Cyberpunk 2077: Der Gipfel einer traurigen Entwicklung im AAA-Bereich - Meinung

"Cyberpunk 2077" sorgte in den letzten Wochen für zahlreiche Schlagzeilen und das aus anderen Gründen, als viele vor Release gedacht hätten. Dabei erreicht mit dem RPG eine traurige Entwicklung der letzten Jahre einen neuen Höhepunkt.

Cyberpunk 2077: Der Gipfel einer traurigen Entwicklung im AAA-Bereich – Meinung

"Cyberpunk 2077" ist unter anderem für die PlayStation 4 erhältlich.

Das neue Jahr ist endlich da, doch mit „Cyberpunk 2077“ beschäftigt uns noch immer ein Thema aus 2020. Obwohl die Veröffentlichung des von Millionen Spielern heißersehnten RPGs zumindest aus kommerzieller Sicht ein voller Erfolg war, sah sich Entwicklerstudio CD Projekt Red doch mit allerlei Problemen konfrontiert. Zuvor führten wir bereits aus, dass dieses Launch-Debakel das Vertrauen in die gesamte Branche zerstört. Allerdings ist es ebenfalls der Höhepunkt einer traurigen Entwicklung, die sich die letzten Jahre im AAA-Bereich beobachten ließ.

Auf den Hype folgt die Schadensbegrenzung

Es spielten sich Szenen ab, die viele Spieler bereits aus den vorangegangen Jahren zur Genüge kannten. Erinnern wir uns beispielsweise nur an den Launch von Bethesdas „Fallout 76“ zurück, das in einem desaströsen Zustand auf den Markt geworfen wurde und eher an eine spielbare Beta denn ein vollständig entwickeltes Spiel erinnerte. Schon vorher hatten sich neben Bethesda auch diverse Studios nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, wenn es um die Veröffentlichung neuer Spiele zu großen Marken ging, doch selten war es so schlimm.

Etwas hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren allerdings dann doch geändert, denn erstmals sah sich Sony zu drastischen Maßnahmen veranlasst und zog diese rigoros durch: Mit „Cyberpunk 2077“ entfernte der PlayStation-Hersteller erstmals einen Titel aus seinem Online-Store – eine der meisterwarteten AAA-Produktionen der letzten Jahre. Sicherlich agierte Sony hierbei auch mit einem gewissen Kalkül, schließlich dürfte das Unternehmen auch darum bemüht gewesen sein, sein eigenes Image vom missglückten „Cyberpunk 2077“-Launch nicht ankratzen zu lassen.

Generell ließe sich am jüngsten Werk des polnischen Entwicklerstudios einiges kritisieren und das über den von uns bereits als inakzeptabel betitelten technischen Zustand des Spiels auf den Last-Gen-Konsolen hinaus. Da wären die Kommunikationsprobleme zwischen Studio und Spielerschaft, enorme Belastung für die Entwickler durch massiven Crunch sowie Todesdrohungen gegen die Macher. Obwohl all dies es wert wäre, näher behandelt zu werden, ist dies nicht der Zeitpunkt, an dem wir das tun wollen. Stattdessen soll es wieder zurück zum eigentlichen Thema gehen, einem beunruhigenden Trend der letzten Jahre.

Erst veröffentlichen und dann fertig patchen

Hierbei meinen wir, dass in der jüngeren Vergangenheit vermehrt große Game-Produktionen in einem mehr als unschönen technischen Zustand auf den Markt geschmissen wurden. „Cyberpunk 2077“ bildet hierbei lediglich die Spitze des Eisbergs, denn bereits zuvor enttäuschten andere große Titel wie „Fallout 76“, „Mass Effect Andromeda“, „Anthem“ oder auch „Assassin’s Creed Valhalla“. Es kam immer mehr in Mode, große Spiele in einer offensichtlich unfertigen Version zu veröffentlichen, um das Spiel anschließend, nachdem Spieler bereits 60 oder 70 Euro bezahlt hatten, mittels Patches fertigzustellen.

