Review

Returnal im Test: Genial-unbequeme Grenzerfahrung!

Knackig schwer, technisch brillant und spielerisch erstklassig: In „Returnal“ verbaut Entwickler Housemarque „Bullethell“ und „Roguelite“-Gameplay zu einem gewaltigen Science-Fiction-Abenteuer.

play3 Review: Returnal im Test: Genial-unbequeme Grenzerfahrung!
8.0

Nach unzähligen Stunden auf Atropos verbindet uns eine Hass-Liebe mit „Returnal“. Auf der einen Seite kreiert Housemarques Roguelite-Abenteuer geniale Momente und wartet mit einer faszinierenden Spielwelt auf, die zum Erforschen einlädt. Zugleich aber hat uns „Returnal“ auch ein ums andere Mal in den Wahnsinn getrieben. Etwa, indem es uns in Bonus-Räume lockt, wo wir dann plötzlich und nur mit einer Pistole bewaffnet einen gewaltigen Alien gegenüber stehen.

„Returnal“ balanciert immer wieder auf dem schmalen Grat zwischen Videospiellust und Gaming-Frust. Allerdings gelingt dies nicht ganz so gut wie etwa bei Titel wie „Dark Souls“, „Sekiro“ oder „Hades“. Und trotzdem ist „Returnal“ eines dieser Spiele, die stolze Playstation-5-Besitzer kennen und zocken sollten – Denn selten zuvor kamen sich Indie-Gameplay und AAA-Produktion so nah.

Kreislauf mit Veränderungen

„Returnal“ entführt euch auf den Alien-Planeten Atropos. Die Astronautin Selen stürzt mit ihrem Raumschiff ab und muss einen Weg von diesem Stern herunter finden. Doch schon beim ersten Ausflug stellt sie fest, dass hier etwa nicht stimmt. Sie entdeckt nämlich die Leiche von sich selbst. Und spätestens wenn ihr zum ersten Mal drauf geht, dann erfahrt ihr die Krux an „Returnal“: Selene ist gefangen in einer Zeitschleife. Jedes Mal, wenn sie stirbt, startet sie wieder an der Absturzstelle.

Beinhartes Science-Fiction-Roguelite ohne Kompromisse

Sie verliert dabei einen Großteil der zuvor entdeckten Hilfsmittel und Erweiterungen. Ihr bleiben lediglich permanente Gegenstände wie etwa ihr Blaster oder ein Energie-Schwert, sowie die gesammelten Informationen in Form von Logbuch-Einträgen und anderen Dokumenten. Die vor euch liegenden Areale würfelt „Returnal“ mit jedem Neustart teils zufällig aus.

Die Abschnitte sind dabei nicht prozedural generiert, vielmehr variiert deren Anordnung. Es gibt also einen gewissen Wiedererkennungswert, der nach einer längeren Zeit im Spiel und nach entsprechend vielen Ableben einsetzt. Trotzdem bleibt der Wiederspielwert groß, da „Returnal“ auch immer neue Räume oder Bereiche einstreut und freischaltet. Dadurch bekommt man selbst nach unzähligen Niederlagen noch das Gefühl des steten Fortschritts.

Science-Fiction der nächsten Generation

Das „Game Over“ gehört aber zu „Returnal“ dazu. Das Third-Person-Actionspiel geizt auf eurem Streifzug durch sechs Biome nicht mit Gemeinheiten und überschwemmt den Bildschirm immer wieder mit Geschossen. Eure Aufgabe besteht darin, Muster und Lücken zu erkennen und diese für euch zu nutzen. Manchmal aber ist so viel los auf dem Bildschirm, dass man geradezu resignierend den Controller weglegen möchte. Kein Wunder, verbindet der Titel doch „Bullethell“-Elemente mit Roguelite-Gameplay und schafft so eine einzigartige, wenn auch nicht frustfreie Mischung.

In seinem Kern aber spielt sich „Returnal“ ausgezeichnet. Ihr steuert Selene aus der Verfolgerperspektive, verwendet die beiden Analog-Sticks zum Bewegungen und Anvisieren. Selene kann lediglich eine Waffe bei sich tragen. Für die Nutzung der zwei Feuermodi greift Housemarque auf ein innovatives Steuerungskonzept zurück: Halten ihr die R2-Taste nur leicht gedrückt, zielt ihr lediglich genauer. Drückt ihr den Trigger durch, verschießt ihr Granaten, feuert einen Laser-Beam ab oder greift auf andere Sekundärfunktionen zurück. Diese koppelt das Spiel an Abklingzeiten. Ist der Feuermodus aufgeladen, ertönt ein lautet Signal aus dem Lautsprecher eures Controllers.

Doch das ist nicht das einzige Kabinettstückchen mit dem „Returnal“ aufwartet. So kommt das Spiel auch ohne echte Ladezeiten aus. Bereits Sekunden nach dem Start des Spiels befindet ihr euch schon auf Atropos, danach gibt es keine Lade-Screens mehr. Auch die Präsentation kann sich mehr als sehen lassen: „Returnal“ bietet mit sechs Biomen wechselnde Schauplätze, sowie herrlich ekelige Tentakel-Monster und fiese zerrissene Endgegner. Sound-Kulisse, Musik und Grafikstil gehen hier Hand in Hand und in seiner Gänze zeigt „Returnal“ die Stärken der Playstation 5 überdeutlich auf.

