, dass heute die Filmstudios weniger auf ein Spiel zum Film bestehen, sondern den Studios mehr Freiraum gegeben wird. Spiele direkt zu einem Film (inkl. VÖ am Tag des Kinostarts), werden auch in Zukunft meist Gurken bleiben.
    Spiele brauchen andere Stories, andere Perspektiven, gerne angelehnt an den Film (Prequel, Sequel, ...), aber eigenständig. Wichtig ist nur, dass man ein Gespür dafür hat, was die Filme ausmacht.
    Avengers ist kein schlechtes Spiel, aber die Figuren sehen halt wie aus einem billigen B-Movie aus, weder wie in den Comics, noch wie in den Filmen..., da war der Flop schon nach dem ersten Screenshot vorprogrammiert, da war kein Gespür für das Figurendesign. Story und Verhalten ist ok, aber soweit kommen die meisten gar nicht, die sehen die Figuren und rennen weg - das hätte man als Entwickler wissen müssen.

  14. moody_hank sagt:

    Was würde ich geben um richtige gute Spiele zu Zurück in die Zukunft oder Superman. Gerade bei letzterem könnte man ähnlich wie in der Arkham - Reihe die Spielwelt ähnlich ikonisch darstellen.