CD Projekt Red hat ebenfalls eine gewisse Vorgeschichte mit verbuggten Spielen, schließlich befand sich zum Launch auch „The Witcher 3“ damals keinesfalls in einem technisch einwandfreien Zustand. So schlimm wie in einigen anderen Fällen oder beim jüngsten Werk der Macher war es jedoch nicht. Dabei wollen wir die Schuld für diese Veröffentlichungen auch nicht den Entwicklern zuschieben, die unter teils enormen Anstrengungen und heftigem Crunch versucht haben, das bestmögliche Produkt für uns Spieler zu erschaffen. Viel mehr liegt die Verantwortung für solche Releases bei den Geschäftsführern der Studios, die in den zuvor erwähnten Fällen gewusst haben müssen, dass die Spiele damals noch nicht bereit für ihren Release waren.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei immer wieder der Umgang mit den Spielern, die Kommunikation zwischen den Machern und uns wartenden Fans. Es geht hierbei vor allem um das Spiel mit unseren Erwartungen, also der Generierung eines gewissen Hypes. Dass Entwickler und Publisher genau auf diesen abzielen, ist nicht verwerflich, sondern nachvollziehbar, schließlich gibt es durchaus gute Gründe, weshalb möglichst früh ein großer Hype generiert werden sollte. Dies fordert natürlich vor allem die zuständigen PR-Teams und es spricht im Falle von „Cyberpunk 2077“ definitiv für die Marketing-Abteilung, über 8 Millionen Vorbestellungen generiert zu haben.

Doch natürlich kommen noch weitere Facetten hinzu, beispielsweise die Vertrautheit der Spieler mit der bisherigen Arbeit eines Entwicklerteams oder einer besonderen Marke. Allein aus diesen Gründen genießen große AAA-Produktionen wie „Assassin’s Creed“, „Cyberpunk 2077“ oder ein „Marvel’s Spider-Man“ einen nicht unerheblichen Vertrauensbonus vonseiten der Fans. Umso schwerer wiegt es dann, wenn der zuvor geschürte Hype in solchen Fällen, etwa damals bei „Mass Effect Andromeda“, nicht erfüllt werden kann. In seinem Kern war es immer noch ein gutes Action-RPG, doch in ihrer Summe machten die vielen kleinen Fehler es zahlreichen Spielern madig.

Große Studios müssen Vertrauen der Spieler zurückgewinnen

Natürlich gab es in den letzten Jahren auch immer wieder einige Positivbeispiele, die wir an dieser Stelle nicht unter den Tisch fallen lassen wollen. Nach einem massiven Shitstorm wegen vieler nicht eingehaltener Versprechen meldeten sich die Verantwortlichen Entwickler von „No Man’s Sky“ für eine lange Zeit nicht zu Wort. Stattdessen ließen sie Taten folgen in Form von diversen kostenfreien DLCs und umfassenden Patches, die das Spiel näher an die Vision heranbrachten, die den Spielern vorab versprochen worden war. Auch Square Enix‘ Online-RPG „Final Fantasy XIV“ wurde nach einem für die Serie desolaten Launch massiv überarbeitet und konnte so das Vertrauen vieler Spieler zurückgewinnen. Projekte, an denen sich mehr Studios ein Beispiel nehmen sollten.

Schauen wir uns alle Entwicklungen rund um den Launch von „Cyberpunk 2077“ an, dann ist es vielen Last-Gen-Spielern deshalb nicht zu verübeln, dass sie sich vielleicht sogar von den Machern betrogen fühlen. Das zuvor enge Vertrauensverhältnis zwischen CDPR hat schließlich Risse abbekommen, die nicht allzu schnell verheilen dürften. Dass Sony sich letztendlich gar dazu gezwungen sah, die Notbremse zu ziehen und das RPG aus dem PlayStation Store zu entfernen, spricht Bände. Das Spiel ist somit tatsächlich bereits in die jüngere Videospielgeschichte eingezogen, doch vermutlich nicht so, wie es sich viele Spieler und die selbst Entwickler gewünscht hatten.

Positiv ist, dass sich CD Projekt Red der Situation bewusst ist und bereits betonte, die Kosten für das Patchen des Titels seien absolut „irrelevant“ für das Unternehmen. Bereits in der Vergangenheit unterstützte das Studio seine Spiele über längere Zeiträume hinweg, um diese beständig zu verbessern. Auch dies macht Hoffnung, dass die technischen Mängel beseitigt werden können, damit das in seinem Kern gute Spiel besser zur Geltung kommen kann. Allerdings zeigt es auch auf eindrucksvolle Weise, was bereits seit längerer Zeit in der Branche falsch läuft, denn Spiele sollten nicht erst nach ihrem Release fertiggestellt werden und viele große Entwickler und Publisher müssen beweisen, dass sie das Vertrauen ihrer Fans und Kunden zurückerlangen wollen.

Jetzt seid ihr dran: Was ist eure Meinung zu dieser Entwicklung, dass viele große Spiele erst nach ihrem Release mit Patches fertiggestellt werden?

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