Hart an der Schmerzgrenze

„Returnal“ gibt sich kompromisslos: Roguelite- und „Bullethell“-Gameplay stehen hier im Mittelpunkt. Das bedeutet im Klartext: Ihr werdet oft drauf gehen und immer wieder von vorne beginnen. Zwar bietet das Spiel Hilfsmittel wie Abkürzungen oder Teleporter, trotzdem „bestraft“ es das Scheitern immer wieder. Und das kann frustrieren.

Wir haben allein für das erste Biom locker fünf bis sechs Stunden benötigt und mussten immer wieder „Frustpausen“ einlegen. Zu nervig ist es manchmal, absolut „unterlevelt“ gegen teils größere Gegnerhorden anzutreten und sich erst mal wieder die entsprechende Ausrüstung anzueignen. Gerade der ständig wiederkehrende Weg zum nächsten Boss nagt an einem und „Returnal“ gelingt es nicht immer, diesen auch beim wiederholten Anlauf spannend zu halten.

Im besten Fall stolpert ihr auf der Suche nach neuen Waffen, Lebensenergie-Upgrades oder Parasiten-Upgrades über neue Geheimnisse oder entdeckt frische Details über die Spielwelt. In diesen Momenten entfaltet „Returnal“ seine ganze Kraft als erzählendes Abenteuer. Denn Atropos lädt zum Erforschen ein und begeistert mit mysteriösen Hintergründen und überraschenden Rückgriffen in Selens Vergangenheit. Ähnlich wie „Dark Souls“ verwendet auch „Returnal“ teils kryptische Bezeichnungen für Upgrades, Lebensenergie und andere Spielelemente. Gemeinsam mit dem Art-Design ergibt sich so der Gesamteindruck einer mysteriösen Spielwelt.

Weitere Meldungen zu Returnal: 

Im Verlauf der Geschichte erweitert ihr Selenes Arsenal und schaltet so immer neue Bereiche frei. Mit dem erst später entdeckten Schwert etwa durchtrennt ihr Ranken und gelangt so oft an versteckte Lebensenergie. In späteren Abschnitten fährt das Spiel gar handfeste Umgebungsrätsel auf, in denen ihr mit Timing und euren Gadgets etwa Laser-Barrieren oder anderen Hindernissen ausweichen müsst. Immer wieder trefft ihr zudem auf „verdorbene“ Gegenstände, die negative Effekte mitbringen.

Auch der Einsatz von Upgrade-Parasiten ist mit Nachteilen verbunden. Und so müsst ihr in „Returnal“ immer wieder abwägen, wie ihr wirklich vorgehen und wie viel ihr in diesem Moment riskieren möchtet. Eine falsche Entscheidung torpediert womöglich einen bis dahin erfolgreichen Run: Das sorgt für Nervenkitzel, aber kann auch sehr schnell ins Gegenteil umschlagen.

8.0

Wertung und Fazit

PRO
  • geniale Technik inklusive Einbindung des Dualsense-Controllers
  • faszinierende Welt, die zum Erforschen einlädt
  • gelungenes Third-Person-Shooter-Gameplay mit viel Tiefe
CONTRA
  • gerade im Nahkampf zu chaotisch
  • bisweilen unfaire Rücksetz- und Warppunkte
  • immer wieder Frustmomente aufgrund des Roguelite-Gameplays

Returnal im Test: Genial-unbequeme Grenzerfahrung!

Eine bedingungslose Kaufempfehlung erhält „Returnal“ von uns nicht. Dafür ist es einfach zu unorthodox und bisweilen sogar unfair. So faszinierend die Spielwelt und deren Hintergründe sein mögen, so sehr stören auch Balancing-Probleme und sich ständig wiederholende Abläufe.

Da ist hier – im Gegensatz zu „Dark Souls“ oder „Bloodborne“ - kaum Möglichkeiten gibt, sich als Spieler das Leben etwa durch Grinding zu erleichtern, kommt daher ungewohnt viel Frust auf. Das ist schade, denn natürlich profitiert „Returnal“ auch von seiner ungewöhnlichen Spielmechanik und dem sehr gut umgesetzten Action-Gameplay. Das Action-Abenteuer sieht fantastisch aus und spielt sich erstklassig.

Waffen-Feedback, Handling und Dualsense-Integration sind Garant dafür, dass ihr auch in hektischen Momenten die Kontrolle behaltet. Gewürzt wird das ganze durch Feuermodi, verschiedene Waffen und natürlich Upgrades und andere Extras. Für uns hat aber gerade das Erleben und Entdecken der Spielwelt den Reiz ausgemacht.

Hotlist

Kommentare

Rias-gremory

Rias-gremory

02. Mai 2021 um 11:29 Uhr
Der Namenlose

Der Namenlose

02. Mai 2021 um 12:00 Uhr
VisionarY

VisionarY

05. Mai 2021 um 07:46 Uhr